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Das Bamland,
4891. 3870.
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Königsberg,
Kommifionspering von Beruf. Teicherk,
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Drau von Emil Ranfenberg.
Der
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Im HAuffrane
des
Adolf Boerfficken,
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Die
Bau- und Kunffvenkmäler
der
Prouimg Pltlpreußen.
Im Auftrage
de&
Bfipreußilihen Pronügial-Tandtanes
bearbeitet
von
Adolf Boerftticker.
Beftl. Das Samlamd,
Königsberg.
Kommilfionsverlag von Bernd. Teichert,
Prurk von Emil Raufenberg.
1891.
Die
Bau- und Kunftvenkmäler
DE
Aamlandes,
Mit zahlerichen Abbildungen.
Wappen von Samland.
Königsberg.
Rommilfionsverlag von Bernh. Teicherf.
Prudt von Emil Raufenberg.
1891.
OD: Örtlichkeit if das von einer
längft vergangenen Benebenpeit
übrig gebliebene Stick Wirklichkeit.
Gr. Moltke
Feldmarfchall.
Abkirnmgen,
l.B. = Acta Boruffica.
[.M. = Altpreufiiche Monatsichrift.
RP. = Ultertumsgejelichaft Prufjia in Königs-
berg.
Ed. ®. — Coder diplomaticus Warmienjie.
D.D. — Deutjcher Orden.
ed. = evangelifch.
Sieje, Z.U.P. — Giefe, Bleiftiftzeichnungen in der
Altertumsgejellichait Bıuffia.
Harnod, E. u.&. — Harnod), Chronik und Statijtif
der evangelifchen Kirchen in den Provinzen
Djt- md Wejtpreußen 1890.
Hm. = Hochmeijter.
KR = Königliches Kupferjtich- Habinet in
Königsberg.
kath. = fatholiich.
Kipl= Kirchipiel.
Ktl. = Luftlinie,
Lob, K.T.D.
lands.
N.B.B.B. = Neue Breufiiche Bıovinzial-Bläiter.
D. 3. = Ovdengzeit.
PM. = Prufjia-Mufeum in Königsberg.
PM. K. = PReufjia-Mujeums-fatalog.
Patr. = RBatronat.
Bir. = Pfarrer.
PB. PB. — Preupifche Provinzial-Blätter.
Prod. M. = Provinzial-Mujeum in Königsberg.
©.».MW.%. = ESikungsberichte der Altertums-
gejellichajt Brufjia.
©.d.p. 5. &. — Sigiungsberichte der Pphyfikaliich-
öfonomijchen Gejellichaft in Königsberg.
S©.r.®. = EScriptores verum Prufficarum.
&.r. VB. = Ecriptores rerum Warmienfium.
St. = Sankt.
Voigt, Ed.P. = Voigt, Codex diplomaticus Prufficus.
— %oß, KHunit-Topographie Deutjch-
ar
Einleitung
Das Samland
Das Samlamd,
Seite
Die eigenen Rirdhlpiele in alphabetir Fe
Reihenfolge:
Ara mit Waldau und Sungferndorf . . . 19
Borchersdorf ED re N 27
Caymen . 28
Eranz mit Sarfau 32
Eumehnen 33
Sichhauien . 40
Germau . . 7
Hafejtrom 51
Heiligenwalde 52
Juditten . 54
Kreuß, Heiligen- 59
Labiau ö 60
Zaptau 66
Raukifchken 69
Legitten . 69
Lichtenhagen 70
Lochitedt . 73
Löwenhagen
Lorenz, Sanct-
Ludiwigswalde
Mahngfeld
Medenau .
Neuhaujen .
DOttenhagen
Billau
Pillau, Alt
Pobethen .
Rojtniden .
PBomwimden .
Quednau
Nojjitten
Nudau .
Schafen
Schönwalde
Seligenfeld
Steinbec mit ende
Tentitten
Tierenberg .
Wargen
Einleitung.
ährend der Wejten Deutjchlands auf eine reiche Entwicelung feiner Kunft
= zuwicblieen darf, die bei ihm im eigentlich nationalen Sinne bereits im
IX. Jahrhundert umter den Karolingern anhebt, kann der Djften in diefem Sinne exit
mit der zweiten Hälfte des XIIL ISahrhunderts beginnen.
I den öftlichen Landftrichen ift jeder Gedanke an die romanische Kunft und ihre
Übergangsperiode zur gotischen ausgejchloffen. Dftlich der Weichjel beginnt die Kunft
erjt mit der frühgotifchen Zeit und jeßt jich in Oftpreußen mit Werfen meift des
XIV. 3. fort. Was vordem an Kumftgegenftänden in der heidnifchen Zeit beitand
und jich erhalten hat, ift meift aus dem Süden, aus Italien, jelbft aus Griechenland
importierte Ware und gehört eigentlich jenen Ländern an.
Indem von dem Provinzial-Landtage Dftpreugens die danfenswerte Aufgabe
gejtellt ward, über den Gefamtbeitand an Bau- und Kumftdenkfmälern ein Inventarium
auszuarbeiten, wurde diefe Aufgabe zugleich bejchränft, indem Bergan’s bekanntes In-
ventar dey Mark Brandenburg zum Miufter gejeßt wurde. Diejes Inventar ift zwar
mit großem Gefchiet aufgeftellt, aber man fann fich doch nicht verhehlen, daß cs in
manchen Teilen ziemlich dürftig ausgefallen ift. Wir find ihm in Kürze des Ausdruds
gefolgt, glauben ihm aber in der Ausführlichkeit überlegen zu fein.
In dem vorliegenden erjten Hefte, dem Inventar von Samland, folgen wir
für die vorgefchichtliche Zeit, wo uns eigene Forjchungen abgehen, dem trefflichen Kata-
loge des Pruffia-Mufeums von Profeffor Dr. Bujad 1884/89, dem verftorbenen Leiter
der Mltertumsgejellichaft Pruffia ®. m. 8.) (r 1891), und deren Sibungsberichten
(5.9. P.), jowie den Arbeiten der phyfifalifch- ökonomischen Gefelljchaft, welcher bis vor
furzem Dr. Tifchler angehörte. (©. d.p.5.®.) + 1891.
AS auferordentlich wertvoll müfjen wir e3 bezeichnen, daß die Altertumsgefell-
Ichaft Pruffia uns die Giefe’fchen Driginal-Bleiftiftzeichnungen der „Srumdrifje der
Burgen und mit Mauern befeftigten Städte in Preußen aus der Zeit des Deutjchen
Ordens“ von 1826— 1828 zu veröffentlichen erlaubte, jo viel wir davon nötig erachteten.
1
2 Einleitung.
Gieje, ein preußischer Lieutenant, durchzog in gedachten Jahren ganz Oft und
Wejtpreußen, um fich mit den fortififatorischen Anlagen des Deutjchen Ordens bekannt
zu machen. Er hatte eine offene Order und c8 durfte feinen Forjchungen nichts in
den Weg gelegt werden. Er war aljo der erjte Inventarifator Preufens umd hat mit
äuperjter Sorgfalt auf mehr als fünfhundert Keinen Blättchen feine Wahrnehmungen
in wahrhaft genialer Weife dargeitellt.
Das zweite Mal wurde die Inventarifation unver Provinz 1854—1857 durch
den damaligen Sultusminijter angeregt. Ein acht Bogenfeiten jtarfer, jehr eingehender
und zuperläffiger Fragebogen wurde an die Herren Geiftlichen ausgegeben, aber, wie
e8 in der Natur der Sache liegt, von denjelben mit wenigen Ausnahmen ohne alles
fünftlerifche Verjtändnig beantwortet. Durch die große Güte des verfloffenen Herrn
Kultusminister Excellenz wurden ums die Akten mehrerer Kreife zugefandt, die der
verjtorbene treffliche Bajtor Otte (F 1890) jchon ausgezogen hatte, ohne die Bauten
jelbjt zu jehen.!)
Diefe Fragebogenbeantwortungen haben wir bei Befichtigung der betreffenden
Bauten jo unzuverläßlich gefunden, dag wir auf die weiteren Akten verzichten zu
müfjen glaubten.
Die 1880 von dem Landesdirektor Heren von Saucen-Tarputjchen ausgejandten
Fragebogen find von der Hand des Profejjors Bergau bearbeitet.)
Für die Gejchichte Samlands ift uns Dr. Gebauer’s Kunde des Samlands,
Königsberg 1835, vielfach von NuGen gevejen, wenn auch manches darin in neuerer
get überholt ift. Von Interefje find auch v. Tettau und Temme, die Volksfagen
Dftpreußens u. j. iw., Berlin 1837, und Reufch, Aberglaube im preußischen Samlande,
Königsberg 1836, gewejen. Dann natürlich die Neuen Preugifchen Provinzial-Blätter
und deren Fortjegung in der Altpreufifchen Monatsschrift. Aus Goldbed’s Topo-
graphie von Djtpreußen, die zwilchen 1782 und 1789 erjchienen ift, haben wir die
DOrtsbejtimmungen entlehnt, joweit fie nicht feitdem geändert find.
Die Tafeln find nach eigenen photographijchen Aufnahmen von Albert Frisch in
Berlin Hergejtellt; die Zinfägung nach den eigenen Photographien und nach Zeichnungen
des Architekten Heitmann übernahm Heine. Riffarth in Berlin.
Für die Äußere Form der Bearbeitung ift 8 zwechmäßig erjchienen, die jegigen
Landichaften, Sanland, Natangen, Ermland u. |. w., zu Grunde zu legen, innerhalb
derer die einzelnen Orxtjchaften in alphabetijcher Reihenfolge exjcheinen.
Erläuterungen gejchichtlicher und topographifcher Natur find in den einzelnen
Landjchaften, jowie bei den einzelnen Orten einleitungsweife in möglichft gedrängter
Form gegeben, denen zum Schluffe eine Gefchichte Oftpreufens in kunfthiftorifchem
') von WBujjow, Die Eraltung der Denkmäler in den KHulturftaaten der Gegenwart. Berlin
1885. I 46.
2) von Wujjow, a. a. DO, II 164,
Einfeitung. 3
Sinme folgen foll. In verwandten Sinne verdienen auch die im Volke fortlebenden,
auf SKunftdenfmäler bezüglichen Sagen und Legenden Bedeutung.
Die Inventarifierung at fich auf folgenden Umfang des Gegenjtändlichen erftredt:
Gräber der Vorfahren und Grabfunde,
Burgen und Burgwälle,
Denkmäler von der gotijchen Stilepoche durch die Nenaiffance einjchlichlich
des Barods und Nococos bis zum Beginn der Eaffizierenden Reaction.
Angaben nicht mehr vorhandener Denkmäler.
Literatur über die Kumftdenkmäler und kunftarchäologijche Karte von Dft-
preupen.
Angeführt find alle Schriften über den jedesmaligen Ort, deren wir bhabhaft
iwerden konnten, weil Tich auch aus dem geringiwertigen Materiale ein Körnchen Weisheit
herauslejen läßt; von Polemijieren gegen Andersdentende konnte natürlich nicht die
Rede fein. Wir geben unfren Stoff mit dem Gieje’schen Wort: '
„Unvollendet Material zum Weiterarheiten.“
1*
Das Bamlamd.
as heutige Samland, terra Sambiensis
Alttief) 550 20° (Billtop
390 23° (Baringen) öftl. Länge
und 4 bis 5 Meilen breit,
, ztwifchen 54% 30° (f. w. von
pen) nördl, Breite und 370 20° (f. w. von Alttief)
d. Ferro gelegen, ift ungefähr 15 Meilen lang
Es umfaßt 3197,4 | ]km (Stadtkr. Königsberg 20,42;
Karte von Samland. Ri
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Abb, 3. Karte von Samland.
Landfr. Königsberg 1052,07; Str. Siüchhanfen 1061,36; Kr. Labiau 1063,55 [_]km)
umd joll nach Simon Grumau jeinen Namen vom fabelhaften Könige Samo, Widewuts
Sohne, haben.
6 Das Samland.
Über feine älteften Namen (Naunonia, Abalus, Bafilia, Oferieta) ift viel gefabelt
worden. Zu des Normannen Wulfftans Zeit, um das Ende des IX. Ih., hieß es
Witland, jeine Südjpise (von Fiichhaufen bis Pillau) Witlandsort.!) Sein Name
Samland hängt wahrjcheinlich mit lit. „szeme* „die Erde“ zufammen. Hiernach
wären die Samen, latinifiert Sambitae, gleichbedeutend mit den Sambiten, Samiten
oder Sameiten. Dies und die Thatjache, dag der Deutjche Orden die Sudauer nach
Samland verjegte, macht 3 wahrfcheinlich, das Samland mit Schalauen und Nadranen
einen Teil von Unter-Litauen oder Szameiten ausmachte (2. Weber).
Nach Andren fommt der Name von lit. „emju* „ich jchöpfe* her, das Land
der Bernjteinjchöpfer. (PBierjon.)
Es umfaßt jet die eben genannten Kreife, von denen wir nur den Stadtkreis
Königsberg ausschließen, den wir al3 befonders reichhaltig für jich allein behandeln
wollen. In früherer Zeit machte der Pregel feine Grenze im ©. und e3 begriff noch
einen Teil des Wehlauer Sreifes, ja das Bistum Samland reichte weit nach Litauen
hinein, umd dev Bifchof befa einen eigenen Anteil um Georgenburg an der Anjter.
E83 bejteht aus dem aufgejchwemmten Boden eines vor Alters hier fluthenden
Meeres, teil3 Diluvial- teils Alluvialland.
Die Höhenzüge finden ihren Mittelpunkt in dem Galtgarben (110 m ü. M.).
Von bier erjtreckt jich nach N. die Alk; nach W. geht ein Höhenzug bi8 zum Großen
Haufjenberge (89 m), nach ©. bi8 über den Seeberg bei Medenau hinaus.
Die Kite der Dftfee flacht fich von Brüfterort (oberer Nand vom Steinbau
d8 Leuchtturms 58,4 m u. ÜÜN) im N.W. nach ©. bis Pillau und nach D. bis
Cranz und zur furifchen Nehrung ab.
Samland wird im ©. vom frifchen Haff, in heidnifcher Zeit Mary genannt ?),
begrenzt. Das frische Haff hieß; erft das „preußifche*. Im N. und W. macht die
Dftjee (apr. Iuriai genannt), im N. das furifche Haff feine Grenze, welches vormals
die Nusna hieß umd feinen jegigen Namen evt von der Erwerbung Memels durch
den Deutjchen Drden, welches damals in Kurland lag, erhielt.?)
Das frifche Haff bildet jegt durch die entjtandene Nehrung einen Binnenfee,
der ich von N. D. nad) ©. W. zieht, und ift durch das Seegatt*) bei Pillau mit der
DOftjee verbunden. Nach alten Nachrichten bejtand in früheren Zeiten das Haff aus
zwei Teilen, aus dem Königsberger und Elbinger Haff. Das frische Haff war
im 3.1589 von der Ausmündung des Pregels dis am fein firdweitliches Ende dreizehn
Meilen lang und im Durchfchnitt andertgalb Meilen breit. Ieht ift dasjelbe mır noch
elf Meilen lang und die Verlandung geht immer weiter vor ich.
Die frische Nehrung) verdankt ihre Entjtehung dem durch die Strandftrömungen
mitgeführten und gelagerten Sande. Sie bildete fich als ein Erd» oder Sanditreifen
auf einem fejten Lehmgrunde zwijchen den beiden Strömungen, der Strand- oder
Ufer-Strömung und der Strömung der vereinigten Gewäller.
1) Banzer in U, M. 1839 259 ff.
2) Neumann, V. B. P. B. VI 1854 416,
»), Sedes Haft wird in den Urkunden mare recens genannt, jowohl das Stettiner wie das
furische und friiche; vgl. ©. vr. PB. I 631. 632, II 710. III 503.
4) Die Benennung „Seegatt” kommt aus der niederländiichen Sprache her: Gatt, Gate bedeutet
eine enge Straße.
5, Nehrung kommt her vom janfe, nära, Wafjer, „Das Tauchland”. Friichbier, Preuf. Wörterbuch.
Das Samland. 7
Die frische Nehrung hieß früher die Nehrung, welche jich gegen Danzig hin
erjtredtt. (Url. von 1322 und 1366.) Die Wafjerjtragen, welche Haff und Meer
verbanden, nannte man vom XIII. bis zum XV. St, Balgen, jpäter Tiefe,
Das ältefte Tief, wo Wulfftan ducchfuhr, lag nördl. von Elbing bei dem Dorfe
Bodemvinkel. Im XI. IH. lag ein Tief nördl, von Alttief, Balga gegenüber, welches
lange Zeit für die Schifffahrt bemugt wurde Das „neue Tief“ wird zwar 1376
zum erjten Mal erwähnt, doch wird 8 wieder zugedämmt. Im 8. 1497 exjt wird durch
einen Sturm, voransfichtlich in der Nähe des „neuen Tiefs“, die See durch die
Nehrung getrieben und es entiteht jo das „Tief bei Wogram“, das heutige Billauer Tief.
Daß bei Lochitedt niemals ein Tief gelegen habe, jondern daf dasjelbe num eine
Erfindung Simon Grumaus (XVI. Ih.) jei, Hat Panzer mehr als wahrjcheinlich
gemacht.t)
Dah eine wejentliche Veränderung der Gejtaltung der Landfchaft durch das
VBordringen des frijchen Haffes, und zwar in gejchichtlicher Zeit bewirkt worden, ift
nur eine Hypothefe von Voigt. (Beiträge zur Munde Preufens. V 375 f) Nach ihm wäre
die tiefe Bucht bei Fifchhaufen nicht vorhanden gewejen, jondern bewohntes Land mit
Dörfern, Hcern und Wiejen hätte fich dis Brandenburg und Balga hin erftreckt.
Dieje Hypotheje hat Toeppen M.P.P.B. 1850 X 177 f) mit Necht zurücgewiefen.
In das frische Haff mündet der Pregel, der im Neg.-Bez. Gumbinnen aus der
Pilje, Angerapp umd Infter entjteht umd von Ssnjterburg aus jehiffbar it. Der
Pregel hieh nach Plinius Hit. natur. 4 $ 100 wahrjcheinlich Guthalus (Panzer a. a. D.).
In der Zeit des D.D. hie er zuerit Skara, dann Lipza (1243); der Pregel, vor
mals Pregora, führt wahrjcheinlich feinen Namen von prie gora „unter dem Berge“,
worauf Georgenburg und Nettinen liegt.?2) Einer von Sim. Gruman erfundenen
Sage nach führte der Pregel feinen Namen von PBergolla, der Tochter des Samy '
(Widewuts Sohn), die in ihm ertranf.
Den andren Binmenjee bildet das ‚Eurifche Haff, das in alter Zeit Mimmel
(daher Flug und Stadt Memel) oder die Rusna (daher der Flußname Ruf) genannt
wurde, jeinen jegigen Namen aber von feinen Anwohnern, den Kuren, erhielt (Groß-,
Heinz, Neu, CranzeKuven). Das turifche Haft ijt ein längliches Dreiedt mit einer
Ausbuchtung in feiner öftlichen Mitte, dejjen fürzefte Seite das Samland auf eine
Strede von fünf Meilen bejpült. Es dient den Semwäljern des Memel- oder
Niemen-Flufjes duch feine beiden Arme Ruf und Silge, desgleichen der Minge
und Dange und einigen andren Eleinen Slüfjen als Sammelbeden. Bei Memel durch
die Nehrung auf ungefähr 400 m Breite verengt, bildet es hier das Seegatt. Diefes
Haff hat vormals aus zwei Teilen bejtanden: das öjtliche Ufer bildet eine bedeutende
Bucht, deren nördliches Ufer in einen Vorjprung, die Windenburger Ed, ausläuft.
Wejtlich wird das Haff von der Furifchen Nehrung eingefchloffen. Sie beginnt
. bei Cranz und erreicht nach ungefähr dreizehn Meilen Memel. Hinter Cranz beginnt
der Sarfauer Wald und veicht anderthalb Meilen weit bis zu dem Sischerdorfe
Sarfau. Hinter diefem Dorfe Hört der Pilanzemwuchs fajt auf: eine öde, flache
Sandwürte breitet ji) aus; Hin und wieder erheben jich Kleine Hügel mit dinnen
Sandgrafe benarbt, fein Baum oder Strauch gewährt Schuß. So finden wir e3 fajt
') Banzer, A. M. 1889 259—295.
°) Dftermayer, Gedanken von den alten Bewohnern Preujens, Worrede S, 17.
8 Das Samland.
eine Meile lang, bis plölich das flache Land Jich zu einer Kette von Diinen erhebt,
die bis zu 34m anfteigen, die weißen Berge. Weniger zufammenhängend find die
Berge bei dem mythiichen Stangenwalde (43 m) und Lattenwalde Dieje bergige
Einöde reicht zunächit bi3 Noffitten, drei Meilen von Sarkau. Das zwijchen beiden
gelegene Dorf Kumzen ift ebenfo wie Stangenwalde und Lattenwalde vom Sande
bedeckt. Die Kirche des Dorfes Kunzen wınde nach Nojfitten verjebt.
Hinter Noffitten beginnt die Scenerie großartig zu werden: nackte Hügelreihen
ziehen jich über Alt- und Neu-Billkoppen bis nach Nidden hin, wo Samlands Grenze
it. (Rafjarge, Aus baltischen Landen. Slogau 1878. Schumann, Der Strand zwifchen Roffitten
und Sartau, N. P.P.B. 1860.) Diefe Diinenbildung ift uns 1876 in ähnlicher Weife nur
noch Wwetlich von Samifon, in der Peloponnejos, am flachen ionischen Meeritrande
begegnet, wo die Dünen einen ganzen Wald von pinus maritima allmählich mit ihrem
Sande bededten.
Auf der Eurischen Nehrung zog fich die alte Landftrage Hin, die in der Heidenzeit
Ihon bemußt wınde und nach Livland führte. Sie wird fchon 1299 erwähnt! ) umd
bejtand noch bis zur Fertigftellung der Königsberg — Tilfiter stunftitraße in diejem
Sahrhundert.
sn das Furifche Haff ergieht fich die Deime (Deine), in der Vorzeit Laba
genannt. Sie entjpringt im Baumwalde. Bon dem Bonverfe Schmerberg bis
Tapiau it fie durch einen Kanal, dev die neue Deine hie, mit dem Pregel vereinigt
und führt ungefähr ein Dritteil jeines Waffers nach dem Furifchen Haff ab. Wann
diejer Kanal gegraben, ijt nicht zu bejtimmen; es ift aber wahrjcheinlich, da er bald
nach Erbauung Königsbergs angelegt ift, um den Handel mit Bolen zu befördern.
Erweitert wide der Deimefanal 1395 durch den Hm. Koncad von Sungingen. Im
8. 1415 wurde die Deime durch vier Schleufen (Tapian, KL. und Gr. Schleufe, Yabiau)
der Schiffahrt zugänglich. Eine größere Sicherheit gewann die durch jie vermittelte
litauifche Handelsftrage dadurch, daß in den Bahren 1689—1697 der große umd
Heine Friedrichsgraben die Kanalverbindung der Deime mit der Ruß umd dem
Memeljtrom bewirkten.
Ktinftliche Wafferleitungen find der Land- und Wirrgraben, welche der Stadt
Königsberg zum Teil das erforderliche Waffer zuführen. Der Landgraben, 1384
angelegt (N. P. P. ®. 1855 190), welcher aus elf verjchiedenen Sammelteichen, früheren,
duch einen Damm aufgeftauten Ihälern, jein Waffer erhält, hat exit von Wargen ab
jeinen Namen, von two derjelbe 3 bis 4 m breit, 15 km lang in janfter Abdachung
nach dem durch eine Abdämmung hergejtellten Oberteiche flieht, durch diejen den
Schlofteich befpeift und mehrere Mühlen in Königsberg treibt.
Der Wirrgraben hat feinen Anfang öftlich von dem des Landgrabens, wird aus
‚nem verjchiedenen Teichen gefpeift und erhält von Danımhof ab feinen Namen, von
wo er — im ganzen 9 km lang — ebenfalls in den Oberteich flicht.
Schon zu den Zeiten des Ordens find zu diefen Wafferleitungen die Anfänge
gemacht; zu herzoglicher Zeit wurden fie weiter ausgebildet.
Die Bevölkerung der Landjchaft ift im Verhältnig zu dem Slächeninhalte dünn
zu nennen. Die Einwohner von Samland haben jich aus der älteften uns befannten
gotischen Bevölkerung mit einer eingewanderten, den nordöftlich amvohnenden Litauen
*) Negejte No. 1214 nad) Weber.
Das Samland, 9
näher verwandten Wölterfchaft, den Pruzzen, gemischt. Dann kam im XII. Sb. der
Deutjche Orden in das Pruzzenland, und in Folge deifen wanderten viele Deutsche
ein. Die Schicjale Samlands werden wir Jpäter, in der allgemeinen Gejchichte
Oftpreußens, zu betrachten Gelegenheit haben. Die Sprache der Bruzzen, welche bis
ins XVI 3. fortbeftand, it untergegangen umd mur noch in wenigen Bruchftiicken
vorhanden (Enchiridion von Abel Will. Mit dem Aussterben der Sprache ging ihre
bejondere Volfstiimlichkeit verloren und deutjche Bildung durchdrang allmählich das Volt.
3m 3.1322 teilte der D. D. das Samland zwwifchen fich und dem Biichofe von
Samland, nachdem eine Teilung vom 3. 1258 ohne Wirkung geblieben war. Diejes
Noiwie das Gebiet jenfeit der Deime] wırde in zwei Hälften gejchieden, die fich in
einer Linie ausdrücen lafjen, welche ungefähr von der N. DO. Ecke des frischen Haffs
bis an die ©. W. Edte des furifchen Haffs geht. Die öftliche Hälfte hiervon teilte der
D.D. in drei Teile, von denen der erite durch die Gebiete von Quednau, Laptaı umd
Powunden bezeichnet wird. Diefes Land, als das vor den von Djften her andringenden
Feinden am meijten gejchüßte, wählte der Bifchof, während dem Drden die beiden
andren, Öjtlicher gelegenen Teile zufielen. — Die weitliche Hälfte wınde ebenfalls in
drei Teile gejchieden, von denen der Bifchof den mittleren wählte, die heutigen Kirchjpiele
Sichhaufen, Medenau, Tierenberg und Eumebnen (Nina), vielleicht auch noch einen
Teil des heutigen Nicchipiels Heilig-Kreuß. Hier handelte cS ich darum, verjchiedene
Vorteile, als die Meer- und Hafffiicherei, den Bernjteingewinn und mehr, einzuteilen.
Der Bregel machte in der Drdenszeit die Grenze zwifchen dem dem jamländifchen
Bijchofe unterjtellten Samlande und Natangen, welches dem ermländifchen Bijchof
zugeteilt war. Hier fand die Teilung zwijchen Deden md Bijchof Anjelm 1254
jtatt. Da wir das jegige Samland behandeln, aljo den Pregel überjchreiten, jo
werden wir die Urkunden diefer Ortfehaften in dem Codex diplomatieus Warmiensis
zu juchen haben.
Das Bistum Samland erhielt fich genau in dem Umfange, der im 1243 durch
Wilhelm von Modena gegeben war, bis nach 1750, wenn auch nicht als Bistum, jo
doch als jamländijcher Kreis, wie die Lotterfche Karte von Preußen von 1750 ausiveilt.
Der Deutsche Orden fonnte in den jechziger Jahren des XII. Dh. feine ganze
straft an die Unterwerfung der Samen jegen umd ift darin auch nicht durch die andren
preußijchen Stämme gejtört worden, Die Unterwerfung Samlands hat mindejtens
fünf Jahre in Anfpruch genommen, wie dies daraus hervorgeht, daf die Burg Lochitedt,
deren Anlage jchon 1264 geplant war, erit 1270 erbaut werden konnte. Der Bijchof
von Samland erbaute im 3. 1268 die Bırg Schonewit (Sichhaufen). Die völlige
Untenwerfung wurde durch wiederholte Aufftände der Samen verzögert.
Samland zerfiel zur Zeit der Ordensherrfchaft, wie oben fchon gejagt, in den
Drdens= ımd den bijchöflichen Anteil, Hiervon ift ums die oben erwähnte Urkunde
von 1255 erhalten (Voigt, Cod. dipl. Pr. I Nr. 116), Sie ijt vor allen wichtig, weil wir
daraus die ältejten Namen der DOrtjchaften des Samlandes Fennen lernen; ungefähr
die Hälfte davon ift untergegangen, doch Fan man bei den meiften die Gegend erjehen,
wo jie lagen. Wem daran gelegen, die deutjche Überfegunng der heutigen preufifchen
Ortjchaften zu erfahren, findet in der Altpreuf;. Monatsihrift 1881 für Sr. Filchhaufen und
Landkreis Königsberg einigermaßen Ausbeute,
10 Das Samland.
Die Verwaltung gefchah in beiden Anteilen auf gleiche Weile: die oberjte
Leitung war einem VBogte übertragen, unter dem die einzelnen Kämmerer und Pfleger
ftanden. SI jpäterer Zeit zog der Hochmeifter die Stelle des Vogts ein und ver-
einigte fie mit dem Amte eines Komturs von Königsberg.
Unter dem Orden ftanden die Kammerämter Pobethen, Nudau, Grünbof,
German, Wargen, Hapoın, Waldau, Kaimen, Eremitten, Tapiau und die Pflegerämter
Lochitedt und Schafen. Der bijchöfliche Anteil hatte als Verwaltungsbezivke die Vogtei
Fiichhaufen (Schonewif) und die Kammerämter Mevdenau, Tierenberg, Laptau und
Borwunden.
Nachdem Albrecht von Brandenburg im 3. 1525 die Wiirde des Hochmeiters
gegen den Herzogstitel vertaufcht Hatte, der Deutjche Orden in Preußen aufgelöft umd
Oftprengen, mit Nusnahme von Exrmland, evangelifch geworden war, blieb diejelbe
duch die Lage gebotene Einteilung. Man erweiterte aber Samland auf alle Gebiete
nördlich vom PBregel in dem alten Nadrauen und Schalauen bis an die Grenze von
Samaiten, mithin auch die Wildniffe oder die damals unbebauten, waldreichen
Gegenden des preufifchen Litauens. Die Vogtei Fiichhaufen und die Ämter Schafen
und Tapiaı wurden zu Hauptämtern erhoben, aus deren Inhabern (mebjt Branden-
burg) die vier Negiments- oder Oberräte bejtanden, welche an die Stelle der
Grongebietiger des Ordens traten umd die bis 1803 bejtanden haben, wo das Ctats-
minifterium von Preußen fie ablöfte. Ihr Titel bejteht noch in den betreffenden
Hofämtern. Nuherdem wırden in Samland Neuhaufen, Labian, Infterburg, Nagnit,
Tilfit und Memel Hauptämter.
In kirchlicher Beziehung bildete Samland einen Bijchofsiprengel. Die jetige
Einteilung in Parochien beruht auf der von Herzog Albrecht im I. 1531 gemachten,
jo daß feitdem nur geringe Veränderungen durch Abzweigung einzelner Ortjchaften
vorgefommen find. Neue Parorhien (Kirchipiele) entjtanden in PBillau, Alt-Pillau
und Cranz.
Die Superintendentur-Bezieke jtimmen jet im allgemeinen mit den landrätlichen
Streifen (feit 1818) überein.
Als um das Sahr 1230 die Befiedelung des Oftens Jich vollzog, war 8 vor
allem wichtig, dab der Deutjche Orden ejte Pläge errichtete, jowohl zur Sicherung
de3 eroberten Gebietes als zu größerer Machtentfaltung gegenüber feinen früheren
Bewohnern. Es entjtanden daher eine überaus bedeutende Anzahl von Burgen,
befonders im Eulmer Land, dann in Pomejanien und Pogefanten; im GErmland die
Bırg Balga, Braunsberg und Heilsberg; in Natangen Streugburg und Bartenftein;
in Barten Waiftotepil, Wiefendburg und Nöffel; im Samland Königsberg; in Nadrauen
Wehlan; dann die Georgenburg an der Memel und die zu Kurland gehörige Memelburg.
Außerdem wurden während des Krieges noch errichtet: Starkenburg, Spittenberg, in
Natangen Brandenburg, im Samland Fiihhaufen und Lochitedt, Labiau und Tapiaı. —
Außer diefen war noch für zahlreiche Fliehburgen für die Bewohner des freien Landes
geforgt, wie z. B. Galtgarben, der große und fleine Haufen, Plinfen, die Flichburgen
im Deimethal u. |. w.
Diefe Burgen waren zumächt nur Wallburgen, d. h. jie bejtanden aus einem
duch Palifaden gejchügten Wall, Graben und einem inneren Spitwall, der als
Das Samland. lat
Zufluchtsort diente; auch das Plateau diefes Spitwalles war am Rande mit einer
Balifadierung verjehen umd innerhalb derjelben ein hölzerner Turm oder ein. Blodhaus
errichtet. Much um diefeg KHermwerf der ganzen Befeftigung z09 fich ein Graben, der
allerdings zumeift nur der Arbeitserjparnii; wegen angelegt wurde.
Diejes Neduit war der Hanptunterfchied zwifchen den Wallburgen des Ordens
und den feltenev erhaltenen heidnifchen Pruzzenburgen; lehtere hatten durch die fie
umgebende hohe Erdbruftiwehr eine gewilfe Üynlichkeit mit Keffeln; mit Vorliebe
errichteten die Pruzzen ihre Burgen auf fteil abfallenden Anhöhen, oder fie wählten
fich dafiiv ein jumpfiges Terrain, dem fie durch Erdauffchittungen einen fejten Pla
für ihre Burg abgewannen.
Solcher Burgen liegen noch eine Mafjfe im Samland und werden häufig
„Schwedenjchanzen“ genannt. Diefer Name hat mit den Schweden nichts zu Ichaffen,
jondern fommt vom flavifchen svet, lit. szventas — heilig her. Pafjarge, Aus baltifchen
Landen 28. Frijchbier, Preuß. Wörterbuch unter d. Wort Schwedenjchangze. Vor andren wichtig
it die Abhandlung von Boenigk’s3 ©. d. A. P. 1879/80 57-81.
Die Ordensburgen Fonnten einer Bejfabung von 200 bis 400 Mann Raum geben;
zudem waren meift eine, häufig mehrere Vorburgen errichtet, in denen auch die
Landbevölferung aufgenommen werden konnte.
Erjt um das Jahr 1260 fonnte der Orden beginnen, diefe Wallburgen zu fejten
Steinburgen auszubanen. Wor diefer Zeit läßt fich das nur für die Burgen Thorn,
Eulm und Elbing nachweifen, auferdem für Königsberg, das 1257 in Bau genommen
ift ımd um das Jahr 1263 als mit Mauern verjehen bezeichnet wird.
Die Umfaffungsmaner bildet bei den Ordensburgen ein Biere von 45 bis 65 m
Seitenlänge. Die Mauer jelbft ift die Außenmaner von Wohn- und Wirtjchafts-
räumen. Dadurch tragen diefe Burgen eimen wefentlich anderen Charakter als die
Schlöfjer und Feiten des mittleren Deutjchlands, wo man in der Lage war, die fejten
Pläße auf Höhen anzulegen und die Mauern fich der Form des Bergplatenus anfchliegen
zu lafjen. Bet diefen deutjchen Bergiehlöfiern Üt der eigentliche Kernpunft der Bes
feftigung der Turm, der Donjon im Innern der Burg, der eben mur zu Verteidigungs-
zwecen und als letter Zufluchtsort vorhanden ift, jo daß neben ihm ein eigentliches
Wohnhaus für den Burgheren und jeine Familie notwendig it, dev Palas.
Anders bei den Ordensburgen, two das „Haus“, wie man immer die Burg nennt,
jelbjt der Sternpunft der Befejtigung it, der Durch eine oder mehrere Borburgen gejchäbt
it, welche ebenfalls mit Mauern und Gräben umgeben jind.
Der Orden jelbjt war geiftlich; jeine Burgen waren wirkliche Konvente.
Die Architektur der Burgen des D. D. zeigt daher auch diejen doppelten Cha-
rakter: das deutjche Dxrdensjchloß ijt wejentlich ein befejtigtes Klofter und zeigt daher
in feiner ausgebildeten Zorm einen von hohen Gebäuden und einem Turme ums
Ichlojjenen Kreuzgang, der den vierefigen Kojterhof auf allen Seiten umgiebt, und
in dejjen Mitte fich der fehr weientlihe Brunnen, oft von bedeutender Tiefe, befindet.
Um den Hof herum find die dem Klojter eigentümlichen Näume, als Kapiteljaal,
Nefektorium, Dormitorium und eine Abtrittsanlage, gewöhnlich auf dem aus-
gebauten Dansk belegen. Ihnen jchließt fih die Schloßfapelle an, welche bier,
der Feitigkeit de8 Gebäudes wegen, nicht in eigentümlich bedeutjamer Yorm hervortritt,
vielmehr meift mit dem SKlapitelfaal zufammen den einen Flügel des Haufes einnimmt.
Sie ift meiftens reicher ausgebildet als die übrigen Näume, jo dag man auf ihr Vor:
12 Das Samland.
handenfein an bejtinmter Stelle jelbjt in den Nuinen aus den ausgebildeteren Rippen-
profilen jchliegen fann.
Nings um das ganze Haus herum ijt freier Naum gelaffen, der in der Drdens-
jprache der Parcham heift. Diefer Parcham wird durch eine Mauer mit nahe bei
einander ftehenden, quadratischen oder oblongen jtarfen QTürmen umgeben. Dieje
Form der Türme hatte der Orden in Syrien fenmen gelernt, wohin fie aus Byzanz
gefommen war. Die Mauern und QTürme der deutjchen Städte find jelten bejonders
ftarf, die Time meift vımd, während man bei den deutjchen DOxdensrittern die Rund»
form der Türme erjt jpäter findet.
Hinter der die Tiirme verbindenden Mauer läuft, auf Tragiteinen und Bögen
erbaut md vorn durch eine Brüftungsmauer gefehügt, ein Wehrgang hin, den Zinnen-
bergen mit Heinen Schießöffnungen frönen.
Bor dem PBarcham zieht fich der ausgemanerte breite und tiefe Graben hin,
der durch Stauwerfe mit Wajfer gefpeift wird. Zwijchen Barcham und Graben ijt
häufig noch ein freier Naum und an der Innenmaner des Grabens, dem byzantiniichen
rooreizyıoua, it oft noch ein zweiter Wehrgang, der die Bejtreichung dev Grabenjohle
gegen Meineurarbeiten bezweckte.
Um die Burg herum liegen die Vorburgen. Die erjte enthielt gewöhnlich die
Perdejtälle für die Nitter und die Briefjchweifen — (die einen geregelten Dienjt von
einem Drdenshaufe zum andern hatten) — auch für die Acdevivirtjchaft. Dann
Wohnräume für das Gefinde, Bacl- und Brauhaus, die Sattellanmer, das „Schnit-
haus“ u. j. w.
ES find auch Häufer ohne Borburg vorhanden. Solche Häufer baute man
vielfach in jpäterer Zeit an der öftlichen Grenze der „Wildnig" und nannte fie „Wild-
häufer”, 3. B. Haus Bäslad bei Naftenburg, Allenburg bei Wehlau u. j. w.
Bei manchen Burgen (Brandenburg) war auc ein „Karwan” Damit verbunden,
d. h. ein Vorwerk, welches als Nüfthaus oder Schierfammer diente und worin das
grobe Gejchüß, Waffen, Neitzeug, Wagen umd Aekergerät aufbewahrt wurden. Der
Aufjeher eines Karwan hie magister karuani, Slarbisherr. Der Name jtanımt wohl
aus dem Nrabijchen. —
Mit der Snechtung von Samland und den in demjelben erbauten Burgen, vor
allen Königsberg, hatte der Deutjche Orden fich ein Bollwerk an einem Plate gejehaffen,
von dem aus er Natangen, Warmien und Bogejanien im Nücken fajjen konnte, während
Barten, Nadrauen md Sudauen ihm nicht zu fen lagen. Die furische Nebrung diente
ihm zur Verbindung mit Livland, umd durch die frijche Nehrung beherrfchte er die
Mindung in das frische Haff ımd hatte Verbindung zur See mit Deutjchland.
Ss
Neben den oben erwähnten Kapellen, in welchen nm die Burgbewohner ihre
Andacht hielten, baute der D. Drden aber auh Pfarrkivchen. Dieje Pfarrkicchen
wurden vom „Haufe“ entfernt angelegt, weil fie zugleich Sliebburgen für die Land-
bevölferung bildeten. Entweder bildet eine Schlucht die Trennung, wie in Arnaı,
Suditten, PVobethen, Medenau u. j. w., oder wo die Gegend eben war, find die
Bwifchenräume noch größer, fo in Schafen, Bowunden, Caymen u. ). f.
Bei der Betrachtung der Stirchen füllt e3 jofort ins Auge, in welchen bedeutenden
Abmeffungen und Kunftformen diefe Dorffiechen errichtet find. Überblict man in
Das Samland. 13
Gedanken hieran einmal Deutjchland, To it eS bemerkenswert, in wie viel größeren
Rerhältniffen die Kirchen in dem der Nord» und Dftfee zumächit belegenen Landitrich
erbaut find, dafiir aber auch in größeren Abjtänden von einander Liegen als im binnen-
(ändijchen Teil Deutjchlands, wo in der Negel jedes Dorf jeine eigene Pfarrkirche
hat, während zu jenen größeren Sirchen auch eine größere Bevölkerung einer ganzen
Neige von Ortjchaften gehört. Man darf fich dieje Verjchtedenheit wohl mit Necht
jo erflären: Mittel- und Siddeutjchland war jehon lange dem Chriftentume gewonnen,
e8 hatten fich fefte Didcefen und Parochien ausgebildet, die alle ihre eigenen Kirchen
hatten. Anders in den nördlichen Landesteilen, wo das Heidentum jich lange hinaus
erhalten hatte und erit dem Chriftentume Naum gab zu einer Zeit, wo die Baukunft
in höchiter Blüte tand und man den neuen Chriftengemeinden fejte Kirchen geben
fomıte von ftattlicher Größe und hoher Kunftvollendung. Hier wuchjen die Gemeinden
um die vorhandene Kirche an, während dort die Kirchen errichtet wurden für die jchon
vorhandene Gemeinde.
Die Grenzlinie, welche die beiden Kirchengruppen teen, zieht von Quajt, der
verstorbene erjte Stonferwwator preußifcher Kunstventnäler, — der erjie, der unjres
Wiffens auf den genannten Unterjchied aufmerkfam gemacht hat — „vom Niederrhein
aus durch Weftfaleh der At Hindurch, da der bergige Teil diejes Landes mit dem
Bistum Waderborn meijt noch dem Süden angehört. Sodann gehören öjtlich der
Wefer die Braunfchtweigiichen Lande jowie das Magvebirgijche und die ganze Mar
Brandenburg zu den Ländern mit Keinen Pfarrbezivken, während das Lüneburger Land,
Mecklenburg. und meist auch Pommern nur große Sliechjpiele aufweiien. Dasjelbe
Syiten finden wir auch durchgehende in Preußen.“
„In wenigen anderen Gegenden ift das ganze Land mit jo bedeutenden Dorf-
firchen bedectt, wie einzelne Landesteile Preugens, ımter denen wir namentlich die
Weichjelgegenden, das Samland und das Ermland hervorheben, vorzugsweile alfo die
Gegenden, welche den geiftlichen Gebietigern unterthan waren.“ ( Duajt, D. deutiche
Baufımjt in Breufen.)
Was num den Baustil, die Nunftform der Ordensbauten anbetrifft, jo führen wir
hier in kurzem die Anficht von Steinbrecht am, der als Wicderherjteller der Marien
burg direch jahrelanges Studium in eben dieje gotische Kumnftform tiefer als jever
Andre eingedrungen Üt.
Die Pfarrkirchen zeigen einen im ganzen ziemlich gleichmäßigen Typus, ein
länglich vierecfiges Langhaus, dem meijt ein ähnlicher ehwas Eleinerer Chor angebaut
ift, beide von Staffelgiebeln mit veicher Spibpfeiler-Arcchiteftur überjtiegen, jeltener
mit vielecfigem Schluß der Oftjeite des Chors. Meift pflegt auch der Wejtjeite ein
Turm vorgebaut zu jein. Abb. 4. .
„Der geradlinige Chorjchlußg eines Kirchenraums hat ohne Zweifel für das
Innere einen äfthetifchen Nachteil gegenüber dem Polygonschluß. Nur Höchjt vereinzelt
treffen wir ihm in den entwictelteren Sunftgebieten des Wejtens an. Wo e8 jich aber
um einfachere, nappe Kirchenanlagen handelt, wie in dem evrjt jpät chriftianifierten
Norden und Dften Deutjchlands, da wird mit Vorliebe der geradlinige Schluß ges
wählt. ES Hänge das auch mit dem Backjteinmaterial zufammen: die polygonen
Badjtein-Ehöre bei einfachen Kirchen ohne Kapellenkvanz fehen außen leicht chvas
dürftig aus, während der geradlinige Schluß die Entfaltung veichen Giebehverfs
gejtattet.“ Steinbredt, D. Baukumjt d. Deutjchen Nitterordens.
14 Das Samland.
Das Innere ijt Fat dinchgehends mit Sterngewölben überjpannt, die bei
größeren Stadtfirchen auf jehr einfachen achtecdigen Pfeilern ruhen, während fie bei
den Eeineren Landfirchen auf Konfolen aufjegen. Der großen Mehrzahl nach zeigen
fie den einfach jtrengen Stil des XIV. Ih., meist in chönen, aufjtrebenden Hauptver-
hältniffen, jelten mit zierlicher Durchbildung der Details.
Daß Ddiefe Sterngewölbe der Drdensbaufunft ihre Entjtehung verdanken, bat
Steinbrecht jeher wahrjcheinlich gemacht; von Quajt wollte ihre Entjtehung Eng-
land zujchreiben, von dort jollten fie nach Lürbed gefommen und von da nach Preußen
eingewandert jein. Steinbrecht jchreibt aber: „In dem bald nach 1250 entjtandenen
Chor der Kirche St. Johann zu Thorn findet man im Mitteljoch jchon ein Stern-
gewölbe. Der Chor der Schloffapelle zu Lochjtedt, erbaut um ungefähr 1275, hat
auch bereits einige fterngewölbte Felder. In der Burg Nheden, welche auf 1300 zu
jeßen it, kommen in Stapelle und Kapitelfaal reiche Sterngewölbe vor. Sie treten
alfo in den älteften Bauten des Ordenslandes um die Mitte des KIM. Ih. auf und
find um 1300 allgemein im Gebrauch. Wenn von Duaft in den NM. PP. B. XI als
ülteftes Sterngewölbe in England das in der Lady Chapel zu Lichfield (1296—1321)
S.
Rechte Seite,
Epiftele oder Kelchfeite
Chor
Presbyterium
od, Sanftuarium
[03 £anghaus oder Schiff Turm
z
e
=]
=
El W.
=
|Saframentshäusch. “2
Evangelien: oder Brotjeite
Kinfe Seite.
N.
Abb, 4 Rircdhen-Schema.
fennt und in Deutjchland das der 1310 erbauten Brieffapelle zu Lübeck und auf die
Übertragung von dort nach Preugen jchliegt, — fo fünnen demgegenüber die obigen
Befunde vielmehr dazu berechtigen, dem Drdenslande das Erfindungsrecht zuzufchreiben.
Man darf der jelbjtbewußt jchaffenden Ordensbaufunft eine jolche jchöpferifche Kraft
jchon zutrauen.” Steinbredt, a. a. ©. ©. 9.
Die alten Drdensbaumeifter vechneten nach ceulmijchen Ruten umd Fupen.
Eine NAute culmjh — 15 Fuß culm,. = 4,32 m; daher 1 Fuß culm. = 0,288 m.
Diefe Maße auf unfre famländifchen Kirchen angewandt pajjen vortrefflich. Ein Bau-
meister pflegt zunächit das lichte Maß einer Slirche zu berechnen, um zu jehen, ob
jo viel Menfchen, wie er eben will, darin Plat haben. Die lichten Maße der Stiche
zu Nudau haben nun genau 8 Nuten culm. Länge, 21/; Nuten culm. Breite. — Die
lichte Länge der Klivche zu Labiau beträgt 6'/, Nuten, ihre Breite IR. — Caymen
hat SEN. lichte Länge bei ZN. Breite Schafen 81/, N. lichte Länge; Arnau
EM. lichte Länge u. f. w. Die Chorbreite im Lichten beträgt in Schafen, Arnau,
Wargen, Pobethen u. j. f. genaw 24 culm. Fuf.
Innerhalb der vom Orden in Samland gebauten Pfarrkirchen aber Fönnen wir
der Zeitfolge nach zuerjt deutlich drei Gruppen unterjcheiden.
Das Samland, 15
Die erfte Gruppe fennt noch keine Sterngewölbe; fie jtellt einen jtarken Mauer-
förper ohne Steebepfeiler her und überdeckt ihn entweder mit gerippten veinen Streuz-
gewölben (Kapelle in Lochftedt), vder fie teilt den Raum in beliebig viele Joche und
ipannt darüber gerippte Dreiedsfappen (Kirche zu Juditten). Dabei führt eine enge
Steintreppe aus dem Langhaufe in dejjen Wejtwand nach oben, während der Turm
im Grdgejchog der Sicherheit wegen feine Treppe hat. Für folche Stirchen können
wir als Endgrenze ungefähr 1290 annehmen.
Die zweite Gruppe baut ebenfalls einen itarien Mauerförper ohne äußere
Strebepfeiler, aber fie legt die Strebepfeiler innen vor, jo daf; die Gewölbe jchmaler
werden. Das vorhandene Kreuzgewölbe teilt fie in jo viel Teile (indem jie Rippen
dazwifihen einfchiebt), daß jie gerade flein genug werden, um ohne Unterjchalung
gewölbt zu werden, d. h. fie macht aus dem Kreuzgewölbe ein Sterngewölbe. Eine
enge Steintreppe führt vom Langhaufe entweder (tie vorher) in der Weitivand oder
in der Tıremwvand nach oben. Den Zeitraum, in welchem diefe Kirchen entjtanden
find, können wir nur furz bemejjen: e$ mögen ehva dreißig Jahre gewefen fein, von
ettut 1290 bis 1320. Dahin gehören die Kirchen zu Fiichhaufen, Medenau,
Cumehnen, Pobethen, Powunden, Caymen und Legitten.
Die Kirche zu Tierenberg bildet den Uebergang zur dritten Gruppe: jie hat
zwar noch Steebepfeiler innen vorgelegt, um das Gewölbe zu jchmälern, aber fie hat
auch augen Strebepfeiler, die ihrem Bau vermöge eines Fuhgefimjes und des Verbandes
gleichzeitig find. Diefe dritte Gruppe legt eben von außen Strebepfeiler vor, um
damit dem Gewölbefchub zu begegnen, läßt dagegen die Strebepfeiler im Inneren fort.
Solche Kirchen find die fehöne Kirche zu Arnau, die Kirche zu Wargen, die ehemals
zu Samland gehörige Kirche in Cremitten u. |. w. Sie ähneln am meijten den
gotifchen Kirchen, wie fie weiter nach Weiten zu Hunderten und QTaufenden bor=
fonmen.
Im lebten Drittel des XIV. Ih. wird auch neben dem gewöhnlichen Eingang
zum Tim ein zweiter Eingang gemacht, in welchem eine Badjteintreppe in der Wand
hochführt (Ottendagen). Dies konnte jelbjtredend exit gejchehen, als das Land von
Feinden gefäubert war und der Orden ihrem Eimdringen in die Kirche feinen Wider:
jtand mehr zu leijten hatte,
Die Ordenskicchen haben durchweg gotischen Ziegelverband; der Blodverband
tritt exit in der Zeit der Nenaifjancebauten auf, der Krenzverband exit jeit der erjten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Unter gotijchem Verbande verjtehen wir entweder
einen Läufer mit einem Streder wechjelnd (gotifcher oder polnifcher Verband) oder
zwei Läufer mit einem Strecker wechjelnd (wendijcher Verband). Abb. 5.
Beide Verbände kommen z. B. in Marienburg vor: der leßtere bei dem um 1280
erbauten Hochichloß, der erjtere bei dem um 1382 entjtandenen Mitteljchlojje. Der
Dom zu Frauenburg, 1388 vollendet, zeigt wiederum den legteren Verband. Es jcheint
aljo, daß man feine fejtjtcehende Theorie hatte, wonach der Verband zu regelt jei,
fondern, wie das Bedürfniß oder der Gejchmad des VBaumeijters war, den Verband
anlegte. Die jamländifchen Kirchen aus der DOrdenszeit haben mit Ausnahme der
Kirche zu Powunden den erjteren Verband; mr bei legterer Kirche wechjeln häufig
zwei Läufer mit einem Streder. Dieje Kirche als eine fpäter ausgeführte zu halten,
wäre ein Irrtum: fie kommt jehon als ecelesia parochialis in einer Ur. von 1325
vor. Wir verftehen alfo beide Verbände als gotijch.
16 Das Sanıland.
Für die Austattung der Kirchen nimmt die Nürnberger Schule, Albrecht
Diver, feine Vorgänger und feine Nachfolger, einen breiten Raum ein: aller vorrefor-
matorische Altarfchmuc in Holzjchnigerei und Malerei ift von Nürnberg nach Samland
gewandert (Kirche zu St. Lorenz, Tierenberg, Medenau, Laptauı, Eumehnen, Bowunden,
Gaymen u. j. w., alfo meift der bifchöfliche Teil von Samland). Dann folgt nach jehr
jpärlicher Srührenaiffanee (Borchersdorf, Medenau, St. Lorenz) die einheimische
Barodperiode an Altären, Kanzeln und Geftühl, die vieles jchöne gezeitigt hat. Hierbei
müfjen wir eines Mannes gedenken, der, bis jeßt unbekannt, wohl wert ift, in den
Kreis bejcheidener Künftler miteinbezogen zu werden. Diefer Mann heist Melcher
Breuer, war feines Zeichens Tifchler umd lebte wahrjcheintich in Königsberg. Er
hat die Stanzel in Tierenberg 1581 gejchnigt und mit fchöner nachgeahmter Intarfia
bemalt. Er malte meift Tulpen und Nelken (die Blume der italienischen Nenatfjance),
die im XVI. Ih. Mode geworden waren; dabei weil; er die Farbe jehr diskret zu
verwenden. Much in andren Stirchen begegnen wir feiner Hand; jo in Arnau, Fifch-
Getischer Verband.
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Rs ock . Verband .
Kreuz: Verband.
Abb, 5. Biegel-Perbände.
haufen, Schönwalde, Steinbed, Brandenburg hat cv Teile des Geftühls gejchnigt und
in jeiner Weife bemalt. Bon jeinev Malerei geben wir Beifpiele bei Schönmwalde und
Tierenberg. Wahrjcheinlich hatte er feine Kunft den echten, aber ehenfo disktet gehaltenen
farbigen Intarfien an einem Geftühl der katholifchen Pfarrficche zu Wormditt von
1574 abgelaufcht, deren Urheber ein Mansfeder Schniger, Hans Paurman, war,
der ebenfalls Nelken und Granatäpfel in ähnlichem Numdbogen, von zwei Bilajtern
gejtübt, verivendet,
Das Nococo ift in wenigen, aber jchönen, fecken Beifpielen in Arnau vertreten,
dann in edler Weife in Metgethen.
An Mltargerät ift aus der gotijchen Epoche wenig fchönes mehr vorhanden,
Dazu haben die beiden Drdensverjchreipungen vom 3. 1412 und 1519 jehr viel beige-
tragen. Johann von Bofilge meldet uns vom I. 1412: „Duch wart abiv kirchingerethe
von Monftrancien, felchin unde manchirleie czirunge der firehin von allin hüjern des
Ordens genommen, das alles vorfmelezt wart mit grofim jchadin.” md 1519 mußten
Das Sanıland. 17
auf Verfügung des Hm. Albrechts jümtliche Kirchen Samlands* und Natangens ihr
Silbergerät und fonftige Sleinodien nach Königsberg liefern, um dort eingejchmolzen
zu werden. Schönes gotijches Altargerät finden wir nur in den Slirchen zu Filch-
haufen, Medenau und Bobethen, wogegen die Barodzeit reicheres beivahrt hat.
Merkwürdigerweife find die alten gotifchen Tauffteine aus den Slirchen hin-
ausgetragen: jie liegen fajt alle außerhalb: der Kirche, find aber meist jchöner als die
an ihre Stelle getretenen Baroefbauten.
As Taufbeden fommen in Samlard falt an allen Orten die meffingnen Schalen
vor, die, meift mit finnlofer, mehrfach wiederholter gotischer Infchrift und die Ver
fündigung Mariä, den Sindenfall u. |. w. in getriebener Arbeit in ihrer Mitte, ficherlich
in Augsburg, Nürnberg oder Braunfchweig im XVI. und XVII. 30. gefertigt find. In
Laukijchfen fanden wir eine vom Jahre 1668 datierte, in Pojtnielen vom 3. 1657 vor.!)
Um die Burgen und Pfarrkicchen fammelte fich allmählich eine Bevölferung, teils
aus Prinzen, teils aus Deutjchen von allerhand Gauen. War fie zu Klein, um
Stadtrecht zu erhalten, jo nannte man fie eine „Lifchfe*, die verjchiedene „Krüge*
enthielt. So Lisfa-Schafen, Labiau, Tapiau. War fie größer, jo belehnte der Orden
jie mit Stadtrecht. „Der Orden ‚oder der Bifchof gab das ihm zugefallene Land in
beftimmt abgemejjenen Teilen an die Koloniften aus. Ein einzelner Mann, anfangs
wohl immer ein Deutjcher, dann auch vereinzelt zuverläffige und treue Preußen, wurde
mit der Gründung des neuen Drtes betraut. Er wide des Ortes Lofator oder
Srimder. Seine Aufgabe war 8, auf dem verlichenen Grund und Boden Anfiedler
in bejtimmter Anzahl niederzufegen. Er wırde das Haupt der Kolonie; ex zahlte der
Landesregierung einen beftimmten jährlichen Zins von der ihm verlichenen gefamten
Hufenzahl. Die Vorrechte des Lofators waren bedeutend: für feine Perfon md fire
jeine Nachkommen — denn jeine Winde in der Gemeinde war exrblich in feiner
Familie — wınde er Ortsvorjtand, scultetus, Schultheiß.“
„Was im Deutjchland im Laufe der Jahre geworden, das wird als etwas
Fertiges nach Preugen hinübergetragen. Wie in Preußen die Städte entftanden,
die Kolonifation des offenen Landes gejchehen, die Nittergüter gegriimdet, das liegt
uns meist far und deutlich, durch Urkunden bewiefen, vor Augen. Was der Forjcher
in Deutjchland mit Mühe ergründet, das liegt hier jchwarz auf weiß." Freitag, die
Befiedelmg des DOftens in „Bilder aus der deutjchen Vergangenpeit“.
Nach diejer, leider etwas langen, aber notwendigen Einleitung gehen wir zu den
einzelnen SKixchjpielen über.
RN PB. P. B. 1853 II 321 ff. Über die mejjingnen Tauffchüffchn.
Ka
5 . - ea "_ ar Y . . win aan .
ARENA, Hospitaldorf, gehörte bis 1636 zum Löbenichtichen Hospital in
Königsberg; 10 km Lftl. im DO. von Sönigsberg, hart am Pregel belegen.
Arnow 1320.
Be Altertimer im pl. AU.
Suchshöfen, 4 km Lil. im ©. D. von Ü. PM.K. 144. Yürftenwalde, 4 km
Ltl. m. von W. Über einen es Henjche in ©. d. p. 6. 6.1869. Mantau, 6 km
Lftl. im N. von A. PM.R.173. Zerftörtes Gräberfeld mit Leichenbrand und Urnen-
beifeßungen. Über die Funde |. P.M.K.IT202. Praddau, 3 km Lftl. im DO. von A.
PM. 8.173. PM. K.T1385.—_NP.P.8.V398. Der Pillenberg, zwijchen Waldau und
Wargienen, 5 km Lftl. im NO. von A, eine alte Heidenfchanze, jegt mit Eichen be-
ftanden. Gicje, Z.U.P. Sonnigfeim, 5 km Lftl. u. 1. ö. von A. Heidnifche Gräber
©.9. U. RB. 1879/80. 123 F.
Auf einem durch Park-IAhrlagen vom Staatsminister von Schön reizvoll geitalteten
Hügel lag die alte Ordensburg, das castrum Arnow, wie 8 in einer Urkunde von
1322 genannt wird, nur noch durch einen Graben kenntlich.
Die ev. Pfnrrfirhe (Patronat im adl. Gute Fuchshöfen) liegt auf einem zweiten
Bügel, der vom Burghügel durch eine tiefe Schlucht getrennt wird und ziemlich fteil
gegen den Pregel abfällt. Schöne Ausficht auf das Pregeltgal. Sie ift am Anfange
des XIV. Ih. erbaut. Einer ihrer erjten Pfarrer, Petrus, Pleban von Arnow, wird
1320 in einer Urkunde als Zeuge genannt. Sie war der 9. Katharina geweiht und
sugleich eine Wallfahrtskirche.
Auferes: Abb. 6 u. 7. Turm, Langhaus und Chor find in gefugtem Ziegelbau
errichtet. Wenig jpäter erfolgte die Eingangshalle im N. umd die Sakrijter im D. des
Chores. Am Turm md in der Nähe desfelben 'h etliche Schichten hoch auch Feld-
ftein verwendet. Zwifchen den Strebepfeilern des Langhaufes und Chores ijt je ein
Senfter, jpigbogig, oben mit einer Hohlfehle umjäumt; zu beiden Seiten der Fenfter
je eine N ageaniie Jpißbogige Blende, die mit votgemaltem dreiteiligen Mafwert be-
lebt war. Das Mafwerk ift noch in allen Blenden zu erkennen, weil jeine Umtifje
u die Salktünche vorgeriffen find. Dicht über den Blenden 309 ich ein Fries um
Langhaus und Chor, auch die Strebepfeiler miteinbegriffen, herum, von dejjen Färbung
nichts mehr zu erkennen ift. Um das Langhaus, die Strebepfeiler und den Chor zieht
Tich ein braunglafiertes Socelgefims, Abb. 8. Aus denjelben Formfteinen, nur in umge-
fehrter Reihenfolge, frönt ein Sefims, am Sonahaiiie im Rohbau, im Chor grünglafiert,
den ganzen Bau. An der jpäter angebauten Sakriftei hat der Baumeister den Sodel
+
20 Arnan.
durch zwei Schichten jchwarzglafierter Ziegel zu erfegen gewußt. An der Eingangsthür
im W, ftehen, mit erhaben in dem Holze ausgefchnittenen gotischen Minusfeln, die Worte:
Sunte Ratarine bitte got vor uns, — In der nördlichen Eingangsthür: BSute Ratarine
mm u
a — 225
6.
Abb.
Grumdrik der Kirche gu Arnau.
sta uns by un lat uns nicht vor-
deroe || make uns vo alle sude vry
we wi beaime fo sternen. — Alles
Manerwerf im gotischen Verbande.
Inneres: Der Tırm war im
Erdgefchoß mit zwei hohen Kreuz:
getwölben neben einander bedeckt, Die
ji) im zweiten Stochverf wieder-
holen. Er hat zu jeder Seite eine
hohe rundbogige Nijche, in welchen
Sibbänfe angebracht find. Der Auf
gang zum Turm ijt aus dem Grund-
vi erfichtlich. Die Eingangsthür
zum Langhaufe ijt mit vier bienjtab-
fürmigen Rippen mit Hohlfehlen da=
zwifchen im Spibbogen gejchlofjen.
Abb. 8. Dev möglichen Befhädigung
wegen begimmen diefe Nippen exjt
etwas über 11/, m vom Fußboden. —
Das Langhaus ijt dreijochig; die bei-
den erjten Zoche find jechszehnteilige
Sterngewölbe mit bienjtabfürmigen
Nippen und runden Schlußjteinen
in jedem Endpunkt der Nippen. Die
Rippen jegen in halber Höhe des
Kicchenjchiffs auf wimpergartigen
Fialen auf, unter denen Heilige auf
Konjolen gejtanden haben. Abb. 9.
Das dritte Joch teilt jein Stern-
gewölbe in der Mitte und jebt auf
einem Engelsfopf als Stonfole über
dem jehr niedrigen jpigbogigen pro=
filterten Treiumphbogen auf, jo daß
erjcheint. Abb. 9. Die beiden auf der
Zechnung fichtbaren, jehr häßlichen,
rechtecfigen Deffnungen find erjt in
diefem Ih. durcchgebrochen worden.
Der Chor ijt zweijochig. Das erjte
och ift zwölfteilig, das folgende ver-
teilt den Schub feiner Gewölberippen auf die Strebepfeiler. Der Chor ift aus dem halben
Achte gejchlofien, eine in Oftpreugen jelten vorkommende Anordnung. — Die im D.
angebaute Sakriftei ift mit drei dreiteiligen Kappen mit Schlußfteinen gejchlojjen
Arnan. 21
=
und durch einen tonnengetwölbten Gang im N. D. zugänglich, in welchem fich ein
altes Ausgußbeden (piseina) befindet. — Der Vorbau im N. enthält die jchoen
gedachte jpigbogige Eingangsthir. Er ijt zweigefchoffig. Das Erdgefcho ift mit
einem zwölfteiligen Sterngewölbe und je einem jechsteiligen Nappengewölbe gejchlojien,
das Profil der Nippen in Abb. 8. Zur R. der Eingangsthür hat e8 eine im der
Wand angebrachte Nifche, welche vermutlich das Weihwafjerbeden enthielt. Zu beiden
Seiten der Eingangsthür je eine jpigbogige Blende; darüber zwei Neihen übered-
gejtellte Ziegel, Abb. 3; darüber fünf jpisbogige Blenden. Im Obergefchoß ijt in der
Langhausmauer eine Nifche ausgefpart, in welcher ein mäßiger Chriftus- mit der
DVornenkrone, überlebensgroß in Holz geichnißt, Jich befindet.
Die Siehe war im Innern durchtveg bemalt; die Malereien ftedlen noch unter
der weihen Tünche. Al Dr. Hipler die Kirche im 3. 1868 befuchte, fah er darin
noch folgendes: er „fand an den Seitemvänden, ebenfalls von einer weißen Kalt-
jchicht bedeckt und nur in einzelnen Teilen deutlich hevvortvetend, die einzelnen Geheim-
nijfe des apoftolifchen Symbolums in einer großen Zahl tüchtig gemalter Bilder
dargejtellt, und ziwar numerivt und mit lateinifcher Infchrift verjehen. Fünf diejer
22 Aınan,
alten Bilder, die fich jämtlich auf den fünften Glaubensartifel (descendit ad inferos,
resurrexit a mortuis tertia die) bezogen, waren damals einigermaßen Elar wieder zu
erfennen, nämlich: 1) der Heiland in der Vorhölle (mit der Überjehrift: „26. veritas. | Iste
est infernus sive limbus vel sinus habrahe. | Chr, consolatur patres in inferno i. e.
in limbo.*); 2) Chriftus mit einem von der chernen Schlange ummundenen Streuze
irche in Arnau.
4
‘ N LET 5 7 a: lie L. hauptsims
ewölberipne G,
Pu
7%
nördl.Vorhalle
Aurtsims
mördl.Vorhalle.
Abb. 8. Eimelheiten der Rivche zu Hınau.
enster an re &-
in der Hand; 3) ein mit Nägeln durchbohrtes Kreuz, darüber eine Injchrift, von der
ne die Zahl „28“ lejerlich war, wie bei dem vorhergehenden Bilde „27 veritas“;
4) EHriftus mit der Siegesfahne befreit die h. Väter aus der Gefangenjchaft der
Vorhölle; (die Uberjchrift lautet: „29. veritas. | Chr. peracta passione edueit patres
sanctos ex clausura inferni*); endlich 5) die Auferjtehung Ehrifti in dem Augenblice,
Arnaıt. 23
wo der Heiland das h. Grab verläht; Die Überfchrift war übertimcht." Ztichr. |. d.
Gefchichte und Altertumshinde Ernulands, Bd. VI Leipzig 1878. 125}. Diefe Bilder freizulegen,
wäre ein höchit Danfenswertes Unternehmen.
Die Menja des Altares it von Ziegen (33 X 16 X 8—9 cm) in gotijchem
Verbande, Der Altarauffag it 1687 aufgeftellt und vom Maler Martinus Bergmann
Abb, 9. Gewölbe in der Kirche zu Hınan.
1690 mit Gold und Karben verfehen. In der Predella das Abendmahl; Olmalerei.
Hauptbild: der Kruzifius mit Johannes und den zwei Marien; Dlmalerei. Darüber
die Auferjtehung.
Zwei prächtige bronzene Altarleuchter (65 cm h.): „G.V.D.A.K.ZE
Daniel Klein Anno 1690%, mit drei Frauengejtalten mit Doppelflügeln, die in eine
Klane auslaufen, welche den Jul des Leuchters ‚bildet. Abb. 10.
24 Ana.
Ein filb. teilweis vergoldeter Kelch mit Blumen auf dem wuljtförmigen Nodus
(Knauf). Auf dem Fuß ein Kruzifizus.
Ein filb. innen vergoldeter Kelch von 1839.
Eine ovale filb. Schale. Blumen und Nanken in getriebener Arbeit, von 1839.
Ein vierediges Oblatenkäftchen, Ebenholz und Silber mit den vergoldeten
Evangeliftenfymbolen und dem Heiland. Spätgotifche Ornamente. Im den vier Ecken
befinden fich die Buchjtaben: H. T. V. S. (Heinvich Theodor von Schön). Sehr jchöne
Arbeit aus der Mitte des XIX. Ih.
Abb, 10. Alfar-Teuchter aus der Rivihe zu Arnau.
Eine filb. innen vergoldete große Weinfanne: zum Andenken an (den Pfarrer)
oh. Friede. Plew 1858.
Eine, jilb. Kollektenfchale, vumd, mit getriebener Arbeit: eine Nymphe mit
einem Nofenkforb in waldreicher Berggegend; 1841.
Zwei Klingelbeutel mit jchöner Seiden- und Silberjticerei.
Kanzel 1684 von Chriftian Slodfjey gemacht. I. ©. Zedler pietor hat fie 1768
bemalt und vergoldet. Bohannes der Täufer, die vier Evangeliften und der Exrlöfer
in schlechter Holzjchnigerei. Auf der Kanzel echt ein fünfarmiger Leuchter aus
Meffing; XVIL. I.
Tauffjtein fechsedig in Stelchform, von drei Engeln getragen, von 1684.
Handtuchhalter aus Holz gejchnigt, NVIT. Ih.
Arnau. 25
Die erfte Stuhlreide nah W. v. ift noch gotisch. ° Die übrigen Stühle an der
Längswand I. find teils in Barod, teils in Nocoeo ausgeführt: dee erjte nach dem
Turme zu: D. K. 1692. Darauf folgt ein Nocveoftuhl: Friedr. Brandenburger 1766.
() g te)
Il]
| \\
vll
Abb. 1. Thürgeiff aus der Ricde zu Rınau,
E3 folgt der Eingang nad) der Vorhalle. Dann ein Nococoftuhl mit dem dv. Tettaufchen
und Dönhoffichen Wappen. Ein Nocoeoftuhl. Im Chor [. der erjte Stuhl barod.
Der zweite barod mit Nococomalerei. Der dritte hatte Mialerei in der Art des Melcher
Abb, 12. Rocoroornamenf aus der Rivde zu Hınan.
Breuer (vgl. Tierenberg), it aber in Nococo aufzBarodformen übermalt. Im Chor
r. Stuhl unter dem Triumphbogen mit zwei gefchnigten Wappen unter einem Numd-
bogen, der auf zwei gejcehnigten tonischen Säulen ruht. Zwijchen beiden ijt ein Wappen
26 Arnan.
4
gemalt. N. von der Thür zu diefem Stuhle ift eine Heilige mit zerbrochener Säule
in Holz gefchnige Darunter aus jpäterer Zeit elegant hingeworfene Nococo-Drnamente,
Abb. 12. Die dritte Stuhlveihe r. vor der Kanzel hat ein Ornament in der Art des
Melcher Breuer aufgemalt: Pilafter mit Nundbogen und Schlußitein darüber, aber
wo jonjt (4. B. in Neuendorf) eine ftarfe Quadrierung vorherrjcht, tt hier der
Naum mit einer Nele gefüllt. Unter dem Nundbogen und zwijchen den Bilajtern
jchablonierte Nenaiffanceornamente., Über dem Ganzen jteht der fragmentierte Spruch:
.... hat. Rein. ende. sondern. sie .ilt. alle. morgen .newe, Anno 1617 ist. got.
vor.uns. wer. kan. wide .
Ein vorzügliches Bortenit von Gujtav Adolf hängt an der Empore [. Im
Langb. hängt am Triumphbogen r. ein Dlbild des Piarrers Soh. Balthafar Charifius
+ 1758 posuit suecessor et gener Fr. W. Benefeldt. Im Chor r. Yoh. Friedr.
PBlew, Pfr. * 1787 + 1858. — Albertus Szabinus, Pfr. „an der Jungfrau Katharinen-
firhe zu Arnau“. XV. SD.
Grabiteine liegen zahlreich in der Stirche, darunter Statharina Kofin F 1596.
Unter den Epitaphien find erwähnenswert eins im Langh. r. von 1615 mit
Shrifti Auferjtehung und zwei veich ornamentierten tosfanischen Säulen mit Gejims. —
Im Chor x. ein jehönes Epitaph mit gutem Portrait des Knaben Andreas Jacob
Dorn + 1720. (Der Leichenftein diefes Pfarrerfohnes liegt x. vor dem Altar. — Im
Chor über dem Triumphbogen bangen Helm, Handjchuhe, Sporen, Degen u. |. w. mit
dem von DOppenjchen Wappen.
Auf dem überaus lieblichen Friedhofe ruht unter einem ranitbloc der
Staatsminijter Heine. von Schön * 1773 7 1856.
Nachrichten über das Kipl A.
Gebauer, Kıumde de3 Samlandes 103 j. — Faber, m P.P. B. 1832 VII. 475. — 2%ob,
8. T. D. 159. — Gebjer und Hagen, Dom z. Königsberg, II 12.
Im heutigen Kirchjpiel A. liegt die D.burg
Waldan, Waldowe 1258,
jeßt Schullehrerjeminar, 5 km Lftl. im DO. von A. Schon eine altpreugische Anlage.
Das jet noch in feinen Hauptteilen ziemlich erhaltene, mr umen ganz wngeänderte
Schloß auf der rechten Seite der Chauffee von Arnau nach Heiligenwalde ift 1264
erbaut von Iohann Brulant und Conrad Dyabel, als Lofatoren, einheimifchen Edel-
(euten, die fi ihre Tree gegen den D. im Aufitande der Samen (1260—64) eine
Schenkung im Gebiete des alten Waldau erhielten. Im der erjten Hälfte des XIV. Ih.
ist W. Kammeramt der Komturei Königsberg. Zeitweife hielten ic) hier die Ordens:
marjchälle und Hochmeifter auf. Im 3. 1525 winde PBreufen als Dxdensland
fäknlarifiert und W. wird als Vorwerk des Domänenamts Neuhaufen von einem
herzoglichen Burggrafen verwaltet. 1630 verpfündete Kırfürjt Georg Wilhelm die
Domäne W. an den polnischen Oberjt Grafen Magnus Evnft Dönhofj, von dem es
Kurfürt Friede. Wilhelm, wahrjcheinlich um das 3. 1650, wieder einlöfte.. 1720
wurde W. zujammen mit Heiligemvalde und hrgiinen von der nunmehr fönigl.
preußifchen Negierung als Domäne verpachtet. 1858 Eröffnung der landwirtjchaft:
lichen Akademie. Statt ihrer 1870 Eröffnung des Lehrerfeminars.
Arnau. — Borchersdorf. 27
27
Die Burg W., Gieje, 3... B., hat nur noch die alten Keller. Der Parcham
hat jich hinter beiden Gebäuden ziemlich erhalten; vordem war-die ganze Burg mit
Waffer umgeben und bildete mit einem anftogenden Garten eine Eleine Injel in dem
mehrere Hundert Morgen umfajfenden, jet fajt ganz ausgetrodneten See.
Nachrichten über W,
Bebaner, Kımde des Samlandes 101. — Freiherr dv. d. Golt in „Die Provinz Preufen“
stbg. 1863. 484 ff.
Yungferndorf, 1 km Litl. im DO. von U, hat jeinen Namen erhalten, weil e$ dem
Sumgfrauenklofter in Löbenicht-önigsberg durch die Stiftungsurfunde des Hm. Heinrich
Dufjemer 1349 verjchrieben ift. Erjter geduldeter Gottesdienst der in Königsberg jeit
1531 jeßhaften Neformierten, denen exit 1640 erlaubt wurde, in Königsberg in einem
Saale des Schlofjes Gottesdienst zu halten. Ephraim, in ©. d. A. P. 1887 32.
a & orchersporf, 14 km £ftl, j. ö. von Königsberg, adl. Dorf, Borghardsporf
EN 1481, Burdihardsdorff 1595, Borchertsdorf von dem früher vielfach im
Dorfe vertretenen Familiennamen Borchert (?).
Die jeht evang. Pfarrkirche unter Privatpatronat gehörte zur fath. Zeit zum
Erzprieftertum Creuzburg. Ein Pfarrer wird 1481 genannt. ©. x. W.1367. 395. Eine
zweite Slieche in Fuchsberg (Vochsberg, Anf. XVL 3. ©. r. ©. 1425) ging 1546
ein; davon ift noch in Fuchsberg die Totenbahre von 1630 erhalten. Cine dritte
Kirche jtand in Schönmohr, die aber 1595 jchon eingezogen war. Bis gegen Ende
des XVI. Ih. war Löwenhagen die Filia von Fuchsberg, nachher von Borchersdorf-
— Die heut ftehende Kirche ijt an Stelle der alten baufälligen 1735 gebaut. Im
3. 1807 war diefe Kieche baufällig, wurde aber erjt 1814 wiederhergejtellt.
Ein vorreformatorifcher jilb. vergold. Kelch, Frührenaifjance mit gotischen An-
flängen. Über dem jechsteiligen Nodus (Knauf): hilf aut; unter ihm: aue mar,
Fu im Schspah; mit jehönem Nenaiffancefchmuc und einem Steuzifizus.
Eine Batene aus der Nenaifjancezeit mit dem ruzifirus, Dohannes u. Maria,
gegenüber das übliche Kreuz mit einer Tänte darım.
DOblatenbehälter, rıumd, filb. teilweis vergold. mit Wappen: D. V. W. R. R. 1660.
Die Kanzel ijt bei dem Bau der Kirche 1734 neu erbaut und mit guter, chvas
nüchterner Schnigarbeit im Stile jener Zeit verfehen. Träger ift die Figur des Mojes.
Die Taufe bejtand früher aus einem Engel, welcher das Taufbecen hielt.
Ießt auf dem SKicchboden. Im I. 1784 ftiftete der Kaufmann D. 9. Kenfel aus
Kg. eine Taufe, welche x. vom Altare Plab fand. Eine modern-gotiche Taufe von
Zint (j. Labiau) ift 1878 vom Graf dv. Dönhoffjchen Legat gejtiftet. Die Taufjcyale
jilb.: Henning Dietrich v. Wegner Capitain. Anno 1712.
Beichtituhl von 1770 mit nüchternem Ovnament und dem Dönhoff’jchen Wappen.
Dfen in der Safrijtei mit Kacheln, welche durch das Wappen des Freiheren
von Collas geziert werden.
Das Ktirchenjiegel von 1797.
Vorreformatorifche große Glode mit Infchrift in gotischen Minusfeln am oberen
Nande: katherina maget zeart hilf uns uf de himmel vart, Die kleine Glode
hat eine nicht zu entziffernde Injchrift in gotischen Meinusfeln und Majusteln:
MpsmbHattzuobPpy.
>
ni
.
28 Borhersdorf. — Cahmen.
Srabjteine zwei vor dem Altave: Adrian Bergam 1646. — Johannes Reinholdus
Reinholdi Lubnav. a Lilienklaw electoralis Consiliarii et Sophiae Krintziae filiolus
primigenitus M-D-C- LIII.
Um die Slirche herum ein mit chönen Linden bepflanzter Kirchhof; ihr gegemüber
der „neue Kirchhof“ von 1796, ebenfalls mit jehönen Bäumen bejtanden.
Nachrichten über das Kipl B.
Harnod, &. u. ©. 1890 40 f.
aymen — apr. Dorf; Kirche, Pfarchof, Fönigl. Amt und kölmifches Dorf,
16 km £ftl. im ©. W. von Labiau. Heidnifch Kayın; Cayme 1258.
Borgejchichtliche Altertiimer im Kipl. €.
Legehnen, 4 km Lftl. n. von Caymen P. M. 8.168. Sielfeim, 3 km £ftl.
mo&SD. EM. E.1Iııs GSittleim, Klein-, 6 km Lftl. in D. P. m. 8.12.
|
Abb, 13. Grumdrik Der Burg zu Qaymen.
Die Burg E. joll 1254 vom König DOttofar gegründet fein — Hennenberger,
Ertl. d. Pr. 2. 155. Nach demjelben Gewährsmann ijt jie 1261 „anders gebaut“,
Dem Grundjage zufolge, day erjt die jpäteren Burgen in vegelmäßigem Nechtedl an-
gelegt wırden, müßte diefe Burg zu den älteren gehören, und das Wenige, was noch
zu jehen ift, bejtätigt diefe Annahme. In dem einzigen noch wohlerhaltenen Zimmer
im Exdgefchoß zu E. des neuen Domänenpächterhaufes find zwei fcharfgratige Kreuz-
gewölbe nebeneinander. Die Aufenmauer des chemals fiebenecigen Gebäudes ift über
2 m ftark, Wir geben den Grundriß von Gieje aus den I. 1826—1828 Abb. 13
mit dejjen Text:
„B. Burg Caymen auf der heidnifchen Burg Kaym erbaut. Die Mauer ift von
seldftein und die Gebäude find im ganzen und auch noch an einigen Stellen erhalten.
Gahmen. 29
V. Worburg. Mauer, ebenfalls von Feldjtein, liegt an der inneren Seite zu
Tage, an der äußeren Seite gleich der Fläche des Berges md mit Erde bejehüttet.
K' Wohnftätten.
K" VBorburgen und
Berichanzungen vom heid
nischen Kayım, das aljo ein
Ort von bedeutendem ms
fange war.
C. Kapelle (2)."
Bom Barcham it
wenig mehr zu erkennen,
Doch joll die Barchanmauer
nach Angabe des Gärtners
noch in der Erde, Dem
Caymenjchen Meühlenflich
zu, fteelen. — E. war ein
Kammeramt. Ein Herr
von der Trenf wınrde vom
Drden zum Kämmerer eins
gejeßt, ein geborener Preuße,
da der Orden jolche Nam
mererpoften ausjchließlich
mit Eingeborenen bejebte,
weil fie die Sitten, Ge
bräuche, Gewohnheiten und
die Sprache der Landes-
bevohner genau fenmen
mußten.
Über den Bauern:
frieg, der im 8. 1525 von
EG. ausging, |. die Geld.
Ditpreugens vom 3. 1525.
Bu;Anfang des XV.
Ih. wohnten im Caymijchen
Kanmmeramt die adl. Fu-
milten von Thieme, von
Sergitten, von Sallet, von
Thüngen, von Döbner und
von Gößen, Teßtere beide
deutjchen Urjprungs.
Auf dem geräumigen
und jehr Schönen Kicchhofe
liegt die jeßt ev. Pfarrfirde
E. im Dorfe Bothenen,
Abb. 14, wo auch das Pfarr-
haus (Widdem) mit großem Garten mit prächtigen Linden und Weidenbäumen von
5
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"gget
"
uandep net apa aaa HLraunı
30 Saymen.
jeltener Größe befindfich. Das Aurere der Kirche läft ihre Entftehung in der Dvdenszeit
gleich erkennen. Der Patron ift der König. Der Turm hat 1852 ein neues fpites
Dach mit vier Giebeln befommen, ift aber in feinen Gejchoffen noch im gotischen Ver-
bande aus Ziegeln, nur im unteren aus Feldfteinen aufgeführt. Das Langhaus tt
in Feldjteinen mit Ziegelecen aufgeführt. Die bei den über 1 m ftarken Wänden nicht
nohvendigen, binnen Strebepfeiler find jpäter Hinzugefügt. Der etwas jpätere Chor
mit der gleichzeitig angebauten Sakrijtei hat urjprüngliche, ftärkere Strebepfeiler. Auf
dem geraden D. Giebel fteigen paarweije übereckgeftellte Ziegelpfeilerchen auf. Die Vor-
halle im Meätteljoch auf der N. Seite, jowie ein Exbbegräbnig auf der DO. Seite des
Chors find jpäter angebaut. Fenfter und Thiren find neneren Ürjprungs. Die Kirche
winde im I. 1852 grimdlich vepariert,
v | R
Ya
K
77 T ÄHHET DER: GÜE
Abb. 15. Ruerfchnitt der Rivche zu Cayman,
>
Das Innere des Turmes (ganze* Länge einfchl. beider Mauern 5,96 m) bietet
nichts bemerfenswertes. In feiner Innenmauer r. läuft die alte badjteinerne Treppe
hinauf, welche nicht vom Turme, jondern von der Ecke des Langhaufes zugänglich war;
vgl. Supditten.
Das Langh. (im Lichten 23,85 m („ 10,36 m br, vom Fußboden bis zum
Sewölbejchlußftein 9,92 m h.) mit innen vorgelegten Strebepfeilern beftcht aus drei
Bochen der jchönften Sterngewölbe im Samlande, welche abwechjelnd mit bienjtab-
förmigen umd drewiertelrundftabförmigen Nippen auf tiefliegenden Konjolen beginnen,
aber oben im Scheitel nur mit dreiviertelrundftabförmigen Rippen jchliegen. Überall
vumde Schlußjteine. — An den jpihbogigen, niedrigen Triumphbogen jchliegt Jich
der um eine Stufe höhere Chor an (im Lichten 10,98 m L, 894 m br, vom Suß-
boden bis zum Schlußjtein 7 m h.). Er hat zwei gleiche Ioche Sterngewölbe, deren
Schub von auyenliegenden Strebepfeilern abgefangen wird und die auf tiefliegenden
Kaymen. 31
Konfolen mit bivnftabförmigen Rippen aufjegen umd in einem vumden Schlußjtein zu=
jammenlaufen. An der Brotjeite it gleichzeitig die niedrige, mit einem Tonnengewölbe
gejchloffene Sakriftei angebaut. In Folge des Schubs diejes Tonnengewölbes fehlt
hier der Strebepfeiler gegen den Schub der Chorgewälbe. Abb. 14.
Der Altar. Die Menfa ift von Ziegeln und zeigt hinten zwei mit Stichbogen
gejchloffene Offnungen. Ihr alter A (taraufjab hängt jegt oben im Meitteljoche L.:
Maria in der Glorie mit dem ChHriftustinde, die Mondfichel zu ihren Füßen. 2. o.
9. Catharina; r. vo. 9. Barbara; [. u. 9. Dorothea; v. u. 9. Margaretja. Alles
gute Holzjegnigerei, polychrom bemalt. Der Hintergrund mit in den Sreidegrund
gedrückten Ornamenten, Nhomben mit Hlattfüllung, verfehen und ganz vergoldet. An
den jchmalen inneren Seitenwänden find Ornamente in gold auf rotem Grund auf
Abb. 16. Allarfıhrein aus der Rice zu Caymen.
gemalt, die beweijen, dal der Maler die Nenaiffance jchon kannte. Unter der Maria
war ein Neliquiarium. Das Ganze, Nürnberger Arbeit, aus dem Anfang des XVI. Ih.
Abb. 16. — Der jebige Altaraufja it gleichzeitig mit der Stanzel, um 1708, ent
itanden. Predella: das Abendmahl. Hauptbild: Chriftus am Sreuz mit Maria umd
Iohannes. Unten jtehen um je zwei forinthifche Säulen die vier Evangeliften. Hohes
Gefims. Dariber Ttehen getvundene forinthifche Säulen; neben ihnen L. Petrus,
v. Baulus. Darüber (. Johannes der Täufer, r. Mofes. MNeiches Nanfenwerf. Das
Ganze frönt eine Grablegung, ein Lamm und der Triumphator. Alles in Holz gejchnibt,
vergoldet und in matten Farben bemalt. Mäpige Arbeit.
Altargeräte: zwei filberne Altarleuchter, getriebenes Nankenwerk. Die
Stifterin: Ephrofina de Thüngin geborhne von Kanitin. Anfang XVII. Ih.
Größter Kelch von 1651; mittelfter von 1714; Eleinjter von 1700.
32 Caymen. — Cranz.
Silberne runde Weinkanne: Zofua und Kaleb (mit Degen an der Seite!) auf
einem Stabe die Weintraube tragend, auf der einen Seite graviert. Auf der anderen:
Chriftus aus einer Wunde in einen Stelch blutend. Auf dem Deckel der Kelch. Hinten
unten: R. S. C, 98. (1698.)
Silberner runder Oblatenbehälter, an der Seite in getriebener Arbeit das
Abendmahl; auf dem Dedel die Auferftegung: Georg Schmidt 1700.
Kanzel von 1708 (auf der inneren SKanzelthür) durch die „veriwittibten
von Thüngen 1711 ausftaffieret.” 8. J. P. C. (Samuel Zefter Bajtor Caimenfis.
Unter dem Schalldediel jteht um einen holzgefchnigten Kruzifizus ein Anagramm diejes
Monogramms: Summa Praedicationis Jesus Crucifixus.) Sanzelträger ein Engel.
Sr schlechter Holzjchnigerei der Salvator, die vier Evangeliften zwiichen vergoldeten
gewundenen forinthijchen Säulen. Kanzeltreppenthür mit dem von Kanig’fehen Wappen.
An der Kanzeltveppe find in jchlechter Holzichnigerei Darftellungen zu SIejaias 6
v. 5-8 u. f. w.
Taufbecentijch vom 3. 1646 mit fechs voh gefchnigten Apoftelgeftalten; darin
ein jechgedfiges Taufbeden aus Zinn. In der Mitte die Taufe CHrifti in Umvriifen
graviert. Auf dem Rande fteht 1. Yohann Manteufel ..... soly Dberkter Leut,
r. Margarela von Kanaherin Anno 1646 mit beiden Wappen. Der urjprüngliche
Taufjtein aus Granit liegt im Pfarrhof.
Mittelalterlicher, überlebensgroßer Kruzifizus über dem Triumphbogen, Holz-
jchnigerei in weiß, mattem xot und gold bemalt.
Empore L. im Chore („Amtsjtugl*) ift 1702 mit den lebensgrogen Portraits
des Königs Friedrich L, Sophia Charlotta und Friedr. Wilhelm Steonprinz in jehr
mittelmäßiger Olmalerei gejchmicdt.
Mäfiges Dlbild von Luther und Melanchthon: H. K. (Heine. Königs-
wiefer, Schüler Luc. Cranache) Anno 1564 piet. x. im 3. Ioche des Langhaufes.
Hübjch in dunkelbraun und hellbraun gemaltes Epitaph auf dem Chore an
der D. Wand r. von Adam Dieterich von Thunigen * 1670 + 1675. Sruchtjchnüre
und ein hübjches Engelköpfchen.
Schöne jchmiedeeiferne Nanfen um ein gut auf Blech gemaltes Epitaph aus
dem XV. Ih.: Chriftus am Sreuze aus fünf Wunden blutend; das Blut fällt auf
die Adoranten; an der W. Wanb.
Nachrichten über die Burg E.
Gebauer, Kunde des Samlandes 94. — v. Milverftedt, Wafallen des Santlandes, Kammer-
amt Caymen, in N. BP. P.B. 1855 VII 264—267. ;
Nachrichten über die Slirche zu E.
Gebauer, Die Kirche in EC. in R. P. P. B. 1852 IT 77 f. Ueber die nicht mehr vorhandene
Kirchturmfahne der Kiche N. P. PB. B. 1841 NXV 81-89, — Harnod, &. u. ©. 1890 151 f. —
Aufnahmen von dev Kirche in der Kreisbauinjpeftion Labiau.
Graz, vom lit. kräntas — Uferabhang, früher Cranzfuren, Filcherdorf, jeßt
j
königl. Seebadeort, 40 km Lftl. im N. DO. von Fijchhaufen, 28 km im N. von Nönigs-
berg, war im 3. 1811 noch ein elendes Dorf. In den zwanziger Sahren unjres
Sahrh. richtete e8 der Negierungs- und Medizinalvat Kefjel zum Seebade ein.
Stanz. — Eumehnen. 33
Seit dem 22. Juli 1855, wo das ev. Bethang eingeweiht wurde, hat es einen jelbjtän-
digen Gottesdienst; jeit Michaelis 1877 ift e8 ein jelbftändiges Kicchjpiel. Das Bethaus
ift in Fachwerk erbaut und hat auerordentlich hoch liegende Fenjter. Patron der König:
Orgel von M. Terlegki in Königsberg 1880 erbaut.
Glode eine aus Nudau überwiejene Heine Betglode.
Sarkau, Fiiherdorf, 51 km Lftl. im N. DO. von Fifcähaufen, feit 1883 Filial-
dorf von Granz, gehörte urjprünglich zu Rojitten.
Borgejchichtliche Altertimer im pl. ©.
Sarfau, Eıl. Preußen II 545.
Die ev. Pfnrrfiche, Patron der König, ift jest von Fachwerk mit Heinen hölzernen
Dachreiter, der mit Schindeln gededt ift. Die Sakriftei ift im N, die Eingangs-
halle im ©. angebaut. Die hölzerne Dede ruht auf vier Holzjäulen.
Der Altarfcehrein ftanmt aus der älteren Kirche. Er hat auf der Nurpenfeite
feiner beiden Flügel Bilder in Temperamalerei auf Leinwand, L. unten einen Kruzifizug,
oben nicht mehr erkennbar; r. einen über die beiden Felder gehenden Chriftus. Im diefem
Altarjchrein ftanden Holzjehnitereien, die jebt in der Safriftei aufbewahrt werden: die
h. Anna mit dem CHriftusfinde und Maria, beide 1,15 m h. — Als Figuren werden
ferner dafelbjt aufbewahrt: eine Maria mit dem Sinde auf der umgefehrten Mondfichel
mit einem bärtigen, doppelt verjchleierten Stopfe ftehend. Zwei Apoftel-(?) Seftalten.
Ein fehöner Kruzifirus (ohne Kreuz). Die Figuren find Arbeiten des RYVE. 8).
Zwei Altarleuchter von Zinn mit dem Labarıım, auf drei Löwen jtehend.
Große Glode von Copinus 1782 gegojien. Die Eeinere hat feine Injchrift,
erjcheint aber ihrer Form nach bedeutend älter. Harnod), E. u. ©. 1890 246 f.
Gumehnen, tölmifches und bäuerliches Kirchdorf, 17 km Lil. m. ö. von
Fifchhaufen, urfprünglich Bifchofsdorf 1390; dann GComain 1524, Cumainen 1566,
Kumeyen und Kumegen 1595, Kumeinen im XVIL. 3h., im chemaligen Gebiete von
Ninow- Pojerftieten gelegen; Nynow, früher Ereyno -Lämmerfeld.
Borgejchichtliche Altertimer im Kipl. €.
Cobjeiten, j. von diefem, Ort, 4 km Lftl. j. w. von C., liegt ein „Schloßberg“
am Forkenjchen Fließ. Gieje, 2. UP.
Saltgarben, 3 km £ftl. f. ö. von E. Gailtegarbo, Ninauberg, ein 110 m
über dem Scejpiegel liegender Berg, der höchite Punkt de8 Samlandes. Urjprüng-
lich der Sage nad) eine von Widewut, dem Preufenkönige, beivohnte Burg. Nach
Dämpfung des Aufftandes 1264 Fliehburg des Biichofs von Samland für jeine
ländlichen Untertganen, noch 1278 bejtehend, ausschließlich Hergeftellt aus Holz und
Erde. Man erkennt noch deutlich die beiden fic) um die Anhöhe herumziehenden
Gräben nebft doppelter Umwallung. Sieje, 3: U P. Modell im Königsberger Brufjia=
Mufenm. P. Mm. K. IT 24.
Später ift ein Schloß hier gebaut worden. Im XIV. Ih. ift davon bejtimmte
Nachricht: 1329 bejtätigt Johannes, Bijchof von Samland, den Verkauf des unterhalb
jeineg Schlojjes Ninau (sub castro nostro Rinow) belegenen Kruges. Weitere Urkunden
3
34 Eumehnen,
von den Sahren 1338, 1355, 1384. In der nım folgenden Urkunde von 1399 wird
de3 ehemals vorhandenen Schlojjes gedacht. (Die vier erjten Urkunden nad) Gebauer in
den Matrienl. ViichHuf.; die feßtere im Ordens-Archiv, exjte Abt, Schiebl. NXIX.) Herzog Albrecht
ernenexrte diefe Verfchreibung im Jahre 1539 „Hiemit wollen wir ausgenommen haben
den Berg, auf welchem etwan das Schloß Nynau gebauet ift“ ı. j. w. —
Verfchiedene Durchhane durch die Waldung geben jchöne- Ausfichten auf Königs-
berg, Haff und Meer. Bis zum 3. 1772 blieb der Berg landesherrliches Eigentum,
Die Aufmerkfamfeit auf den G. wurde durch den hier oben beerdigten Striegsrat
Scheffner 1816 geweckt, welcher die Errichtung eines Landwehrfrenzes auf einem
Unterbau von tüchtigen Granitblöcen in Anregung brachte; 1858 wiederhergeitellt.
Abb. 17. Prenkmal auf dem Gallaachen,
Der Unterbau erinnert auf gußeijernen Tafeln an die Schlachten umd Friedeng-
jchlüffe der Freiheitsfriege. Ein Granitblod trägt die Injchrift des Stiftungstages:
27. Sept. 1818. Abb. 17. Auf der ©. Seite eine Vierteljtunde bergab befindet fich in
einem Seitenthal ein aufgejchüttetes Kenotaphium mit einer von einem Lorbeerkranz
umvahmten, mit Fadel und Schwert gezierten gußeifernen Infchrift:
Den Taufenden, die für das Palerland ein]t farben,
Dem Staat amd Fürften Beil, füh Lob und Pank sewarben,
1818.
Nachrichten über den Galtgarben.
Faber, Beiträge z. Hunde Breuf. IV 122 ff. V 534 ff. — Gebauer, Humde des Samlandes 1835 10 f.
— dv. Boenigf, Der Galtgarben u. j. Befeftigungen in ©. d. A. P. 1879/80 31—41, 82—87. — Klraufe,
Das Landwehrfrenz 1. j. w. in Ü. M. 1889 383 ji. — Neufch, Sagen des pr. Santılandes ? 54 ff.
Gumehnen. 35
Dom Schloffe auf dem G. joll nach Hennenberger, Erfler. d. Preuf. Landtt. 136
die Widdem (Pfarrhaus) zu Cumehnen gebaut jein.
Seefeld, 4 km Lftl. ö. v. E. (1407 vom Bilchof Heinrich von Seefeld als
bäuerliches Dorf gegründet). P. M. N. 1208. IT 419. 420. — Wernershof, 3 km Lrtl.
1b. PM. 8.1138. Wernershof hat feinen Namen von einem Vorfahren des Malers
Anton von Werner. Conrad, Geneal. u. biogr. Notizen über die oftpreug. Samilie von Werner.
Marienwerder 1899 238. — Wifau, 5 km Lftl. f. ö. v. E, urkundl. zuerit erwähnt
1283 unter dem Namen Wikus. B.M. 8. 1234. Großes Gräberfeld mit Verbrennung
der Toten, Urnenbeifegung und Pferdebeftattung. PM. K. II 387394. A. M. 1889 350.
Die jeht ed. Pfarrkirche zu Cumehnen, Patron der König, it ein mäßiger
gotifcher Badkjteinbau des XIV. Ih. mit Feldjteinfundament. Gejamtlänge (Turm,
Langhaus, Chor) — 41 m; Breite des Langhaufes im Lichten — 12,5 m. Fat die
ganze Nordwand des Langhaufes aus vohen Feldjteinen mit Biegeleden. Der
quadeatiiche Turm liegt der annähernd doppelt jo breiten Kirche im W. vor. Er
war urjprünglich mit einem Kreuzgewölbe überfpannt, wovon noch zwei figuvierte
Konfolen nach dem Langhaufe zu figen. Der Turm fteigt in vier Stochverken auf,
von denen die beiden oberjten durch gekuppelte Blenden belebt werden. Notdacı des
Turmes ein Zeltdach. Später find im W. zwei Strebepfeiler vorgelegt worden.
Die Weitthür ift von außen dreimal abgetreppt, das legte Mal mit einer Faje.
Die beiden Innenprofile der Thiven haben je vier Dreiviertelrundftäbe mit einem
abgefajten Stein. Hieran jehließt fi das Langhaus, wrfprünglich aus fünf Sochen
beftehend, von denen die beiden öftlichen Konfolen [. und x. noch vorhanden find.
Die Sterngawölbe ftürzten eva um 1640 ein. Auf den nach innen vorgelegten
Biegel-Strebepfeilern wurde 1643 die Empore I. errichtet. Gebauer's Nachricht, dad; die
Gewölbe exit 1690 eingeftürzt jeien, ift unrichtig (vgl. Gebauer, Kunde d. Samlandes 107).
Gleichzeitig wurde die Dede in Holz in flach elliptifcher Form wiederhergejtellt. Sehr
jchmaler jpigbogiger Triumphbogen. Der Chor, gerade gejchloffen, hat zwei gleich
große Zoche zwölfteiliges Sterngewölbe mit bienjtabförmigen Rippen, die auf Konfolen
auffegen; Schlufteine nur in der Mittelvippe. Langhaus und Chor jind in gotijchem
Verbande aufgeführt. — In der Abjchlugwand des Chores I. cine tleine Doppelthür
mit gotifchem Befchlage (Sakramentshäuschen); desgleichen in der Mitte zwei Doppel-
then über einander mit gotijchem Bejchlage. — Etwas fpäter als das Langhaus
erfolgte ein Anbau im SW. mit fpigbogigen Blenden im Innern, ebenfalls noch in
gotischen Verbande. — Die Safriftei, mit einem Tonnengewölbe gejchloffen, ijt ein
Anbau im N. DO. aus fpäterer Zeit. Der den Zug abwehrende Vorbau vor der
Nordthir ift modern; Kreuzverband. Im die Kirche führten wrfprünglich drei Thüren.
Die im W. belegene hat auf der Aufenfeite das gotifche Nautenmufter, auf der Innene
jeite ein mächtiges, elegant ausgeführtes gotifches Thürfchloß. Die beiden anderen
Türen lagen fich im N. und ©. genau gegenüber; leßtere ijt jpäter vermauert. Die
N. Ihiie ift augen jpihbogig, innen rundbogig gejchlojfen. Die Dreiviertelrundftableiften
ihrer Gewände haben vohe Kleine Kapitellchen, welche vor dem Brande der Ziegel aus
größeren Stücen mit dem Mefjer herausgearbeitet find. An ihrer Aufenfeite trägt
die Thür die jpäter eingejchnittene Jahreszahl -M-D-LXI- Die vermanerte Sidthür
hat ebenjolche Kapitelle. Ebenjolche Gewände, jedoch ohne Stapitelle, zeigt auch die
Thür zur Sakriftei. Die Fenfter, welche auf der ©. und DO. Seite zwijchen je zwei
jpisbogigen Blenden liegen, find im Spigbogen mit vechtwinklig abjeßendem Profil
3*r
36 Eumehnen.
aeschloffen. Auf der N. Seite hatte der Bau, wie die Mehrzahl der Kirchen des
Deutjchen Ordens, feine Fenjter. Mafe der Ziegel im Chor und Langhaufe
29%X14X75 cm. Im füdweltl. Anbau 27 X 14%X 8—9 em. An der vermanerten
©. Thür 29—30 X 14%X 7 cm.
Der Altar (die Menja voll gemauert; Steine 32 X 14 X 7,5 em) hatte
urjprünglich einen jpätgotijchen Aufjfag aus dem Ende des XV. Ih., welcher im Chor
zwifchen den beiden Jochen r. hängt, und welcher zwei Flügel hatte (Diptychon), von
welchen der eine noch im füdweftlichen Anbau erhalten ift. (Paulus mit dem Schwert;
Abb. 18. Einzelheiten der Rice zu Cumehnen.
auf der Nückjeite ein Heiliger; Olgemälde) Sein Mittelbild, jchön in Holz ge
Ihnißt und polychrom mit reicher Vergoldung bemalt, zeigt die h. Anna, welche dem
Chrijtusfinde in den Armen Marias eine Birne zuveicht. Im Hintergrunde und zu
beiden Seiten vier Heilige. Im den Kreidegrund gedrücte reiche Ornamente mit Ver-
goldung. Die Gewänder Marias und Annas find foftbar verziert. Abb. 19. Über
dem Mittelbilde, hängt in der Mitte Chriftus; ihm zu den Seiten Maria und
Johannes unter einem Doppelbaldachin.
Einem anderen Altare haben vermutlich die in Holz gejchnigten Figuren ange
hört, welche jegt im jüoweftlichen Anbau und hinter der Kanzel lagern: zwei jchön
Eumehnen. 3a
gefchnitte weibliche Heiligenfiguren mit Büchfe und Lamm; zwei männliche und eine
weibliche Heiligenfigur in guter Schnigarbeit. Ein Ritter zu Pferde, größer als die
vorigen (der h. Martin? |. Laptau). Beide Altarauffäge Nürnberger Arbeit.
Im $. 1676 erhielt der Altar einen neuen Aufjag, in Holz gejchnigt; die
Snjehrift auf dev Nüdjeite:
70
Anno 1701 im Peyember
IR dem Börhlten Gott zu Ehren, und zue Bierde der
Ricihe, diefer Thon Anno 1676 zur Zeit Beren Pfarrerf
Beintich Settegaften und einen Bild-hauer Wahmenz
Pfeffer meu erbaute Altar völlig Haffiret und verguldet
worden, auß Freywilligem Zufhuß der Qumehnilhen Ge-
meine duch Bern Chriltoff Pallaraius E. E. Rathts im
Aneiphof! Königsberg MWahlern mit Conlens Sv. Ex-
cellens Wit: Berren Berren Sigtsmumdt von Wallencodt
vögten in Filchhaufen und duch müglühlte Beforderung
Beren Gottfeiedt Wilamovit. u. J. m.
Am Altarauffag in der Predella das Abendmahl; Olgemälde. Darüber als
Hauptbild die Kreuzigung; darüber in einem Achte die Himmelfahrt. Über der
. Predella I. die Taufe Ehrifti; v. Chriftus in Gethfemane Neben dem Hauptbilde
fteht je eine forinthifche Säule mit hohem figurierten Unterfag. Daneben [, Lucas,
vr. Johannes. Auf den Säulen tehen auf weit ausladendem Gefims v. Marcus,
[. Matthäus. Neben dem Achteek ftehen zwei gavundene Forinthiiche Säulen. Darauf
auf weit ausfragendem Gefims zwei Engel; oben auf dem Achter ein Sreis mit
Lamm und Fahne darin. Oben jchliegt der Altarauffab mit Chriftus als Triumphator
ab. Im Aufemwerfe der Phönig, die Schlange am Stamme, Engel u. j. w. Der
ganze Altaraufjag ift ein mittelmäßiges Werk.
Meflingene Altarleuchter aus dem vorigen Jahrhundert.
Ein filberner vergoldeter Kelch. Unterjat gotifch; die jechs Notuli enthalten den
Namen Ihefus und darüber und darunter je den Namen Maria mit einer Nofette.
Die Cupa aus dem Jahre 164...
Ein filberner vergoldeter Kelch von 1691. Eine Patene dazu.
Eine Oblatenjchachtel, rıumd, filbern, vergoldet, mit Wappen auf dem Dedkel:
ein fpringender Gemsbod. Unter ihrem Fuße: @. P. Kohlen. 8.P.R.A.NR.B.
Pattonin MA? 1693. liber von Koplen und Pattone j. I. Callandi, Königsberger Stadtgejchlechter,
in Altpı. Monatsichr. 1883 17 ff. 215 F.
Eine filberne Weinkanne: Fräulein Barbara von Eppingen. Der Qummen-
Ihen Kirchen vermarht Gott zu Ehren Anmo 1694, Mit Wappen.
Einer der Klingelbeutel von feinem roten Sammet mit Goldborten.
Kanzel von 1690. Um fie ftehen, mangelhaft in Holz gejchnigt, Chriftus und
die vier Evangeliften zwifchen gewundenen ionifchen Säulen. An der Kanzeltreppe
Petrus, Mojes, Paulus. Ein in Holz gejchnigter Engel trägt die Kanzel. Auf der
Kanzel zwei Bilder zu Iejfaias 6 dv. 5—8 (fj. Kanzeltreppe zu Pobethen) und Apoftel-
gejch. 10 v. 34: Petrus vor der Gemeinde in Cäfarea. Unter dem Schalldedel die
Taube; auf dem Schallvedel Engel mit Marterwerkzeugen und Chriftus mit der
38 Eumehnen.
Siegesfahne. Über der Kanzeltyür: Obott zu Ehren haben die Kankel Anno 1690
[ehen und Hno 1704 mahlen und vergülden lalfen Nohamnes Puchavab :- Kauf
und Bandelsman, und feine Ehefrau Gertrud geb. Rannegiesserin : auf
Königsberg :-
Gleichzeitig, 1690, it an dem Triumphbogen L. im halben Achter eine Taufe,
aus Holz gejchnißt, hergejtellt. Im jeder Ede eine gewvundene ionifche Säule auf
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7%,
Abb. 19. Altarvauffah in der Kirche zu Qumelmen.
einem ungefähr 1 m hohen Unterbau mit Gemälden. Über den Säulen ein aus-
ladendes Gefims; darauf in mittelmäßiger Holzjchnigerei die Charitas u. |. w. Inner:
halb der Säulen elegant gejchnigte Nanfen.
Innerhalb dev Taufe eine Tauffchüffel aus getriebenem Meffing mit finnlofen
gotischen Minusfeln um eine Nofette. Kleine Kreuze und Nanfkenornament it darım
eingejtanzt. Nürnberger oder Augsburger Arbeit; NVI Ih.
Gumebnen. 39
Der alte urfprünglihe Taufjtein (Weihwafferbeden?) aus der Zeit der
Gründung der Kirche, aus einem Granitblod gehauen, jteht jegt im Turm hinter der
Eingangsthür.
Die Orgel jtammt von 1884, ijt ein Werf von Terlegfi in Königsberg und
in jchönen Barodformen ausgeführt.
BE een -
von Chorgestühl » Cumehnen,
NECATIAWONGA -oE «SoinIg
Abb, 20. Chorfiuhl in der Ricche zu Cumehnen.
Das Geftühl ift im Langhaufe unter dem exjten füplichen Fenfter von W. und
von der vermauerten Thir im ©. bis zum Chor, dann im Chor vr. und [. gotijch.
- Hübjehe Mafwerkjchnigerei im Chor x. Im Chor L. jteht ein gotifches Geftühl mit
Abb, 21. Empore in der Rice zu Cumehnen.
finnfofer gotifcher Infehrift. Abb. 20. Gleichzeitig und wahrjcheinlich von demjelben
Schniter ift die Thür zum fidwetlichen Anbau, ebenfalls mit finlofer Infchrift:
PIE S ISVSEH. PIE u. [. f. VSEH | PIE I@IA IgIE u.j.f. Das Ornament
40 Cumehnen. — Fiichhaufen.
auf der Thir wie auf dem Stuhl im Chor 1. Abb. 20. An der W. Wand des Lang-
haujes ein Stuhl aus dem XVI. IH. mit aufgemalten Intarfien, fog. Dreifit. — Im
Chor in der Ede r. ein Beichtjtuhl in Barockformen.
Die Empore IL. jtammt vom Jahre 1643. (Jahreszahl unter ihr, da, wo die
Malerei aufhört) Sie ift jeher eigenartig durchgeführt und fpäter bemalt. Abb. 21.
Im Langhaufe im legten Ioche r. hängt ein Gemälde des Pfarrers „ottfriedt
Wilamovius geb. zu Königsberg in Preußen Anno 1663 22, Ian. geit. 1726 d.
26. Febr.“ E3 ijt dies der treue Pfarrer, dem die Kivche die Ausmalung der Deite,
der Thüren, des Altares, der Kanzel und der Gemälde in und an der Taufe verdanft.
WBahrjcheinlich jtammt nicht nur die Ausmalung des Altares, jondern die gejamte
Malerei von PBaflargius (j. 0). Die Dede wurde 1703 ausgeführt. Mittelbild
oval: Chrijtus gen Himmel fahrend; Mofjes mit dem Hohenpriefter; Sohanmes der
Täufer; „Kennzeichen“ der Evangeliften. Dann um das ovale Mittelbild herum die
vier großen Propheten. Am Chor: Adam umd Eva im Paradiefe. An der Wejtfront:
Die Arche Noä in der Sintflut. Vier große Bilder zu beiden Seiten: Elija mit
dem Bären (2. Könige 2 v. 24). Abraham opfert Ifaaf. Sodoms Brand: im Norder-
grunde Lot mit jeinen Töchtern. Chriftus exliegt unter feinem Streuze. Im den vier *
Eden ovale Bilder: Verkündigung Mariä. Anbetung der Weijen. Chriftus mit der
Samariterin. Ausgiegung des h. Geiftes. — Alles jehr mittelmäßige Bilder. Schönes
Nanfenwerf zwifchen den Gemälden. Liber dem Triumphbogen eine figende Frau mit
Buch; Daneben je ein Cherub. — Die W. Thür mit forinthifchen Säulen, worauf
streuzgewölbe ruhen, bemalt; darin ein Büßender. Die N. Thür innen und außen
ebenfalls mit forinthiichen Bogengängen; innen der barmherzige Samariter; augen
Chrijtus unter dem Verfe Joh. 10 v. 9: Ich bin die Thür u. f. w. Im der Taufe
hängt ein Ölgemälde: der Pfarrer G. Wilamovius mit feiner Ehefrau Anna Catharina
von Koylin und neun Slindern einen Keuzifirus anbetend. Anno 1703 Mens, Septembr.
Die ältejte und Eleinfte Glocke hängt aus einer Luke im Turm heraus und hat,
joweit jie lesbar, folgende Infchrift: .... INS ANNO DO....
Nachrichten über E.
Hennenberger, Erflerung d. Preuß. Landtt. 244 f. — Gebauer, Kımde des Samlandes 106 f.
116 5. — R. Bergau, Die Kirche zu Cumehnen im Samlande. Altpren;. Monatsjchrit 1866 558 fi. —
Nogge, Schattenriffe aus dem Firchl. Leben der Prod. Preufen in A. M. 1879 116. — Über eine
Stiftung an die Pfarre in C. von Friedrich von Olfen 1696 MIEB. PB. DB: 1856. IX 451 ff —
Harnod, E. u. ©. 1890 65.
Abbildungen der Kixche zu E.
Bwei Bleiftiftzeihnungen von U. Hagen. WU. R. VBaterläindisches. Mappe II.
ischhaujen, Kreisftadt feit 1818, Hart am frifchen Haff, an der Klönigsberg-
Pillauer Eijenbahn und Kunftitrafe, 32 km Lftl. im W, von stönigsberg,
hieß anfangs Schonewit, 1320 bi3 Mitte des XIV, 3). Bifchoveshufen,
Jpäter Bifchhufen, 1360 Vijchhufen, 1453 Fifchwfen. Kreis F. — 1061,36 [_]km.
As Heimich von Strittberg, der erjte eigentliche Biichof von Samland, nach
Preußen kam, erbaute er fich in dem ihm von dem Orden 1264 für Lochjtedt über-
wiejenen Dorfe Schonewif einen befejtigten Biihofsfig um das Jahr 1268. Bifchof
Fiichhaufen. 41
Siegfried von Samland juchte den Ort jchon im $. 1299 zur Stadt zu erheben,
indem ev fie vier Deutjchen, Bernhardus de VBarthe, Hermannıs de Grimme, Hennete
Kenfe und Hennefe de Badendorf, zur Lofation überwies und fie aus eigenen Mitteln
mit einem Graben und Planten zu beivehren verjpracd). A. M. 1876 486. Dieje Urfimde
wurde gegenjtandslos. Der Ort wırde erjt 1305 mit dem ftädtifchen Privilegium
bejchenft. Voigt, €. d. P. II Nr. 50. IT Nr. 1.
Die Stadt it im großen polnischen Kriege (1454—1466) von gefchichtlicher
Bedeutung geworden, weil fie im 3.1455 nebjt dem nahen Lochitedt zum Stübpunkte
der Ffriegerifchen Unternehmungen des Drdensfpittlers Heinrich Neu von Plauen
gegen den aufrührerifchen Kneiphof-Nönigsberg diente. Im Sabre 1456, als die
Danziger über Lochftedt jtürmten, ebenjo 1459, als Wehlan belagert wurde umd die
vereinigten Danziger, Elbinger und Braunsberger den Orden im Samlande zu be-
jchäftigen fuchten, war %. den häufigen Angriffen des Feindes ausgefeßt. Im I. 1462,
wo ein polnifcher Haufe während der Belagerung Frauenburgs über das Haff jehte,
überfiel diejer die Stadt, plünderte fie und brannte jie auf, jo daß nur die Pfarrkirche
und die bijchöfliche Burg der Zerjtörung entgingen. Während desjelben Sirieges diente
8 auch zum vergeblichen Friedensverfuche, den der dänische König Chrijtian I. im
3. 1458 unter Vorfig des Bijchofs Nikolaus von Schöne unternahm.
Auf der Burg zu %. ftarb 1618 der blödfinnige Herzog Albrecht Friedrich. In
Folge defjen vereinigte Johann Sigismund Preußen mit Brandenburg.
Im 3. 1628 wurde hier der Waffenftillftand zwifchen Gujtav Adolf von Schweden
und Kurfürft Georg Wilhelm von Brandenburg verhandelt, der zu Altmark mit den
Polen abgejchlofjen wurde und das Samland der jchwedischen Sequeftration unterwarf.
Während diefer Zeit verarmte und verödete 3. fait gänzlich.
3. blieb der Sit des jamländifchen Bifchofs bis zu feiner Reformation 1524,
wo der evangelifch gewordene Bilchof Georg von Polent es dem ehemaligen Hoch-
meijter, Markgrafen Albrecht, erjtem Herzoge in Preußen, 1525 übergab. Die Burg
3. wırde um die Mitte des XVI. Ih. in eine herzogliche Domäne verwandelt, welche
der neugefchaffenen Hohen Schule zu Königsberg Befoldung und Getreide zu liefern
hatte. 1723 winde die ehemalige Schloß (Amts) Freiheit mit der Stadt vereinigt.
Im Jahre 1866 kam die ehemalige bifchöfliche Mühle dazu.
Eine mangelhafte Gejamtanjicht befindet fich in Hartfnodh, Alt und Neues
Preußen 1684 401.
Wappen: Schild, auf welchem ein Bifchofftab und ein DOxdensritterichwert
gefreuzt liegt. (Samländifches Wappen.) In dem unteren dadurch gebildeten Winfel
jchwebt ein mit dem Kopfe nach oben gerichteter FZich. Auf dem ältejten mit 1305
bezeichneten Stempel wie auf dem jeßt gebräuchlichen findet man diefelbe Darjtellung.
Die Darftellung der Farben ift nicht bekannt. Als Stadtfarbe gilt hellblau, Sieb:
macer, Wappenbud) I 4 II 202. Taf. 224.
Vorgefchichtliche und gefchichtliche Altertümer im pl. %.
BP. M 8.138 Bm. 8 Ta. — Im Prod.-M. ijt unter Andrem ein Stein:
hammer und eine durchlochte Steinagt. — Eine Schanze, jog. Schwedenfchange, ift der
„Eisfeller“ ı. von Fifchhaufen, jet Kirchhof der Domäne — Eine jolche liegt auch
bei Dargen, 2 km Lftl. im N. W. von %. ©. 5. U. P. 1879/80 63. 66. 74.
or
Eine mittelalterliche Befeftigung hatte 3. nicht.
42 Fiichhaufen,
Die Burg Schonewif ift vom Bijchof von Samland um das Jahr 1268 angelegt.
Urkundlich tritt der Name „Schonewic“ zuerjt 1268 auf. Nach unfren Nachforjchungen
ift davon nicht mehr viel vorhanden, wir haben aber durch Giefe zwei Zeichnungen
davon, die wir in Abb. 22 wiedergeben. Die line fertigte Giefe nach einer Zeichnung
an, die im Befig des Archivars Hennig war, der auch eine Vejchreibung des Schlofjes
bejaß. Die vechte zeichnete er von einem Gemälde ab, das damals in der Kirche zu
Medenau hing und das 1654 angefertigt wurde. Im beiden fehen wir noch den
1776 durch einen Blibjtrahl getroffenen Turm mit welfcher Haube. Das Schloß; B
hatte im Erdgefchog die Wohnung; Keller waren der tiefen Lage wegen darunter
nicht vorhanden. Ieht ift mm noch die als Scheume benußte „Kapelle“ K erhalten.
Der darunter liegende Keller beweift, daß; fie vierjochig war; bier liegen vier Joche
REM „ui
Abb. 22, Greundriß der Burg zu Filchhaufen. Anliht der Ricche zu Fifchhaufen.
Krenzgewölbe, die durch Gurte getrennt werden und auf Nippen von quergelegten
BZiegelfteinen ruhen. Das Hauptgejchoß, in welchem die „Kapelle“ lag, hatte die
Strebepfeiler innen vorgelegt; bivnjtabförmige Nippen fegten auf Konfolen auf.
Mehrere davon find im P. M. erhalten: Großer Kragitein vom Oberamtmann Gerlach
gejchenkt. PB. M. Inventar 33, 25 alte Nummer. Großer Edfragjtein von Sandftein: Unter
einem Gefimfe befinden jich Nofetten und darunter, weiter zuwiicktvetend, andere Ver-
zterungen. uf der oberen und unteren Seite fieht man die Hilfslinien, die als Zeich-
nung zur Einteilung der Mafje vorgeriffen wurden. P. M. Inventar 33, 24 alte Nummer.
Bon demjelben gejchentt. — Auer der „Kapelle“ find einige Nefte von Ziegelmauerwert
der Vorburg zwilchen Amtshaus und Haff übrig, die gotifchen Verband zeigen. —
Ein achtediges Granitjtüc, wahrjcheinlich Fundament eines Nemterpfeilers, liegt an
Füchhaufen. 43
der NW. Ede der „Kapelle“. Im 3. 1294 ijt dajelbjt eine Domkirche erwähnt,
wahrjcheinlich unjere „Kapelle*. i
Die jebt ev. Pfarrkirche, deren Patron der König ift, liegt mitten in der Stadt.
Im 3. 1321 it ein Pleban von 3, Johannes, Zeuge. Demnach feheint die Kirche
ungefähr 1315 fertig gewejen zu fein. Sie ijt von 1852 bis 1856 gründlich twicder-
hergeftellt. „Ein mit Zinkblech bejchlagener, im byzantinischen Stil geformter Klingel-
turm jtand neben dem gotischen Hauptturm mitten auf dem Dache in halb jchiefer
Abb. 23. Anlicht der Rice zu Filchhaufen.
Stellung. Am prächtigen DOftgiebel war ein Schweine- und ein Gänfeftall in der
ganzen Breite desjelben angebaut.“ „An der Südfront waren zwei Holzjtälle und ein
Choraufgang und am Turm der Kieche ein zwei Stocd hohes Gebäude angemauert.“
Sp jchildert der damalige Pfarrer Merleder 1873 die Kirche. est it fie gut
wiederhergeftellt, fie ift aber von Feiner Seite gut zu jehen. 1889 erhielt fie neue,
in ihren Stil nicht völlig hineinpafjende Emporen. Sie it im gefugten Ziegelbau im
gotischen Verbande aufgeführt. Yon dem Aupeven it der Turm und der öjtliche
Staffelgiebel bemerkenswert. Alles übrige ijt im Jahre 1852/56 reftanriert. Im
44 Fiichhaufen.
3. 1864 erhielt die Kicche einen jehönen Schmud (von Friedrich Wilhelm IV.) in den
beiden von Siemering gejchaffenen, bei E. March gebrannten Terracottaftatuen des
9. Adalbert umd des erjten evangelifchen Bijchofs Georg von Polens; dariber in
einer Nifche das weniger gelungene Terracottabildnis des Heilands, auch von
Siemering. Abb. 23.
Sm Innern ift der Turm in dem Erdgefchog mit einem SKreuzgewölbe mit
bivnjtabförmigen Rippen mit Schlußjtein, welche auf vier rumden profifierten Konfolen
aufjegen, gejchlojjen. Eine Badjteintreppe führt in feine oberen Gejchoffe von der
Vejhvand des Langhaufes. Das Langhaus hat vier Ioche zwölfteiliges Stern-
gewölbe, deren bivnjtabförmige Rippen auf SKonfolen anjegen. Die Strebepfeiler,
woran die Konjolen jigen, find nach innen gezogen (wie auch im Chor). Im dritten
Soche tft auf jeder Seite eine Vorhalle angebaut. Nach einem fpigbogigen Triumph
bogen jegt der gerade gejchlojjene Chor mit zwei Gewölbejochen an, die ein noch
veicheres Sterngewölbe haben, fjonjt aber wie das Langhaus geftaltet find. Im N.
Ihliegt die mit einem Sreuzgewölbe gededte Sakriftei fich dem exjten BSoche des
Chores au.
Die Kirche (Turm, Langhaus und Chor) ift 48,6 m [, Langhaus 10,6 m br.
im Lichten. Dachhöhe 18,8 m; Turmhöhe 25,6 m.
Der Altaraufjas, 1606 erbaut, 1855 erneuert, ift eine Nachahmung des Altar-
aufjaßes in der Domkirche zu Königsberg. In der Predella das Abendmahl. Schlechte
Olmalerei. Hauptbild die Dreieinigfeit, jehr jteif in Holz gefchnigt. Darüber die
zehn Eugen und thörichten Jungfrauen, die Chrifto entgegengehen. Auf den beiden
Flügeln ift die Leidensgefchichte Chrifti ohne jegliche Kunft in OL dargeftellt.
Ein 17,5 cm h. jilb. vergold. gotifcher Kelch. Um die Eleine trichterförmige
Gupa find dreizehn Lilien aufgelötet. Der Schaft zerfällt in einen reich ornamentierten
Knauf mit jechs Notulis, welche mit dem Chriftusfopfe und ums nicht verjtändlichen
gotischen Minusteln: va lv a geziert find. Liber dem Snaufe find fechs Stick Haven
Bernjteins, als Tafelfteine gejchliffen, eingefegt. Unter ihm desgleichen. Die Bernftein-
jtüce find vom Pfr. Oramert (184066) anjtatt der fehlenden Edeljteine angebracht.
Der Fuß, im Sechspaß gejchloffen, enthält in herrlicher getriebener Silberarbeit die
Figuren von Maria mit dem Stinde, Gott Vater mit dem Kruzifizus, der h. Dorothea,
h. Margaretha, H. Catharina umd b. Barbara in überreichen Ornamenten. Abb. 24
und Taf. 1.
Eine jilb, innen vergoldete Batene mit dem ermländifchen Wappen. Am Rande
ein Chriftusfopf mit Weihekreuz graviert.
Fichhaufen. 45
Ein filb. vergold. Kelch. Nur der verkehrt angelötete nauf gehört der Spätgotif
an; feine jechs Notuli enthalten den Namen ihesus in gotischen Minusteln, dazwiicen
oben und unten eingraviertes Maßwerk mit Fiichblafen. Der Fuß dom 19. May 1801
mit aufgelötetem Sruzifizus ohne Kreuz.
Die dazıı gehörige Patene trägt auf ihrer Nückjeite die Infchrift: Anno 1644
den 11 Yunius Gabriel Berfchmih, Bürger und Schmidt. Am Rand ift das Weihe:
fveuz eingravdiert.
Ein Kelch, filb. vergold,, XVIH. Ih. Nückeite: 6. W. 8.
Batene dazu: M. €. ©.
Abb. 5. Bucheinband zu Fifchhaufent.
Eine reich ornamentierte jilb., vergold. gewejene Weinkanne aus dem XVII Ih.
mit der Figur der Charitas mit drei Putten auf dem Dedelgriff. Auf der Kanne in
latein. Majusfeln: Ieronimus Bahmeyer, (Hausmarke.) Hanes Balmeyerlihe.
Eine filb. runde DOblatenbüchfe mit der Infchrift in lateinijchen Majusteln:
Aw 1615 W: Johannes Wegnerus Pfarrer, — Mattheus Krause bin ich
nenant, | Wannes Forsten Tamt wolbekant. | Dieses zu Gottes Ehren an-
aewant, Auf dem Dedel eine winzige weibliche Figur.
Ein Kirchendbucd von 1700, in dunkelgrünen Sammet gebunden, mit jilb.
Schliehhafen (Petrus und Paulus). Vorderjeite: in der Mitte Gott Vater; an den
vier Eden die vier Evangeliften. Hinterfeite: in dev Mitte die Trinität; an den Ecken
je zwei Evangeliften (Johannes und Lucas) wiederholt. Alles in Silber getrieben.
46 Fischhaufen.
Su dem Buch die Infehrift: Ammo 1700 von Chriltian Medemeyer Stadtkämmerer
und Pb. Ricchenvorfteher derfelben: nefihenken. Abb. 25.
Kanzel, XVII. Ih., achtedig, in Holz gefchnigt. Darauf ein meffingner Leuchter
mit dem Doppeladfer.
Der alte Taufjtein fteht jet in der Turmballe: das darin befindliche Tauf-
beefen von Meffing ift Ninberger oder Augsburger Arbeit des XVI. oder XVII. Ih,
In der Mitte in geftanzter Arbeit die Verkündigung Mariä; um diefe herum gotische
Jumloje Majusfel- und Minustel-Schrift. Um die Schrift ift in gepunzter Arbeit ein
fiich6lafenähnliches Ornament und NRanfenwerk mit Streuzen angebracht.
Die Drgel 1616 von Adrian Zeickermann und jpäter Jacob SKnerde erbaut;
1727 venoviert; abermals von Jacob Preuf 1821. (Darauf bezieht ich die Infchrift
auf dem Notenpulte) 1856 von Scherweit repariert.
Abb. 26. Kicchftuhl zu Fifchhaufen.
Ein Kronleuchter von Meffing: Yochim Pensam gewefener Amptsbraver
hat diefe Meohne voreret in der anderen More nach Pfleen Hıımo 1655,
Darunter ven.
Ein Kronleuchter von Meffing aus dem XVIL. Dh. mit einem Doppeladler.
Ein mejjingner Löwenfopf trägt einen dreiarmigen Leu hter: Peter Benthufen
Anno 1611, L. am Treiumphhogen. Die andren dreiarmigen Leuchter find modern.
Ein mejfingner Doppelleuchter mit dem Doppeladler; XVIL Ih.
Das Gejtühl ift zumeift aus dem XVIL. X. und im Langhaufe jchlecht bemalt.
Auf einer Stuhlthür jteht 1697.) Mehrere hübjch im VBarodjtil gejchnigte Stühle,
darımter der Abb. 26 dargeftellte. Eine jchöne in der Art Melcher Breuers bemalte
Vorderwand eines Gejtihls ift 1889 aus der Sirche verschwunden. Der Beichtjtuhl
vr. vom Altave ift ein Gejchent des MWohlthäters der Stadt 3, de8 Magifters Joh.
Fiichhaufen. — German. 47
Sottl. Fifeher, vom 3. 1770. Sehe nüchterne Schnigarbeit. Filcher, geb. 1718 7 1796,
wide unter dem Turme der Klicche zu 8. begraben.
Die barode Ausmalung der 1889 entfernten Emporen hatte der Nat Phal
gejtiftet: Ludovicus Phal, Consul hujus.Civ.: in honorem DEJ hoc illuminari euravit,
Über die Epitaphien und Gedenkjteine j. Merfeder, Beihr. d. 8. zu Sifchhaufen 13 fi.
Nachrichten über $.: Burg, Stadt und Sticche.
Hennenberger, Exfl. d. Preuf. Landtafel 130 f. — Merian, Topogr. Prussiae 25. — Hart-
fnoch, Altes und Neues Preufen 400. — Gebauer, Kunde des Samlandes 89 F. 93. 1045 —
Nachrichten iiber die Lehnsgiiter des ehemaligen Hauptamts inFgmN P. BP. B. XI 1857 206—216. —
Merleder, Beichreibung dev Kirche von $. 1873. — Lok, 8. T. D. 208. — Harnod, €. u. ©.
1890 66 ff.
e ermant, fülnifches Kicchdorf, 12 km Lftl. n. von Fiichhaufen. Im heidnifcher
SR ) Zeit Giemowe (2); Gyrme 1258; Öirmav und Germav 1595.
VBorgejchichtlice Altertümer im pl. ©.
Sorjeiten, 4 km Lftl. j. von G. Silberne Armbruftfibehn u. j. w. im Rrov. M.
Tischler, ©. 2.8. 6. 1886 22-24. Ellernhaus, 4 km Lftl. |. d. von ©. PM. 8. 1251.
Eine Schanze n. davon im Panges-Bruch, Gieje, 3. UP. ©. d. MP. 1870/80 62
Gauten, 4 km Lftl. j. von ©. P. m. 8. 1278. 293. German, P. M. N. I 15. 42. 44.
58. 73, 110, 112. 115. 275. II 76. 77. 81. 82. 420. A. M. 1873 77. Großer Bernfteinring
im Prov. M. — von Boenigf, Über d. Umenfelder des Germauer Berens A M. 1877 662 if.
Sodnicden, 6 km Lftl. j. von G. PM. st. II 208. 419. Die hier liegende „Schweden-
ichanze* ift 1877 abgetragen. Gieje, 3. U. P. Srebieten, 3 km £ftl. j. w. von ©.
P. M. S. I 147. II 450—455. ©. d. U. P. 1886/87 174-183 m. 5 Tafeln. Daraus eine große
jilb. Fibula. Haufenberg bei Eraxtepellen, 5 km Lftl. m. w. von $. Altheidnifcher
durch Umzäunung befejtigter Wohnfis, auf welchem jpäter die alte Umzäunung durch
Umwallung erjegt wurde, gleichfalls noch in heidnijcher Zeit. Modell im Prufjia-
Mufeum zu Königsberg. PM. 8. IT 18. Gicfe, 3.4.9. ©. d. UP. 1879/80 62.
Haufenberg, Großer, 2 km Lftl. n. von ©, w. vom Morajt Gauge Zufluchtsort
für die neubefehrten Samen bei Einfällen der heidnijchen Litauer. Letes Drittel des
XII. Ih. Modell im P. M. K. III 20. Ausgrabungen 1877. A. M. 1879 ©. 176 |.
von Boenigk fand dajelbft Überrefte eines Blodhaujes mit Strob- und Strauch-
verjchlag. ©. d. A. P. 1877/78 65. 1886/87 93. Gieje, 3. WB. Av. Cohaujen, Alte Ver-
Ichanzımgen u. |. ww. in Rheinland md PVreugen in Zeitjehr. F. preuß. Gejchichte ur. Sandesfunde 1866
613 ff. Neufch, Sagen des preuf. Samlandes? 56 ff. Haufen, Kleiner, im Pfarrlande
zu German. PM. 8.1. Fliehburg für den Wafjermüller. ©. d. U. P. 1886/87 91.
Gieje, Z.U.P. Kirpehnen, 1 km gftl, j. von ©. Nächit Dollkeim und Wisftauten
die bedeutenditen Gräberfelder im Samlande. P. M. 8. I 45. 49. 50. 51. IT 59-61. 79.
309. 327330. ©. d. AR. 1877/78 9 ff. 1879/80 110. Krattlau, 2 km gftl. 8. von ©.
P.M.R.IT134. Linkau (1258 Lynthowe), 7 km Lftl. |. d. von ©. P. Ms. II 134.
Nodems, 4 km Lil. j. w. von G. Am Stande liegt ein „Schlohberg, auf der
Generalitabsfarte „Schwedenfchanze“ genannt, den wir nach der Giefe’schen Zeichnung
und Bejchreibung wiedergeben. Abb. 27. „1. Holzwall. 2. u. 3. Vorwall. 4. Halber
(nachgeholfener) Wall“. Bieje, 3. U. P. ©... 2. 1879/80 75.. Palmniden, 5 km
u “
48 German.
Lftl. n. w. von ©. PM. 8.196. 274. Polennen, 5 km £ftl. j. von G. B. m. R. Ir 134.
Nothenen, 5 km Lftl. j. von ©. PM 8.162. Sacherau, 2 km Lftl. | von ®,
FM. 811134. Sorgenau, 4 km £ftl. w. von G. PM. 8.117. Spinnerhaus,
6 km Lftl. j. d. Ein Burgwall ©. d. U. ®. 1879/80 61. Trulad, 1 km £ftl. n. von ©.
PM. K.1132. 113. Warfjchken, 3 km Lftl. m. w. von G. Tifhler, ©. >. p. 6. ©. 1886
153—168.
Im I. 1252—53 ziveiter Einfall des Ordens ins Samland. Der dritte Land-
meifter Heinr. von Wieda fehiekte den Komtur von Chriftburg, Heint. Stange, im Winter
über das gefrorne Haff und über Lochftedt nach) Girmowe; hier fam c8 zur Schlacht,
in der der Drden unterlag.
von Boenigf, Die Unternehmung der Gebrlider Stange auf German. MW. M. 1879 330 ff. ©.
d. WU. B. 1877/80 99 ff.
Abb, 27. Grmmdriß des Schlofberges zu Dodems,
Die Ordensburg ift nach 1270 erbaut und wurde Kammeramt des D. O. Cie
bejtand bis zur Reformation, tvo fie in den Befit des Herzogs Albrecht überging.
1525 im Frieden von Srafau wird ©. noch als Schloß genannt. Seit 1581 Sik
de8 Bernfteinmeifters und der Bernfteinfammer, die von Lochjtedt hierher verlegt wurde.
Seit 1644 ik des neu eingerichteten Vernfteingerichts. Der Galgen des Bernitein-
gerichts jtand auf dem Galgenberge bei Kirpehnen. Lange Zeit jeheint das Schloß zu
diefem Zwecke nicht gedient 5 haben, da die Bernfteinordnung von 1693 Balmniden
als den Sib des Bernfteinmeifters kennt. Wir geben den Grundriß umd die Anficht
der Burg (jet Kicche) nad) Gieje. Abb. 28.
Zu Anfang des XVL 3). war der Germaufche Adel big auf die Familien
Padmohr, Naud, Mayifel und von Nenningen herabgegangen.
Auf drei Seiten find noch die Spuren eines (wahrjcheinlich trockenen) Grabens
fichtbar; im N, DO. und W, noch Überbleibjel der Ningmauer. Der jebige Kirchhof
war Borburg. Im W. lag das Thor, wonach bis vor furzem noch ein jeßt abge
German, 49
brochenes Haus „Die IThorbude“ hieß. Im XVI. 3. wınde der j. lügel des
Schlofjes zur w.
Pfarrkirche gemacht. Patron ift der König. Ein Pfr. Neynherr von G. wird
jhon 1321 urkundlich euwähnt; e8 muß aljo vor diefer Kirche eine andere beftanden
haben, wenn der gedachte Pfr. nicht an der Kapelle angeftellt war, — Die Kirche
bejteht aus dem Turm, welcher 1565 über dem halben Giebel der slirche in DBlod-
verband mit Zeltdach ausgeführt ift (Wetterfahne von 1760), einem La ngbhaufe und
einem angefügten, geradlinig geichlojjenen Chor; beide Gebäude in gotifchem Verband.
Strebepfeiler jpäter angefügt. Schieferdach von 1860. Neparatur des Turmes nach
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Ayyiil
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Abb. 28. Greumdriß und Anlichk der Burg zu German,
einem Blitichlag von 1596. Das Langhaus befteht bis zur Wehrgangshöhe (. u.)
aus Feldjteinen mit Ziegeleden, auch die alten, im Stichbogen gejchloffenen Wehr:
gangsfenfter find von Ziegeln umrahnt. Der Wehrgang jowie der ganze Chor beftcht
aus unverpußten Ziegeln.
Das Langhaus ijt wahrjcheinlich aus dem Refeftorium, welches bei den Oxdeng-
bauten gewöhnlich auf der Sidjeite liegt, nebjt den anjchliegenden Semächern und der
darunter liegenden Küche nebft Vorratsräumen entjtanden, daher die gänzlich unregel-
mäßige Anlage der Fenfter. Unter dem Langhaufe find mächtige Kellergewölbe, durch
eine jegt teilweife verjchüttete Treppe am Turm im N. einjt zugänglich. Um die
4
50 German,
ganze Kirche zieht fich über ihren Fenftern ein Wehrgang, welcher auf zwei Treppen
zu jeder Seite des Triumphbogens herabführt und zu vermauerten Thiven leitet.
Daher die jagenhafte Mitteilung, day aus der Kirche ein unterirdifcher Gang nach
Kirpehnen geführt habe. (Vgl. den Dom zu Königsberg.)
Das Langhaus ijt fpäter mit Holz in drei Kreuzgewölben überdedt. Die
Malereien in den jechs Schildbögen von 1717: Iejus in Gethjemane; Iefus vor dem
Sanhedrin; Chrijti Geigelung; Gang nach Golgatha; Kreuzigung; Grablegung.
Der Chor beiteht aus zwei gleichen Jochen und hat noch feine alten achtteiligen
Sterngewölbe mit birnjtabförmigen Rippen.
Der Altarauffaß wurde „1610 gezeugt, den 15. März 1611 anhero gebracht“.
Er wırde aus milden Beiträgen errichtet, die auf feiner Nüdjeite nambhaft gemacht
werden. Das Abendmahlsbild in der Predella nach einem Kupferftiche von I. Sadeler
nach de Witte (Candido * 1548). 2. und r. der dritte Apoftel von Chriftus, forwie
[. der legte Apojtel find Portraits. Die Bilder darüber nach Kupferjtichen von Mander
nach Olgemälden von %. de Ghein umd 3. Dolendo. (Hagen, Domtirche zu Königsberg 126.)
Viele ablige Wappen daran. Oben am Altare ein jchlechter Kopf Luthers. Über
der Predella der Kruzifieus fchlecht in Holz gefchnigt. Darüber ein Ölgemälde:
Ehrijti Grablegung.
Hwei jchöne filberne Altarleuchter aus dem Ende des XVII. Ih. mit drei
Engelsföpfen am Fuß (vgl. die Altarleuchter der Kirche zu Neuhaufen und Schafen).
Das Altargerät ift 1890 geftohlen worden; darumter war: Ein filberner Kelch
nebjt Batene von 1591: Comwadus Scwanmeufel von Forhheim Pfarchere von
Girman, — Ein filb. Kelch von 1659, einer desgleichen von 1700, desal. von
1782. Eine Patene von 1771. Eine filberne, innen vergoldete Oblatenschachtel
mit Emblemen auf dem Dedel und den Buchjtaben A.V. BO. M.Z QvL.
— Eine filberne Weinkanne von 1797.
Die Kanzel aus Holz, wahrjcheinlich vom I. 1673, mit fehön gefchnigten und
anjprechend bemalten (1775) Fruchtjehnüren auf den Eefen, dazwijchen die vier Evan-
gelijten auf Konfolen mit Engelstöpfen. Der Kanzelvand hat Triglyphen mit Engels-
föpfen. Auf der SKanzeltveppenthür Fruchtichnüre. Auf dem Schalldedel fteht der
triumphierende Ehriftus.
Der Taufjtein, von Granit, jechgedig in Kelchform, fteht in einer Tauffapelle,
welche im Chor r. und gleichzeitig mit dem Altaraufjag ift. Ihe Unterbau mit
Ölgemälden der Gerechtigkeit, Liebe, Hoffnung und des Glaubens, von Rundbogen
und zwei Pilaftern eingefaßt. Darüber haben Worte geftanden, die mit blauer Farbe
überftrichen find. Auf dem Unterbau ftehen korinthiiche Säulen mit Masten; darüber
ein Gejims.
Die Drgel 1767 von Adam Gottlob Cajparini erbaut und von Gabriel Nötel
1769 „ftavirt“.
Ein Kronleuchter aus Meffing mit einem nadten Männchen und Adler mit
einem Kopf darauf. Ende XVII. Ih. aus der Altjtädtifchen Kirche zu Königsberg. (2)
Ein Beichtjtupl L. im Chore von 1683 mit Fruchtjchnüven und fchlechten
Malereien.
sm Langhaufe r. am Triumphbogen eine gefchnigte Kirchenbank aus dem
XVI. 3). Darüber eine Empore von 1673 mit denjelben Fruchtiehnüven wie die
Kanzel.
German. — Hafeftrom. 51
Im Chor [. u. x. Seftühl; XVIL 5). Dariiber ftehen Nachrichten über Er-
bauungszeiten und Ausdejjerungen der Kirche. Eine überall nachahmenswerte Sitte!
Ein Opferftod mit der Infchrift: Arhthundert arm it im Bofpitale
beten | für die mit milder handt zu diefem Lazeo treten, | legt auch vom wenigen
fo viel ihr könne ein | fo wird der armen biff bei Gott erhöret Jeyn. Anno 1714.
Liedertafeln von 1740 und von Samuel Srünenberg 1722.
Schön gejticte Blumenvafengeftelle, die wahrjcheinlich von einer Altar-
beffeidung jtammen.
sn den Altarfenftern mehrere Wappen in Glasmalerei von 1610 md 1611.
Ar der D. Wand des Chores von außen zwei Grabfteine, der eine von Chatarina
Srünenberg F 1704 und Anna Lonija Magdalena geb. Grünenberg aus Klirpehnen
veregelichte von Auer F 1764. Ein Grünenberg war im XV. Ih. Pfr. in ©.
Der große Kirchhof, welcher 1781 mit Linden bepflanzt wurde, liegt an der
Stelle der Vorburg.
Nachrichten über das Kipl ©.
Dusburg ed. Hartfnoch 169 f. — Hen nenberg, Exfler. d. Preuf. Sandtt. 140. — Gebauer,
Kumde de8 Samlandes 104 f. — Harnod, €. u. ©. 1890 68 f. — v. Millverftedt, Vajallen-
Negijter de8 Samlandes, Kammeramt German, N. BP. P.B. 1855 1. 256—257. — Eine Bleiftift-
zeichnung der Kirche v. WA. Hagen 1832 im A. P. M. Vaterlind. Mappe,
afejtrom, fönigl. Dorf, 8 km Lftl. |. w. von Königsberg an der ehemaligen
zweiten Mündung des Pregels (1741 verdämmt, um die Hauptmündung
mehr zu vertiefen). 1349 Haberftro; fpäter Haabejtrohm.
Die Pfarrfiche follte urjprünglich nach der Urkunde von 1249 ©. d. Warm. I 98.
nach Slinia — Slumien (Zerofhin Sr. PL 541) — Calgen, 2 km £ftl. ö. von 9,
fommen, ift aber niemals ausgeführt worden. Bender, Zeitichr. f. Gejh. u. Altertumstunde
Ermiands v 42. Die heutige ew. Pfarrkirche wird in der Schenkungsurkunde des Hm.
Heinrich Dufemer an den Löbenicht (Königsberg) vom 3. 1349 als eine jchon vor=
handene „Kapelle an dem habe, haberjtro genennt“ erwähnt, in welcher der Hm. fie
dem Nonnenklofter im Löbenicht jehenkt. Im I. 1363 beftätigt auf Anfuchen des
Hm. Winrich von Kniprode der Bijchof Iohannes II. Streifrod don Ermland die
Schenkung auch in Bezug auf die Firchlichen Verhältniffe, indem er gleichzeitig die
Pfarrficche zu Lichtenhain (Lichtendagen) dem Siofter einverleibte, die bi8 dahin diejer
Sirche zugehörige Kapelle in 9. aber zu einer jelbjtändigen Pfarrkicche erhob. Sie
gehörte zum Erzprieftertum Greuzburg. ©. x. ®.I 395. 425.
Das heutige Kirchengebäude, deren Privatpatronat in Manlen und Wundlaken
(1284 Windelaufen) fiegt, ftammt aus der Ordenszeit, ift aber vielfach umgebaut; fein
Turm ift vor ungefähr 100 3. neu gebaut. Die beiden jtichbogigen Blenden auf der
N. Seite find alt. Die Kirche bildet ein Nechted, an den Eefen mit vier diagonal
gejtellten niedrigen Stvebepfeilern und zwei hohen in je der Mitte. Der MW. Giebel
urjprünglich in fieben Ipißbogige, der D. Giebel in neuerer Zeit in fünf Blenden gegliedert.
— Der fich nach oben etwas verjüngende Turm hat deswegen keine Edjtreben. Sein
Schindeldach von 1810. Knopf; Fahne von 1818. Die Safriftei in DO, jowie der
gleichzeitige und gleich geftaltete Anbau der Ta uffapelle in D. find mit Kreuzgewölben
überjpannt. Die beiden Anbauten find neuerdings mit einem gotifchen Zwvifchenbau
verjehen worden, in welchem fich der Eingang zu dem Srabgewölbe befindet.
4*
52 - Hafeftrom. — Heiligenwalde.
Das Langhaus hat einen Korbbogen aus Brettern. Von den Fenjtern find
zwei an der N. Seite mit jchönen Glasmalereien (vom Grafen Dohna-Waldburg 1837
geftiftet), zwei andre zu beiden Seiten des Altares ebenfalls mit Glasmalereien (vom
Grafen Dohna-Wundladen 1837 gejtiftet) verjehen.
Der Altar wie die Kanzel ftammen aus dem Anfang des XVII. Ih., beide
mit dem Wappen ihrer Stifter und mit unjchönen Gejtalten. Auf dem Kirchboden
ftehen zwei dem Altar zugehörige Engel.
In der Tauffapelle steht eine Taufe aus Holz aus dem Anfang des XVII. Ih.
Taufjchüjfel aus Meffing mit dem englifchen Gruß in ihrer Mütte in getriebener
Arbeit, zwei Streifen von jinnlofen gotischen Minusteln und am Nande eingepunzten
Tieren und Oxnamenten; Nirnberger oder Augsburger Arbeit des XVII. Ih.
Kronleuchter, drei von Meffing; XKVIN. Ih.
Das Geftühl an der Brotjeite ift von 1644. Chorjtuhl in der Sakrifter von 1693.
An der VBrotfeite hängt ein fehönes Olgemälde vom Pfarrer Waechter, von
Neive gemalt.
Grabfteine: Drei vor dem Altar, zwei zur Seite desjelben: von Pohlenz,
von Lehndorf, von Wolff u. j. w. Außen an der Kirche im ©. die Grabjteine von
von Schroetter (Stutterheim) (+ 1743) mit Wappen und des Minijters von Rohd
(+ 1784) an dem Sreisfegment, in welchem ev und andere begraben find.
Pfarrhaus 1693 erbaut.
Nachrichten über das Kipl 9.
MWittich, Mir. von 1880 auf den Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, E. u. ©. 1890 A1 j.
— Zwei Bleiftiftzeihnungen der Kirche zu 9. von U. Hagen 1832 im U. BP. M. Vaterländijche Mappe.
Heiligenivalde, kölmifches und bäuerliches Dorf, 21 km Lftl. ö. von
Königsberg, auf einer flachen Sandjcholle, welche fich kaum 2 m über die jie rings
einjchliegenden Wiefen erhebt, durch welche der Pregel fließt. Auf dem in Urkunden
deS XIV. Ih. erwähnten lucus sacer erbaut.
Vorgejchicjtliche Altertiimer im Kipl. 9.
PBogauen, 3 km Lftl. ın. w. von 9. PM. ". TI 109.
Die &. Pfarrfirhe it königlichen Patronats; fie bejteht aus Langhaus
(14,75 X 10 m im Lichten) und Chor (LO X 6,50 m im Lichten) nebjt jpäter vor das
Langhaus gebautem Turm im W. Huheres: Langhaus und Chor bejtehen aus
runden mit Kalt bevworfenen Felditeinen mit Ziegeleden und Thir- und Fenfter-
gewänden von Ziegeln. Der Turm befteht nur aus Ziegeln und hat eine Fachwerfs-
wand. Sein Biberichwanzdach jegt fich nach oben in einer niedrigen, achtecligen Laterne
fort, deren jehlanfe Spige mit Kupfer gededit ift. Knopf und Wetterfahnen mit dem
Mappen des erjten Königs von Preufen und der Jahreszahl 1712. — Das Langhaus
wird ducch vier diagonale Strebepfeiler gejtügt; der Chor bejigt deren nicht.
Im Innern zwifchen dem mit Bretterdedke im Stichbogen gejchlofjenen Yang-
haufe umd dem mit jchönem zwölfteiligen Sterngewölbe in zwei gleichen Zochen
bedecften Chor ein 0,75 m breiter, fajt im Nundbogen gejchlofiener Triumphbogen;
in feiner Laibung Il. ein vierecfiges Balkenloch, durch welches man den Chor von dem
Langhaufe abjperren konnte. (2) — Auf der N. Seite feine Fenter; die jonjtigen Licht-
Heiligenwalde. 53
Öffnungen nen. In der N. Seite find mehrere Nifchen von verjchiedener Breite und Höhe.
Die Eingänge find im Spibbogen gejchlojfen und zweimal rechtwinklig abgetreppt.
Auf dem wagerechten Abjah des Triumphbogens jteht nach dem Langhaufe zu
ein mittelalterliche, halblebensgroger Kruzifizus nebjt Maria und Johannes; gute
Holzjchnigerei, farbig bemalt.
In der Safrijtei (Anbau im N. des Chores) jteht auf neuer Holzfonfole eine
mittelalterliche, jehr jchön gejchnißte, nur leider mit weiger Delfarbe überfchmierte (!),
halblebensgroge Mutter Gottes mit dem Chrijtusfinde im Arm, deren I. Fuß eine
liegende Mondfichel berührt und die ehemals in einem Altaraufjat gejtanden hat, Taf. 2.
Die Menja des Altares aus Ziegeln im gotischen Verbande mit einer Granit
platte darauf. Der Altaraufjab „aedificatum 1690, renovatum 1854“, von Chriftian
Klodjjey gejchnigt in Barodformen, in weis und gold gehalten. In der Predella das
Abendmahl plaftiich aus Holz; darüber als Hauptbild Chriftus am Kreuze mit den
beiden Schächern u. j. w., im Hintergrumde die nach mittelalterlicher Art befeftigte
Stadt Ierufalem, alles Holzjchnigerei in weis und geld. Von der vornehmen Wirkung
de8 Ganzen fticht die farbige Behandlung des Hintergrundes jehr ab.
Zwei Altarleuchter aus Zinn mit dem Labarım, mit drei auf Löwen ruhenden
Füßen: Greger Sıhomacher hat dile Tochter der Kicchen verehret. Anno 1673.
Eine aus Kupfer getriebene, jtark vergoldete Monjtranz, deren Tabernafel vor
wenigen Jahrzehnten entwendet if. Auf dem runden Fuß erhebt fich der fchlanfe
Schaft, der fich in der Mitte zu einem runden Sinaufe mit jechs runden Notulis
erweitert. Auf den NRotulis mit gotijchen Majusteln: AVE MAR (Ave Maria). Auf
dem Schafte ein halbfugelförmiger Kelch mit einem Schlieghafen. Im ganzen 18 cm hoch.
Kanzel von 1675, renovat. 1854 in Barodformen, im weiß und gold, die vier
Evangelijten nebjt je zwei Hermen in Holzjchnigerei; an den Ecken Fruchtjcehnire mit
Engelstöpfen. Mojes als ihr Träger; als der des Slanzelbretts ein Engel mit Buch;
ebenfalls von Chrift. Klodfjey gemacht.
Mejfingene Tauffchale: Piefes Taufberken kombi der Bilgen Walfche kicchen
wu. Ho 1677 Pen 6 Marti. Hübjches Nenaiffanceranfenwert auf dem Rande.
Der alte Taufitein aus Granit beftcht aus einer runden flachen Schale mit
wulitartigem Fuße. Er Steht jegt unter der Kanzel,
Die Drgel mit Nococoornament 1761 von Preuß in Königsberg gemacht.
An den Ständern der Emporen hängen drei hübjehe Lichthalter aus dem Ende
des XVIM. I.
Sejangbuchverstafeln von 1755 mit Monogranım, wahrjcheinlich von demfelben
Maler gefertigt wie die Gejangbuchverstafeln in Medenan.
Beichtjtuhl von 1673: Gott and der Rich zu heiligen walde aefıhenkt.
Hriltian Klodlfey T. B. venuvat, 1854; in weil; umd gold bemalt.
Sroge Glode im 3. 1855 umgegoffen. Die alte Infchrift ift ungefchiekt wieder-
bergejtellt: In Gottes Lob eivichlich | Allen gelaubig Sellen | Teoftlicy bin gefeeit
id | Ein huckint eiget mich | Bench van Swirhel not M.CCCCCXV | —ı)
Nachrichten über das Nipl 9.
Bittich, Mife. von 1880 im Landespaufe zu stönigsberg. — Harnod), E. u. ©. 1890 12 J.
) Heinrich van Spichelt war ein Büchjenmeifter, den Hm. Albrecht nach Preußen kommen lieh,
um Gejhüß zu giejen. Er goß mehrere Gfoden, z.B. in Tierenberg, Schippenbeil, Ottenhagen u. j. iv.
54 QJuditten,
uditten, Pfarchof und Mühle, 5 km Lftl. w. von Königsberg, urkundlich
ON zuerft im Treßlerbuche 1402 Judynkicchen genannt.
Juditten’s Name kommt wahrjcheinlicd von dem Sudauer Edlen Jedetus
(Dusburg, III cap. 214 ed. Harttnodh) her, welcher in diefer Gegend vom Landmeijter
Meinhard von Querfurt um 1288 anjchnliche Befigungen empfangen hat. von Mülver
jtedt in N. P. P. 3. 1853 2. 367-377. Hartinoch’S Meinung, da er von dem Namen
Jutta’3 herftamme und die h. Jutta in diefer Stirche befonders verehrt worden jei, ijt Faljch.
n]
\Y/
AN
Abb. 29. Anlicht der Rivche zu Auditten,
Borgefhichtliche Altertümer im Kipl. I.
Suditten © 8. UP. 1886/97 201. Metgethen, 4 km Lftl. w. v. I. Ertl. Preußen
UI 542 j. Moditten (1258 Maudytyn), 3 km Lftl. w. von J. Pm.R.I9. Wilkie,
1 km £ftl. n. von I. Fürjtenteich. BP. M. 8.12.
Hpnlich wie in Aenau hat auch in Juditten eine befeftigte Anlage betanden, und
zivar der Slirche im W. gegenüber auf einer Anhöhe, welche das Thal eines Nebenbaches
des Modittener Baches von der Kirche trennt, aljo auf dem heutigen Gute Luifenthal.
Im W. von diefem Gute it ein zweiter Graben noch zu erfennen, welcher es von
Auditten. 55
dem benachbarten Gute Charlottenhof jcheidet, und welcher an feinem W. Nande mit
einer langen Neihe alter Eichen bejtanden ift. Den Namen für die Befejtigung anzu=
geben, vermögen wir nicht; mur jei gejtattet, auf den Namen Derne hinzumeijen,
welches nach Urkunden von 1257 in W. von Königsberg lag.
Die jebt ev. Pfarrfirche joll 1288—1298 (Gebauer) oder jchon 1276—1294
(Tacmann) gebaut fein; fie ijt jedenfalls eine der ältejten in der Provinz Oftpreugen
und war in der vorreformatorifchen Zeit, namentlich unter dem Hm. Slonrad von
Sungingen, ein berühmter Wallfahrtsort.
Huferes: Der Turm im W. ift ein fich verjüngender Ziegelcopbau auf Feld-
jteinen, von dem das unterjte Gejchoß gotijchen, die Gejchojje darüber aus unjerem
Iahrh. Kreuzverband zeigen; jchlanfes Schindeldach; Knopf von 1819; Wetterfahne:
F. B. 1577 und 1819 mit einer Hausmarfe.t)
Da das umterjte Gefcho noch gotifchen Verband zeigt, die auf den Turm nach
D. folgende VBorhalle aber urkundlich erft im XV. Ih. erbaut ift, jo mühjen wir
Kirche in Judittew.
haibuna der Thür
awischen Thrrm
Abb, 30. Einzelheiten aus der Kirche zu Judiken,
8 umentjchieden laffen, wie die Verbindung zwijchen dem gotischen Turm mit dem
Langhaufe ausgeführt war, vielleicht durch einen Bogen nach Art der Danster, —
Langhaus roher Felditeinbau; die W. Wand von ungepugten Ziegen im gotischen Ver
bande; fünf Blenden mit bimdig gejtellten Bfeilerchen. Holzgefims modern. Schiefer:
dach. — Chor aus dem Achte gejchloffen, aus Felditeinen mit Ziegeleden. Anbau
im N. aus gepußten Ziegeln.
Inneres: Der Turm hat einen gotischen Verband, und e8 zeigen die Aus-
jparungen in den vier Eden, dah ein Kreuzgewölbe beabfichtigt war, was aber niemals
ausgeführt wurde. Ihr im Stichbogen gejchlojjfen; innerhalb der Eingangsthiür konnte
ein Balken zur Sicherung gegen Feinde eingefchoben werden. Die VBorhalle ift 1820
aus einem Gewölbe gebaut, welches der Vater des Feldmarjchall von Roeder + 1743
für fi und feine Nachkommen hatte errichten lajjen; fie ift im unregelmäßigen Ver-
bande aufgeführt und mit einem querliegenden Tonnengewölbe gejchlofien. Die Thür:
Öffnung nach dem Langhaufe Hin ijt jpisbogig und mit einem Stichbogen gejchloffen
*) Unrichtig in den ©. d. U. P. 1885/86 126.
56 Suditten.
und mit vier Dreiviertelrundftäben und zwei flachen Hohlfehlen geziert. Abb. 30. Die
eichene Thür hat ein gut gearbeitetes gotisches Schlof. Sie kann gleichfalls durch
einen in der Mauer verjchiebbaren Balken gefichert werden. Das Langhaus hat
fünf Joche eines mit Rippen verjehenen Tonnengewölbes, in welches über den Fenjtern
jogenannte Ohren einfchneiden. Abb. 31. (Hagen, Beichr. d. Domkicche zu Königeberg, 18.)
Ähnliche Gewölbe in Lochjtedt; in den Seitenjchiffen des Königsberger Domes. Die
Nippen, je drei, jtoßen in der Mitte auf einen Schlußjtein zufammen und jegen auf
einer mittelhohen Konjole auf. Abb. 31. Hinter dem gedrückt jpigbogigen Triumphbogen
(„Nenovirt in den Jahren Ehrifti 1804 u. 1857. 3. ©.*) beginnt der wenig jpäter aus-
geführte Chor in zwei Hauptjochen und einem Joch über den drei Eden. Sterngewölbe,
deren gleiche Nippen wie im Langhaufe auf in der Wand eingemanerten fleinen
Abb, 31. Gewölbe in der Rivcdhe zu Auditten.
Halbjäulchen ohne Bafis aufjegen. Abb. 31. In der W. Wand des Langhaufes führt eine
Eleine badjitemerne Wendeltreppe, zum Teil jchon zerjtört, auf den Dachboden, uriprüng-
(ich, als der Turm noch ijoliert dajtand, die einzige Verbindung mit dem Dache. Der
Anbau im N. bivgt nach DO. hin die mit einem Kreuzgewölbe mit bienjtabfürmigen
Nippen und einem Schlußjtein überwölbte Safrijtei, den jeßigen Eingang zur Siehe
und einen zur Aufbewahrung verjchiedenen Geräts benußten Raum. Won diefem Raum
aus führte die nach der Slirche zu vermanerte, aber in dem Anbau noch fichtbare Ein-
gangsthür, eine der. weitlichen Eingangsthür gleich gejtaltete, in das Langhaus
hinein; neben ihr noch) Spuren der ehemaligen Wandmalerei in xot md grün.
Ebenjo führte im ©. eine in der Nenaifjancezeit vermanerte Thür im Meitteljoche nach
dem Langhaufe. Die jebige Eingangsthür zum Langhaufe trägt ein Schloß von 1753
und einen jpätgotijschen lopfring. Abb. 32.
Aubditten. 57
Der Altar ijt neu mit zwei Fialen und einer Wimperge ausgeitattet, von braunem
Holz mit jehwarzer Malerei mit vielfacher VBergoldung. Er wird von einem Altarblatt
gekrönt, welches, von Prof. Fr. Sinorr 1882 gemalt, den auferftandenen Ehriftus dar-
jtellt. Das ursprüngliche Altarblatt, ein mittelmäßiges Gemälde aus dem Ende des
XVII. 3h., liegt jegt im nördl. Anbau. Der urjprüngliche Altar wurde von der
Familie Schimmelpfennig 1672 erbaut. Hinter dem Altar jollen noch Wandgemälde
unter der weißen Tinche, welche jest die ganze Stieche deckt, vorhanden fein. Won der
Altardede it mr noch das elegant gejticte wertvolle, mit einem Feldmarjchallftab
und einer Ordensfette gezierte Wappen der von Nocderjchen und von Buddenbrocdichen
Familie von 1743 übrig, und eine jchöne mit Blumen auf weiger Seide in Hand-
jticfevei gearbeitete Dede aus dem XVII Ih. &%. neben dem Altar jteht ein mit
ausdrucdsvollem Kopfe in Holz gejchnigter halblebensgroger Kruzifirus aus jpät-
gotifcher Zeit. N. neben dem Altare jteht die aus der Wallfahrtszeit zur Zeit des
Abb. 32. Ihürring aus der Rice zu Iupdillen.
Hm. Conrad dv. Jungingens (1395 —1407) berühmte überlebensgroge Maria mit dem
nackten Chriftfinde. Sie tritt auf einen weiblichen, dicht verhüllten Kopf, dev in der
Mondfichel ruht. Holzjchnigerei; im Gefichtsausdrud der Marienburger Statue
verwandt.
Zwei zinnerne Altarleuchter: Peter Pelet 5. Hug. 1804.
Ein filberner vergoldeter Stelch nmebjt Patene mit dem Schimmelpfennigjchen
Wappen. LS. XVII. Ih. — Ein filb. vergoleter Kelch nebjt Patene: E. S.
B. B. G. R. mit dem von Noederfchen Wappen darunter. — Ein filb. vergoldeter
stelch nebjt Batene: Barbara Phdorffen neb. Rantelin 23. Hua. 1763. — Eine
Weinfanne von Silber: Audittenkivdh 1636 Ahriltoph Schimmelfennig. — Eine
ovale Oblatendoje von Silber in getriebener Arbeit; Anfang XVII. Ih.
Die Kanzel auf der Kelchjeite ziemlich in der Mitte; XVIL. Ih. Holzjchnigerei
mit Fruchtjchnüven ausgeftattet und auf einer mit Binden gejchmückten hölzernen Säule
ruhend. Am Schalldedel die gut gejchnigten Wappen ihrer Stifter.
58 Aupditten,
Der Taufengel und das meijingne verfilberte Taufbeden, welches in ge
triebener xoher Arbeit einen Kruzifirus darftellt, find beides Gejchenfe von Frau
von Lehwald 1769. }
Die gejchmadlofe Orgel ift 1840 von Scherweit in Slönigsberg gebaut und
1859 gründlich ausgebeifert.
Das in einer Nifche der Sakriftei an einem Hafen befejtigt gerwejene
vorreformatorische Weihwajferbeden liegt jeßt vor dem nördlichen Anbau der
Slirche.
Das Geftühl it im Langhaufe auf der r. Seite vielfach noch gotijch.
Schöne jpätgotische Mafwerkjehnigerei (Fichblajen) gleich x. von der weitlichen
Eingangsthür.
Gemälde NR. vom Altar ein auf einer Bleiplatte vom Maler E. U. Knopfe
in Königsberg gut gemaltes Portrait von Generalfeldmarjchall Hans Ernjt v. Lehwald
+ 1768; I. vom Altar das in gleicher Weife gemalte Bild des Generalfeldmarjchalls
Erhard Ernjt von Roeder + 1743, beide von Sophie Agnes von Buddenbrod ihren
beiden Gemahlen gewidmet und beide mit zahlreichen Wappen der verwandten adligen
Häufer verziert und mit Waffenftücen in veicher Vergoldung umgeben. (An der nördl.
Außenwand der Kirche hängt die jehr bejchädigte Infchrift des von Roeder.) — Im
Chor, gleich Hinter dem Triumphbogen [. das bekannte Chriftusbild von Lentulus.
Dietrihfon, Chriftusbilledet Kjsbenhavn 1880 S. 1 f. — Zwei Gemälde, vom Grafen
Kanit 1859 gejchenkt, die Anbetung der drei Weifen und Chrifti Streuzigung darjtellend,
beides wacere Stücde, die dev Auffrifchung bedürften. — Bild der Königin Luife,
Nachbildung eines Bildes in Memel von Prof. Knorr.
Epitaph eines Heren von Roeder F 1679. Verjchiedene wertloje Epitaphe.
DOpferftod, XVII. Ih. — In der wejtl. Vorhalle werden mehrere Trommeln,
Hörner und eine Trompete aufbewahrt.
Neparatuven 1642, 1709 (daher die Eleinen bunten dv. Noederjchen Wappen von
1709 in ziveien der ausgeweiteten Chorfenjter) 1804, 1818, 1857.
Der Dichter Joh. Christ. Gottjched it 1700 als Pfarrerfohn in 3. geboren.
Bon der mit vier Pappeln bepflanzt gewejenen Grabjtätte des Iheojophen
Schönherr im ©. der Kicche ijt feine Spur mehr vorhanden.
Im Kipl. 3. liegt hart auf dem v. Ufer des Pregels das vom Kurfürjt Friedrich IT.
1697 erbaute Sagdjchloß Friedrichshof; 1719 fehenkte es Friede. Wilhelm I. feinem
Better, dem Prinzen Friede. Wilhelm, Herzog zu Schleswig und Holitein. Seit der
Beit führt das Schloß den Namen Holftein. Das nahe liegende Dorf hieß 1673 noch
Kafebalt, jpäter Kofwalten.
Metgethen, 4 km Lftl. m. w. von 3.; 1278 Mintegeithen. Das Herrenhaus
wurde um das 3. 1760 von einem italienischen Baumeifter erbaut. Die Studornamente
an den Dedken, die vergoldeten Kapitelle an den forinthiichen Bilaftern und die edlen
Nococoöfen Taf. 3 jind in Metgethen jelbjt gefertigte Werfe feiner Hände. Er reijte
jpäter nach Kurland und baute dajelbjt genau dasjelbe Haus. Mündliche Mitteilung des
jebigen Bejigers, Herin Dr. von Olfers.
Nachrichten über das Kipl 3.
Acta Judithenia angefangen vom Pfr. oh. Lemfe 7 1696, in 3. — Gebauer, Kunde des
Samlandes 105 f. — PP. B. Neue Folge 1844 I 165 ff. 1845 IT 730 |. UP. PB. 1853 II 367 ff. —
Stordh, Pfr. in 3, Die Kivhe und das Kipl 3. 1861. — Harnod, E. u. ©. 1890 13 ff.
Heiligen-Ktreuß. 59
renß, Heiligenz, fölmisches Vorwerk und Pfarchof, 19 km Lftl. n. von
Fifchhaufen. — Das Ktirchjpiel 9. Str. lag, wie dasjenige zu St. Lorenz, ehemals
im „judauischen Winkel“. Diefer Name jchreibt fich von der Verfegung einer
Schaar von Sudauern um das 3. 1283 in diefe verödete Gegend her. Im genannten 8.
gab der Landmeijter Konrad von Tierberg dem zum Ehriftentum befehrten Edlen aus
Sudauen Cantegerde md feiner ihm nachfolgenden Schaar von 1600 Sudauern hier
Wohnfig. Dusb. ITe. 212 ed. Harttnod. Zur Pflege des Chrijtentums gründete Bijchof
Jacobus von Samland die „Sirche zum heiligen Sreuz bei den Sudauern“ im 3. 1353.
VBorgejchichtliche Altertümer im Kipl. 9. 8.
Biesfobniden, 2 km Lftl. j. w. von 9.8. PB. m. 8. IA. 73. 95. 138. 232.
11 81. 449. Birfenhof, 2 km Lftl.n. Tijgler, ©. d. p. d. ©. 1886 123 ff. Finken,
5 km £ftl.n. Tischler, ebenda 150 f. Haujenberg, Stleiner, 3 km Lftl. |. d. Wälle
und Gräben aus dem lebten Drittel des XII. I. Modell im Prufjia-Muf.
3. Nönigsberg. PB. M. 8.1123. vgl. von Boenigt, ©. d.W. P. 1879/80 72,81. Hubniden,
Große, 5km Lftl. w. PM. "8.1115 150. Shlniden, 3 km Lftl.w. Ein bronzener
stelt im Prov.-M. Kabkeim, Alt-, 3 km Lftl.n. Grabfunde Kuhren, Groß-, 5 km
gftln. Tijhler, ©. d. p. 5. ©. 1886 151 f. Wilhelmshorft, 4 km Lftl.ö. PM. 8.1246.
Die jeßt w. Pfarrfirhe zu 9. Sr., königlichen Patronats, Ziegelrohbau mit
Feldjteinfundament, bejtceht aus einem quadratischen Turm mit Biberjchwanzzeltdach
|Wetterfahne darauf: C.D. J.S. 1855.], einem Langhaufe, gerade gejchlofjenem Chor
und gleichzeitigem Anbau der Sakriftei im ©. Sie wurde 1353 gegründet. 1767
brannte jie bis auf die Mauern, von einem Blißjtrahl getroffen, nieder. 1786 war
jie wieder erbaut. 1833 fehlug ein Blig, ohne zu zünden, in den Kirchturm, bejchädigte
den Glocenjtuhl und einige Sparren. Blitableiter 1837. Das Langhaus hat in
der Mitte eine elliptijche Holzdede; flach über den beiden hölzernen Emporen. Der
Chor bejteht aus einem Hauptjoche mit Sterngewölbe und rıumdjtabförmigen Nippen
und einem Nebenjoche mit Kreuzgewölbe Der Chor hat in feiner Abjchluftvand fünf
Ipigbogige Blenden. Am Langhaufe in der Nordwand auch Blenden mit gleichzeitigen
ganz Kleinen jpigbogigen Fenftern. Vor der füdlichen Eingangsthir ein moderner
Borbau als Windfang. Diefe Eingangsthir in der Kieehemvand it jpigbogig mit
Dreiviertelrundftabprofil. Gotifcher Beichlag. Ebenfalls jpigbogig mit demjelben
Profil ist das Portal im Turm. Daneben zwei Strebepfeiler bis zur Dachhöhe.
. Dach aus Pfannen. Wetterfahne auf dem Walmdache des Chores: %. D. ©. Miri
1767. (Mirt wurde 1752 Pfr. in 9. 8.) Gotifcher Verband. Steine" Aupenede
Safrijtei 31—32 X 15 X 8—9 cm.
Altaraufjag gejchmacdlos gejehnigt; Ende XVII. Ih.
Altarleuchter, zwei von Zinn, 1742.
Die Kanzel liegt v. am fpisbogigen Triumphbogen. Holzjchnigerei mit Oxna-
menten aus dem Ende des XVII. Ih. Über der Kanzelthür: I. F. DBalter 1786,
Der alte Taufftein in Kelchform von Granit liegt w. vom f. Vorbau. D. davon
ein Kleines felchförmiges Weihwafjerbeden aus Granit.
Nachrichten über das Kipl 9. 8.
Toeppen, VW P. BP. B. 1850. X. 193 f. — Gebauer, Kunde de8 Samlands 106. —
Harnod, E. u. ©. 1890 69 j. — Neujch, Sagen des preuf. Samlandes 15 f.
Eine Bleiftiftjkizze der Kirche von A. Hagen 1832 im P. M. Vaterländiihe Mappe IM.
60 - Rabiau.
:abiaı, Kreisftadt (jeit 1818), an der Deime und Eifenbahn von Königs»
berg nach Tilfit. Kreis %. umfaßt 1063,55 [_]km. Die Deime mündet
3 km von 2. in das furifche Haff; fie hieß früher Laba, daher die Namen
Labagienen, Labiam. — Labegowe- moter 1258. Labigowe, Lobiaw 1330. Labiow
1436. Labiaw 1625. — Der Name Labegowe kommt zuerjt in einer Urkunde des
Landmeilters Gerhard von Hirzberg 1258 vor. Im 3. 1277 wınde die damals
nur von Holz erbaute Burg 2. durch 400 Schalauer verbrannt Im 3. 1288 wird
ein Komtur von L, Wernde, genannt. 2. wird aber als Komturei bald von Nagnit
abgelöft (erbaut 1289). 1347 jchlägt der Hm. Heinrich Dufemer, 1352 der Komtur
Henning (Dohann) Schindekopf die Litauer bei &. — 1395 —1410 wurde der Deime-
kanal gegraben. 1454 im Bürgerkviege wollten die Wehlauer mit Hilfe der Allen-
Mbb, 33. Greundrik der Burg zu Tabiau.
burger 2. zerjtören, wırden aber vom Edelmann Albrecht Sparudel zuricdgeviefen.
1525 Samländifcher Bauernaufjtand; die Bırg wırde vom Hauptmann Nöber durch
einige Faß Bier frei gehalten. 1526 verjchrieb Herzog Albrecht Schloß md Amt &.
jeiner zufünftigen Gattin Dorothea von Dänemark als Leibgedinge. 1595 war
Johann Sigismund in 2. 1625 wurden die Ländereien um 2. vermejjen und die
erjten Karten von L. und Umgegend vom Landmejjer Herkog angefertigt. — 1642,
28. Juli wınde 2. vom Großen Kurfürjten zuw Stadt erhoben. 1656, 20. Nov.
Vertrag des Großen Nurfürjten mit den Schweden zu 2, wonadh Preußen jelbjtändig
fein follte, der aber erjt durch den Vertrag mit den Polen zu Wehlau 19. 9. 1657
vollftändig wurde. 1679, 18. Jan. trifft der Große Kurfürjt mit Zamilie in 2. ein,
fährt am 19. zu Schlitten über das Haff über Gilge bis Kuferneeje, wo er die Nachricht
von dem Siege feines Heeres über die Schweden bei Splitter erhält. — 1689—1697
Rabiau. 61
wurde der Große Friedrichsgraben am furifchen Haff entlang gegraben, neben
einem alten Drdensgraben, der wahrjcheinlich 1418 gegraben, von Mgilla in die
Nemonien führte, aber 1686 jehon ganz verfallen war. Neujch, Beiträge z. Kunde Preugens,
B. IV 266 fi; 1723 fam König Friedrich Wilhelm I. auf ihm nach 2. 1757 landeten
die Nuffen bei Labagienen. 1758 z0g Fermor durch L., um Königsberg zu bejegen.
1758, 17. Juli 2. von den Nufjen geplimdert. 1807 berührte Friedr. Wilhelm II.
mit Lonife 2, auch Napoleon fam dorthin. 1813 L. von 7000 Franzofen befeßt, von
den Nuffen bejchojen; eine Kugel jteckt noch im Pfarchaufe — 1818 wurde 2.
Ktreisitadt. 1842 Jubelfeft des 200jährigen Beftehens als Stadt. — Fenersbrünfte
1685; 1689; 1721; 1810. Seuchen 1661. Die Peit 1709 bis 1710 entwölferte L.
fait ganz. 1710 konnte die Infanterie in 2. „wegen dev vielen Gejpenjter“ nicht mehr
auf Posten geftellt werden, was nur dem Schreden zuzufchreiben it, den die Peit
hervorgerufen. — Cholera 1831; 1848. — Ehemalige Georgsfirche in der Vorburg,
jpäter Brauerei, endlich Salzmagazin (Abb. 34), 1880 abgebrochen, dahinter neue
Mauer vor dem Schloßgarten gezogen, woduch ein Kleiner Naum für den Marktplab
gewonnen ift. Die jenjeit3 der Schloßgrabenbrüce jtchenden Buden haben das Necht,
dort zur ftehen, vom Großen Kurfürjten erhalten. A. M. 1867 IV 524.
In 2. war nahe bei dem Schlofje eine Eiche, dem h. Jodocus geheiligt.
Dajelbit pflegten Litauer und Polen noch) 1626, wenn fie vorüberreiften, dem 5. Zodocus
zu opfern. 2. heißt deshalb einer dev fünf Wallfahrtsorte im Samland.!)
Abb. 34, Anliht der Bura zu Tabiau.
Die Stadt 2. ift auf dem [. Ufer der Deime angelegt. Urjprünglich war 2.
nur eine Lijchke, die im 3. 1437 neun Strüge befaß. Sie bejteht jegt aus der eigent-
lichen Stadt, welche vom Markt und der Kicche her jich durch eine dem Laufe des
Schloigrabens im Halbkreife Folgende, etwas breitere Strafe auszeichnet. Auf. dem
in Fachwerk ausgeführten Hintergebäude eines Vorderhaufes diefer Straße (mit zwei
tosfanischen Säulen) befindet jich eine Wetterfahne von 1660.
Dann folgt im W. die Nenftadt, welche 1657 auf der ©. und W. Seite mit
einem Wall und Graben eingefaßt war, der einzigen Befeftigung der Stadt, die jeßt
bis auf wenige Überrefte des Grabens verfchtwunden ift. Dann folgt nach Königsberg
zu die Vorftadt. Zwei Stadtthore, das Königsberger und Tilfiter, jtanden noch in
den dreißiger Jahren unjres Jahrhunderts. Die j.w. Seite der Stadt heizt Kahnen-
berg, der Ort, wo die Kühne anlegten, um den Zoll zu entrichten; jet Hafen.
Gejamtanficht der Stadt in Hartknoc, Alles und neues Preußen 1684 397.
Wappen der Stadt: „ein weiher Schild, darinnen aus einer blauen Wolfen
ein Halb grüner Arm, jo in der Hand ein Jägerhorn hält, und unten ein grüner
Baum, über dem Schilde aber ein Auer.“ Wrivilegium der Stadt von 1642, Eine
ungenügende Bejchreibung und Zeichnung bei Siebmacer, Wappenbud IA II 151 Taf. 181.
') Coel. Mislenta, manuale s. comment. in repet. Corp. Prut. Regiom. 1626 .C. 2: Prope
Castellum Labiaw viret adhuc Quereus etc.
62 Rabian.
Vorgefchichtliche Altertiimer im Kipt. 8.
Neifeninfen, 3 km Lftl. mn. w. von 2. PM. ITM.53. Viehhof, 2 km
Lk. j.w. von &. PM. 8.10.
Das Haus Labian gehörte zur Komturei Nagnit und bildete deren einziges
Domänenvorwerf. Die vielen Fährlichkeiten ausgejeßte Lage von Nagnit veranlafte
den D,, in 2. einen bejonderen Wirtjchaftshof, einen Kariwarı, anzulegen. Nach der
Säkularifation wurde cs ein felbjtändiges Amt.
Das rings von Wafjer umgebene „Haus Labiau*, die „Waffer-Burg“, ift
exit nach 1277 in Stein gebaut worden. Ihre Wände find noch die alten (Aufen-
mauer 2,20 m, Innenmauer 1,10 m jtark), aber die innere Einrichtung ift eine ganz
andere geworden. Nur auf dem Boden ift der alte Wehrgang noch fenntlich, in
dem zahlveiche im Stichbogen gejchloffene Fenfter find, aus welchen man die Burg
nach außen und innen verteidigen konnte, — Auher einer Stube im Exrdgejchoß nebjt
Vorflur, beide in Stichfappengewölben gejchloffen, hat fich nocd ein Zimmer in der
Wohnung des Landrats erhalten. Dasfelbe ift mit zwei neben einander liegenden
Kreuzgewölben überfpannt, deren bienftabförmige Rippen auf neuen Ktonfolen anfegen.
— 3m 3.1832 war noch der Kapiteljaal erhalten, der mit Malereien, Wappen u. f. wv.
gejchmückt war, die noch 1669 wieder aufgefricht waren. Siehe Erfeutertes Preußen II
706-727. Auf der ©.D. Ede ein Stufengiebel mit fünf Blenden.
sn der Vorburg jteht noch der Uhrturm, bereits in Blodverband gebaut.
Skizze der Burg und Stadt nach Giefe 1826-28. Abb. 33, Legende dazu: „B.
Burg 2. im Huperen ziemlich erhalten. Im Innern verfallen. — V, Borburg; zwei
Gebäude, der Turm umd Mauer noch gut umd hoch. b‘ frühere Brüde; b jeßige
Brücde. h. älteftes Haus in 2, von der Burg aus mit ihr zugleich erbaut (2). Der
frühere Gang des Weges mit einer jchwarzen Linie punktiert.*
Bier Grundrijje von der Burg, darunter einer aus dem Anfange diejes Jahrhunderts,
befinden fich auf der Kreisbauinjpektion in &.
Die jebt ev. Pfarrkirche, deren Patron der König ift, Toll dem h. Sodocus
geweiht gewefen fein. Hartknoch, Kirchengeich. 194. Sie jcheint bald nach der Griün-
dung 2.3 angelegt zu fein, was man aus ihren jtarfen Mauern, ausjchlieglich aus
Seldjteinen, jchließen fann, die urjhprünglich ohne Steebepfeiler angelegt find. In ihrem
Hußeren erjcheint fie jehr einfach und Ichlicht, wozu der 1871 ausgeführte graue
Gementpuß beiträgt. Der im W, vorliegende Turm ift in feinem Erdgefchoffe aus
Feldjteinen erbaut, hat nach N. und ©. je ein jpigbogiges Portal mit jehr bejchädigten
Dreiviertefrundftabsrippen. Abb. 37. Seine oberen Gejchoffe find von Biegen, worauf
eine eiferne Gallerie fteht. Spite mit inf gedeckt. Kirchturmdach md Spibe 1613
und 1701 erneuert. Im 3. 1835 winde das Turmdach aus Schindeln durch einen
Brand zerftört und in der jegigen Weife hergeftellt. Auf feiner D. Seite jteht: Anno
1837 CINICB. — Das Langhaus von Feldjteinen mit jpäter vorgelegten Steebe-
pfeifen. Safriftei 1871 im O. angebaut mit Kleiner Vorhalle im N. Bei diejer
Erneuerung (1871) find im N. und ©. Portale durchgebrochen, auch die jpigbogigen
Fenjter in nüchterner Weife erneuert, — Dagegen macht das Innere einen erfreulicheren
Eindrud. Das Langhaus ift dreifchiffig angelegt; «8 ift die einzige dreifchiffige Anlage
in Samland (aufer Königsberg). Sechs achtedige Pfeiler und vier Halbpfeiler — an
ihren Slanten mit Dreiviertelvundftableiften und zwei desgleichen als Kapitel verfehen —
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Rabiau.
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64 Labiaı.
fragen die um das Jahr 1400 entjtandenen vierjochigen Gewölbe. Im Mitteljchiff
jind eS ziemlich verwicelte Sterngewölbe mit Dreiviertelrumdftabrippen, welche, mit
vojettenartigen Schlußfteinen verjehen, ohne befonderen Schmuct nach unten teils in die
Pfeiler, teils in die Wände verlaufen. Mbb. 35 und 36. Die Seitenjchiffe haben
Iharfgratige figurierte Gewölbe, deren Kappen ala Klojtergewölbe mit jehwachgebogenen
Laibungen anzujehen find. Im Mettelfchiff haben die Gewölbe noch 8,79 m Scheitel
höhe, trogdem die Kirche erheblich in den moorigen Boden eingejunfen ijt. Bwijchen
dem Mettelfchiff und den Seitenjchiffen erhebt jich auf den Pfeilern zuerjt je ein
Abb. 36. Inneres der Ritche zu Tabiau.
fräftiger, mehr breiter als hoher (gedrückter) Spitbogen und hierauf eine hohe pit-
bogige Blende, was der Kirche einen eigentüimlichen Reiz verleiht. Dazu kommt das
Ichöne, dreiteilige, mit farbigen Wimpergen, Fialen umd Sreuzblumen und dem auf
erjtandenen Erxlöfer gefchmücdte Glasfenfter (1871), jo dal; jeßt die Kirche troß des
Ichmucklojen Altars und der gejchmacklofen neuen Kanzel einen würdigen Eindrucd
macht. — Im dritten Joche I. tritt ein fteinerner Arm aus der Blende heraus, dejjen
Hand einjt die Drdensfahne (?) hielt.
Unter den Abendmahlsgerätjchaften verdienen erwähnt zu werden ein filb.
vergold. gotijcher Kelch mit jechs Notulis, auf welchen -+inrio) eingegraben ijt. Ein
Labiau. 65
Kruzifizus ift auf dem Fuße aufgelötet, — Ein filb. vergold. gotijcher Kelch, dejjen Fuf
im Sechspah; gebildet ift. — Ein Silb. vergold. Kelch von 1662. — Eine filb. Wein-
fanne, 1670. — Eine filb. vergoldete Weinfanne mit hönen gravierten Ornamenten
des XVIT. IH. umd der Infchrift: Pie Triften Schipper Gott zu chen | Pis
kenlein in die Ricdhe verehen | Rd Gott Dein Segen ihnn verley || In Moth
und gefahr erhalter Fey. — Eine Oblatendoje, jilb,, vumd, von 1632. — Ein ganz
Meines filb. Oblatendöschen (zur Stranfenfommmion): Chriltian Boffmann d,
3 und 8 Aumy 1732.
Die 1693 von 9. von Kospoth geftiftete Ta uffapelle, welche im N. der Kirche
jtand, wınde 1738 abgebrochen. Seit 1871 wird in der Safriftei getauft. — Die
Taufjchale von Meffing, 62 em Durchmeffer. In ihrer Mitte in getriebener Arbeit
die Verfündigung Mariä, auf dem Nande Hirfche von Hunden verfolgt. Dazwijchen
jteht viermal, doch nicht überall gleich eingejtanzt, in gotifchen Majusfeln: felig alzei
ieh wart. (Selig als ich ward.) Nürnberger oder Augsburger Arbeit des XVII. Ih.
Waibung des nördl. Thurmeinganges
“ P . 2 s ale
Abb, 37. Naibung des Einganges der Kirche zu Yabiaı.
Drgel neu, von W. Sauer in sranffurt 1870 gebant.
Seonleuchter aus Mefjing mit Doppeladler und den Buchjtaben M:E:V:D:
| G:V:H: Ende des XVII, 3. — Ein gleicher Eleinerer Kronleuchter hängt in
der Sakriftei.
Dlgemälde: Eine mittelmäßige Kopie nach Tizians Binsgvofchen hängt an
der Orgelempore. Ein gutes, auf Holz gemaltes Bild des Pfarrers Georg Schroetel
(Schrotelius) vom 3. 1682 hängt im vierten Joche 1.
Die Gloden find neu.
sn der Kicche liegen vier Grabfteine, darunter der Pfr. Matthiae 1656, und
der Natsverwandte Goebel 1645.
Die Epitaphien find aus der Kirche jeit 1813, wo fie al® Lazaret benutt
wurde, abhanden gekommen.
[>]
66 Labiau. — Laptau.
Nachrichten über Stadt, Kirche und Haus L.
Hennenberger, Exfl. d. Rreuf. Landt. 215 f. — Hartlnoch, Altes und neues Preuß. 397.
— Becher in Erleutertes Preußen II 706—727. — Toeppen in A. M. 1867 IV 515 ff. — Mey-
höffer, Ehronit v. 2. 1810—1842 Mie. in 2. befindlich. — Gebauer, Kımde des Samlandes 90 ff.,
107. 95 f. — Horn, Zur Gefhichte Labiaus. ©. d. U. PB. 1887/88 16-38. — Harnod, E. u. ©.
1890 152 ff. — Labiauer Sagen B. P. B. 1816 II.
Raptaıı, Kirchdorf und Exbpachtsgut, 36 km Lftl. n. d. von Fifchhaufen, an
der Königsberg— Cranzer Eijenbahn. Zur Heidenzeit Lobetow; 1255 Labota; 1258
Lowbuthe. Labetau.
Vorgefchichtliche Altertiimer im Kipl. 2.
Kiauten, 1 km Lftl. ö. von 2., 1255 Navthe, P. M. K. 1125. Mollehnen, 3 km
Lftl. f. von 2. PM. 8.1363. Schreitladen, 5 km Lftl. j. von 2. Großer römischer
v Se Rn nd
-
Abb. 38. Grmmeik Der Burg zu Tapfaı.
Miünzfund Schugiten, 7 km Lftl. |. von 2. P.M. "8. 11364. Trentitten, 4 km £ftl.
in ©. ©.D. von 2., 1262 Trintiton, 1300 Trintiten. P. M. 8. IT 76. Wisftauten,
4 km tl. mn. von 2. Mit dem Germaner Beden und Dollfeim das bedeutendite
Ausgrabungsfeld. Wulff, U. M. 1865. 641 ff. Heided, U. M. 1877 650 ff. ©. d. A. B. 1877/78
5 ff. 1878/79 24 ff. PM. 8.1 139. II 189—153. 155—162. 189—191. 204. 207. 331. 374.
Die Burg war bijchöflich, zugleich ein Nammeramt. Hennenberger, a. a. DO. 249
giebt 1351 als Grimdungsjahr an, und Gieje fügt feiner Planzeichnung, die wir in
Abb. 38 wiedergeben, Hinzu, daß; die Lage der Burg fehon auf Gejchiig berechnet fei..
(1328 fommt Gefchüg in Preußen vor ©. x. B. 11493.) Die Burg lag auf 2.8 Höchiter
Stelle, dicht an der Cranzer Nunftjtrage und am Wege nach Tranfjau. Fundamente
in Feldfteinen und Kalfmörtel noch fichtbar. Bon ihr wırden die meisten Steine 1851
zum Bar der Cranzer Chanffee verwendet. Das Schloß war quadratifch nigefähr
Laptaı. 67
50 m lang. Gegen N. lag die Vorburg. Auf dem Nudauer Denkmal in Erleutertes
Preußen 1724 8b. 1615 fi. it eine mangelhaft gezeichnete Darftellung feiner Nuine. Der
Mel im Kammeramte 2. beftand anf. des XVI. Sh. nur noch aus den Gejchlechtern
von Thalau, Kariot, Tranchwit und Mudjchiedler.
Bebauer, D. Nuinen des Shojese. N. P.P.B. 1851 IT 47 f.
Die Pfarrkirche von 2. ift jet ewang,, Batron der König. Nach einer Urkunde
von 1354 wird ein Krug in dem neben der Kirche zu 2. gelegenen Dorfe Auktefaymen
verfchrieben; zu diefer Zeit muf alfo die Kirche jchon geftanden haben.
Ihr Huperes ift wenig anfprechend. Turm mit Kleiner welcher Haube, Lang-
haus mit neuerer Vorhalle im N. und Chor mit modernen Fenstern. Langhaus und
Chor find aus Feldfteinen mit Biegeledfen gebaut. Untergefcho des Turmes aus
Seldfteinen mit zwei malig davorgelegten Strebepfeilern. Die oberen Sefchoffe aus
Biegeln, noch im 2. ımd 3. Stod in gotischen Berbande.
Das Langhaus hatte vier Joche; im 3. 1818 warf ein Drfan den Turm auf die
Gewölbe, jeitdem ift eine Gipsdede hier. Der Chor hat zwei Joche mit zwölfteiligem
Sterngewölbe, dejjen bivnftabförmige Rippen inmitten zwifchen Scheitel und Sohle auf
Konfolen auffegen. Die Strebepfeiler find innen vorgelegt. Siwijchen Langhaus und
Chor der jpitbogige Zrinmphbogen. In der DO. Wand des Chores ein jpißbogiges
Senfter mit rechtwinkliger Laibung, ebenjo eins auf der ©. Seite, während dag ziveite
Senfter fchon rundbogig profiliert it. In der N. Wand mır Nischen.
Der Altar. Die Menja ift aus Ziegen auf Feldfteinen errichtet und hat oben
ein Profil aus Ziegeln, welches aus einer Platte und untergelegtem Biertelrundftab
bejteht. Hinten eine ftichbogig überwölbte Öffnung. Ein alter Altaraufjfaß r. hinter
dem Altar. N. im slügeljchrein figt die dreiviertellebensgroße gefrönte Maria, I, die
halbverjchleierte Mutter Marias, die h. Ama, das Chriftusfind in beiden Armen.
Es hat ein Hemdchen „aus feinem weißen Cattun“ an, welches einer Legende nach
nie gewaschen zu werden braucht. Holzfchnigerei, bemalt und reich vergoldet. Hinter-
grund mit in den Kreidegrumd gedrückten reichen gotischen Ornamenten. An beiden
Seiten grünes Ranfenwerf auf Goldgrund gemalt; unten jchwarzevot-goldne gemalte
Stanfen. Zu beiden Seiten des Mittelfchreins verfilberte gevundene Säulchen mit
brammen umd vergoldeten Fialen darauf; oben dazwijchen braunes und vergoldetes
Rankenwerf aus Holz gejchnigt. — Die Flügelthür [. enthält in mäßiger Ölmalerei
innen oben oachims Ausweilung aus dem Tempel, unten Boachim umd Anna unter
der goldenen Pforte. Die Ihr r. innen oben Joachim in dev Wüfte mit dem Engel;
unten Marik Gang in den Tempel. Die Thür [. augen oben: die h. Catharina mit
Schwert und zerbrochenem Nade; unten: die h. Margaretda mit dem Drachen. Die
Thür r. aufen oben: die h. Barbara mit Turm, Schwert und Kelch mit Hoftie; unten
die h. Dorothea mit einem Korb voll Rojen. — Im ganzen ift diefer Altaraufjah
nur mittelmäßige Arbeit und fteht weit hinter dem Tierenberger zurüc, Nirnberger
Arbeit Anf. XVI. Sp.
Um ein weniges jünger (Zifchblafen im Mapwerk) it ein zweiter Altarauffat
im Chor r. Unter einem rot und goldenen Nebgewölbe jteht die Maria in einer
Slorie nebt zwei weiblichen Heiligen. Holzichnigerei; 1/, lebensgroß. Maria, in blau
und goldenem Ober- und weißen Untergewande, tritt auf die Mondfichel, in welcher
ein bartlojer Menjchenkopf, oben und unten verjchleiert, ruht. Die Figur v. trägt ein
Kreuz (St. Helena?); der linken find beide Hände abgebrochen.
b*
68 Raptan.
Im Langhaufe r. hängt ein dritter Altaraufjak (?), den h. Martin in bemalter,
halblebensgroßer Holzjchnigerei darftellend, wie er einem ftelzfüßigen Bettler ein Stück
jeines Mantels abjchneidet. Sein Tırban hat jchon Nenaiffanceornamente.
Der jeßige Altaraufja ijt 1605 errichtet und ein mittelmäfiges Schnitwerf.
In der Predella das Abendmahl. Hauptbild CHriftus am Sreuz mit den beiden
Schächern, Johannes und den beiden Marien. Darüber die Grablegung. Oben
Ehrijtus mit der Weltkugel. Um die geraden umd gewimdenen korinthiichen Säulen
jtehen die vier Evangeliften und zwei Wappen der Stifter des Altaraufjages. Im
DObergefchoß Heilige; an den Seiten Engel mit den Martergeräten. — Der Altaraufjat
wurde 1861 und 1877 venoviert.
Unter der jegigen Altardedte hängt ein wahrjcheinlich aus einer Kafel heraus-
gejchnittenes Antependium von rotem Sanmet, mit eingepreßten Blumen gemuftert.
Das Dorjalkrenz jener Kajel enthält in mittelmäßiger Stickerei in der Mitte Maria
mit dem- Chriftusfinde, auf je einem Arm des Kreuzes ein anbetender Engel. Auf
dem Fuß des Strenzes die h. Catharina und h. Dorothea.
Eine grüne fammetene Altarbefleidung mit eingepregten Pferden, Pfauen und
Blumen und mit aufgenähter Siüberborte.
Unter den Altargeräten ift zu nennen ein Kleiner filb,, ganz vergold. Kelch
mit feiner Eupa, jechs Notulis, jedesmal mit XP bezeichnet, und vumden Fuß.
Zu diefem Kelch ijt eine Batene, filb. ganz vergold., pajjend gemacht, mit der Inschrift:
CHRISTINA - GLOGAVIN - CHRISTIANI : DORSII - PFARHERRENS: ZV- LAPTAV-
HAVSFRAW 1627. Mit Weihefren;.
Ein filb., ganz vergold. Kelch, mittelgrof, mit vumdein jechsteiligen Knauf, worauf
IEHSVS jteht, und im Scechspaf; gefchloffenem Fuß: von Yohan Korfihen 1624, mit
Wappen. Hierzu paßt eine filb., innen vergold. Batene mit der Infehrift: Piefes
Gefchenk zum Andenken an meinen Rivihaang Qavoline Rirfihnüuk aus Millen
d. 29, Maerz 1812,
Ein jilb., vergold. großer Kelch: AJVA md J. V.K. (von Kreygen) mit beiden
Wappen Ao. 1694. Hierzu ftiftete eine filb., innen vergoldet Patene 1820 der Pfarrer
B. (Biendara) zu 2.
Ein filb,, teiweis vergold. Löffel: D. V. W.
Ein Hölzernes fchwarzes Kreuz mit jchönem filbernen Kruzifirus daran und
jilb. Totenkopf.
Die Kanzel ift von Johannes Döbel 1690 gefertigt. (Sein Vater, Michael
Döbel in Berlin, war am Kospoth'fchen Denkmal im Chor des Domes zu Königsberg
bejchäftigt. Ex jelbft ift der Verfertiger der Kanzel zu Quednau [f. Quednau].) Die
Kanzel hat als Träger Mofes und Aron (2?) und hat an ihren Ecken je zwei gewindene
forinthiiche Säulen. Fruchtjehnire und Guiclanden. Schallderkel im Achte mit vielen
Engeln mit je zwei Bilaftern und Rundbögen darüber. Ein Pinienapfel als Krönung.
Kanzeltreppenthiiv in lateinischen Majusteln: Anno Christi 1690 Die 23 July me
fecit ‚Johan Döbel. Innen an der Slanzeltveppe in lat. Majusfeln: M. Johannes
Flotwel Tilsa Boruss, Hoc tempore Pastor Labtauensis hane Cathedram inaugurauit
Do@a IX post Trinit. faxit Deus felieiter. Außen an dev Kanzeltveppenthix in lat.
Majusfeln: Hie suggestus deauratus est sub pastoratu M. Friederiei Hermanni Reg.
Prusi. An der Kanzeltveppenthiür die bekannten Bilder zu Iefaias 6 v.5—8 u. |. w.
Über ihr ftcht in Holz geichnigt eine Charitas mit zwei Kindern.
Laptau. — Laufifchten. — Legitten, 69
Taufjtein von Granit mit Stichbogen ornamentiert, in Ktelchform, im exjten
Soche [. des Chores. Der Unterbau des Taufjteins joll der oberite Stein der
zerjtörten Schlachtjäule zu Nudau (1370) jein. gl. Hennenberger, Erflerung d. pr. Landt-
tajel 103. Über diefe Säule, die auch im Laptauer Säirchfpiel Kiegt, |. Rudau.
Drei Kronleuchter aus dem Ende des NVI. Ih., alle drei mit Doppeladler;
der mittelfte: E.E. V.H. | E.F. V.D. | 1699.
Hei pergamentene Notenjtüke mit gemalten Initialen aus mittelalterlicher
Zeit, die zum Einbinden der Stiechenchronif benutt wurden.
Nachrichten über 2.
Gebauer, Kımde des Samlands 96. 107 f. — Harnod), ©. u. ©. 1890 243 i.
Mollchuen, 3 km Lftl. f. von &. 1295 erhielt Naudiote fiir die Offenbarung
des geheimen Aufftandes der Samländer eine Schenfung vom D. in der Befitung
jeines Vaters Jodute im Gebiete von 2, die den Namen Moll eyne führte.
Lanfijchken, fgl. Dorf und Amtsvorwerf, 9 km Lftl. 0. |. ö. von Labiau,
am Mauerfluß. Lovfe 1258.
Die Ordensburg in 2. war ein Nammeramt und fommt zuerjt 1258 vor. Laufen
oder Laukischken wird noch 1466 und 1525 als Burg genannt. Zu herzoglicher Zeit
war es cine „agdbude*. Georg Sriedrich baute 8 1581 um und nannte 08
Sriedrichsburg. Er erteilte hier einer Ichwedischen Gefandtjchaft Audienz. Giefe führt
an, daß fich von der Bırcg das Fundament (Feldfteinmauer) mit einigen Kellern erhalten
habe. Auf der n. Front jteht jet das Amtsgebäude. Die Vorburg lag im ©., früher
mit Waffer beftaut. Giefe, 3:UR.
Die unter Privatpatronat ftehende ev. Pfarrficche, in diefem IH. erbaut, hat feine
befonderen Eigentümlichkeiten. Nur die auf einem Tauftifch im Empireftil jtehende
meifingne Taufjchüjfel zeichnet fich dadurch aus, daß fie zu den äuferft wenigen
gehört, welche eine Sahreszahl tragen. Das achtedige Taufbeden hat in feiner Mitte
die Taufe Ehrifti durch Johannes in Gegenwart eines Engels in teils getriebener, teils
gradierter Arbeit. Am inneren Rande fteht in von oben getriebenen lateinischen Majusteln:
Diefes. Tauf. Beiken. it. Got. und. den. Kaukifdy. Rilden.. kichen . zu. Ehren.
Aemachet. worden. Den.3. Septe. — Darauf folgt ein Renaifjance-Nanfenornament,
teil3 getrieben, teils gradiert. Dann folgt die Infchrift: Im. Yoxdan , Ielos , ab-
wäldht. | und. voh . Johan . Jih . taufen . Left. | Derfelbe , Dein . und. mein.
unflat, | doch . fein . Blut, abaewalıhen . hat. 1668 .
Ar zwei Kronleuchtern icheinen allein die beiden Doppeladler aus dem Ende
des XV. Ih. zu ftammen.
Harnod, €. ı. ©. 1890 156.
Srundrih u. Mufrih; der Kirche in der Kreisbauinpektion zu Labiau.
Legitten, Kirche und kölmisches Dorf, 6 km Lftl. w.f.w. von Labiau.
Borgefchichtliche Altertümer im pl. 2.
Legitten BP. 9. Neue Solge 1813 153 fj. Löbertshof, 2 km Lftl. w. von 2.
FM. 8.164. 1156. 164-188. 352357. 366367. 3758376. IT 38. MM. 1877 176 ff. Blell,
A. M. 1878 610 ff. und S.d. U. P. 1877/78 79 ff. 1881/82 102 f. Moritten, 3 km Lftl. ww. n. iv.
70 Legitten. — Lichtenhagen.
PM. K.IT 345. ©.d.Q.P. 1877/7896 ff. Poßritten, 3 km Lftl. |. w. P. M. 8. II 350. 351.
IIT 4144. &. 8.9. P. 1881/82 111 5. Nüdlaufen, 4 km Lftl. n. ö. PM. st. III 36.
Schafaulad, 4 km Lftl. j.d. P.M. 8. 11383—335. ©. d. U. P. 1881/82 56 f. Schar-
laden, Groß-, 3 km Lil. |. PM. R.Irı. Wißritten, 5 km Lftl. . P.M.8.1a2. 51.
Die jebt ed. Pfarrfirhe zu Legitten, föniglichen PBatronats, ijt ein Bau aus
Feldfteinen mit Ziegeleden, der aus der Ordenszeit ftammt. Im Hukeren ziemlich
ichmuclos. Im Innern tritt man durch den Turm in das dreijochige Langhaus;
achtteiliges Sterngewölbe, deren Rippen, abwechjelnd bienjtabförmig und dreiviertelrund-
ftabförmig, auf Fragentöpfen in unförmlicher Gejtalt anjegen, die an nach innen ge
legten Strebepfeilern fien. Auf den jpigbogigen Triumphbogen folgt der einjochige,
rechtwinklig gejchlofiene Chor; die achtteiligen, dreiviertelrundjtabförmigen Rippen jegen
auf niedrigen, nicht mehr erkennbaren Konfolen auf. Runde Schlußfteine überall.
Im Chor r. umd Il. zwei mächtige rundbogige Nifchen. Sakrijtei, im N. an den
Chor angebaut, hat ein Tonnengewölbe.
Unter dem Triumphbogen fteht ein mittelalterlicher Kruzifirus mit Maria und
Johannes auf dem alten, in Kämpferhöhe des Triumphbogens eingelegten Balken.
Schlechtes Holzjchnigwerf.
Altar. Die Menja aus Ziegeln, innen hohl. Altaraufjat von „Gottfriedt
Haarhaufen, Churf. Hoff und Iagt Mahler” 1694. Predella Olgemälde: Abendmahl.
Hauptbild in jchlechter Holzjchnigerei: Chriftus am Kreuze mit Maria und Johannes u...
Ein ganz vergoldeter Kelch mit jchönem aufgelegten Nenaifjanceornament; auf
der Eupa Engeltöpfe. Auf dem Knaufe und Fuße getriebene Engelköpfe, Unter dem
Fuße die Widmung von von der Trenfe, von Stospoth, von Göten u. j. w. Anfang
XVD. 3.
Eine filberne, teilweis vergoldete Weinfanne, Ende XVIL 3.
Eine filb. ovale Dblatendofe mit getriebenen und gravierten Blumen.
Kanzel 1698 von Mugler(?); mittelmäßige Holzjchnigerei.
Ein eleganter Kronleuchter von Meffing mit Infchrift aus dem Ende des
XVO. 8.
Gutes Dlgemälde von Joh. Carl Huhn, Pfr. in ©. feit 1813, zu feinem
50 jährigen Amtsjubiläum.
Harnod, E. und ©. 1890 157.
Labladen, 6 km Lftl. n. w. von Legitten. Das einfache Herrenhaus ift im
vorigen Ih. durch den Kanzler des Königs, Ludw. von Oftau, erbaut.
Farbige Darftellung in Dunder, Die ländlichen Wohnfige u. |. w. Berlin 1869.
Lichtenhagen, adl. Dorf, 13 km Lftl. j. w. von Königsberg. Lichtenhain
1363. Hm. Heinvich Dufemer fchenkte 1349 2, Dorf und Mühle, dem Benedictinerinnen-
Slojter St. Marien im Löbenicht- Königsberg. Das Dorf gehörte zum. Erzpriejtertum
Greuzburg. ©. 1. ®. 1395.
Die Pfarrfiche jollte urjprünglich nach der Urk. von 1249 €. 9. W.128 nad)
Brujebergue, dem heutigen Bergau, 2 km Lftl. nm. von 2, kommen, it aber
niemals ausgeführt worden.t) Die jet ed. Pfarrficche in 2. ift 1350 vom Bijchof
1) Bender in Zeitjchr. f. Geh, u. Altertumstunde Ermlands V 42 ff.
Lichtenhagen. 71
Jacob eingeweiht; im 3. 1363 betätigt der Bilchof Johannes Streifroc, als Verwalter
der Didcefe Ermland, obige Schenkung, indem er gleichzeitig die Kirche in 2. dem
Klojter einverleibte umd mit ihm vereinigte, daher das Patronatsrecht dem Löbenichtjhen
Hospitale zufteht.
Äuperes: Der Turm ift in den beiden unteren Gefchoffen noch aus der DO.
Heit, aber nachträglich vor das Langhaus gejeßt. Gotischer Verband. Ziegel mit
Sranitfindlingen gemifcht. Untergefchog ganz glatt; im erften Stocwerf je vier flach-
Ipisbogige Blenden in Rohbau. Darüber Holzwerf und ein einmal gebrochenes Biber:
Ihwanzzeltdach; Knopf und Fahne Langhaus aus Ziegelvohbau in gotifchem
Verbande mit Granitfindlingen ungefähr in gleichem Verhältniffe gemifcht. Auf
dem Giebel der W. Seite je eine fchön profilierte Lifene. Fenjter aus neuerer
Zeit im Stichbogen. D. Giebel neu mit fieben Nifchen. Dach von Biberfehtwänzen.
Chor gleichzeitig mit dem Langhaufe. Auf der ©. Seite zwei alte, im Nundbogen
mit zweimal gebrochenem vechtedigen Profil geichloffene Fenjter; im N. feine Feniter.
D. Giebel alt mit drei getünchten fpigbogigen Blenden, zwijchen vechtedfigen, mit
Spiben gefrönten Rfeilecchen. Darunter im Exdgefchof eine Nundbogennifche. Arm
Langhaus und Chor vier einmal gebrochene gleichzeitige Strebepfeiler, welche am
D. Giebel des Langhanfes fehlen. Die Sakriftei im N. an den Chor angebaut,
mit Kreuzgewölbe; moderner Vorbau im N. an das Langhaus. Hölzernes modernes
Dachgefims.
Inneres: Eingang zum Turm jpihbogig mit drei Biegelveihen eingefaßt, von
denen die beiden vorderen abgefaft find. Im Turm I. geht eine Badteintreppe
hinauf, an der W. Wand ummvendend. Langhaus und Chor weil; getümcht mit jchlecht
bemalter Holzdecke. |
Altar nicht jchön. Ein alter, vorreformatorischer Altaranfjab jteht im Lang-
haufe in einer Nifche auf der Brotjeite: eine in Holz gefchnigte Pietä mit der Infchrift
im Heiligenjchein: Stabat mater dolorosa ju...., mit Neliquiarium darunter mit gotijchem
DOrmament. Hinter der Maria in den Sreidegrumd gedrickte Ornamente in Golv.
Nechts und links zwei Flügel mit jehlechten Gemälden: auf der Innenfeite Mariä
Verkündigung, die Zinbetung der Weifen u. j. w. Auf der Nückjeite (. o. h. Catharina;
l. u. h. Dorothea; r. o. h. Barbara; r. u. hd. Margaretha. — In der DO. Wand. des
Chors r. und L. vom Altar find Nijchen.
Ein gotijcher, filberner, ganz vergoldeter Keldh: unten ein Sechspaß, darauf der
Sruzifizus; jechs überedgejtellte Notuli, auf die in der Nenaifjancezeit Nofetten mit
Löwenköpfen aufgelötet find. Darüber fteht Ahefus, darunter nicht lesbare gotifche
Minusteln,
Ein filberner, innen vergoldeter Kelch: Calix coetui addietus partim ex argento
furto ablato et recuperato ex Dono Collegii. Regiomonti 16. Sept. 1797. (Das
Hospital-stollegium ift gemeint.)
Patene dazıı von 1797, Klein, Hosp. Assessor. Renovat. 1834.
Weinfanne von 1845, Gejchent der Gräfin zu Dohna-Capuftigall.
Schöne Nenaifjance- Kanzel in Holz von 1633, mit tosfanifchen Säulen und
echten Intarfien in hell- und dunkelbraun; jechsediger Schalldedel; Stanzeltreppe mit
nach unten verjüngten, hHermenartigen Pilaftern.
Tauffchüjfel aus Meffing mit vier getriebenen Blumenornamenten mit gepunzten
Nanfen,
712 Lichtenhagen.
Orgel von 1853 anjtatt eines 1652 erbauten Pofitives. Orgelempore von 1652.
Aus derjelben Zeit ungefähr das Löbenichtjche Hospitalwappen im Chore auf der
Brotjeite. Das Siegel, welches das fünigl. große Hospital führte, war demjelben
durch den, Herzog Albrecht im Fundationsprivileg verliehen worden: „Wir begaben
auch hiemit aus Fürjtlicher Gewalt vnd Oberfeit | jolch New Hofpital | mit einem
Eigil | AUS nemlich Zwo auffgerichte Hende | Alfo das die Eine das Almofen veicht
vnd giebt | vnd die ander jolchs empfchet | Ynd vmb das Sigil | fol in der Runde
gejchrieben jtehen | der Spruch Esa am 58. Frange esurienti panem tuum.“
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Abb. 39. Chorgellühl in der Ricche zu Kennen
sm Chor auf der Stelchjeite ans Eichenholz mit tannenen Füllungen gejchnigte
Ehorjtühle [Site mit Nücklehnen] in reichen Barodformen von 1624. Abb. 39,
Im Langhanfe r. zwei Stühle, in der Art des Melcher Breuer bemalt, gegen Mitte
des XVII. IH. (f. Arnau).
Auf dem Friedhofe zwei Linden im D. des Chores, die jo alt wie die Kirche
jein jollen.
Wittih, Mie. von 1880 im Landeshaufe zu Königsberg.
Harnod), E. u. ©. 1890 12 f.
Lochitedt. 73
Lochitedt, königl. Schloß und Erbpachtsgut, 4 km Lftl. j.w. von Fijchhaufen,
hart am Haff belegen, hieß zuerjft Witlandsort (urfundl. 1246 zuerjt exwähnt), dann
nach einem dort wohnenden Samen Laucjtiete. Dusb. III cap. 107 ed. Harttnoch; Lauch-
jtädt 1427; Louchjted 1430. Während man die Abficht, dort eine Burg zu errichten,
jchon 1264 hatte, wurde cs als fejter Punkt zwijchen Königsberg (1255) und Branden-
burg (1266) erjt im 3.1270 zu bauen angefangen. Witlandsort war zuerjt dem Bijchofe
aügejprochen worden, kam hr gegen Schonewit (Fichhaufen) 1263 an den Orden zuritct
und wurde in der erjten Zeit Komtursjchloß. Voigt, Namenscoder von 1291. Später wurde
die Burg durch einen Pfleger verwaltet, der von der Komturei Königsberg abhängig
war. Zur Zeit der Beligergreifung Königsbergs durch die Polen war der Sit des
Komturs wieder in Lochjtedt. Bernfteinamt blieb c$ bis 1581. Die beiden fehlenden
Burgflügel find dem Bau der Feitung Pillan zu Liebe in den 3. 1701 und 1702
gefallen. Auch die beiden noch vorhandenen zeigen ein gegen die ehemalige Herrlich-
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Abb. 40. Anliht der Bura zu Lochltedt.
feit ehr verfümmertes Bid. — Im dreifigjährigen Sriege hat 2. fehwer bei der
Eroberung durch die Schweden gelitten. Im fiebenjährigen Striege fiel &S in die
Hände der Nuffen, ivo jeine Kapelle 1760 durch den Generallisutenant von Korff
imvendig ausgebaut wurde. Im 3.1805 kam c8 auf einige geit in Privatbefig; jeßt
ijt es fönigliches Eigentum. Dah das „Lochitedter Tief“ auf einer Umvahrheit Simon
Sruman’s beruht, ift jehon in der Einleitung bemerkt.
Borgefchichtlihe Altertümer im Sipl. %
Lochitedt. PM. N. 1153. 178.81. Barten (bei Gafffen), 9 km Lftl. ı. ö. von
.. EM.N.12G6. Damerau, 9 km Litl. n.d. von L. PM. ft. II 199. 200.
ir die Burg folgen wir Steinbrecht’S Bejchreibung. _
Die Burg 2. „it nach demjelben Grumdjat angelegt wie Brandenburg: ein breiter,
5ufeifenförmiger Graben trennt aus dem Haffabhang eine Infel Hevans, welche durch
einen Qnergraben noch einmal zerlegt ift. Der höhere Teil trägt das Hauptjchlof,
53,70 m lang, 47,70 m tief, der andere bildete die VBorburg.“
74 Lochitedt.
Den Lauf der Gräben erkennt man an den Bodenjenkungen. Die Grumdgeftalt
der VBorburg üt jeit dem Frühjahr 1888, wo eine Feuersbrunft die dort belegenen,
ein annäherndes Quadrat bildenden Ställe und Scheunen einäjcherte, nicht mehr fennt-
lich. Der Stall am Haff hatte noch mittelalterliche Umfaffungsmauern. Über das
Vorburgthor ift nichts mehr zu ermitteln.
Das Schloßthor führt von ©. in das Schloß hinein und ift ohne äußere
Verteidigungsmittel angelegt; 8 war innerhalb durch einen Sperrbalfen verjchliegbar.
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Abb, 4. Greundeih der Burg zu Lochltedt (nad) Steinbredhl).
Der W. Flügel hat feine Unterfellerungen; der ©. Flügel hat jolche mit Längstonnen.
Die Durchfahrt unter dem Thorweg war nicht unterfellert. Sie ift geräumig an-
gelegt und befißt je ‚eine Doppelblendnifche, die auf der W. Seite rechtwinklig umrahmt
von Rumdfopfiteinen, die vot=grünglafiert, vot-gelbglafiert abwechjehn. Im diejem
Rahmen entwiceln fich zwei jpigbogige nafenbefegte Blenden, welche in der Mitte auf
einen felchförmigen Oranitjtein auffegen. Die beiden Granitkonfolen auf den Eeken
fehlen, Abb. 42. Die beiden Blenden find aus je drei Stücen zufammengefegt,
Lochitedt, 75
welchen vor dem Brande im trodnen Zuftande des Thons die Kunftform gegeben ijt.
(Über diefe Technik j. Centraldl. der VBauverwaltung, Jg. 1885, 391.) Eine ähnliche einfachere
Doppelblende liegt an der Pförtnerzelle Dieje ift mr ein Kleiner Raum, ohne
Lichtöffnung, nur mit einem Eekfamin verjehen. Eine zweite jpigbogige Thür führt
in einen größeren Naum, der durch ein vierediges, mit Granitjteinen eingefahtes
Fenfter, das mit ftarfem Eifengitter verjehen it, Licht erhält. Auf der gegenüber-
liegenden Seite der Durchfahrt ift nur eine jpisbogige Thür vorhanden. Sie führt
in ein Gemach, das durch zwei Spisbogengewölbe, welche ein rundbogiges Tonnen-
Abb, 42. Thor zu Lochitedt,
gewölbe durchdringen, überjpamnt ift. ‚An den Gewölben fan man noch die Bemalung
der jcharfen Grate erkennen: votblau und braun, die auf einen gleichfalls gemalten
Schlußjtein zufammenlaufen. Zwei tiefe Nifchen, in deven füdlicher noch die Heiz:
anlage mit Schornjtein zu erfenmen ijt, gliedern die Wejtwand. Das einft vorhandene
enter nach der Hofjeite wird jebt von der Nottreppe zur Stapelle eingenommen umd
anftatt feiner erhält das Gemach ein jpärliches Licht durch zwei jpäter angelegte Licht-
Ihlige. Der Sage nach befand fic) hier die Bernjteinfammer. Neben diefem Raum
liegt nach ©. zu eine jchmale Zelle, die nur ein Luftloch nach dem Thorraum bejal
und ihre Thür von dem nach W. zu angrenzenden, geräumigen, mit Längstonne über:
76 Lochitedt.
wölbten Wirtfchaftsraume befaß. Hier befindet fich in der N.W. Ede der mächtige
Luftheizungsofen für das darüber liegende Nefektorium,
Dr W. Flügel it zweifchiffig und enthält zwei Räume: die Wirtjchaftsktüche
und einen langgeitreckten, teils auf Bacdtein-, teil® auf ranitpfeilern mit jcharf-
gratigen Kreuzgewölben überjpannten, urjprünglich nicht durch Zwijchemvände geteilten
Wirtichaftsraum.
Der mächtige Schlot der Konventsküche vuht auf zwei kräftigen, vunden Granit-
jäulen, unter deren Kapitellen Konfolen angearbeitet find. Die Kapitelle tragen die
jpigbogigen, jcharfgratigen Sreuzgewölbe, die Konfolen auf flachen Ziegelbögen den
Schlot. Licht erhielt der Raum durch zwei vechtwinklige, mit Granit eingefahte Fenfter.
In der Nähe der Hofthir führte eine Treppe hinauf nach dem Nemter: man konnte
die Speijen unmittelbar von der Küche in das Nefektorium tragen.
Abb, 43, Bild von Lochitedt von 1560.
Die Aufgangstveppen zum Hauptgefchoi lagen im nicht mehr vorhandenen
Kreuzgang. Eine ift am Nefeftorium, eine zweite an der Stapelle fichtbar. Die
andren, zweifellos vorhandenen Treppen find mit dem N. und O. Flügel verfchwunden.
Dear WB. Flügel enthält zunächit im N. das Wohngemach des Komturs, einen Raum
mit einem Gewölbe (ähnlich wie in der Judittener Kirche), „deifen Anfallspınkte fo
liegen, daß auf der Simenfeite der Schub gegen die vorhandenen Mauerfnoten geht
umd auf der Aupenjeite drei Schildbögen mit einem großen Mittelfenjter entitehen.
sn der Ecke befindet jich ein Kamin, in den Wänden mehrere Nifchen, in der Weft-
wand ein Dansker, bejtehend aus einem Vorraum und einer Kleinen Abtrittsfammer
dahinter. An diefer Stelle ift jegt vieles geändert; im Jahre 1881 war diefe Näum-
lichkeit nach dev Stube zu vermauert, man konnte aber von aufen her mittels einer
Leiter in den Danster gelangen umd fand die Einrichtung deutlich vor. Die Anlage gleicht
dem Dansk in Hochmeijters Hinterftube zu Marienburg.“ Steinbredt, a. a. ©. Bd. IT 123,
Lochjtedt. 77
An des Komtırs Stube grenzt ein mit jcharfgratigem Kreuzgewölbe überfpannter
Vorraum, dejfen Zugang vom Kreuzgang her noch deutlich Fichtbar it. Hinter ihm
liegt nach W. zu ein mit Krenzgewölbe, mit auf Konjolen ruhenden Rippen bederktes
Dienerjtübchen. Neben dem Vorraum gelangt man nach ©. zu in des Komturs
Nemter, einen mit jehönem gerippten Sterngewölbe, das auf einem achtecfigen Granit-
Ichaft und rings an den Wänden auf Konfolen ruht, überjpannten Raum. Die
Gerwölbefappen waren mit Infchriften verjehen, wie jich noch vor Furzem unter der
diee aufgetragenen Kalktünche jegen lieg. Neben diefem Raum ift 1888 eine Wohnung
für den Förfter eingerichtet worden; vordem war hier die Wohnung des Bernftein-
Aufjegers. Der alte Ofen, den Steinbrecht (a. a. ©. 122) erwähnt, it mit jeinen das
Monogramm des erjten Königs von Preugen enthaltenden Stacheln zum Förftersheerde
degradiert worden. Über die urfprüngliche Einrichtung it nichts mehr zu ermitteln.
Es folgt ein weiter wüjter Edvaım, um welchen der Gang zum Dansfer herum
geführt ift, und durch welchen der Küchenjchlot Hindurchging. — Vom Danster it
nichts mehr zu fehen; wir vermuten, daß er durch einen Bogengang mit dem Schlofje
in Berbindung ftand. Auf dem Epitaph des Bernjteinmeifters Fuchs aus dem
XVI. Ih., welches noch vor kurzem in der Kapelle zu 2. hing, ijt ein jolcher ab-
gebildet. Nach diefem Gemälde, das wir nach der Gicjejchen Beichnung wiedergeben,
war der Dansker jchen im XVI I. verfallen. Danac) hätte er aber nach N. zu
mit Bogenftellungen angejchloffen. Abb. 43. „Ao 1560 d. andren tags Aprilis ein
Viertel nach achten des Abends ift der Edle u. Ehrenfejte 9. Hans Fuchs FD. zu
PBreuffen Oberfter Bernfteinmeifter, nachdem cr folches Ampt in die 55 Jahr treulic)
verwaltet, zur Lochstedt feliglich entjchlafen.*
Im S. Flügel fehlof fich an die von der Küche hinaufführende Treppe unmittel-
bar das Nefektorium (Nemter) an. ES war in drei Jochen überwölbt, von denen
fich nur noch einige mit Skulpturen ausgeftattete Kalkjteinfonfolen erhalten haben.
Den Luftheizofen haben wir bereits bei Gelegenheit des Erdgejchofjes erwähnt. Cs
hat feinen Eingang don der Hofjeite durch den Streuzgang. Hier erhebt fich ein Auperft
zierliches und mit vollendeten Gejchmad angelegtes Portal. Seine Gewände find
mit Säulchen von abwechjelnd grän- und gelbglafierten ‚Hiegeln ausgejeßt, welche
Bajen md Kapitelle von eftpländifchem Kaltjtein befigen. Uber den Sapitellen erhebt
fich der Spitbogen in gleichen Profilen wieder von glafierten Ziegen; um ihn teht
die Infchrift in erhabenen gotifchen Majusteln auf Thonplatten gebrannt: Mast ist
au allen dinain auf, (Über die Technik der Thonplatten j. Steinbredt, a. a. ©. 119.)1) —
Neben dem Nemter Kegt die dreijochige Vorhalle zur Stapelle. Sie hatte einen Ein-
gang vom Kreuzgang her, augen mit fräftigem Brofilwerk und glafierten Skulpturen;
jeßt Fenfter. Die drei Ioche befigen Kreuzgewölbe auf Rippen, die auf Kalkjtein-
fonjolen auffegen. Dem alten Eingang gegenüber führt eine Wendeltreppe zu den
zerftörten Wehrgängen empor, eine Feine Seitentreppe auch zur jeßigen Empore der
Kapelle. Die Thür, die im DO. nad) der Kapelle führt, Hält Steinbrecht wahrjchein-
») Anfehriften aus gebranntem Thon, zugleich mit den BZiegeln geformt, finden jich wie hier, jo auc)
an andern Schlöjjern, jo in Marienburg (. Duaft, N. PB. B. Bl. 1851, XL 36 f), in Birgelau,
Schönberg, Frauenburg (d. Dnajt, Denkmale der Baufınjt in PBreuien 28 F.), in Elbing, in
Thorn an St. Kacobi, im Ehore der Kirche zu Pehsken. Diefes „Buchjtaben - Gebäd”, wie 8
Büihing nennt, weilt auf den Orient Hin; von dort Fam cs nach Palermo und bier finden wir e8
bei den Bauten des Deutjchen Ordens twirder.
78 Lochitedt.
lich für fpäter „mit Benubung alter anderswoherftammender Bruchftice hergeitellt”.
Wenn auch in den Kapellen der andern Ordensfchlöffer fich mur ein Eingang findet,
jo muß diefer Eingang jedenfalls fehr frühe angelegt fein: die Ihonfäulchen der
Umrahmung mit ihren Werkjteinfapitellchen pajjen ebenfowohl wie die fpißbogige
Umrahmung organisch in die Socharchiteftur der Vorhalle hinein. Nach der Hoffeite
liegen der Stapelle zwei Bußzellen (wie in Golub, Neden, Marienburg) vor, die ein
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Abb, 44. Kapelle zu Lochftedt.
Schauloch nach dem Altar der Kapelle trugen. Beide Löcher find jebt vermauert.
Steinbrecht hat noch die „abwechjelnd grünglafierten“ Nundftäbe dev Thürumfaffungen
gejehen; wir konnten von der grünen Glafur nichts entdeden.
Die Kapelle ift genau wie im Hochjchloffe zu Marienburg mit zwei Kreuz
gewölbjochen und einem Gewölbejoche mit Dreiviertelftern, welcher „aus je zwei
Dienten der Chorwand umd der beiden Seitenwände entjpringt. Die Wanddienjte je
zunächjt einer Chorede verbinden fich direft durch Gurte und fchneiden dreiedige Ext
Lochitedt. 79
jeder ab, welche jelbftändig mit einem dreifappigen Gewölbe gejchlofjen find." Dadurch
wirkt das Chorjoc) als ein polygon gejtaltetes, und durch diefen Kumjtgriff empfängt
der Beichauer den Eimdrue einer polygonen Schlugentwicelung des Chorraums. Die
mit zierlichen Laubwerktapitellen verjehenen Gewölbrippen ruhen auf forbfürmigen
Kapitellen mit mammigfaltigem Skulpturenjchmud. Sie ftehen auf kurzen Saltjtein-
Jäulchen, welche aus Wimpergkronen entjpringen. Unter der Fenjterbank läuft ringsum
ein Fries aus Ihonplatten, welcher an den romanifchen NRıumdbogenfries erinnert und
mit flachem Nankemverk über und in den Nundbögen bedeckt ift. En Schmud
findet fich aus denjelben Formen hergejtellt am Hochjchloife zu Marienburg, wie er
jich auch 1887 in Brandenburg fand.) Die Gewölbedienfte gehen nur an der Schluß:
wand des Chores bis zum Boden hinab, an den Längsjeiten des Gejtühls wegen
nicht. Jedem Schildbogen entjpricht ein Fenjter oder eine Wandblende; an leßteren
ift noch das alte Mafwerk. Um das erjte Fenfter v. jteht in denjelben Majusteln
wie an dem Nemterportal gejchrieben: Maria aute Haben uns in diner hute. Die
senfterpfoften zeigen diefelben Formen wie in der Stapelle zu Mavienburg, Balga
und Brandenburg.
Der Safrifteieingang it dreigliedrig geftaltet: vier Heine Thonfäulchen, mit
Kalkfteinkapitellen und Bafen, trennen drei pisbogige Nifchen von einander, deren
mittelfte den Eingang bildet. Im den Spisbogen befindet ich Mafwerf. Die Sakrijtei
ijt mit renzlappen auf Rippen und vumden Eekdienften überwölbt.
Das urfprünglihe Kapellenportal befindet fich im erjten Soche [, der Ein-
gang ift jeßt vermauert. ES beiteht aus einem äußeren Bogen, einer Vorhalle md
einem inneren Portale. „An dem Aufenportal find nur die Sodel von Kalkitein,
alles übrige aus gebranntem, abwechielnd grün- und geldglafiertem Thon.“ Die Stirn-
bogen umzicht ein Fries aus Majusteln: .. benedigit fi der Mame AIhefu Chrift.
„Beim inneren Portal wiederholt fich Steinjocel und Wechjel der farbigen Glafuren;
die tapitellveihe jedoch ift ohne Glanzüberzug, ficherlich um.die außerordentliche Fein-
heit der Ihonffulpturen nicht zu beeinträchtigen. Das Laubwerk ift jo zierlich umd
mit fo en Hinterjchneidungen ausgeführt, wie man 8 in Hauftein wicht fertig
bringt." „Rechts und links vor dem Portal treten Kleine Steinbanfen vor, in deren
Nücken feines Mafwerfgeitänge anbebt und zu fehmucreichen Füllungen, Giebeln und
Krönungen in den Schildbogen aufwächt. Alles Thon-Skulpturen; fein wie Ziligran-
werk; bald gelb-, grün-, braunglafiert; bald num bemalt.“
Der Altar, die Kanzel, der gegemüberliegende Ambo, der Tauftijch und die
Orgel find neu. Ein achtediger Oblatenfaften ift aus dem Anfange diefes Jahıh.,
die zwei Altarleuchter aus bronziertem Zimm: I. 6.1. 1763. — 1869 wurde die
Kapelle nach innerem Ausbau neu geweiht.
Dumsdorf (oder Dubendorf), Sohn eines Nöhrmeifters zu Königsberg, legte in
den Jahren 1754 und 1755 einen Wafjerbehälter unten an der Vorburg an, der
bon Steinen ungefähr 22 m [., 5 m br. und 2,3 m tief war. Hierauf grub er ver-
Ihiedene mit Kies gefüllte Gräben, welche bei Negenwetter das Wafjer geläutert dem
Wajjerbehälter zuführten. Das Wafjer wurde muın durch eine 500 m lange Röhre
in die Pırmpe auf dem Berge gehoben. Nante, Wanderungen dur) Preußen I 46 ff.
Wer in Königsberg ift, jollte die nur einftindige Fahrt nach Lochjtedt nicht
jenen. Es foll jegt (1890) eine Schule in dem Gebäude angelegt werden; hoffentlich
wird nichts davan geändert!
s0 Lochjtedt. — Löwenhagen. — St. Lorenz.
Nachrichten über 2.
Sn dem vdortrefflichen Werfe von Steinbrecht, Die Baufunjt des Deutjchen Nitterordens in
Preußen, Bd. II. Die Zeit dev Candmeifter. Berlin 1888. Mit einer Menge von Zeichnungen, Photo
ippien u. j. w. — Gebauer, B. BP. Bl. XIX. Das Ordenshaus Lochitedt. — Gebauer, Hunde des
Samlandes 96 f. 108 f. — Lo, MT. D. 385 f. — Harnod), E. u. ©. 1890 72,
Löwenhagen, adl. Dorf, 17 km Lftl. j. ö. von Königsberg. Lebenhan;
un XV. 3b. Lewenhain.
Die w. Pfarrkirche, welche im XV. Ih. eine Tochterfirche von Suchsberg war
(vgl. Borchersdorf), fteht unter Privatpatronat. Sie ift an Stelle einer älteren im
3 1613 erbaut. Wetterfahne auf dem mit Schindeln gedeckten Turm von 1675,
Renovatum 1819. Wetterfahne auf dem aus dem NAchtect geichlojfenen Chore von
1691. Altar, Kanzel und Beichtjtuhl aus dem Anfange des XVII. Ih. Tauf
been aus dem XVII. Ih. von Meffing mit dem Sündenfall, fünnlojen gotischen
Minusfehn und eingejtanzten Verzierungen. 2. von Altare hängt ein gutes Bild vom
Pir. Nabe. Im Anbau im N. veich deforierte Särge der Familie des Neichsgrafen
von Dönboff.
stleinere Slode: Bilf Gott Maria bevatd Anno domini MCCGELI. Stammt
aus Fuchsberg.
Soße Glode von 1716.
Sriedricheftein, 2 km Lftl. n. w. von 2. Das große, aber nüchtern ausjchende
Schloß ift vom Staatsminifter General-Lieutenant Gr. Otto Magnus Dönhoff in
den Jahren 17091714 auf derfelben Stelle erbaut worden, auf welcher das frühere,
im Februar 1709 abgebrannte, gleichnamige, aber Fleinere Schloß gejtanden hat. Der
Banmeifter der Ingenieur-DOberftlieutenant von Collas. Schöner Park. Zwei farbige
Anjichten (von der Seefeite nach einem Gemälde des Prof. Behrendfen, das andere
von der Landjeite nach einer Photographie) in Dunder, Die ländlichen Wohnfite u. j. w.
Berlin 1869,
Nachrichten über das Kipl 2.
Sarnod, E u. ©. 1890 43.
Lorenz, Sünkt-, Pfarrhof und Erbgut, 23 km Lftl. n.n. ö. von Fichhaufen.
Vorgefchichtliche Altertiimer im Rip. St. 2.
St. Lorenz, Tifchler, ©. d. p. 5. ©. 1886 168-175. PB. M. M. T 21a. un, Boifchen
Loppehnen u. Neufuhren, 3 bez. 5 km Lftl. m. PM. 8.1 137. II 127. Stirtigehnen,
1 km Lftl. m. w. PM. 8.112090. Mofyfen, 5 km Lftl. . PM. 8. II 100. Bei
Moßyfen liegt eine Schanze namens Ierufalen, vgl. Seligenfed. Nortyfen, 1 km
et. m. w. Zwölf ausgezeichnete bronzene Arthämmer im Prov.M. Pilberg, 5 km
Lee. |. w. Sieje, 2.M.RP. Neufch, Sagen aus dem preuß. Samfande ?66. PWlinken, 5 km
rel. mw. Flichhaus des Deutjchen DO. zum Schute der befehrten Sumländer des
XI. 3b. Modell PM. 8. IT 21. Lanzenfpigen im Krov. m. Botalkftein, 3 km
gl. 6. PM RT 130 Manfchen, 3 km Lftl. mn. w. PM. f. 1155. 238. Der
Schanzenberg, 2 km Lftl. j.w. Ein vumdlicher Wall. „Das Torfbruch, was ihn
umgiebt, ift num bei jtrengem Froft zu paffieren.” Gieje, 2.WUB. Neuich, Sagen aus d. pr.
&t. Lorenz. 81
Samlande ? 48 f. 875. Stappornen, 6 km Lftl. . 6. P.M.R.1135.22 Syndaı,
5 km Lftl. j. PM. 8.117383. Tifrehnen, 1 km Lftl. n. 8.M. 8.1207. 283. MWar-
nicen, 7 km £ftl. n.w. PM. 8.155. Urnen md Armbruftfibeln im Prov. M.
Die jegt ev. Kirche zu St. Lorenz, füniglichen Patronats, ift eine der jüngjten
der vom Orden geftifteten. Das Land Bethen, in dem fie liegt, wurde im 9. 1264
eine Einöde; fein erjter Wicderanban erfolgte im den weitlichen Küftengegenden durch
die überfiedelten Sudauer, für welche die Kirche zum Heil. Kreuz (f. diefes) zuerft
z
.
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|
1
Abb, 45. Altaranffak in der Kirche zu St. Toren.
erbaut wurde, Allmählich bevölferte fich auch der übrige Teil, jo daf für das firchliche
Bedürfnis der Bewohner weiter geforgt werden mußte. Nach Kirchennachrichten foll
demfelben durch eine und zwar der Sage nach von German abhängige Kapelle geholfen
worden jein, bis im Jahre 1450 das jeßige Kirchengebäude von Baumeifter lausgall
erbaut und dem b. Laurentius geweiht wurde.
Die Kicche ift ein langes Rechte ohne Chor, mit dem alten Sakrifteianbau im
N. umd zwei modernen Biegelvohanbauten im ©. md W. 1860. Feldfteinbau mit
6
82 St. Lorenz.
aus großen Ziegeln gemauerten Eden. Der 1586 angebaute Turm ftürzte 1767 ein
und ift wegen der Armut der Eimvohner nicht wieder aufgebaut. Lange Zeit war er
ein Wahrzeichen für die Filcher des Novojtrandes, wie c$ die auf dem Kirchhofe
- jtehenden alten Linden noch heute jind.
Im 3. 1609 ftürzten die Gewölbe des Langhaufes ein. Ein Gurtjtein ijt noch
erhalten. P. M. Ivent. 33, 6 alte Nummer. NP. P- 8. VI (1848) 408. Dafür erhielt 8
eine Holzdede in oblonger Teilung mit in Holz gejchnigten Hüngerojetten.
Im 3. 1771/72 wurde das Langhaus um je zwei Fenfterachjen nach W. zu er
weitert; daher die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1771. Reparatur der Kirche 1832.
Die Thür an der ©. Seite hat einen jehön gearbeiteten Befchlag aus Schmiede-
eifen. Abb. 46.
Der Altaraufjag (Ziegel der Menja 27 X14%X 8 bis 9 cm) jtammt aus
dem 3. 1684. Auf der Predella-ift das Abendmahl auf Holz in OL gemalt (und
ichlecht übermalt): C. pinix. 1540. (U. Hagen denft an Cranach). Darüber in
Nürnberger Holzjehnigerei ein Mruzifizus mit Maria und Johannes. Über dem
südl. erh le
Abb, 46. Ihüchefichlag aus der Ricde u St. Tore.
Kruzifixus in einer Glorie Gott Vater. Dahinter eine ichön und veich gejchnigte
Stadt mit Burg (Nürnberg?). Um das Ganze zieht fich ein jpätgotifches (Fichblafen)
vergoldetes Ornament. Abb. 45. Am Altarauffag befinden fich zwei bemalte Flügel-
tiven. Unter den zum Teil etwas theatralifchen Gemälden zeichnet fich die Anbetung
der Hirten und Weifen des Morgenlandes bejonders aus. -
Zwei jehr fchwere Altarleuchter von Mejjing.
Eine Agende, in grünen Sammet gebunden, mit graviertem Silberbejchlag:
&. F#. Lenien. Pokalkltein d. 5. Prtober Anno 1781. Renovatun 1806,
Ein jilb. Kelch von 1578. Der jechsteilige FZuß ift mit eingravierten jehr veichen
Frührenaijjanceornamenten verziert; darinnen der übliche Kruzifizus. Auf den jechs
Notulis find Heiligenbilder meijterhaft eingraviert. Der Kelch jelbft trägt die Injchrift:
Glorior in Solo Sanguine xäte Tuo. Renou: Ao 1696 Past. Joh. Ungefug. — Ein
filbern. vergold. Kelch: Porothra Kupkaum Av 1687. Dazu eine Patene: Maria
Pornemann 1681. — Ein filb. vergold. Kelch, Tpätgotifch; jechsteiliger Zub; in den
jechs Notulis JHESVS. 1696.
.St. Lorenz. — Ludivigswalde. 83
Ein jilbern. Löffelchen, auf dejfen Stiel ein Apoftel fteht: Schul Witte
Berafiche. Sehr hübjehe Arbeit aus dem XVIT. Ih.
Die Kanzel ftammt aus dem Jahre 1575 laut der unter dem Schalldedel
befindlichen Infchrift in lateinischen Majusteln: Sebastianus Pygargus | Pfarchere
Ro 1575 | Fridrich Lengnick | Steffen Sager | Brosge Rlausgalm | (Nach-
fomme des Erbauers der Kirche) Casper Mosih W. B. — Darunter ein aus
Leinwand gepreiter farbiger Eeccehomo mit der gleichfalls aus Leinwand gepreiten
Snjchrift: Palm XXI, in Umrahmung von geprekten Nenaifjanceornamenten umd
Löwenköpfen. — Die Kanzel ift mit Triglyphen gejchmückt und von einem Pinienzapfen
gekrönt. — Auf der Kanzeltreppe wie an ihr jelbft find die vier Evangeliften gemalt.
In der Mitte der Kanzel ein Kruzifirus mit anbetendem geharnischten Nitter davor.
Huf dem Kicchboden befindet fich ein gut gejehnigter farbiger Taufengel aus
dem XVII. Ih.
Die Drgel ijt an Stelle eines feinen Pofitivs von Joh. Iofua Mosengel 1856
von Scherweit in Königsberg hergeftellt.
Die eine der beiden Glocden von 1753 mit veichem Ornament: Puch meinen
Thon und Klang xuff ich den Menfihen zu: Romt hört aus Gottes Worth der
Seelen Beyl and Ruh. Auf derjelben Glode der h. Laurentius mit dem Nofte,
Huf dem Friedhofe ein Grab mit dem marmornen Medaillonbildnis des Bild-
hauers Freiheren Nudolph von Bring, Nittergutsbefiger auf Plinfen, modelliert
von jeinem Neffen von Koblinsti. Auf dem Sodel ftand bis vor Eurzem die fchöne
Figur des „betenden Knaben“, ift aber entfernt worden.
Nachrichten über St. 2.
Gebauer, P. P. B. Bd. 13 569-582, Bd. 14 61—67. Kımde de3 Samlandes 109 f.
Harnod, E. u. ©. 1890 73 f.
Ludiwigsivalde, fönigl. Dorf, 9 km Lftl. j. von Königsberg, Luderwigis-
walde 1332, 5
Borgefhichtliche Altertimer im Kipl. 2.
Widbold, 2 km Lftl. n. von 2. P.M.. 166.
Vie jegt ev. Pfarrfirche zu 2. it königlichen Patronats. _ Grindung nach, 1332,
wo der Komtur Nidiger von Thalheim das Dorf &. ewähnt, umd zwar als neu zu
erbauendes, an Stelle des früher bereitS vorhandenen, und dajelbjt eine ecelesiam ibi
eonstruendam mit Freihufen bedenkt. Sie gehörte zum Exzprieftertume Ereuzburg.
€. 8. W. 1425.
Äuferes: Der Turm ijt nachträglich vor das Langhaus vorgebaut, aber noch
m dvorreformatorifcher Zeit; er hat.an jeiner ©. Seite noch gotischen Verband. Am
Langhaus zieht fich an der N. und ©. Seite ein roter Fries entlang, der fich aus
Duadraten zufammenjeht, die durch vier vorgerifjene halbe Vierblätter gebildet: werden.
Der Sries ift der Gründung der Kirche gleichzeitig. Später wınden die Längsmanern
über dem Fries erhöht, und der D. Giebel erhielt die jebige Gejtalt von fünf
Blenden zvifchen überecfgejtellten Pfeilern. Der W. Giebel Hat eine urjprüngliche
Sejtalt bewahrt und beftcht aus fechs Spitbogenblenden, die gegen die einfache Mauer
zurücktreten. Vier diagonale Strebepfeiler in den vier Eden des Zanahaufes; ein
6*
34 Ludrwigswalde.
f
Chor ift niemals angebaut gewejen. Auf der N. Seite des Langhaufes ift eine Stein-
fugel eingemauert. Die jpipbogigen Fenftergewände find mit dreiviertelrundjtabprofi-
lierten Ziegeln in das granitne Langhaus eingejeßt.
Inneres: Das Untergefchoß des Turmes ift aus Granitfindlingen gebaut, die
mit dem Mauerwerk des Langhaufes in feinem Verbande ftehen, nur an jeiner ©. Seite
zeigt er Biegel; an derjelben Seite ein Kleines granitnes Weihwajjerbeden. Die
Abb. 47. Hltarauffak in der Kirche zu Tudwigswalde.
oberen Gejchoffe find aus Ziegeln; Zeltdach. Durch ein mit Dreiviertelrundjtabbogen
profiliertes fpigbogiges Portal tritt man in das Langhaus. Bon ©. ber führt ein
gleichgeftaltetes Portal in das Langhaus; das demjelben entjprechende Portal im N.
ift jpäter vermauert. Im Stichhogen gewölbte Bretterdede de3 weißgetünchten Lang-
haufes. Sakriftei im N.D. angebaut. Im der DO. Wand zwei Nifchen, von denen die
auf der Brotjeite befindliche als Saframentshäuschen diente, mit eichener Thür
und jchönem gotischen Schloß und Ning.
Ludwigswalde. — Mahnzfeld. 85
Der Altar ijt aus Ziegeln gemauert; er hatte in vorreformatorischer Zeit einen
dreiteiligen Aufjas, der jest hinter der Orgel aufbewahrt wird. Die Gemälde find
ohne Kunftwert. Im der Predella ein durch ein gotijches Schloß verjchließbarer
Religuienbehälter. — Der jegige Altarauffag ift ein jchönes Werk aus dem Ende
des XV. oder dem Anfange des XVIM. Ih. In vortrefflicher Holzjchnigerei ift
der Gekreuzigte dargeftellt; ihm zur Seite ftehen auf engelgejchmückten Sonjolen
Maria und Johannes zwifchen je zwei fompofiten Säulen mit weit ausladendem
Sefims. Die drei Figuren Halblebensgroß. Ein triumphierender Heiland in der
Strahlenglorie bildet die Krönung des Ganzen. Im der Predella das Abendmahl in
Holz gejchnigt. Abb. 47.
Auf dem Altare ein jchön in Elfenbein gejchnigter Kruzifizus.
Die Kanzel 1713 geftiftet. Mit Fruchtjehnüren und einer Tänie aus Holz
gefchnigt und mit den Bildern des Erlöfers, Paulus ımd der vier Evangelijten gefchmückt.
Taufengel aus dem I. 1775.
Beichtjtuhl von 1691 mit gewundenen korinthiichen Säulen, mit Weinlaub und
Trauben bemalt. Daneben ein Stuhl des Daniel Mat 1796.
Das Geftühl ift in Olfarben grau, weis umd gelb in fecker, gefälliger Weife mit
seitons, Fruchtzweigen, Engeltöpfen, Vögeln, Büjten u. f. w. von einer Künftlerhand
bemalt. — Die Orgelempore ift 1714 ausgemalt.
Die größere Glocde von 1684.
Vor dem Altar liegt der Grabftein von Johannes Vorhoffius, Pfarrer in Q,,
+ 1617.
Nachrichten über das Kipl X.
Vittich, Mic. von 1880 im Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, €, u. ©. 1890 44.
2ahnsfeld, adl. Dorf, 15 km Lftl. j.j.w. von Königsberg. Mansfelt
1465. Das Patronatsrecht hat der jeweilige Befiger des Gutes Arnsberg.
Die in der Drdenszeit gebaute Pfarrfirche gehörte zum Erzpriejtertume
Ereuzburg €. 8. ®. 14236, wurde im XVII, Ih. abgebrochen und eine neue von Fach-
werk dafür errichtet. Auch diefe wınde 1819 niedergeriffen und die jeßige jchmueklofe
Kirche dafür erbaut. Gottesdienjt evang.
An Altargeräten find zu nennen ein alter Kelch mit einer Cupa; fein Fufr
mit Nenaiffanceornament. — Ein großer filb,, teilweis vergoldeter Stelch mit dem
von Lesgewangjchen Wappen: D. A. P. I. 1713.
Kleinjter filbern., teiweis vergoldet. Kelch; unter dem Fuße: Pieterich v. Leske-
wang. Anna Gatharin, neburne Polenzin.
Silb. runde Oblatendofe mit graviertem Lorbeerkrang um den Deckel; auf dem
Dede: I. P.L.
Beinfanne, filb,, teilweis vergoldet, von Bans Yuhr nebit feiner Hausfrau
hatarina de Lhantin 1660 geftiftet.
Meffingne Taufjchale mit einem Wappen mit zwei Adlerföpfen umd einer
Krone darüber. Im gotijchen Minusfeln fteht darım fünfmal: Got [ei mit uns.
XV. 3.
Humerne Altarleuchter von 1703.
Altarpulpet von 1700.
86 Mahnsjeld. — Medenau.
An alten Büchern wären zu nennen ein Landrecht von 1685 mit zwei guten
Supferftichen vom Großen Kurfürjiten nach Gemälden von 3. Vaillant, gejtochen von
Andr. Vaillant.
„Bolljtändiges Kirchen-Buch“ von 1697 in rotem Sammet mit Silberbejchlägen:
George Yuhr A. 1700 Porothea Auhein geb. Mannin.
Nachrichten über das Kipl M.
Wittih, Mic. dv. 1880 in dem Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, E. ı. ©. 1890 44.
Medenan, deutjch Waldort, Kivcchdorf und Nittergut, 14 km Lftl. vo. n. ö.
von Fischhaufen. Medenow; auf der j. Abdachung der Galtgarbenhöhen. Dttofars
Schlacht bei Medenau 1255. Gieje, 3. M. P.
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Nbb, 48. Grmmbrik der Burg Medenau.
VBorgejchichtliche Altertiimer im am M.
DBlumenau, Großs, 4 km Lftl. .w. PM. K.172. Blumenau, Stlein-, 4 km
Lt |. PM. 8. 173. 17 120. 122.123. Heydekrug, km en PM.E. ITS. Lindenau,
5 km £ftl. |. . P.M. 8.1107. Medenau, P. M. f. I 52. II 65. 66. 78. 80. 81. 124. 126. 421.
Polwitten, 3 km Lftl. j.d. PM. ®. 113. 73. 1180. Im Prov.-M. reiche Funde aus P.
Warrengen, 3 km Lftl. n. Berentendes Gräberfeld. P. M. S. II 64. 80. 82, 107-118.
S.d.N.P. 1887/78:92 ff. Ziegenberg, 6 km Lftl. w. P. m. 8. 14a. II 82.
Bei der Teilung der Landjchaft im 3. 1258 fiel M. dem Biichof von Samland
zu und wurde der Sib eines Kammeramtes.
Die bifchöfliche Burg jtand unmittelbar j. von „NichtHof". Wir lafjen hier die
fleine Gebauer’jche Skizze mit dejjen eigenen Angaben folgen. Abb, 48. „a. Mühlen-
teich. b. Der jog. Wallberg in gleicher Höhe wie Nichthof. c. Zwei diefe Höhe üiber-
Medenau. 87
tragende, kinftlich aufgevorfene Dämme, zwifchen denen ein tiefer Hohhveg durchführt;
mutmaplich aus der Schwedenzeit heritammend. d. Schloßhof, zur Hälfte umgeben
von einem Damm, unter welchem die Fundamente der Äußeren Ningmauer ruhen und
neben welchen ich auch die durch punftierte Linien angedeuteten Überrefte des Um-
fafjungsgrabens bemerflich machen. Südlich die auch urkundlich fejtgeitellte Auffahrt.
©. Vorwerk Nichthof, wo Überrefte bedeutender SKellerbauten vorgefunden wurden.
f. Gut Adl. Medenan.” Gieje, 3. WR.
Die Burg ift wahrfcheinlich nach 1265, nachdem der Aufftand des Samlands
gedämpft wırde, ext aus Holz, jpäter aus Steinen entjtanden. Wie lange jie beftanden,
Tteht nicht feit. Der Vertrag zu Thorn vom %. 1466 zählt alle castra, distrietus,
fortalitia, villas et dominia im Preufenlande auf, nennt aber Medenau nicht mehr. —
Die 1611 ausgeftellte Belehnungsurkunde enthält M. wieder, jedoch nur als Dorf.
Das bis 1619 hier beftandene Kammeramt ging nad Kobbelbude (Ser. Fiichhaufen),
einem ehemaligen Küchengute des Bijchofs, über. Der Tourift Stein jah 1621 fo
wenig von der ehemaligen Burg, daß er nur von Befeftigungen der alten Preußen,
iwie auch beim Ziegenberge fpricht, während er bei Wargen, Bowunden, Bobethen noch
die Mauern und Überrefte alter Burgen fand. (Acta Bor. I 207.)
Das Dorf M. erhielt neben Stammpreufen auch deutjche Anfiedler zu Be-
wohnern. Der Bijchof Johannes erneuerte im %. 1326 die älteren VBerjchreibungen
und jonderte 21/, Hufen zinsfrei als Schulzengut ab, worin der Grund liegt, daf
das jegige Nittergut Adlig M. davon ausgejondert it.
Der Medenaufche Adel war der angejehenjte des ganzen Samlandes. Zu ihm
gehörten im erjiten Viertel des XVI. Ih. die Familien Teuffel, von Bollwitten,
von Schwitten, von Nenningen, von der Albe, von Taubenheim und Thiefel von
Daltit, die leßteren vier deutjchen Urjprungs.
Die Fabelei, dag der Ort das von Potheas erwähnte Mentonomon jei, bedarf
feiner Widerlegung mehr.
Die jebt ew. Pfarrfirche ift im Anfange des XIV. Ih. angelegt; Patron ift der
König. Der Pleban Syffridus von M. umnterjchreibt 1321 eine bifchöfliche Urkunde,
Die Verfchreibung über eine neue Kruganlage vom 3. 1325 nennt ausdrücklich die
Parochial-Slirche apud polcam Medenow. — Sie it ein jtarfer gotifcher Feldfteinbau
mit Ziegeleden, im W. einem aus Ziegeln angebauten Turm und wenig jpäter davor-
gelegten Strebepfeilern. Abb. 49. Der Chor ift aus dem halben Achte gejchlofjen,
eine im Samlande jeltene Erjeheinumng. Über die Aufenanficht von W. her giebt
unjre Abb. 49 genigende Aufklärung. Das Dach ift 1864 von Schiefer gemacht.
"Die Sakriftei ift an der N. Seite des Chores gleichzeitig angelegt. Vorhalle gleichfalls
im N., neuerer Anbau. 1
Das Eingangsportal im Turm ift jpigbogig mit abgetreppten Laibungen. In der
Mitte der S. Seite ift eine jpäter vermanerte, jpigbogige Thür, von einem Dreiviertel-
vumdjtab umjäumt Im der Mitte der N. Seite befindet fich Hinter der Vorhalle eine
Ipigbogige Eingangsöffnung mit alter vierediger Eichendolz- Thür mit vautenförmiger
Verzierung und der von außen eingejchnittenen Injchrift Abb. 50. YBayer (Opuseula p. 459)
las die Jahreszahl an ihrem Anfange 1478, Gebauer (N. PB. P. 8. VI 1848. 285 ff.) 1423.
Schöner gotifcher Beichlag und Slopfring.
Die Fenfter im Langhaufe waren dem Brauche de8 D. DO. gemäß nur an der
S. Seite angelegt. Hier waren bi8 zum vorigen Jahre (1887) die urjprünglichen
88 Medenan,
Fenfter mit kaum merklichen Spigbogen, mit vechtwinkligen Laibungen, ohne Mafzwerk,
Später find im N. fleinere Fenjter mit Stichbögen angelegt worden und an der
N. und ©. Seite, um mehr Licht in der Kicche zu gewinnen, die dien Wandımgen
ausgebrochen. Die Chorfenjter im Spitbogen.
Der Turm hatte im Innern im Erdgefcho Kreuzgewölbe, die mit bienitab-
förmigen Rippen auf Stragiteinen aufjfegten. Sie find nur noch zur Hälfte vorhanden.
Ein Gurtjtein nebjt dem dazır gehörigen Mörtel und Mauerwerk aus der Turmbhalle
zu M. befindet jich im P. M. zu Königsberg unter der alten Inventarsmummer 33, Ta—d. Zum
Abb. 49. Anfuht der Rice gun Medenau.
Turm hinauf führte (. die Heine Backjteintreppe; jest eine Holztreppe. Im Turm
liegt x. ein 1,5 m hoher Granitjtein, anfcheinend ein Weihwafjerbeden.
Das Langhaus zeigt innen vorgelegte Strebepfeiler mit fünf Sochen Stern-
gewölbe, welche auf bivnjtabförmigen Rippen mit Schlußfteinen auf SKragiteinen in
halber Höhe des Schiffes aufjegen. Eine Kleine Thür mit gotifchem Beichlage und
Klopfeinge befindet jich im erjten Joche r. vom Turm, da, wo die Orgelempore anjeßt.
Die Kirche ift jebt im Innern durchgängig geweiht. Spuren Ipätgotijcher Wand-
malerei fanden wir mım an der v. Wand zwifchen Turm und Langhaus, nach leßterem
Medenau, 89
hin. Es war ein jpätgotifches bifchöfliches Weihekreuz, freihändig in geiin mit graiem
Schatten gemalt in zwei fonzentrifchen Streifen, deren innerer breiterer fchwarz, der
üupere vot gemalt war, zwifchen mit dem Zirkel vorgerifjenen Streifen. Leider ift «8
1588 überweißt. Wahrjcheinlich war die Kicche, deren Feldjteinmauerwert ja getüncht
werden mußte, von innen ganz bemalt.
Hinter dem jtarfen jpigbogigen Triumphbogen folgt der Chor mit einem
Haupt und einem Nebenjoche und dreijeitigem Abjchluf. Die Ge-
wölbe find Sterngewölbe wie im Langhaufe. Die vier Eedfkragjteine
jtellen die vier evangeliftiichen Symbole dar. Die zwei anderen
Stragjteine vr. ein hocdendes Männchen und eine Gefichtsmasfe. Die
anderen L. find tweggebrochen. In der Achteswand r. ein Heiner
Wandjchrant mit jpätgotifchem Befchlage. Ein größerer in der
Mittehvand. In einem Chorfenfter r. Kleine, aber jehöne Grifait-
malerei: ein Wappen mit Monogramm und elegant gezeichnetem
Ranfemverk; darüber eine dreizadige Krone; darunter ein Spruch:
band mit I. @. Flatho 1696.
Die im N. an den Chor gebaute Sakrijtei Hat zwei gleiche
Soche Kreuzgewölbe mit bienjtabförmigen Nippen (mit Schluffteinen),
die unmittelbar an die Wand anbinden. Ihre Thüröffnung vom
Chore aus ijt jpißbogig mit drei Abtreppungen; die alte Thin
dierecfig, mit vautenförmiger Verzierung und jchönem gotifchen Be-
Ichlage und SKlopfring. Auf der Imnenfeite freuzweis mit Eifen
bejchlagen, in der Mitte ein hohler eiferner Ring, worin ein Pfahl,
gegen die Wand gejtemmt, Schuß gegen Andringende gewährte,
Der Altar. Die Menfa jtammt aus der Erbaumgszeit. Ziegel:
maße 32 X 14 X 7 cm. Der Altaraufjaß jtammt von 1704. Sein
Yauptölbild jtellt die Kreuzigung Chrifti dar. Neben Johannes fteht
der pastor loei mit der Allongeperrüde (oder der Maler?). Das
Bild darüber ftellt die Ausgiegung des heil. Geiftes dar. Die Ver-
zterungen, welche in blau und goldnem Nantenwerk und vergoldeten
Säulen mit Gefimjen bejtehen, wirken jehr vornehm. Zwifchen den
Säulen des unteren Feldes jtehen die in Holz mäßig gejchnißten
vier Evangeliften auf lonfolen, die von Engelstöpfen gebildet werden.
Dben Mojes und Elias. Die Spite des Ganzen bildet ein Ehriftus
mit der Weltkugel.
Gleichzeitig ift die Schranke im fpißbogigen Triumphbogen
errichtet. Sie hat gleichfalls reich und jehön gejchnigtes Nanfenwerk,
Uber dem ebengenannten Triumphbogen ein Kruzifizus aus dem
nmeuaga nt neu 10q we jhaffug 06 "'gget
XV. 3. mit der Schrift vn. vi. in gotischen Minusteln. — Am
zrumphbogen (. Maria mit dem-Kinde auf der Mondfichel jtehend
in der Slovie, mit veich verziertem Goldgewand. Taf. 2. — Am
Triumphbogen x. St. Catharina mit dem Schwert; beide Figuren aus dem XV, I.
An der L. jchrägen Chorwand ift jest ein jpätgotischer Altaraufjag befeftigt,
mit einem Neliquienbehältnis darunter. Ex enthält in jeinev Mitte in Holzjchnigerei,
polyhrom bemalt, Gott Vater und Sohn mit Welttugeln und großen Kronen auf
veich gemuftertem Goldgrumd. ber ihnen ift ein bemalter Baldachin. Darauf in der
90 Medenau.
Mitte Chriftus; zu jeiner N. ein Mann mit Stelch; zu feiner 2. der h. Nicolaus von
Yari. — Die Diptychen enthalten innen die vier Evangeliften, aufen vier Heilige.
An der r. jchrägen Ehorwand ijt jet gleichfalls ein zweiter pätgotifcher Altar-
aufjfab (ungefähr um 1520) aufgehängt (Im den Stand gejeßt 1833 durch den
Königsberger Kumjtverein.) Im Schrein jelbjt werden zwei weibliche gefrönte Figuren
jichtbar, von denen die eine mit dem Ehriftusfinde Maria, die andre die 9. Ana ift.
Die Injchrift heißt: Sancta Anna ora pro nobis Deum. Die äußere Seite des
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SiLLEIE
Abb. 51. Alfarfıchrein in der Rivche zu Medenan.
Diptychons enthält in reicher Frührenatffances Umrahmung unten I. Chrijtophorus,
r. einen Heiligen mit Schwert; oben I. einen Heiligen, der mit einem Stabe eine am
Boden liegende Strone ducchbohrt; x. den h. Sebaftian mit Bogen ımd Pfeil. Immen
ift die Legende von der Geburt Marias: Joachim BVBerjtogung aus dem Qempel,
jein Aufenthalt in der Wüfte, feine Begrüßung mit Anna unter der goldenen Pforte
und Mariens Kicchgang. Die Malerei ift nicht ohne Gefchiet behandelt. Der Engel,
der dem h. Joachim die göttliche Urkunde überreicht, it Dürer beinahe abgeborgt. An
der goldnen Pforte ijt die Stabverzierung angebracht, die eine Eigentümlichkeit Albrecht
Medenau, 91
Direv’s ift. (Leben Mariäs: auf der VBermählung. Große Baffion: auf dem Ecce Home.)
(Der jpätgotifche Altaranfjag in der Kirche von Tierenberg (j. diefe) enthält diejelben
Daritellungen in ungleich Höherer Vollendung.) Innen lo. das Monogranım:
Über dem Altarjchreine erhebt fich ein Thronhimmel mit Maria und dem &
Ehrijtfinde in ihrem Schof. Hier zeigt fi) das Wappen des Stifters
diejes Altarfchreines: zwei Naben in weißer Binde auf rotem ze welches der
Familie von der Albe, die lange Zeit in Condehnen jaß, angehört. Die beiden
Altarfchreine find in Nürnberg gefertigt. Abb. 51
Altargeräte. Ein kleiner filb., ganz vergold. Kelch mit glatter, am unteren Rande
durch aufrecht ftehende aufgelegte Lilien verzierter Cupa. Auf den jechs Notulis fteht
Ahesus in gotischen Minusfeln. Fub im Schspaß gejchlofjen. Auf den jechs Erken des
Schaftes jtehen oben und ımten feine freiftehende gewundene Säulchen. (Diefer Kelch
Jieht faft genau jo aus wie der auf Veilage 1 im 2, Heft der Bau- und Kunftdenfm.
der Prov. Weftpreugen ©. 87 veröffentlichte Kelch zu Kobbelgrube) Taf. 1. XV. Ih.
— Ein jilb,, ganz vergold. Kelch mit getriebenem Knauf, Zub im Sechspaf; mit ein-
gravierten Ornamenten: drei weibliche Figuren, Glaube, Liebe, Hoffnung darftellend,
mit barocen Ornamenten dazwifchen. An 1615. — Ein jilb., teilweis vergold. Kelch.
Auf dem Fuße das Lamm mit der Fahne, ein Ahrenfeld und Weinftöcde. Dazwijchen
Drnamente im Nococoftil; alles getriebene Arbeit. XVII. Ih.
Eine filb., innen vergoldete Batene: Zum Andenken in Mednau: Andreas
Bemelhe : Panfig. 1770 mit Wappen.
Eine filb.,, teihweis vergold. Weinkfanne mit Kreuz darauf. Unter dem Fuß:
Zum Andenken. Melhior Rade. Ama Aödlegunda Kade gebohene Bewelken,
Kateinckenhöfen Mo 1770.
Eine filb., teihweis vergold. Oblatendofe, rund, mit Chriftus am Dlberg in
getriebener Arbeit: Yarl Frivrich Rade in Dankia. Zum Andenken n Meve-
nau Ao 1770. Taf. 1. <= Eine jilb. Oblatendofe: Fridrich von Albe. Chata-
tina v, Qanigen. — Eine jilb. runde Oblatendoje: Reinhold Melker. Ger.
hoffeimer 1700.
Eine kleine Schale: Supfer mit eingelegten Goldornamenten ; drei aufgelötete
Medaillons: ein Mann mit Hammer und Meißel; eine Frau mit einem Sinde; eine
figende Fran. Darunter ein Zul von Silber. Fein ornamentierter Knauf. Um den
Fuß zieht fich eine Jagdfeene. Unter dem Fuße die Infchrift: Ahriftian von Baufen
aus Danzig Anno 1770,
Die Kanzel ftammt aus dem Jahr 1668, wie eine Infchrift über der Thür
bejagt. Darüber ein gejchniter Pelikan, der jich die Bruft aufbeiht. Darunter:
DEAVR:HIC SVGG:
A:3:0:M: DC: LXXXTL
PASTORE.
Dn. CHRISTIANO MARCI.
NEOSTAD :MISN:
In den Feldern zwijchen den Säulen, welche die Brüftung zieren, die vier Evan-
geliften und ChHriftus, ichlechte Holzjchnigerei. Die Treppenverfleivung enthält zwei
Olbilder: ‚Sefus mit dem Lamme und Mojes mit den Gejegtafeln. Die Treppenthür
hat zivei Ölgemälde: Ehriftus mit dem Lamm auf der Schulter und die DmeNgE
92 Medenan,
leiter Jacobs, welche merhvirdigerweife an die PBallion erinnert, indem fie aus dem
Nopjtengel, Spie, Schwert u. j. tw. gebildet üft. Über der Leiter fchwebt die Drei-
einigfeit. Schlechte Dlbilder.
Unter dem Schalldedel in Geftalt einer Krone die Dreieinigfeit. Auf der Spige
des Schalldedels Chriftus mit der Siegesfahne. Träger der Kanzel it ein Engel.
Die Taufjchüjjel Mefiing. Im Immern der englifche Gruß mit jpätgotifchen
eingejtanzten Drnamenten darum. Auf dem Nande zwei aus eingejtanzten Ornamenten
gebildete Kreife. Darin die Buchjtaben R S geprägt.
Die alte Orgel, welche Johannes Jofua Mosengel aus Eifenach in den Jahren
1693/94 aus freiwilligen Beiträgen der Gemeinde herjtellte, hat 1886 einem jchönen
Werfe des Königsberger Orgelbaners Mar Terlegki weichen müfjen. Die alte Orgel
wide zerjchlagen. Die neue ift mit Säulchen, durch vergoldetes Blattwerf an den
Kapitellen geziert und mit Mahwerk und Fialen jorwie Nankenornament ausgeitattet.
Bon der alten Orgel jtammt noch die Empore her, auf der die neue jteht. Sie
enthält fieben Ofbilder aus dem Jahre 1694, auf Leinwand gemalt: Saul und David,
Gott Vater, das Lamm anbetende Männer u. j. w. Sehr mäßige Arbeit.
Das Gejtühl ift meijt men. Aus dem Anfange des XV. Ih. jtammt ein
fünffisiger Stuhl im legten Ioche des Langhaufes x. Gleichzeitig jcheinen die vier
Stühle im Hauptjoch des Chores r. errichtet zu fein. Der erjte trägt drei Wappen:
Ludwig von der Albe; Jürgen Auer; Wolf Benninger.
Die Emporen jtammen aus dem Dahre 1668. Sie find gleichzeitig mit deu
Slanzel angefertigt, von mäßiger Arbeit, haben aber jchön gejchnigte Fruchtgehänge.
Gleichzeitig der Stuhl auf der r. Seite des Chores im Nebenjod).
An den beiden Seitenemporen hängen zwei Gejangsbuchvers-Schilder mit veich
vergoldeter Umrahmung vom Jahre 1740 mit Monogrammen (Im Jahre 1869
iibermalt.)
Die lebte Seitenempore I. nach dem Chore zu hat die jpäter darauf gemalte
Snjchrift: Anno . Wateinken . Böfen . 1740, .
Zwei gute Olgemälde: im legten Joch des Langhaufes r. 3. D. Beithorn, Sup.,
zum Andenfen an fein im Mai 1840 hier gefeiertes fünfsigjähriges Amtsjubiläum,
von Bob. Heine. Stobbe gemalt; im Hauptjoch des Chores r. Dr. Karl Emil Gebauer,
der twackere Schriftiteller der „Kumde des Samlandes“, des „Wegweijer burd) Samland“
und vieler Aufjäge in den W.B.B.B., vom Maler ®. Naujot 1885. 7 1888,
Die Infchrift der größeren Gloce lautet nach Harnoch 74: Katerine vocor
gracie gemma urbe Alexandri costi regis unica — fer me — richum fusorem F o rex
gloriae veni cum pace HCCCCOXXI (1521). Die der Fleineren: Maria mater gratie
mater misericordie pro te Andreas Schulz plebanus Hennich goss mich HVXX1 (1521).
Wahrjcheinlich it Hennich van Svichelt gemeint; vgl. Heiligenwalde. Die Glocken
hängen unzugänglic).
Ein Epitaphium auf dem Kathrinhöfer Chor, einem Familienmitgliede derer
von der Albe gehörig, mit vielen Wappen. XVII. 3.
wer Eifenbandjchuhe in Bruchjtücken und ein Bifierhelm, welche früher in
der Kirche zu M. hingen, find der A. PB. übergeben worden und dafelbjt P. m. 8. IV
49. 50. 82 zu finden. Der Bijierhelm aus dem XV. Ih. kann alfo nicht, wie die
Sage geht, dem Dyvel in Sitenhöfen zugehört haben.
Anjicht von M.: Lithographie von Gebr. Schamberg zu Königsberg.
Medenau. 93
Nachrichten über M.
Th. 8. Bayeri Opuscula (Halae 1770) p. 459. — SGebjer und Hagen, Der Dom zu Königs-
berg II 153. — Gebauer, Kunde des Samlandes 97. 110. 119. —- Gebauer, W.P.P.B. VI (1848)
285 f. — Gebauer, NP. BP. B. VII (1849). — d. Milverftedt, Vajallen:Regiiter. des Samlandes,
Medenan, NP. B.B. 1855 VII 279—280. — Lok, K.T.D. 434. — Harnod, E. u. ©. 1890 74 ff.
Bei dem Neubau des Pfarrhaufes (1855) zu M. ftellte jich heraus, day an
demjelben Plage drei Pfarrhäufer gejtanden hatten. Das lette, dem jebigen voranz
gehende hat von 1648—1855 geftanden. Beim jedesmaligen Umbau it das Gebäude
höher geftellt worden; der unterjte Fußboden lag jajt unmittelbar über der Strone des
Kreuzaavölbes, welches den Hauptfeller bildet und wahrjcheinlich aus dem exjten Pfarr-
haufe, alfo dem XIV. Ih., jtammt. Der Verband der Ziegel ift in diefem Steller noch
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Abb. 52, Gemmdrik der Burg Biegenberg.
gotijch; die hirnftabförmigen Rippen, welche ungepußt belafjen find, jind in der Mitte
durch einen jpäter eingebauten Pfeiler im Vlockverbande gejtüßt.
Gebauer, V.P.P.B. 2. Folge VIII 217 f.
Auf dem Pfarrfelde bei N, unfern von Slathrinhöfen, erhebt ich das von Nitter-
gutsbefiger G. MW, Locrvner im Jahre 1881 errichtete Kaiferdenfmal, zur Erinnerung
an die Anvejenheit des Kaifers Wilhelm I. bei Gelegenheit der im Samlande 1879
abgehaltenen Heerjchau. Das Denkmal ift ein jchöner, weithin fichtbarer Obelisk aus
Granit, auf welchen ein Adler figt. Die Vorderfeite: Mit Gott für König und
Daterland. Auf dem Sodel: Seine Majelläl der Raifer und König Wilhelm 1.
beobarhtete von diefer Feldmark das Manöver des erften Hemer Corps am
94 Medenam. — Neuhaujen.
9. Sepfember 1879. Beil dem Belden Greif. Auf dem Sodel der Nückeite: Zur
Erinnerung gewidmet von G. WM. Lorwner Adl. Medenau d. 9. September 1881,
Ein gußeifernes Gitter umgiebt das Denkmal.
Auf dem benachbarten adligen Gut Kathrinhöfen hängt der Einfahrt gegen-
über an einer Linde eine gußeiferne Tafel, mit vergoldetem Ührenkranz umrahınt:
Der Peutfche Raifer Wilhelm TI. hielt an diefer Stelle beim Manoeuver dex
I. Armeecorps am 9. September 1879 eine Anfpradhe an das Pffiriercorps und
befahl die Prden auszutheilen,
Ziegenberg, 6 km Lftl. w. von M. Im gejchichtlicher Zeit erhob fich eine
bijchöfliche Burg auf dem Ziegenberg (zwifchen Nifchehnen und Bonaden). Im Jahre
1300 vertaufcht Ludwig von Schippen, Landmeifter in Preußen, Nariten und Mvaufen
(Rachjitten und Aweifen bei Quednau) fir Wyskayne umd Suiene (Wifchehnen und
Schorjchenen bei Medenau) mit dem Propft Dietrich und dem Kapitel von Samland. —
Spuven von Baufichfeiten finden fich nicht mehr auf dem Hügel vor, mur die Ortlichfeit
Ipricht für das Vorhandenfein einer Burg, Abb. 52. a bezeichnet die Stelle der Burg
auf einem jteilen Hügel; die nordöftliche Auffahrt macht fi) deutlich bemerkbar.
b’ md b* find jet ausgetrodnete Teiche. ec das Gut 3. mit der oft in Urkunden
erwähnten „Burg-Mühle*.
Burg 3. fommt in wefimdlichen Verfchreibungen von den Jahren 1309, 1310,
1325, 1338, 1385 u. j. w. vor. Im erfter Zeit ftand ein Blodhaus oben, um den
Eingang zu decken. ber die Wafjerverforgung, die Windebahn u. f. w. f. von Boenigf
©. 5.9. P. 1879/80 75. 77. 80.
Über eine Sage, die fich an den 3. fnüpft, | Reufch, Sagen d. preuf. Samlandes? 2 |.
— Bieje, Bleiftiftzeihnungen von 1826—28. WU. B.
Gondehuen, 4 km Lftl. von M. Gandym bei Dusburg um 1326. Dust. cd.
Hartfnod) TIL c. 70. Das Schloß ift vom Hofgerichtsrat Kammerheren Gr. zu Dohna
und jeiner Gemahlin Gräfin Dönhoff-Friedrichftein um 1780 erbaut; die beiden Wappen
im Giebelfelde. Farbige Darftellung bei Dunder, Die lündfichen Wohnfite u. j. ww. Berlin 1869.
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euhanfen, fölmisches Dorf und großes adl. Gut mit Schloß, 11 km Litl
n.n.d. von Königsberg, an der Kunftitrage nach Labiau.
Vorgefchichtliche Altertimer im Kfpl. N.
Dunfershöfen, 3 km Lft.n.w. PM... ı 1m. Knöppelsdorf, 4 km
gl PMREITE.NP.P.B.V308 Lapfau, 7 km Lftl. . PM. 8.173. 197.
Lauth, 7 km Lll. . PM.RTA. Neudamm, 4 km Litl. |. w., Schildbudel im
Prov. M. Traujfitten, 2 km Lftl.n. PM. 8. 11343. 314. Tropitten, 2 km £ftl. j.
PM. S. II 427. 428.
Die Burg N. joll (nad Hennenberger, Exff. d. Preuf. Landtt. 334) im Sahre 1292
gebaut jein. Sie war eine bichöfliche Burg md „der Thumberen von Königsberg
Lufthaus“. Herzog Albrecht erbaute auf dem älteren das jet vorhandene, nur noch
mehr ausgebaute Schloß. AS 68 in der Mitte diejes Iahrhumderts Sraf Luekner von
Billow von Dennewig kaufte, fchüttete er den Schloßgraben an der Eingangsfeite zu
Neuhaufen.
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Abb. 53. Geumdriß der Bura zu Deuhaufen.
96 Neuhaufen.
und legte Pe die Terrafje an. Der gegenwärtige Befiger ift dev Generallandfchafts-
direftor 2. Bon, der in entgegenkommendfter Weife das Begehen des jchönen, waljer-
reichen und von den herrlichjten Baumgruppen bejtandenen Parkes dem Befucher
gejtattet. Dem Schloffe gegenüber beginnt der jchon von Herzog Mlbrecht angelegte,
2 | km große, prächtige „Tiergarten*.
Wir geben die Nefte des Schloffes nach einer Zeichnung des Geh. Nates A. Hagen
vom Jahre 1827 wieder, welche der A. BP. gehört. Gieje, 2.U. P.
Herzog Albrecht verichrieb N. feiner zweiten Gemahlin Anna Maria zum Leib-
gedinge. Hier wurde den 29. April 1553 Albrecht Friedrich geboren, dejjen Krankheit
auch hier 1572 zum Ausbruch fam. (Faber, Preuf. Archiv, 2. Samıml, 129 5) — Paul
Scalichius Floh von hier 1560 nach) Mandeln (2 km f. von N.) und fuhr unter dem
Wagenfie feines Freundes Schnell verborgen weiter. — Kırfürjft Georg Wilhelm
(7 1640 in Königsberg) hatte N. zu feinem Lieblingsanfentgalte gewählt und pflegte
nach der Jagd mit feinen Genofjen aus mächtigen Trinfgefchivren zu pofulieren. Die
Trinfgefchiere ftanden 1835 in der Kunftlammer zu Berlin und haben, nachdem diefelbe
aufgelöft wırde, jegt im Hohenzollernmufeum ihren Plab gefunden. Im dem fleinen
nn. ö. Zimmer, der englischen Kirche gegenüber, ftehen unter andrem: No, 738. Silbernes
Trinfgefchier in Form einer PBulverflafche, verziert mit Iagdemblemen, welche Kurfürft
Georg Wilhelm im Jahre 1627 zu Schloß Neuhaus in Oftpreufen ftiftets, Yon der
Negierung in Brenfen im Anfange unjres Jahrhunderts eingeliefert. — No. 739.
Silbernes Trinfgefäg in Form einer Mustete, welche u. j. w. wie oben.
Dieje Musfete, etwas über 1 m lang, und die Pulverflajche mußte jeder Befucher
von Schloß Neuhaufen leeren und feinen Namen famt einem guten Sprüchlein in ein
gleichfalls jest im Hohenzolleenmufeum aufbewahrtes Album eintragen:
Wer in das Amt Demhaufen kombt
Der muß entweder fapfer Jaufen,
Dder aber zum Thor hinauslaufen,
Den 1. Febr, 1649, Andreas Bernhard v. Rönigecd.
Du edler Rebenlaft
Gieb]t meinem Sinn Tonranı, Muth und Kraft,
Du macht mich voll und wirkt mich nieder;
Ich Feh’ balt auf und frink’ did; wieder,
25. Sepf. 1687. Beinvich von Walleneodf,
König Friedrich Wilhelm I. am 19, September 1714 nichts als ein jchlichtes:
Divat Preußen!
Märkiicher Bierdumor in: Värfalender fir 1891.
N. blieb Sit einer landesherrlichen BR rw Sm Sabre 1770 kam
ein Suftizamt dazu, dem die Domänenämter Fiichhaufen, Lochjtedt, Caporn umd Kragau
untergeben waren. Im Jahre 1814 belohnte Bee Wilhelm IIL Bilow von Dennewit
mit Neuhaufen und Grünbof.
Die jet ev. Pfarrfirche, Patron der König, im ı XIV. Ih. angelegt, ift im Nuferen
ein aus umbearbeiteten Feldfteinen mit Ziegelbroden untermischtes, ungepußtes Nechted
ohne Chor. (An der N. Seite namentlich viele zerbrochene Mönche und Nomen unter-
gemijcht.) Ann den Eden Lijenen aus Ziegelmauerwerf.
Neubaufen. 97
An der S. Seite ijt die gleichzeitige Borhalle mit vundbogiger, rechtedig profilierter
Eingangsthür angelegt. R. von leterer liegt ein alter granitner Weihwafferftein. —
Daneben ift die Sakrijtei umd im D. ein Erbbegräbnis, in der Nenaiffancezeit
angebaut.
An der W. Seite wächjt dev Turm aus dem Gebäude heraus, in feinem Erd-
geichon gleichfalls aus Feldjteinen mit Biegelbroden, in feinen oberen Gejchoffen aus
Biegeln in gotifchem VBerbande beftehend. Auf der W. Seite find ihm jpäter zwei
mächtige Strebepfeiler aus Ziegeln, jedoch noch in gotifchem Verbande, vorgelegt, welche,
jet mit einem Ziegeldach abgedeckt, eine fchügende Vorhalle bilden, worin die jpit-
bogige Eingangsthür mit vechtwinklig profilierten Laibungen liegt. Im übrigen ver:
weifen wir fire das Hußere auf unfre Abb, 55, in der alles bemerkenswerte — namentlich
die Lienen am Turm und die überedigeftellten Pfeilerchen vor dem Dache der Borhalle —
verzeichnet ift. [Wetterfahne von 1819.)
Das Junere war urfprünglich fünfjochig, wahrfcheinlich mit Sterngewölben üiber-
dedt; jeßt hat e8 eine Holzdede, im Tonnengewölbe gejchlofjen, in welchem drei Sreuz-
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Abb, 54. Grmmdeiß der Ricche zu Beuhanlen.
gewölbe mit Holzrippen imitiert find. Lebtere mit jchlechten Gemälden von der Schöpfung
bis zum jüngften Gericht, aus dem Anfange des XVII. Sh., bededt. — Auf der D. Wand
iteht, dah die Weigung und Malerei der Wände 1851, das Altarhaus und die Kanzel
1867 teils erneuert, teil® neu gemacht jeien. — Die Fenfter find im Spitbogen ge-
Ihloffen und 1862 mit buntem Glaje verjehen. — In der Eingangshalle im ©. finden
wir noch das alte uriprüngliche achtteilige Sterngewölbe mit bivnjtabförmigen Rippen,
die in die Wand verlaufen; überall runde Schluffteine. In der Längswand der
Eingangshalle eine Heine Weihwaffernifehe. Die Ihr in das Kirchenfchiff ift fpitbogig
und hat rechtwinklige Laibungen. — 2. vom Altar in der DO. Wand ein Saframents-
bäuschen (Hinter dem Beichtituhl). i
‚ . Der Altar, Die Menfa ift aus Ziegeln in gotijchem Verbande zur Zeit der
Kirchengründung errichtet; in die innere Höhlung führt von hinten ein Stichbogen. —
Ntavanfjag bon 1691, barod, in jehlechter polychromer Holzjchnigerei: In der Predella
das Abendmahl: Hauptbild der Kruzifirus mit Maria, Johannes u. j. w. In beiden
7
98 Neuhanfen.
Gefchoffen getvundene Forinthifche Säulen, neben denen [. Jacobus mit der Muschel
und Paulus, r. Andreas und Petrus ftehen.
Ein filb., ganz vergoldeter Kelch: In die Mevheofildh Kirche aefihaft zur Zeit
Balthalav Hurhs. 1.6.22.
Ein filb., ganz vergoldeter Kelch: Valentinvs Henrievs Hoffmann. Ser. Eleet.
Br. Cam. Secret. Intimus Ao 1693.
Patene dazu, filb., ganz vergoldet, mit genau derjelben Injchrift.
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Eine Weinfanne, filb., mit dem Kruzifirus auf ihrem Mantel: Pirfe.. . ..
Balthafar Hohe in die Wevheofilche Rivche verehret.
Eine Weinfanne, filb., teiweis vergoldet, mit Wappen auf dem Dedel: Aıma
Maria Steinin ©. R.
Eine filberne runde Oblatendofe mit Wappen: HB.V. P. mit graviertem
Renaifjanceornamente (Engelsköpfchen mit Flügeln).
Eine filberne ovale Oblatendofe mit getriebener Arbeit: Kind mit einem Papagei
jpielend.
Neuhaufen. 99
wei jchön mit getriebener Arbeit verzierte filberne Altarleuchter, 60 cm hoc).
Sufchrift: Exn]t Graff v, Sıhlieben Baubtmann. Gabriel Adler Ambifchreiber. —
Reinhold Sommer Pfareer, — Chriltoff Skeomn. Friederich Lidfke Ricden-
Borfteher Mo 1715.
Kanzel, barod, polychrome Schniberei: Heiligenfiguren und PButten. An den
Eden Fruchtichnüre mit Engelföpfen darüber. Träger: ein Engel. Schalldedel mit
Putten umd dem triumphierenden Chriftus. An der Kanzeltreppe fteht außen auf dem
Buche der Figur des Andreas: 1697. 10 Septem. A. H. H. sen., vielleicht das Zeichen
de8 Malers.
Tauffapelle im Testen Joche L, Ende des XV. Ih, reich vergofdete Holz-
Ichnigarbeit. Zu beiden Seiten der zweiflügeligen Thx find Felder; darüber fteht die
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= Is)
Abb, 56. Ricdhthür zu Beuhanfen,
Charitas und Fides. Auf dem Gefims der gewundenen forinthijchen Säulen fteht L.
Spes, v. Juftitia,
Auf dem einfachen, aber mit einer Koftbaren geünjeivenen VBrofatdecde, mit
elegantem in Gold und Silber eingewebten Blumenmufter, verfehenen Tauftifche fteht
die mejjingene Tauff ale mit dem eingejtanzten englifchen Gruß, darum zivei Reihen
finnlofer gotischer Minuskelfchrift; gepunzte Ornamente; XVIL 3). — Gejchnitter
Dandtuchhalter, barod: BR.
Orgel von 1716, „geftavivet 1721“. Reinhold Sommer, Pfarrer u. f. w.
Orgelempore jowie die vechtsfeitige aus derfelben Zeit.
Schöner Kronleuchter von Mefjing mit Doppeladler; XVIL IH.
Das Geftühl [. vor der Tauffapelle und unter der Orgelempore noch gotijch.
Eine Wange des Beichtftunls vom Hm. Friedrich zu Sachen jebt im Pruffia-Mufeum
zu Königsberg PM. 8.3 IT 102. Sie zeigt in Holzichnigerei das Jächjische mit dem
7*
100 Neuhaufen. — DOttenhagen.
polnifchen Wappen vereinigt. Darunter in Abkürzungen: Frater Jacob, Struwigen
anno Domini 1509. ©. ».%. $. 1855/86 37. N. der fönigliche Stuhl mit chlechtem
Schnigwert, XVII. IH. Anfang. Beichtftuhl L. vom Altare von 1696, mit fchlechten
Figuren in Holz gejchnißt.
r Ölgemälde von Gneifenau vr. im Mitteljoche, von Knorre gemalt.
Ölgemälde von Pfarrer Hoffmann. Iacob Lyon pinxit 1699.
Epitaph des Pfr. Goltbach nebit feiner Gattin von 1633 (wo irgend einer jeiner
vielen Söhne jtarb).
Epitaph des von Eichicht 1602 mit fehöner, des Auffrifchens würdiger Malerei:
Kruzifirus mit Maria und Engeln; Hintergrund: Ierufalen; dev von Eichicht und feine
Gattin als Adoranten.
2. vor dem Altare Sandfteingrabmal desjelben von Eichicht, geharnijcht mit
Helm, Schwert und Handjchuhen.
N. vor dem Altare Sandfteingrabmal des Heinrich von Lesgewang, + 1554.
Harnod, &. u. ©. 1890 15 J.
D. in herzoglicher Zeit zum Amte Tapiau oder Brandenburg gehörte, bleibt
unentjchieden; in der „Konfignation fämtlicher Kirchen im Herzogtume Preugen“
(etva 1660) kommt e8 in beiden Ämtern vor, im Amte Brandenburg unter dem Namen
Mottenhagen.
Die ev. Pfarrfirde jteht unter dem Patronat des Magijtrats zu Königsberg,
welchem 1466 der Hm. Ludwig von Erlichshaufen das Dorf fehenkte. Ihr Hußeres
ift wenig anfprechend. Der Turm ftanmt noch aus der Drdenszeit, dagegen das
Langhaus, Querhaus und die angebaute Sakrijtei erjt aus dem vorigen Jahrhundert.
(Querhaus von 1741.) Das Erdgefchoß des Turmes, fowie die Kirche aus Feldfteinen
mit Ziegeleden. Die oberen Gejchoffe des Turmes in Ziegen im. gotischen Verbande.
Er ijt jpäter niedriger gemacht und hat eine mit Blech gededte welche Haube erhalten.
Im Erdgefchoß Fiegt neben der Eingangsthür noch eine zweite Thür, von welcher in
der 2,5 m ftarken Mauer eine Backjteintreppe hinauf führt. Diefe Anlage fann erjt
in der fpäteren Zeit der Oxdensherrjchaft ausgeführt fein, als von äußeren Feinden
nichts mehr zu fürchten war.
Inneres: Der Turm follte in zwei Gefchoffen mit Kreuzgewölben gejchlofjen
werden, was aus den Ausjparungen an den Eden hervorgeht. Die Kirche hat feine
hervorragende Bedeutung. Der Altar in reichen, aber nicht Schönen Barodformen.
Unter den Kelchen ift ein filberner, vergoldeter, dejjen Schaft noch gotijche Formen
zeigt. Uber den jechs Notulis, die mit gotischen Minusfeln gefüllt find, jteht Maria &.
Die gleichfalls in Barodformen gehaltene Kanzel jteht über dem Altare. An
ihrem Schalldedel die Wappen ihrer Stifter.
In der Sakriftei fteht ein das Handtuch haltender Taufengel aus dem XVII. Ih.
umd ein Gottesfaften mit jchönen fehmiedeeifernen Bejchlägen.
N. vom Altar ein Beichtftuhl in Barodform. Neben ihm ein hübjch in Nococo-
form gefchnigtes Geftühl.
Ein Bild r. vom Altar ohne Wert, aber in einem veich gejchnigten Barod-
rahmen.
De adliges Dorf und Vorwerk, 24 km Lftl. d. von Königsberg. Ob
Dttenhagen. — Rillau. 101
Die große Glode noch aus vorreformatoriicher Zeit: m.v.re-ıv. (1594?)
Bilf got maria uf. w. Seine Glode von 1606. Die Kleinfte ohne Inschrift.
Hinter dem Altar zwei Epitaphien derer von Lesgewang von 1723 und 1724.
R. vom Altar ein Lesgewangjches Epitaph von 1704. Ebenfalls dort ein reiches
vergoldetes Epitaph von Dorothea Bobindin 1742.
Yarnod), E. u. ©. 1890 45.
wahrjcheinlih Störhof, 1436 Pille, 1453 Pillaw. Die ältefte befannte
Verbindung des frijchen Haffes mit der Dftjee war zwei Meilen von P. bei
Balga: das Balgafche, alte Tief. Diejes Tief wurde 1456 durch die Danziger unfahrbar
gemacht und verjandete 1479. Dafür entjtand ein neuer Durchbruch bei P., der 1510
fahrbar wurde. Zum Schuge der einlaufenden Handelsfchiffe wurde eine Schanze
mit einem hölzernen Blocdhaufe gebaut. Unfern der Schanze, da wo jeßt die Stadt
liegt, jtand ein von Brettern gebautes (See-) Tonnenhaus. Unweit von Alt-PBillau
ftand die Pfundbude, wo der Seezoll erhoben wurde. (Abgebrochen 1804.)
Im diefer Ortlichkeit änderte fich nichts, bis 1626 Guftav Adolf gegen Polen
mit Kriegsfchiffen vor PB. erfchien. Er bejegte B., erbaute jtatt der Schanze eine
vieredige Nedoute mit einem Blodhaufe. Die Schweden jcehloffen 1635 den Traktat
zu Stuhmsdorf und zogen 1636 ab. Unter dem Großen Kurfürjten ift die Feftung
erbaut in Form eines fünfedigen Sterns. Die Schweden verfuchten 1657 fich der
Seftung zu bemächtigen; in Folge davon die fajt gänzliche Kahlheit der Umgebung,
weil der Wald bis nach Lochitedt hin auf dem dürren Sandboden abgeholzt wurde.
sm Jahre 1673 wurden Quaderfteine aus Schweden umd aus Balga herangejchafft
und aus diefen die Mauern und 1707 das Zeughaus gebaut. 1730 der Turm
über der Feitungswache (1888 abgebrochen), die Hauptwache und das Stodhaus.
1731 dag Proviantmagazin (1738 eingefallen), 1739 wiederaufgebaut (1888 abge-
brochen). 1739 die Kommandantenwohnung.
Sm Jahre 1701 wurde B. zum Mearktflecken erhoben, am 18. Januar 1725
zur Stadt.
Eine bedeutende Verbejferung des Hafens erhielt BP. während der VBejegung der
Rufen im fiebenjährigen Kriege: 1759 und 1760 wurde der vor B. liegende Wehr-
damm durch Steinkaften bedeutend verlängert, der fogenannte rujfiihe Damm. —
Sriedrich IL. bejchloß, die Feftung PB. eingehen zu lafien; Friedrich Wilhelm II. befahl
1789, die verfandeten Werke wieder auszugraben.
Hart an dem Ufer des Seegatts liegt der jchlanke Lootjen- oder Leuchtturm,
im Jahre 1805 vom Wafjerbaudirektor Schul entworfen und bis 1813 erbaut. Er
ift 31,38 m mit der ihn bedeefenden Kuppel hoch, unter welcher die Leuchtfeuer brennen.
Der Hafen ift in neufter Zeit durch den Geh. Oberlandesbaudirektor Hagen umd dejjen
Sohn umgebaut und mit zwei mächtigen Molenbauten ausgejtattet worden. (Einweihung
der Südermole und der Grimdfteinlegung zum Hagendenfmal 3. 9. 1887.)
An Stelle der alten, in der Feltung errichteten ehwedifchen Holzkirche vom
Jahre 1635 erbaute der Große Kurfürjt 1658—1660 eine neue. An ihrer Stelle ift
die Garnifonfirhe 1717 erbaut, aber 1761 abgebrannt. Sie wurde wiederhergejtellt
und jteht heute als Kreuzkirche gleich neben dem immeren Eingangsthore der Feltung.
n em Stadt und Zeitung, 12 km Lftl. im ©.W. von Fifchhaufen, urfprünglich
102 Billa. — Alt-Pillau.
Im Innern ruht ihre hölzerne Dede auf hölzernen forintdifchen Säulen, an den
Seiten auf in Nococoformen gejcehnigten hölzernen Ktonfolen.
Silberner vergoldeter Kelch mit aufgelegtem Nenaifjanceornament. Fuß rund mit
Ehrifti Kreuztragumg und Chrijtus aus fünf Wunden blutend; dazwijchen Nenaijjance-
blumen. Nodus mit Engelstöpfen.
Eine jilberne Weinkfanne: Laurentius Mleifl. Fridericus Buhkmann.
Franeiseus Galifefelot Hımo 1657. Auf dem Dedel ein Medaillon mit dem
Sruzifieus, Maria und Johannes.
Kanzel in hübfchen Nococoformen, grau mit gold: „Hans Sigismund v. Sydow
Natus MDOXCV Die XV Februarii. Denatus MDCCLXXII Die IX Maii, mit dem
v. Sypowjchen Wappen darüber.
Auf der Empore der in Nococoformen gehaltenen Orgel von 1794 ftehen zivei
Lederftühle mit dem eingepreßten F. R. mit der Krone darüber.
Fünf Kronleuchter von Meffing, davon der mitteljte mit Doppeladler von 1779
6.9.D. AK. M.J.E
Patron ift das Gouvernement von BP.
Wappen von PB. ein in See fehivinmender gefvönter Stör (Wappen in der
Kicche von 1725). Die Darftellung der Farben ift unbekannt.
Siebmader, Wappenbuch I 4 II 165 Taf. 194.
Nachrichten über B.
GE. Stein in A. B. III 19 fi. — 4. 8 Ernst, Gejchichte Pillaw’s. PBillau 1850. —
K. Hoburg, GeihihH. militair. Nachrichten über die Feftung Pillau in N. P. P. B. 1858. II 231 ff.
279 f. — Faber, Das Merkvindigite aus der Stadt u. Fetung P. in Beitr. zuv Kunde Preufens
VI 4270. 130150. — Giebler, Über die Gejch. P. am Jubeltage 1875 (Manufeript in Pillau). —
Gebauer, Kunde de3 Samlandes 87 fi. 288 Fj. — Nanke, Wanderungen durch Prenfen. 1800. 31.
Sejamtanjichten und Grundrijje von BP.
Grumdrig der Feltung B. mit Umgegend in Merian’s Topographie 1652 42. — Profpelt von PB.
bei Hartfnod, Altes u. Neues Preußen 1684 439. — Die Velte Pillau von Bodenehr. — Pillau
und Umgegend in Buffendorss Thaten Karl Gujtavs 1697. — Ein Grundri; dv. BP. in dem Manufe.
v. Lucanus 1748, — Gejamtanficht dv. B. (von Neu-Tief aus) n. d. Nat. gez. u. lith. von 3. Vils 1838.
Billau, Alts, Kirchdorf, 10 km Lftl. j.w. von Fiichhaufen, Fommt urkundlich
zuerjt 1370 vor. Urjpringlich ein Filtal von St. Albrecht in Tenkitten.
Die ev. Kirche, Königlichen Patronats, dem Erlöfer geweiht, it turmlos,
1674— 75 in jchmuclofem Fachwerk mit forbbogenförmiger Holzdede und hohem jteilen
Biegeldache errichtet, nachdem die Kirche von 1598 abgebrannt war. Sie liegt in
einem von den Dünen gebildeten NKejjel, von deren höchjter man einen jchönen Blid
über waldreiches Gelände, das frifche Haff und die Dftjee hat.
Der Altar hat einen Aufjag (Diptychon) vom Jahre 1599. Die architeftonijche
Gliederung in den Formen deutfcher Spätrenaiffance ift einfach und far. In feiner
Mitte jicht man in voher Weife aus Holz gejchnigt und bemalt Gott Vater, Ehrijtus
und die Taube. Auf den Flügeln innen die vier Evangeliften. Außen in acht
Dlbildern die Leidensgejchichte Chrifti. In der Predella ift, wahrjcheinlich von einem
bejjeren Meijter, das Abendmahl dargejtellt; der Kopf von einem der Jünger ganz
vechts ijt meijterhaft gemalt. Nechts Chrijti Taufe; lints Chrifti Bejchneidung. Oben
Alt-Billau. 103
auf dem Hauptgefims jtehen aus Holz gejchnißt und derb bemalt in der Mitte ein
Kreuzifirus, zu beiden Seiten Butten und Engel.
Zwei Altarleuchter aus bronziertem Zinn: Povothea MWarquavdtin ver-
wittbte Profelloren Gebohrne Stobbien. Anno 1750 den 21 Septem,
Kanzel achtedig, aus dem Anfange des XVII. Ih., mittelmäßige Holzjchnißeret.
Auf der Kanzel eine alte Sanduhr mit gotischen Majusteln darauf.
Die Orgel trägt an der mitteljten höchiten Pfeife die Infchrift: Adam GHoftlob
Qasparini privilegixter Bof Prael-Bauer zu Königsberg hat diefes Werk ver-
ferfiget den 4 Priobr 1751. Sehe jchön gejchnißtes Nococvornament an der Orgel.
Die Orgelempore ift mit Injchriften aus dem Jahre 1675 bedeckt.
Abb. 57. Yandmarke bei Pillau,
Zwei Keine Gloden. Die eine trägt auf ihrem Achjenholze eingejchnitten:
ANNO 1750. Um fie herum ijt folgende unverftändliche Injchrift eingegofjen:
PM.V.L-V.LEKNT.
In der Kivche ift Heinrich Vafolt 7 1684 begraben. ©. Tenfitten.
Vor dem Altave liegen mehrere Grabjteine; in der Mitte: Pick JYanken
van Roy 1656 F.
In der Sieche I. ein bunt bemaltes Epitapb.
In der Sakriftei hängt ein jchön mit Blumen und Blättern im genre rocaille
gejchnigtes Epitaph von 1739.
104 Alt-Pillfau. — Robethen.
Auf der Empore r. das in Holz gejchnikte Wappen des Lorenz Göbel.
YA. M. 1882 XIX. 202.
Sn 1 km ©.D. Entfernung von Alt-Billau, welches mit Wogram fast zu demjelben
Orte verfchmolzen ift, liegt auf Wogramer Gebiet der 28,87 m hohe Schwalfenberg.
Auf ihm ift die Landmarfe, 1805 entworfen und 1812 vom Hafenbauinjpektor Peterjen
erbaut, ein Merkzeichen der Fijcher im frifchen Haffe. Sie ift ungefähr 14 m hoch
und 6—7 Meilen weit fichtbar. Abb. 57. Von dem Berge vortreffliche Ausficht.
Gebauer, Kunde des Samlandes 111. — Harnod), E. u. ©. 1890 72 f.
Bobethen, fölmisches Kirchdorf und külmisches Gut, 25 km Lftl. n. ö. von
Sichhaufen. Bobeti 1258,
ALS im Jahre 1260 der allgemeine Aufjtand der Samen gegen den Drden aus-
brach, vereinigte fich leßterer mit den Schwertbrüdern in Livland. Beide jandten
Neiterfcharen aus, welche dag vom Orden allein nicht zu bezwingende Land Bethen
einnehmen follten. Die beiden Heerhaufen trafen fich in der Gegend von Pobethen,
„Bei Bethen“, und verwüjteten das Land Bethen, weitlich von Pobethen und nördlich
von Germau, volljtändig, jo daß fein Lebendiger mehr darin blieb (vgl. Heiligenzstreuß
und St. Lorenz).
von Boenigf, Das Treffen von Pobethen in ©. d. A. P. 1877/78 105 ff. und A. M. 1879 336 ff.
Zu Ende des XI. Ih. wide die Burg, das „Haus Pobethen“, vom Orden
gebaut und war bis zur Neformation der Sit eines Kammeramtes. Der ältefte
Kämmerer in P., den wir überhaupt fennen, hieß Bonje nach) Dusburg III c. 185 ed.
Hartknod im XI. Ih. vgl. Hennenberger, Erf. d. Preuf. Landtt. 350. — Im Jahre
1283 verwüfteten die Litauer PB. — Im Jahre 1525 befand fich ein Bruder des Biichofs
®. v. Bolenk auf der Burg, der von den Landleuten als ftolzer Unterdrücer gehaft
war. Daher wandte fich der Sturm des Bauernaufjtandes auch gegen ihn, und die
Burg wurde verwüftet. Ihre Herjtellung ijt feitdem nicht mehr unternommen. —
Man jieht noch die ziemlich hohen Trümmer der annähernd quadratischen Ringmauer,
welche fie umgab, w. der Kirche, nach dem Mühlenteiche hin, auf dem nach diefem hin
jteil abfallenden Plateau liegen. Sie bejteht aus Feldfteinen mit Mörtel, in jeder
Schicht mit Ziegelbroden behufs befjerer Ausgleichung. Grundriß nach Giefe in Abb. 58.
Legende dazu: „B. Burg PVobethen, deren äußere Umjchlugmauer von Feldjteinen m
30—40° d. ımd n 8—10° h. an der äußeren Seite fich erhalten hat; ferner der
Graben vor derjelben, an der ö. Seite nicht mehr tief. BP. macht Front nach ©. und
D., wo die schwache Seite und der Wall auf dem Bergfamme gefchüttet ift. Ann der
WB, Seite, wo der Teich umd moraftiges Terrain, ijt ein Wall von Feldteinen.“ Giefe
nimmt augenjcheinlich einen unterivdifchen (?) Gang von der Burg aus nach N. unter
dem Mühlenteich an.
Vorgefchichtliche Altertimer im Kipl. B.
Alknicen, 6 km Ltl. m. P.M. 8.1133. Diewens, I km Lftl.n. Der Pilgar,
ein aufgejchütteter Berg. Gieje, 2.U.P. Kösniden, 2 km Lftl. nd. P.m.R. ır 119.
Laufniden, 2 km Lftl. ı. P.M. 8. 1233. 280. PVobethen, P.M.K. I 151. IT 425. 426.
Nantau, 6 km Lftl.n. Balve mit dem Hünenberge; Kalkberge. S.d.W.P. 1879/80 1 ff.
FM. 8.1208. 248, 249. 276. II 81. 82, 127. 128—133. 225. 424. Tijdler, ©. d. p. 5. ©. 1887 11 ff.
Pobethen. 105
Negehnen, 5 km Lftl. Bujad, S. 8.4. P. 1887/88 121. PM. R. IT. Schupehnen,
4 km Lftl. 6. PM. 0.1238. Sorthenen, 3 km Lftl.d. P.m. 8. Ira. Strobjehnen,
5 km£ftl. n. 6. VBruchjtüc eines großen Halsringes aus Gold mit Figuren. X.—XI Ih.
M. für Völferkunde in Berlin. Abgebildet v. Ledebur, Das Königliche Mufeum vaterländifcher
Altertiimer, Berl. 1838 Taf, I Seite 3.
Die jegt ev. Pfarrfirche, föniglichen Patronats, ftammt aus dem XIV. Ih. Ein
Pfarrer Konrad von B. kommt jchon 1321 vor. Die Kirche wınde 1773 gründlich
ausgebejjert, ohne das ihre Konftruktion fich änderte. Im Jahre 1798 fchlug der Blik in
den Turm. Gegenwärtig (1888) wird der ganze Bau von innen und außen abgepußt. —
Äuferes: Nechtediger Turm im W. mit zahlreichen jpigbogigen Blenden mit recht-
edliger Zaibung und nur Keinen Fenftern im oberiten Gefchoß. Schieferdach, Knopf
und Fahne von 1823. Langhaus ein Nechteet mit angebauter Borhalle im N.,
> = SZUNN I
ED SZ] IN
Abb, 58, Grmmrifi der Burg zu Pobeihen.
gefuppelten jpigbogigen Blenden im N. und jpigbogigen Fenftern mit vechtwinkligen
Laibungen im ©. Etwas jehmaler jehließt fich der Chor an mit rechtwinkligem
Abjehlug. Lebterer wird im Erdgefchog von einem großen jpibbogigen Fenfter und je
einer gekuppelten jpigbogigen Blende belebt. Darüber erheben fich fünf pigbogige
Blenden, die nach oben mit quadratischen PBfeilerchen abjchliegen. An den Chor fügt
Jich im N. die jpäter gebaute Sakriftei an. Langhaus, Chor und die beiden Anbauten
haben jeit 1863 Schieferdächer. Im ©. jehliegen fich an das Langhaus zwei fpäter
angebaute majjige Strebepfeiler an. Das Ganze ift ein Feldfteinbau mit wenigen
Hiegeln gemifcht; ex hat dagegen Ziegeleden und Einfajfungen der Thüren und Fenfter
in Biegeln. — Inneres: Das Langhaus liegt um drei Stufen niedriger al8 Turm
und Terrain, hat vier Joche, die mit zwölfteiligen Sterngewölben gejchloffen find.
Die bivnftabförmigen Rippen fegen auf im Langhaus und Chor gleichartigen Konfolen
106 Robethen.
auf, die an den nach innen vorgelegten Strebepfeilern figen; Schlußfteine überall.
Urprünglich vier Fenfter im ©. Ein Fenfter im N. ist jpäter durchgebrochen. —
Der Chor hat ein Haupt: und Nebenjoch mit fechszchnteiligen Sterngewölben. Da
die Kirche in Feldjteinen
ausgeführt ift, jo mußte fie
innerhalb gepußt fein. Yluf
dem Pub waren Wand-
malereien vorhanden, Die
Bilder aus der heiligen Ge-
ichichte enthielten, aber vor
etwa fünfzig Sahren über-
falft wurden. Die Gewölb-
vippen find im Rohbau ges
dacht, Die Kappen waren
gewweißt; jebt find beide
die mit Kalt überworfen.
Abb. 59.
Der Altar hat einen
hölzernen Auffaß aus dem
XV. Sh. in reichem Barod-
ichmud. In der Predella-
mitte das Abendmahl auf
Holz in DL gemalt. N. ein
Mann mit einem ausbluten-
den Lamm; hinter ihm ift
der pastor loci oder Der
Maler verewigt. 2. die
Kinder Israel auf ihrer
Nüfte zur Reife. Im erjten
Stocwerf bejigt der Auf:
faß zu beiden Seiten jchün
in Holz gefchnigte Säulen.
Daneben Diamantjchnitt und
Engelsföpfe in Kartufchen.
Über den Säulen ein zwvei-
teiliger Architrad, Fries mit
Zahnjchnitt und Gefing, wel-
ches von vier Löwenköpfen
getragen wird. Zwijchen den
Säulen Gott Vater, Sohn
und h. Geijtin Holz geichnißt;
dahinter ein Olgemälde mit
mufizierenden Engeln. Bor der Holzjchnigerei ift ein Diptychon im einer dorijchen
Giebelarchiteftur mit tosfanifchen Säulen. Jebt jtehen außen die vier Evangeliften.
Innen der Simdenfall und die Verkündigung Marias, die eherne Schlange und die
Krenzeserhöhung, Jonas in dem Nachen des Walfifches und die Auferjtehung des
Grundrik der Kirche zu Pobefhen.
59.
Abb.
Pobethen. 107
Heilandes, die Beichneidung und die Taufe; die Malerei ift jehr mäfig (vgl. den
Altar in der Domficche zu Königsberg).
Darüber beginnt ein zweites Stochverk: in der Mitte ein Olgemälde, das jüngfte
Gericht darjtellend, unter einem Halbfreisbogen auf tosfanifchen Säulen vuhend.
Daneben je eine FKorinthiiche Säule mit veich ornamentiertem Unterfab. Darüber
wiederum Architrav, Fries mit Zahnjchnitt und Gefims. 2, und vr. von den beiden
Säulen jtehen in rundbogigen, mit Mujcheln verzierten Nifchen Adam und Eva;
darüber und daneben jtehen mehrere Engel und weibliche Figuren. Im verjchnörkelten
Giebel darüber, fajt nicht mehr Fenntlich, Luthers Bild. Darüber ein Kruzifizus mit
Maria und Johannes. Höher als die beiden leteren haben auf Boftamenten, die vom
Giebel ausgehen, Engel gejtanden.
Bor dem Altaraufjab befindet jich eine Kleine vergoldete Madonna mit dem Slinde
unter einem vergoldeten Baldachin, vermutlich eine Totenjpende aus dem Ende des
XVI. 3.
Zwei Altarleuchter aus Mejfing: B. Peter Rosenkivh vu. Radnüken,
Ein jilb., ganz vergold. jchöner Kelch mit Keiner Cupa, monftranzähnlichem
jechsteiligen Snaufe, in welchem eine Neliquie jteckte. Der Fuß im Scchspa; darauf
jteht in gotischen Minusfeln: Ahesus, deisser +» Reldy » hoxtz zu « bobeten » bite +
got » unde) bevatlj » mit einem Sruzifie. Taf. 1. — Ein filb, ganz vergold. Kelch
mit jechsteiligem Stnauf; auf den jechs Notulis jteht: Ahesus. Fuß jechsteilig; darauf:
1710 Permädhtnilf von Paul Mey Buraherr zu Roffitten. — Ein großer filb.,
ganz vergold. Stelch mit Nenaifjancefnauf. — Ein hübjcher Kleiner filb, Kelch. —
Ein jilb,, an der Laffe vergobd. Löffel: Yarob Plefs Kirchenauffwärter 1684,
108 Pobethen.
Die Kanzel aus dem Ende des XVH. Ih. mit den vier Evangelijten. Die
Kanzelthür enthält zwei Olgemälde, unten: Chriftus als guter Hirt; oben: ein Seraphim
veicht dem Iejatas mit einer Zange eine glühende Kohle (Iel. 6, 6).
Die Tauflammer von 1684 aus vergoldetem Schnibwerf, welche 1844 noch
jtand, it verjchtwunden. Der alte Taufftein, ein Granitblod in Kelchform, Liegt
umgefehrt vor dev Vorhalle im N. Die Taufjchüjjel aus Meffing: Adam und Eva
vor dem Siündenfall in getriebener Arbeit; unverftändliche gotijhe Minusfeln darum.
Nürnberger oder Augsburger Arbeit des XVI. oder XVII. Ih.
Die Orgel rührt aus dem Jahre 1680 her; repariert 1766 durch den Hof-
orgelbauer Casparini. Sie hat jehön gejchnigtes NRanfenwerk, mufizierende Engel,
brennende Urnen md auf ihrer Spitze einen Bliße jchleudernden, gefrönten Adler. Auf
der VBororgel jteht unter einem Pfalmfpruche die jpäter aufgemalte Jahreszahl AO 1780.
Bon den zwei Mefjingkronleuchtern trägt der eine einen Doppeladler und
it aus dem Ende des XVII. Ih, der andere ijt neu.
Unten r. im Chor ein fehöner Kirchenftuhl aus der Mitte des XVII. Ih. mit
gejchnigter Brüftung. Im Chor jehr jchön gejchnigte Emporen aus dem Anfange
des XVII. Ih. Die um den Altar herumführende ijt älter als dev Altaraufjag.
Die [., durch eine Thür von aufen zugängliche it wenig jpäter. Sie ftüt ich auf
zwei lebensgroße Figuren im tömifchen Striegeranzug, die auf zwei Masten ruhen.
Abb. 60. Die Empore unter der Vororgel trägt ein in weiß umd gold ausgeführtes
Lambris mit Troddeln daran und ift aus dem Anfang des XVIL. Ih.
Die Gloden find jümtlich aus dem XIX. Ih.
Das ältefte Olgemälde ftammt aus der Erbauungszeit der Kirche im XIV. Ih.
und ift an der Innenfeite dev Thür zum Saframentshäuschen der Kirche in der
SHorichlugwand auf der Brotjeite angebracht. Es jtellt CHrijtus aus fünf Wunden
blutend dar und ift auf rotem Grunde mit eingeftreuten goldenen Sternen darin
gemalt. — In der Kirche hängen drei Olgemälde früherer Geiftlicher, darımter cin
gutes Bild von Ehrijtian Taege * 1714.
Bor dem Altar liegen drei Grabjteine ohne‘ Wert. Neben dev n. Eingangsthür
ein jchön in Holz gejchnigtes Epitaph mit Wappen. Leidtragende Figuren, Engel
mit veichem Nanfenwerf. XVI. Ih.
Im Jahre 1561 erjchien zu Königsberg das „Enchiridion, der Kleine Katechismus
M. Luthers, teutfch und preuffiih” von Abel Will, Pfarrer in B., falt das einzige
zufammenhängende Schriftftick, welches wir von der untergegangenen altpreußifchen
Sprache beiten.
Nachrichten über PB.
Gebauer, Kımde des Samlandes 99. 111. 120. — Hennenberger, Exfl. der Preuß. Landt-
tafel 350 f. — Rogge, Eultur- u, firchenhijtor. Streilzige im Kipl. P. in U, M. 1874 533 ff. —
U. dv. Milverjtedt, Vajallenregiiter d. Samlandes, Nammeramt Pobethen, N. P. P.B. Bd. VII 1855
258—260. — Harnod, E. u. ©. 1890 77 f — Neujch, Sagen des preuß. Samlandes ! 62 ff.,
behandelt die Sagen vom Bubfeberg bei P., von Gardwingen bei P. 30 fj,, von der Glode zu B.
Siehe auch P. PB. B. Bd. XXVI (1841) 433 [.
“
Gejamtanjicht von PB.
Pobethen, gez. von Naufchke, lith. von Jacobi. Verlag bei Voigt u, Fernig, Königsberg.
Lit). Inft. dv. 8. Sadjje in Berlin. (Sehr gute Anficht.)
Robethen. — Bojtniden. — Pomwunden. 109
Sn 5 km Lftl. 5. von B. liegt Grünhof, ehemals ein fleines befejtigtes Amts-
haus des D. D., welches feiner Pferdezucht wegen berühmt war. Chriftian Eltejter
aus Potsdam (1672—1700), ein Schüler Nütgers von Langerfeld, erbaute ein neues
Schloß dajelbjt. Seit 1814 ging ©. als Gejchent nebjt der Domäne Neuhanfen an
Billow von Dennewig über, der dort begraben ift. Er ruht in einem Maufoleum,
einem schlichten, achtecligen, gotifierenden Ziegelvohbau mit Vorhalle auf Feldftein-
fundament. Im Iimern ein nachgeahmtes Sterngewölbe, welches feine Nippen, weil;
auf blau, gemalt hat, die auf Eichenlaubfonfolen jcheinbar aufjigen. HZiegeldach. Über
dem PVortalfenjter das v. Bülowjche Wappen. Das Maujoleum wurde 1847 vollendet.
— Farbige Darftellung des jehr umgewandelten Herrenhaufes in Dunder, Die ländlichen
Wohnfige u. j. 1v. Berlin 1869,
Bojtnicen, Popnicen, früher PBustenicken, „Wüftfeld“, vom lit. pustas, wiüft
A. M. 1878 592, kölmisches Dorf, 30 km Lftl. im V.N.D. von Königsberg, am Eurijchen
Daff gelegen.
Borgefchichtliche Altertümer im Kipl. B.
Die „Pot“ und die „PVoftel“ find alte Bezeichnungen im Kpl. B., welche, jett
Wald, wahrjcheinlich auch von pustas abgeleitet werden. Bei Boftnicden fand fich
ein Kleines Stüd Bronzebarren. BP. m. "8. II 271.
Die ev. Pfarrfirche, deren Patron der König ift, macht einen durchaus einfachen
Eindrud. Der Turm ftammt vielleicht noch aus der Ordenszeit. Erdgejchoß und
erites Stockwerk jollten Kreuzgewölbe erhalten, die aber nicht ausgeführt wurden. Das
vechtedige Langhaus teils aus Feldfteinen, teils aus Ziegeln in gotifchem Verbande.
Keine Strebepfeiler. Starke Mauern.
Die Menja des Altares ift von Holz. Im der Predella des Aufjaßes ift das
Abendmahl nicht übel gemalt.
Die Kanzel über dem Altare, barod, aus dem XVI. Ih, die „Auszierung“
von Altar und Kanzel von 1764.
Die Taufe neben dem Altare [.: „Gott zu Ehren hatt diefe Beilige Tauff
ftäte mahlen lalen Bere Iohann Ahriftoph Talau Hrendator in Yon Güten
(Kingitten). Anno 1764,
Meifingne Tauffchüffel mit gejtanztem Ornament und einer doppelten finnlofen
Snjchrift auf dem Nande, die innere in gotifchen Minusfeln, die äußere in gotischen
Majuskeln. In der Mitte jteht mit lateinischen Majusfeln: Regina Braunsbergerin
WPitwe Anno 1657 den 10. Haulf.
Srumdrii der Kirche in der Kreisbauinjpeftion Landkreis Königsberg. — Harnod), E.u.&. 1890 244.
Bomwunden, „Am Wafjer“, hieß altpr. Kertheyn N. P. P. B. 1851 XT 360,
fölmisches und bäuerliches Dorf, 20 km Lftl. von Königsberg.
Borgefhichtliche Altertümer im Kipl. B.
Garbid, jeßt Gorbed, 7 km Lftl. n.w. von B. (2 km Litl. f.ö. von Cranz),
eine alte Befejtigung der Pruzzen. „Ab hac caupona (Krantzkrug) ad fluvium Beek
vestigia munimentorum veterum, quae hodie Garbick vocantur et olim a veteribus
110 Porwunden.
Prutenis exeitata fuerunt“. Cajp. Stein (* 1532 + 1621) in Act. Boruss. I 209. Hof-
prodiger ©. T. Hoffheinz hält ©. für die 1283 gebaute Burg Neuhaus (Nuendus)
Dusburg IH cap. 211 ed. Hartfnod, indem er die Urkunde über die zweite Teilung
Samlands zwijchen Orden umd Bifchof von 1333 heranzicht. A. M. 1878 ©. 619 ff.
vgl. von Boenigf, der derjelben Anficht ift. S.5.W.R. 1879/80 15.70.80. Wir fünnen
uns denjelben nicht anfchliegen. Dusburg jagt ausdrücklich: De Aedificatione Castri
novi in terra Sambiae supra littus maris Salsi, in Neria Curonensi. Aljo etwa
wo jest Cranz liegt. — Powunden P. m. 8.1112.
Von der bifchöflichen Burg ift nur noch der fat freisrunde breite Graben
erhalten und Spuren der innerhalb desjelben gelegenen mächtigen Feldfteinmauer.
Am Zugang vom Dorfe [. einer der Ziegelbögen, worauf die Mauer feltfamer
Weije ruhte Im Jahre 1870 ift die Mauer abgebrochen, und es fteht jet eine
Meierei dort. Wir geben die Handflizze nach Giefe 1826—28. Abb. 61. Die
Novdlinie hat Giefe nicht richtig eingetragen. Legende nad) Giefe: „Die gezeichnete
Abb, 61. Geumdriß Der Burg zu Pomunden,
Ningmaner von Feldfteinen it noch 25—30' an der äußeren und 12—15° an der
inneren Seite hoch und hat 21'/,‘ Seite. Won den Gebäuden im Innern hat fich
fajt nichts erhalten und einigermaßen lafjen fich noch die Fundamente von dem Haufe
bei h und andren Gebäuden an die Mauer gelehnt erkennen.“
N. PP. 3. 1846 IT 446 fi N. PP. B. 1847 1555 MPP.B 188 VL. NEPRL.
1849 VI 75. — Gebauer, Sıunde de3 Samlands 99, — Drei gute Bleiftiftzeihnungen von der
Scloßruine von PB. von U. Meermann 1849 in U, B. Vaterl. Mappe I 114,
Die jebt ev. Pfarrkirche, der H. Barbara geweiht, Fönigl. Patronats, Liegt famt
der Pfarrwohnung und einigen anderen Häufern 1 km vom eigentlichen Dorfe entfernt.
Die ecclesia parochialis wird zuerft 1325 erwähnt; ein Pfarrer Nicolaus ift 1360
und ein Pfarrer Nicolaus Waldow 1382, Pleban Nicol 1402, Pfarrer George 1439 -
am Orte. Ausgebefjert wurde die Kirche 1843, dev Turm 1862, Bedeutende Er-
neuerungen des Schiffes und Chores find nicht vorgenommen, dagegen ift der obere
Aufbau des Turmes, etwa von unterhalb der vier Nebentürmchen ab, evt vor
PBormunden. 111
200 Jahren gemacht. Dort zeigt fich nicht mehr der reine gotische Verband, jondern
ihon Blodverband. Die fünf Wetterfahnen tragen die Zahl 1691.
Fir das Hufere geben unfre beiden Ansichten Abb. 62 und 63 genügende
Erklärung. Der Turm hat meijt wendischen Verband.
Suneres. Der Turm, welcher dem Langhaus nicht vorliegt, fondern aus ihm
herauswächjt, hat einen jpigbogigen Eingang, dem gegenüber die mit einer Stichfappe
Abb. 62. Weltanfuht der Rice u Powunden,
unter einer jpitbogigen Blende gejchlofjene Eingangsthür zum Langhaufe Tiegt. 2.
ipigbogige Thür zu dem mit Kreuzgewölbe ohne Rippen überfpannten Grabgewölbe.
N. ist die Spigbogige Offnung noch zu erkennen, Hat aber einer vechtedigen Thür Plat
gemacht, die in das dortige, mit zweifarbigen liefen belegte und mit einer Holzdede
verjehene Grabgewölbe führt. Der Turm jelbjt hat jegt eine Holzdede,
112 PBomwunden.
Das Langhaus bejteht aus Fünf Jochen zwölfteiligen Sterngewölbes, welches
ungewöhnlich Hoc it. Im der Mitte der Höhe fegen die birnftabförmigen Nippen
auf Konjolen auf. Die Strebepfeiler find nach innen gelegt, und vechtecig abgetreppte
Spibbögen jchliegen, von den Pfeilern ausgehend, die Fenfter ein.
Nach einem jehr Spißbogigen Triumphbogen folgt der Chor mit zwei Rochen
eben folcher Sterngewölbe, die auf etwas höher liegenden Stonfolen anfegen. Die
Ktonfolen find überall diejelben.
Turm, Langhaus und Chor im Lichten 35 m l. Mauerftärfe des Turmes
1,50 m. Im ©. jchließt eine Vorhalle im Mitteljoche an. Im zweiten Ioche des
a A:
RR 3 DRRBOE) BER EBEN BEER TOR AS Sen
Abb. 63. Blfanficht der Kirche zu Pomwunden.
Chores die Safrijtei nach N.; Kreuzgewölbe mit bienjtabförmigen Rippen und
Schlufftein darüber. Siüdvorhalle und Sakriftei wenig jpäter angebaut. Alle Thüren
und Fenjter find jpihbogig.
Der Altar, dejjen Menja aus Ziegeln im gotifchen Verbande mit einer feitlichen
Öffnung befteht, hatte urjprünglich einen Aufjaß, der jegt in einer Wandnifche im
dritten Joche des Langhaufes v. fteht. Es ift ein Schrein, dem die Flügel und der
Aufjaß fehlen. Im guter bemalter Holzjchnigerei jteht die h. Barbara mit dem Turme,
halblebenggroß, während an ihrem rechten Fuße ein Mann (ihr eigener Vater?) fich
mit dem Schwerte erjticht. Daneben jteht eine Heilige auf jechs Teufeln, einen Turm
oder ein Eiborium (?) haltend, während auf der andren Seite eine Heilige, auf zwei
Powunden. 113
Löwen ftehend, in ihrer Linken einen Korb mit blauen Trauben (?) hält. Zwifchen
den Heiligen vergoldete Fialen und Heiligenfäulchen mit deckender Wimperge. Unter
dem Schrein eine goldene Nanke, die fich um einen braunen Stab windet, — Der
jebige Altar hat einen barocken Auffag aus dem XVIL 0. Renovatum 1706; in der
Predella das heilige Abendmahl; Hauptbild der KMruzifirns mit beiden Schächern
und einem Krieger mit Speer. Darüber die Dreieinigkeit, daS Lamm und Ehriftus
mit der Weltkugel; veiche Bemalung
und Bergoldung der jchlechten Holz- Kirche Powunden.
Ichnißerei.
Kelche von 1615, 1722 umd Sinyelhäten Er Th
1722. Stleiner vergoldeter Kelch
von 1693,
Eine filberne Weinfanne mit
dem von Nettelhorft’schen Wappen:
INYEN:
Eine filberne, vergoldete Wein-
fanne mit einer Schaumünze auf
dem Dedel. Unter ihrem Fuß:
M. M. 1714.
Ein runder filberner Oblaten-
behälter mit Wappen: F. V.N. 0. 1665.
Ein Kleiner verfilberter Kruzis
firus (ohne Kreuz), XVI. Sp.
Auf der [. Empore hängt ein
vorreformatorischer Kruzifirus mit
den vier Evangelifteniymbolen.
Eine in jchwarzen Sammet ge=
bundene, mit filbernen Engelsföpfen 77
und zwei Wappen verzierte Agende:
F. V. N. (Netteldorft) E. V. E. 1670.
Die Kanzel: Hic suggestus per
Dei gratiam exstructus est temp.
past. Johann Lemken anno 1702 et
deauratus 1704. Mofes ihre Träger.
Swilchen gewundenen forinthischen
aysgann;
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1
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Säulen jtehen bemalt in fehlechter Be Grundriss Ser Ostgiebele. _
Holzjchnigerei die vier Evangeliften,
der Heiland ur. j. w. Abb, 64. Einzelheiten der Kivche zu Powmumden,
Drgel 1882 von Terlegfi.
Empore im Langhaus l. Anno 1599 27 IVLIH. Empore im Chore 1.
Anno 1610 Paul Horch.
Ein jchöner meffingner Kronleuchter mit dem Doppeladler, XVII. Ih.
In der Sakriftei ein Kaften mit hübfchem gotischen Beichlage; desgleichen an
der Safrifteithiir ein gotijcher Klopfring.
Im vierten Ioche [. hängt oben ein Olgemälde aus der Schule Anton Möllerg,
das jüngite Gericht darjtellend; XVIL Ih.
8
114 Pormwunden. — Duednau.
Der alte Siegelitempel mit dem Bilde der h. Barbara, welchen U. Hagen
erwähnt (MP. P.B. VI 1848), it nicht mehr vorhanden.
Zwei Sloden, beide 1727 von ©. B. Kinder gegoffen.
Bor dem Altar liegen Grabfteine derer von Rapp, von Wallenrodt, von Berbandt,
de8 Pfarrer Holzeiger + 1662. An dem Pfeiler im Chor l. von Korff, Etatsminifter,
Befiser von Bledau.
Nachrichten über PB.
Gebauer, Kunde des Samlandes 111 f. — von Mitlverjtedt, Vajallen des Samlandes,
Kammeramt Powunden dv. 3. 1436 in N. P. B. B. 1855 VII 277—278. — Gebauer, Powunden,
Sage aus dem Samlande, in N. P. BP. B. 1843 1313 5. — Lok, K.T. D. 503. — Harnod,
&. u. ©. 1890 245.
nednan, Kirchdorf und adliges Gut, 4 km Lftl. im N. von Königsberg.
1258 Qwedemnove; 1302 Quedenow. — Als DOttofar von Böhmen 1255
ins Samland eindrang, herrfchte Sclodo!) mit feinem Sohne Nalubo als
Neit in Windefaim beim heutigen Nefjelbed, 4 km Lftl. n. von Q. Lebterer flüchtete
vor dem Deutjehen Orden nad) Schaten, ließ fich aber durch feine bereits getauften
Verwandten bewegen, fich taufen zu laffen. Darauf erhielt er Q. vom Dentjchen
Dden als Lehn, nahm die Dominikaner zur Chrijtianifierung jeines Gebietes auf und
baute auf dem nördlichen, dicht bei Q. belegenen Apollo» (Picollo-?) Berge eine
hölzerne (?) Kirche. Die Treue der Quednauer gegen den Orden wird gerühmt. —
Im Caymenjchen Bauernkriege 1525 wurde auch Q. in Mitleivenjchaft gezogen.
Die Aufftändifchen lagerten in dem großen Eichemvalde zwijchen DQ. und Trutenau. —
Im Jahre 1807 ift das ganze Kirchipiel Quednau durch die Franzofen furchtbar
ausgejogen und verwiitet.
BVorgefhichtliche Altertiimer im Kpl. Q.
Auf dem Apolloberge haben fich Urnen, Waffen und namentlich viel Berntein
gefunden. — Stantau (Mühle), 6 km Lftl. n. von Q. P. M. 8. IT 410.
Die bijchöfliche Burg des Domkapitels zu Q. ift gänzlich verfchwunden und jelbjt
ihre Stelle nicht mehr nachzuweifen. Sie war noch im Jahre 1427 vorhanden, und
der empörte bifchöfliche Vajall Andreas Wogedde nahm fie nebjt Trutenau (10 km
im N. von Königsberg) ein. Im Frieden zu Thorn 1466 fommt fie nicht mehr vor.
PB. BB. Bd. VII 395.
Die alte Pfarrkirche von Q. war 25 m lang und 12,5 m breit. Sie war
dem Apojtel Jakobus dem Älteren geweiht und neben Juditten, St. Albrecht zu
Tenkitten und Arnau zur Wallfaprtsticche für Fijcher und Seefahrer bejtimmt. 1320
wird ein Pfarrer Hermanmıs zu Q. genannt. Im Jahre 1507 wurde fie abgebrochen
und die gegenwärtige Pfarrfirde am S. Fuße des Berges vom Hm. Friedrich von
Sachjen dafiir erbaut. — Im Jahre 16891699 wurde der große Schaden, den der
Stumm 1687 angerichtet, befeitigt. 1818 wurde beim Windbruch das Dach der Kirche
') Erweisliche Nachtonmen Sclodos find die Herren von Perbandt auf Langendorf, Kr. Wehlau.
Quednau. 115
jehr bejchädigt; die verfaulten Balken drückten das Sterngewölbe ein, jo dar die Kirche
1825 polizeilich gefehloffen und von da bis 1830 wieder ausgebaut wurde. 1853 wurde
der dom Blit zerftörte Tuem aufgebaut. 18701880 wurde die ganze Kirche wieder-
hergejtellt. Sie ift ev, Patron ift der König.
Huperes: Die Kirche ift 23,5 m L., 10,4 m br, aus ungefprengten Felditeinen,
der Giebel im D. von Ziegeln. Turm in der Ningmanerhöhe ebenfalls von Feldfteinen,
darüber Ziegel. Sakriftei und Worhalle von Feldfteinen. Turm mit zwei, N. Seite
mit einem, ©. Seite mit vier Strebepfeilern. Uxjprünglich fechs Ipisbogige Feniter.
Turmdach von Schiefer, Kixchendach von Biberfchwänzen. Sakriftei und Vorhalle mit
Dachpfannen. Die alte fpißbogige Eichenthür mit der befannten rantenförmigen
Verzierung ift jebt als Doppelthiir im Turm.
Inneres: Der Turm follte in feinem Untergejchoß ein SKreuzgewölbe erhalten,
8 ijt aber niemals ausgeführt, vielmehr ftehen die vier Spitbogenblenden ohne Gewölbe
da. 2. führt eine granitne Wendeltreppe zum zweiten Gejchoß des Turms. — Das
Langhaus befteht aus drei Bochen mit niedrigejpißbogigen jchönen Sterngewölben,
deren mitteljtes jechszehnteilig ijt. Die bivnftabförmigen Rippen find mit Schluffteinen
verjehen [in der mitteljten Längsrippe fünf Nofetten aus Afanthusblättern] und jegen
auf niedrig fißenden Konfolen auf. Die Sakriftei ift mit flach-jpisbogigem Tonnen-
gewölbe, die Eingangshalle mit achtteiligem Sterngewölbe verjehen. In ihr in der
Eingangswand nach D. eine Nifche zum Aufftellen des Weihwaflers. Thiren und
Fenfter find jümtlic) im Spigbogen gejchlojfen. Die ganze Kirche ift im Inneren
geweißt.
Der Altar ift aus der alten Kirche in die gegenwärtige hinübergenommen. Er
hatte urfprünglich eine Schreinform mit je zwei beweglichen Flügeln. Im mittleren
Zeile jteht Iakobus der Ältere mit der Mufchel. Im den beiden oberen Seitenfeldern
ftehen unter Baldachinen Mofes und Aaron. Unter ihnen je drei Heiligenfiguren.
Daneben find feit 1877 Petrus und Johannes nach Peter Fischer aufgeftellt. Schöne
Ipätgotifche Goldornamente find Hinter den Figuren in den Kreidegrumd gedrückt. In
den beiden Seitenflügeln Olgemälde deutjcher Schule des XVI. Sahrhunderts, die Leiden
Chrifti umd die Leidensgefchichte des h. Iakobus darftellend.
Über dem Jpätgotijchen Altarjchrein ein bavocder Auffag aus dem Anfange des
XVH. 36. 1807 wurde der Altaraufjaß nach Kalthof in das franzöfiiche Lager
gejchleppt, 1814 wieder aufgerichtet. 1877 nach Prof. Heydeds Angaben von Kumnjts
tijchler Nadtke reftauriert. Die Predella, auf welcher vier Heilige in Holzmalerei (Nochus,
Erasmus u. j. w.) zu fehen waren, ift durch Holz verkleidet.
wei meffingne Leuchter, 35 em h., mit eingeftanzten Blumen und gepunzten
Nanken. Zwei zinnerne Altarleuchter aus dem Jahre 1842,
Ein Kelch nebit Patene von Mefjing. Ein Kelch nebjt Batene von Silber 1840.
Ein Eleiner Kelch (nebjt 2 Patenen): zum Andenfen an von Schenfendorf 1804, den
Vater des Dichters.
Eine Weinkanne aus Meffing, eine aus Silber mit dem Kruzifieus auf der
Vorderfeite, eine DOblatendoje, Silber, 1840.
Die unfchöne Kanzel mit den Evangeliften und einer Eingangsthiir, welche
in Holzjchnigerei den Exlöjer darftellt, joll von Sohann Chriftoph Dübel, Bild-
hauer und Baumeifter, 1687 hergeitellt fein. Michael Döbel, fein Vater, arbeitete
in Königsberg im Dome am Kospothichen Denkmal, ferner in PVBerlin an der
8*
116 Duednau, — Noflitten.
Parochialticche und am alten Dom; F 1713 bei der Ausführung des Altares der
Nikolaitirche in Berlin.
Der alte, aus einem Granitblode gearbeitete achtedige felchförmige Taufjtein
(iegt jeßt vor der Eingangshalle; vor dem Turme liegt ein Kleineres ebenfo gejtaltetes
Weihtwafferbeden. Das Baptifterium ift 1875 weggebrochen. Die Taufjchüjjel
it von Meffing, Nürnberger oder Augsburger Arbeit aus dem XVII. Ih., eine Jagdjcene
mit Nenaiffanceornament, innen Adam und Eva mit der Schlange.
Die Orgel ift 1856 von Scherweit in Königsberg gebaut. Die alte wurde nac)
Hermsdorf verkauft. Die Orgelempore 1610 erbaut.
Ein jehöner gläferner Kronleuchter, XVII. Ih.
Chorjtühle zu beiden Seiten des Altavs umd in der Vorhalle, aus Eichen-
holz jchön gejchnigt, mit jpätgotifchem Weinranfenwerk, dem Labarım u. |. w. An
dem Chorjtuhl auf der N. Seite hängt ein Handtuchhalter in Schnigarbeit vom
Dahre 1614.
Gemälde, zwei ehemalige Altarflügel, |. o. Bilder des Pfarrers Gabriel
von Becker, 17.. gemalt, und des Pfarrers Banmert, 7 1812.
Nachrichten über D.
Fifcher, Ehronit der Kirche und Kirchengemeinde D. von 1254—1882. Kbg. 1882. — Gebauer,
Kunde des Samlandes 99 f. 112. — Storbed, Templum Quednaviense reparatum. 1689. Danzig.
u der dv. Wallenvodtichen Bibliothek zu Königsberg F. 92. — Hennig, Quednau, Mic. im Geh. Archiv. —
Mecdelburg, Beiträge zuc Gedichte der Kirche in Quednau in N. P. PB. DB. 1853 IT 1 fi —
von Milverftedt, Vajallen-Negijter de8 Samlandes, Duednau. N. PB. BP. DB. 1855 VII 288 f. —
Log, 8. T. D. 506. — Harnod, ©. u. ©. 1890 16 .
In Trutenau, 6 km Lftl. n. von Q., fteht das ftattliche Haus, wo einjt der
Buchhändler Kanter (+ 1787) die erjte Papierfabrit im Samland aus einer Kleinen,
1667 entitandenen Stampfermühle errichtete, die fich durch gutes Papier, vor allem
aber durch Preßjpähne auszeichnete, deren Geheimnis Kanter den Engländern nach-
gemacht hatte.
& ojjitten, bäuerliches und fKölmifches Dorf auf der Fnrifchen Nehrung,
74 km £ftl. n.d. von Fiichhaufen, auf einer diluvialen Injel neben dem
Alluvinm der Nehrung.
Vorgefchichtliche Altertimer im Kipl N.
Kunzen, verfandetes Dorf, 6 km Lftl. j.w. von R. PM. ". 11309. Kurijche
Nehrung zwilchen Sarkau und RN. P.M. 8.1332, Noffitten, P. M. 8.120. 28.
Das Prov. M. befißt einige Grabfunde Stangenwalde (Lattenwalde), verjandetes
Dorf, 10 km Litl. f.w. P. M. 8.160. Das Prod. M. tft reih an Funden aus ©.
Schiefferdeder, Der Begräbnispfaß bei S, ©.d.p. 0. ®. 1871 mit Lithogr. Derjelbe ©.d. p. 0. ©. 1873.
Die gegen Ende des XI. IH. zum Schuße gegen die Szamaiten gebaute
Ordensburg Gieje, 3. WR. liegt im Haffe. Die mächtigen Felsblöce, die im Haffe
liegen, jeheinen aber nicht von ihr, jondern von der Windenburger Ed herzurühren.
Die Vorburg ift durch eine moderne Futtermaner gegen die Brandung gejchügt. Auf
Noffitten, — NRudau, 117
ihr liegt jeßt die Sturmfignalftation mit dem Leuchtfeuer. Die Burg N. diente als
Kammeramt. Schon Hennenberger (1595) berichtet, daß; fie zerftört fei.
Die Pfarrfirhe lag urjprünglich im Dorfe Kunzen, von wo der Pfarrer alle drei
Wochen in N, Nidden und Carwaiten Kr. Memel (NHeja’s Geburtsort 1776—1840)
predigte. Kunzen verfandete im vorigen Jahrhundert und wird gegemwärtig wieder
aufgedeckt. Die Düne, welche e3 verjchüttete, wandert nach Dften weiter. Die während
der Berfandung abgebrochene Kirche liegt wieder frei. Sie war aus Ziegen erbaut.
Die jeßige ev. Pfarrkirche von R. ift 1873 eingeweiht. Bis dahin diente ein
Saal im Pfarrhaufe zur Gottesverehrung. Patron ift der König. Sie ift in Ziegel:
tohban in romanischen Formen gehalten — was hier in das Ordensland Preußen
eigentlich nicht vecht hinpaßt. — Das Projekt von Bauinjpektor Tijchler, vevid. von
Stüler 1863.
Eine mejfingne Taufjchüfjel mit dem englifchen Gruß, finnlofen gotischen
Minusteln und gejtanzten umd gepunzten Ornamenten darum. Arbeit aus dem
XV. 3.
Ein gutes Olgemälde, den Gefreuzigten daritellend, aus der Tragheimer Kirche
in Königsberg ftammend.
Alte zinnerne elche, aus der Slirche zu Kunzen jtammend, Anfang diefes Jahr-
hundert3 renoviert.
Nogge, Michael Burdhardt, dev Nehrungspfarrer, in U. M. 1885 450—462. — Pajfarge,
Aus baltifchen Landen. Gotha 1878. — E.F.U. Hoffmann, Das Majorat (von Rofjitten). — Berendt,
Reife Über die Furifche Nehrung in U. M. 1867. 201 ff. — Zeichnungen der Kirche in der Kreisbauinjpeftion
Sichhaufen. — Bezzenberger, Die furifhe Nehrung und ihre Bewohner. Stuttgart 1889. 183 f. —
Harnod, E. ı. ©. 1890 246.
Nudar, Kivchdorf und adliges Vorwerk, Audar 1258, 33 km Lftl. n. d.
von Fijchhaufen.
Borgejhichtlihe Altertümer im Kipt. N.
Dammmwalde, 7 km Lftl. j. von R. ©... P. 1885/86. 4. 1888/89 125 m. Tafeln.
Dollfeim, 5 km Lftl, n.w. von R. Das bedeutendite Gräberfeld im Samland.
Die Fumde davon, von der mittleren Eifenzeit bis in die chriftliche Zeit hin, find im
Prov. M. ausgeftellt und deren einzelne Perioden durch verjchiedene Farben kenntlich
gemacht, jo dag man eine überaus reiche Anjchauung davon gewinnt. Das Pruffia-
Mujeum befist auch Funde aus D., die indejjen nicht jo bedeutend find. P.M.R.U
201. 205. 309. Tifchler, Aufjäge in den ©.d.p.d.®. ibeln, Photograph. Album d. Ausitelt.
prähiiter. und anthrop. Funde Deutjchlands. Berlin 1880 I Tl. 7 Nr. 315—65. 8 Nr. 366 ff.
Efritten, 4 km Lftl, j.w. Eine viertel Stunde von E. liegt ein vortrefflich erhaltener
„Hünenberg“, Gieje, 3.W.P. EC. Stein jagt im XVO. 3h.: Prope pagum Ekriten,
ad lacum Kimtauschenteich, mons Heinenberg, hodie Hinenberg dietus, ob veterum
Prutenorum sacrificia et munimenta clarus. A. B. III 208 }. W.M. 1872 59%, SM.
P. 1888/89 127 ff. Reufc, Sagen d. preuf. Samlandes? 70 F. P.M. 8. IT 203. 422. Plut-
winnen, 5 km Lftl. j.w. PM. 8.171309. Nudau, P. M. 8.171365. Einige Funde
aus dem Kirchenberge im Prov. M. Sergitten, 4 km Lftl. w. P. M. N. II 206. 420.
Weifchkitten, 8 km Lftl. n.n.w. PB. M. 8. II 332,
118 Rudan,
N. war jchon eine Burg der PBruzzen. Im Jahre 1255 nahm fie Ottofar von
Böhmen ein umd das Gefchlecht der Sypaine floh aus dem Gebiete von R., deren
Befisungen Ibute aus Laptau erhielt. Der D. jehenkte ihm dazu Kewthe (Kiauten).
Die Ordensburg N. wide nach Luc. David als Kammeramt ungefähr um
1270 gebaut. Sie ift gänzlich zerftört, nur der fie umgebende Graben und Bruch-
jtücde dev Mauer find noch einigermaßen fenntlich. Auf der Vorburg ift das Pfarr
haus erbaut. Die dahinter nach N. zu liegende Anhöhe R war die heidnijche Burg.
Die Abb. 65 nach Gieje, Z.WRP. N. Linie faljch.
Sm Jahre 1370 fand auf dem Felde zwifchen Tranfjau und Miülfen bei R. die
berühmt gewordene Schlacht bei N. ftatt. Die Brüder Dlgierd und SKinftutte
(Keijtuti) waren an der Spibe der Litauer über Nagnit bis ins Samland vorgedrungen
und hatten jich bei Rudan gefammelt. Gegen fie zug aus der Gegend um Billau
Mbb, 65. Grundeiß der Burg zu Rudan,
ein Dvdensheer unter dem Marjchall Henning (Iohann, nicht Heinrich) Schindekopf,
der jie aufs Haupt jchlug, (— 11000 Samaiten, Nuffen und Oberlitauer famen dabei
um —) jelber aber getötet wurde. Ihm zum Andenken jtiftete der Hm. Winrich von
Stiprode die Denkjänle, die im Lauf der Jahrhunderte immer wieder erneut ift.
Nach einer getufchten Federzeichnung von George Petergen, welche jich im Befit
der Pfarre zu RN. befindet, ijt der Kupferjtich im Erleuterten Preußen Bnd. I. 1724
von M. E Hetjch ausgeführt. Die Denkjänle jcheint nach einem Holzjchnitte in
Hennenbergers Erklerung der preuf. Landtt. ©. 403 gezeichnet zu fein.
Auf hohem Unterbau von gejprengten Granitfindlingen, an deren N. Seite ein
Stück der alten Säule angebracht ift, jteht zunächjt eine achtedige Sandfteinfäule mit
Kapitel; darauf ein achteciges Sandjteinkreuz, das in feiner Mitte einen nach X.
jchauenden Adler und an den vier Armen die Lilien aufgemeigelt hat. Vorn in eine
Nudau. 119
Öranitplatte eingemeigelt: Schlacht bei Rudau 1370. Bier farb den Beldentod
Ritter Schindekopf. — RENOV. 1835. — Renoviert 1870.
9. Degen, Die Schlachtjänle bei N. 1370, renoviert den 3. Auguft 1835, mit einer fith. Abb.
Königsberg 1836. — Schlachtjäufe bei Nudau 1370. Nac) dev Natur gezeichnet und fithographiert von
dr. Bils 1855. Sol. lith. Int. zu Berlin,
Über den jagenhaften Hans von Sagan f. P.P. 2. 1831 I 17-38. 1816 T 331-338.
— Lohmeyer, Die Littauerjchlacht bei Nudau im Sanlande 1370, ihre gleichzeitige und jpätere Dar-
jtellung, in Beitjchr. f. Preuß. Gefchichts- und Landeskunde 1870. VIT. Ig. 349 ff. Die vielfachen
anderen Nachrichten übergehen wir, da jie alle in der Schrift von Lohmeyer ausführ:
lich abgehandelt werden.
Die für Henning Schindefopf angeblich errichteten Kapellen in R. und Laptau
Jind nur fagenhaft. Auch das angebliche Amulet des Henning Schindefopf ift nicht
vor dem XV. 3b. entjtanden.
Beiträge z. Kunde Preußens I 388 ff. N.P.P.B. 1848 VI.
Auf dem Schlachtfelde fanden fich unter anderem mit Silber ausgelegte
Steigbügel, von welchen die A. PB. in Vaterländ. Mappe IT 105 eime gute Hand-
zeichnung befißt.
Der Nudaufche Adel bejtand zu Anfange des XVI Ih. mur noch aus den
Samilien von Zincen, dv. Hundertmard, von Sergitten, v. Wayfjel und v. Delffen.
Die jebt ed. Pfarrfirche, königl. Patronats, fteht nicht, wie Gebauer, Stunde
des Samlandes, angiebt, auf dem nördlichen Flügel der Burg, jondern nur in dejjen
Nähe. Ein Pfarrer von R., Nikolaus, unterzeichnet 1321 eine bifchöfliche Urkunde.
Eine andere Urkunde von 1339 erwähnt eines Gutes in Laptau, welches vor Zeiten
zur Dotation der Pfarrkicche zu N. gehört habe. Die Kicche jtammt demnach aus
den erjten 20 Jahren des XIV. 3. Im Jahre 1354 wird fie als chen bejtehend
genannt. Lindenblatt, Jahrbücher 43. Am 17. Ianıar 1818 ftürzte fie durch einen
Drkan ein und wurde 1820 wieder auf den alten Mauern aufgebaut. Dabei wınden
tiefe Kellerräume von der Burg aufgefunden, aber wieder überjchüttet.
Gebauer, Die Kiche zu N. in V.P.P.B. 1853 II 305 j.
Der 1820 nen errichtete dreigefchoffige Turm hat eine Grundfläche von 5,1 m
im Quadrat. Langhaus und Chor haben bei 1,5 m jtarfen Wänden 35,15 m im
Lichten bei 11,14 m Breite. Die Wejtwand des Langhaufes und jämtliche pigbogige
Fenfter ftammen von 1820. Im N. fteht noch die alte Vorhalle mit einem durch
vier rumdftabgefcehmückte Pfeilerchen gezierten Giebel. Auch der Turm hat feinen Ein-
gang von N. Im N.DO. ist die Sakrijter angebaut.
Das Innere der Kirche ift durch die Erneuerung 1820 ziemlich nüchtern, nur
die Vorhalle Hat noch zwei alte Streuzgewölbe hinter einander, die runde Schlußjteine
haben umd deren birnjtabförmige Nippen auf Konjolen aufjegen. Die Kirche hat eine
vergipfte Holzdede. Im der D. Wand ihres Chores, wie in Neuendorf, eine jchmale,
Ich Hohe Nijche,
Der hölzerne gotische Altaraufjag it von einem bei Met 1871 gefallenen
Soldaten gejtiftet. In der Predella des früheren Altares war ein ziemlich gutes
DOlgemälde, das Abendmahl dartellend, darin der Pajtor loci P. W. P. aetatis suae
71 a° 1677 unter einer brennenden Lampe, ein ausgezeichnetes Porträt.
Die Kanzel mit dem Erlöfer, den vier Evangeliften, einem Engel als Kanzel=
träger in jehr mäßiger Holzjchnigerei. Die KanzeltHür neu, gotifierend.
120 Nudaı. — Schafen.
Taufjtein v. im Chor von Granit mit eingemeißelten, faft romanifchen Orna-
menten (Sreife, Schachbrett u. j. w.). Außen, vor der .Vorhalle liegt ein alter Tauf-
jtein (?) und ein Weihwafjerbeden, beide von Granit. — Tauffchüffel von Meffing
mit einem Wappen (j. Mahnsfeld) in der Mitte. Darum fteht fünfmal: got fei
mit uns. Auf dem Nande Hirfche unter Bäumen, von Hunden verfolgt. Alles
getriebene Arbeit. Gepunzte Ornamente. Arbeit des XVII. Ih. — Eine Waifer-
fonne von Zinn: Reinhold Boxık 1785.
Ein Kronleuchter hängt am Triumphbogen mit Wappen von 1635 (v. Dlfie).
Dlgemälde: Langhaus r. Genzjae Boguslaus Bilang + 1725. Am ITeiumph-
bogen [. Gerhardus Großkopf + 1679. Im Chor r. Sigismundus Pülk + 1729,
Über: die Glocke zu NR. Heujch, Sagen aus dem preuß. Samlande I 60.
Vor dem Altar liegt ein Sandfteingrabftein: Margaretha Gauderkerin
Caspar von Plfen Bausfrau 1596. Hinter dem Altar fteht ein Fupferner Sarg
von 1632, Margaretha Tugentreich Fr. zu Ritlig, mit aufgemaltem Goldornamente.
Neben der Kanzel hängt am Triumphbogen r. die angebliche Nüftung des
Henning Schindefopf: In memoriam proelii Rudaviensis anno Christi millesimo
trecentesimo septuagesimo.
Loß, 8.T.D. 528. — Harnod, E. u. ©. 1890 247 f.
chafen, 1333 Schofen (von apr. Schokis, Gras), 24 km Lftl. n.n.d. von
> Sönigsberg, eine halbe Stunde vom kurischen Haff. ©. befteht aus drei Ort:
jchaften, dem königl. Amt ©., dem fölmifchen Dorf Lifchka ©. und Kirchjchafen.
2
Q
III
Vorgejchichtliche Altertiimer im Kipl. ©.
Görfen, 8 km Lftl. f. PB. M. 8.158.115 Miggenburg, 6 km Lftl. f. w.
P.M.R.153. Neuendorf, 7 km Lftl. fd. Pm.R.T.s2. Trömpau, 6 km Lftl.f.
P. M. 8. II 135. 136. 362. „OS. von T. liegt ein umwallter Schloßberg, der mit der
Hälfte eines zweiten Walles umgeben ift. Gieje, 3.U.P. Weffelshöfen, 3 km £ftl, n.
Etwa 1 km davon d. liegt eine „Schanze, die Front gegen Schafen macht." Gieje,3. WU. P.
Das Haus S. wırrde nach Luc. David um 1270 erbaut; e8 war während der
Drdensherrjchaft von einem Pfleger bevohnt. Als die Ordensherrjchaft Fich auflöfte,
wırde ©. zum Kammeramte erhoben, dejfen Hauptmann fich Landvogt von Samland
nannte. Im Iahre 1525 brachte e8 der famländische Aufjtand auf kurze Zeit in die
Gewalt der empörten Bauern. Im XVI. Jahrhundert waren von dem Schafijchen
Adel nur noch die von Thalau und von Merice anfähjig, daneben noch ein drittes
Preugengefchlecht, die von Sallet. Bon deutfchen Familien hatten fich nur die
von Jagenreuth auf Sudniden angefiedelt.
dv. Miülverjtedt, Vajallen-Negiiter des Samlands, Kammeramt Schafen in N. P.B.B. 1855 VII
262— 264.
Die alte Burg wurde 1606 durch eine Feuersbrunft zerftört, während der
Amtshauptmann Dtto von der Gröben mit jeinen der Landesherrjchaft widerjtrebenden
Anhängern fich in Warjchau befand, um bei dem polnifchen Könige als Lehnsherr gegen
den Kurfürjt von Brandenburg Rage zu führen.
Sie ficht jet jehr verunftaltet aus. Wir geben einen Kleinen Grundrif
nach) Gieje (1826—28) Abb. 66, indem wir hierzu bemerken, daß fich weientliche
Schafen, 121
Änderungen nicht zeigen. Nur fehlt die Baulichkeit in der W. Ede, über die jebt die
Kunjtitrage führt. Von der im N. OD. bezeichneten alten Mühle ftcht nur noch tweniges
Gemäuer und der Schornftein. Das Haupthaus zeigt feinen gotijchen Verband mehr,
londern nur DBlodverband; in iHm wohnt der Domänenpächter. Legende Giejes:
„B Burg ©,, deren Haupthaus, jedoch mit veränderter Einteilung, fich noch erhalten
hat. Ferner die Trumaner derjelben m bis zu einer Höhe von 30—40 Fuß von
Felditeinen, und bildet in fich ein Achtzehned. — V. exjte VBorburg. Ein Gebäude s
derjelben, jpäter oben ausgebaut. Ein Stück Mauer (jegt verfchwunden) n nördlich
4—6 Fuß hoch, gleichfalls von Feldjtein. — V‘ zweite Vorburg. Ein Stück Mauer e
von Feldjtein, 8-10 Fuß hoch. — V* dritte Vorburg für augenbliclichen Bedarf,
mit Wall und Graben umgeben. Der Graben g, damals unter Wajfjer, ift jeßt ver
jchüttet.”
SD N ml
som UNS 72 WR
Au. 66. Grimdrik Der Burg zu Sıhaken.
Die jegt ev. Pfarefiche königlichen Patronats. Ein Pfarrer und BBriefter
Thomas von ©. kommt 1320 vor. (Negeit. d. St. Königsberg. Int. 16.) Im Kirchenarchiv
öl ©. (Pag. 22a) ijt ein Vifitationsbejcheid des Bilchofs Mörlin von 1569 enthalten,
dag in ©. noch ein Tolfe (Dolmetjcher) war.
Äußeres: Turm 8 m br, 6,75 m L,, bis Oberkante inopf 28,5 m h. Lang-
haus 22,6 m [., 10,4 m br. Chor mit Triumphbogen 14,5 m [., 6,9 m br, Höhe
bis zur Dachfirit 15,7 m. Chordach bis zur Firjt 13,5 m. Mauerftärfe im Langh.
1,33 m, im Chore 0,95 m. Zwei Anbauten im ©.: die Eingangshalle und die
Sakriftei,
Der Tem, welcher durch Blisichlag bejchädigt war, wurde 1862 in Helmform
mit Schiefer gededt. Wetterfahne von 1796. Im Innern wurde die Kirche 1877
gründlich ausgebejlert.
122 Schafen.
Das Langhaus hat feine Strebepfeiler, Dagegen der Turm zwei umd Der aus
dem Achteck gejchlojjene Chor vier jchöne in Abtreppungen gebaute. Im der ganzen
Slirche Turm bis ang Dach, Langhaus mit Worhalle, Chor nebjit Sakrijtei und
Strebepfeiler — durchweg gotischer Verband. — Die Fenjter im Langhaufe wurden auf
der N. Seite im Jahre 1882 durchgebrochen und auf der ©. Seite verlegt. Spuren
der alten Fenfter auf der ©. Seite find noch fichtbar. Die Kleinen Unterfenjter (Dchjen-
augen) wurden in der Spütrenaifjancezeit angelegt. — Der Chor hat im N. feine
senjter, Dagegen ziwei auf ausgekragten Ziegeln ruhende Doppeljpisbogenblenden. Er
hat neben feinen nen angelegten Fenftern auch eine jpigbogige Nijche in der D. Nittel:
wand. — Der neu gemachte Zumenauffaß der Eingangshalle it gänzlich verfehlt.
Abb, 67. Hltarleuchter in der Rice zu Schaken.
Inneres: Im Erdgejchog des Turmes l. zwei Nundbogen auf einer Sonjole;
v. it die Thür zur backjteinernen Treppe, die rechtwinklig durch zwei Wände des
starken Turmes hindurch bis in das zweite Gejchoß geht, wo noch die Spuren des
ehemaligen Kreuzgewölbes auf birnjtabförmigen Nippen zu jehen find. — Das Lang:
haus hat drei Joche jechszehnteilige Sterngewölbe, welche mit bivnjtabförmigen Rippen
auf niedrig liegenden Konfolen auffigen. Überall Schlufiteine. Durch den jehlanfen
ipisbogigen Trinmphbogen, der nach dem Langhaus zu mit einer bivnjtabförmigen
Nippe und zwei Dreiviertelrumdjtäben eingefaßt ift, gelangt man in den mfprünglich
zweijochigen, jeßt mit einer Holzdede gejchlojjenen Chor.
Schafen. — Schönmwalde. 123
Altar. Die Menja bejteht aus Ziegeln. Der Verband it nicht zu jehen, weil
die Ziegel weiß getüncht find. Altaraufjaß aus dem XVII. Ih. In der Predella das
Abendmahl in Olfarbe. Hauptbild: der Gekreuzigte mit Maria und Johannes in
jchlechter Holzjchnigerei, dahinter die Stadt Ierufalem in Olfarbe. Lamm, Taube,
EhHriftus mit der Weltkugel darüber. An beiden Seiten forinthiiche Säulen, unten
gerade, oben geiwundene, neben welchen die vier Evangeliften jtehen. Schlange am
streuz; Pelikan mit Jungen; Engel — alles in mittelmäßiger Holzichnigere. 2. und r.
vom Altare ift ein Durchgang in veichen, jchön bemalten Barockformen angeordnet.
Ein filb,, ganz vergold. Kelch ohne Jahreszahl in Barodformen mit Engelsföpfen.
Ein filb., ganz vergold. großer Kelch: „Benvid von Balle, Landt-Rath Pberfter
Keitnant“,
Eine ganz vergold. Batene: @. E, v. DB. 1764. (Haufen.)
Eine filb., teihveis vergold. Weinfanne; XVII. Ih.
Ein filb. Oblatenbehälter: 1635 Melder Rappe.
Zwei filb. Altarleuchter in veichem getriebenen Barodjchmud: „Friede. Wil.
von Rappe 1685. Warie Elifabeth v. Howerin.“ Abb. 67.
Kanzel aus dem Achteck gebildet; XVII. Ih. An den Eden jtehen korinthijche
Säulen auf ornamentierten Hohen Sodeln; dazwijchen die vier Evangeliften zwijchen je
zwei Hermen. Sanzeltveppe mit ionijchen PBilaftern in Hermenform. stanzeltreppen-
the mit ionifchen Pilaftern mit ornamentierten Sodeln; darüber eine Kartufche.
Schalldedel reich gejchnißt, mit Löwenköpfen an feinen Eden.
Der alte Taufjtein aus Granit in Kelchform fteht augen an der N. Seite des Chors.
Drgel von Gasparini 1734 erbaut.
Drei Glocden von 1736, 1815 und 1869.
Auf dem Kirchhofe jteht ein Maufoleum, worin der Hofrat und Ober-Sekretär
Nicolovius, Bater des bekannten Buchhändlers N., nebjt feiner Gattin liegt. „Manibus
Nicolovianis sacrum. Sperlings et Sprütlauken 1778.* Beitr. 5. Kumde Breufens II 22 f.
Schönwalde, Kirchdorf, 15 km Lftl. n. ö. von Königsberg.
VBorgefchichtliche Altertimer im Kipl. ©.
Schönwalde Ein „Hünengrab” findet fich hinter der Pfarrjcheune; mehrere
andere liegen 1 km im W. von Schönwaldshof. Blöftau, 5 km Lftl. im N.
PM N.T19. SQ. RP. 1879/80 126 f. Bei Sluggen, 3 km Lftl. von ©., wınde
ein Silberfund gemacht, dejfen Silberbarren umd gewundener jtarker Silberdraht im
Prov. M. liegen.
Die Pfarrfirde ijt fünigl. Patronats. Orumdriß vechtecig, 25,50 m l., 12,50 m
br. im Augenmaf. Sie ftammt aus dem XIV. Ih., ijt aber durch Neftaurationen
vielfach verjtümmelt. Lebte Neftauration 1864, wo ein häßlicher Dachreiter und
vier Eektimchen mit romanifchem Fries noch auf den Turm gejeßt wurden (Zeichnung
vom Schlogbauinjpektor Schulz revidiert, liegt bei den Pfarrakten). Die Ningmanern
aus Feldfteinen mit Ziegelecden errichtet. Die Fenjter find vechtedig gejchlojjen. Der
Turm ftammt aus vorreformatorifcher Zeit in feinen beiden unteren Gejchojjen; das
Erdgefchoi in Felditeinen, darüber Ziegel. In den Turmmwänden liegt die Treppe,
die, in vier Nechtswendungen aus Ziegeln gebaut, auf den Glodenftuhl führt. — In
124 Schönwalde,
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27} o 5 40 dem.
Abb, 68. „Bantorfiuhl® in der Kirche zu Schünwalde,
Schönwalde. — Seligenfeld. 125
das Langhaus führt eine jpisbogige, vechtwinklig abgetreppte Thür. Das Langhaus
beitand urfprünglich aus fünf Iochen, die mutmaßlich mit Sterngewölben gejchlofjen
waren. Ber der Stärke der Feldjteinmauern waren Strebepfeiler nicht nötig. Iebt
ift die Nivche mit einer Bretterdede im Stichbogen mit jchlechten Gemälden gejchlojjen.
Auf der N. Seite im mittelften Ioche eine Eingangshalle jpäter davorgebaut.
Diejelbe beiteht aus Feldfteinen und ift mit einem Streuzgewölbe mit bienjtabförmigen
Nippen überfpannt.
Im D. jchliegt fi) dem Langhaufe die bis 1729 durch ein SKreuzgewölbe
gejchloffene, jeßt mit Bretterdede verjehene Sakrijtei an, die an ihren Ecken durch
zwei diagonal gejtellte Strebepfeiler geftügt wird ımd einen hübjchen Ofen aus grün-
glafierten Kacheln aus dem Anfang des XVII. I. befiht.
Der Altar. Die Menja aus Ziegen in gotischem Berbande. Der Altaraufjab
von 1721 C. D. G. mit jchlechter Holzjehnigerei. Ein einfacher Sakramentsschrein
in der O.Wand auf der Brotjeite Zwei Altarleuchter aus diinnem getriebenen
Silber mit Blumen, XVIM. Ih.
Die Kanzel, jchön in Holz gefchnigt, von 1631. Um das Gejims: Gott und
feiner Rice zu ehre hat diefe Qähel fertigen lalfen Mrfula Dirfhowin Frau
zu Auggen. An den Ecken hermenartige Pfeiler; vier Felder dazwijchen, welche
Bilajter mit einem NRundbogen und Schlußjtein in Holz gejchnigt tragen. Darinnen
die Olbilder der vier Evangeliften.
Granitner Taufftein in Kelchform. Achtedige Taufjchüfjel von Meffing in
tiefigen Abmefjungen: 73 em von Ede zu Ede. Auf dem runden Boden jteht in der
Mitte in getriebener Arbeit eine Frau mit Fächer. Auf dem flachen Rande zu ihren
Seiten T. ein Mann im Koftim des XVI. Ih, r. eine Frau in demjelben Koftim.
Pfauen und Engelköpfe. Darum jchöne Nenaifjanceranfen, teils getrieben, teils gepungt.
Arbeit aus dem Anfange des XVII. Ih.
Das Geftühl in den drei erjten Neihen r. vom QTurme vom Jahre 1585.
Der jog. „Kantorjtuhl“ auf der Orgelempore von 1610 mit hochinterefjantem farbigen
Drnament, Abb. 68, wahrjcheinlich von Melcher Breuer (f. Tievenberg) jelbit gemalt.
Wittih, Mfe. auf dem Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, E. u. ©. 1890 17.
Seligenfeld, Dorf, 6 km Lftl. im ©.D. von Königsberg. Selgenfelde
1395; 1465 wird ein Pfarrer in ©. genannt; in derjelben Urkunde wird vom Hm.
2. von Erlichshaufen das Dorf Seligenuelde dem VBenediktinerinnen-Klofter St. Marien
zu Königsberg verjchrieben, woher noch jebt das Löbenichtiche Hospital Patron der
Kirche zu ©. ift. ©. gehörte aller Wahrjcheinlichkeit nach mit Heiligengeijtesfelde,
jegt Serufalem (5 km Lftl. j. d. von Königsberg), zufanmen.
Die Pfarrfirdhe. Vorreformatorisch find nur die beiden Untergejchoffe des Turmes
(Feldfteinmanerwerf, während alles Übrige aus Ziegeln befteht; Weihwafjerjtein
un Innern an der ©. Seite des Turmes), jowie die beiden im Spitbogen mit Drei-
viertelrundftabprofilen gewölbten Eingänge in den Turm und von da in das Langhaus.
— Das einschiffige Langhaus war im XV. 3h. baufällig und it im Jahre 1693
vom Geh. Kammerrat Kupner (Befiger der in ©. eingepfarrten Güter Aveiden und
Speichersdorf) von Grund auf neu gebaut. Langhaus und die beiden gleichzeitigen
Vorbauten (Sakriftei feit 1845 im N., zu Geräten benußte Vorhalle im ©.) find im
126 Seligenfeld. — Steinbed.
Blockverbande durchgeführt und haben zehn jehr reichlich bemejjene Spitbogenfenfter,
welche wie die Altroggärtner (1651— 83), Neuroßgärtner (1644—47) und Haberbergiche
Kirche (1653—83) ur. j. w. in Königsberg mit den eigentümlichen hohen rechteckigen
Blenden umgeben find. — An dem Turm find im W. vier Strebepfeiler im Jahre
1780 angebracht, wo ein großer Teil der weitlihen Frontmauer fich loslöfte — Im
Dftober 1845 wurde die Kirche von einem Bligftrahl getroffen und brannte bis auf
die Mauern total aus; fie wurde 1852 wieder eingeweiht. Seitdem ift das Innere
der Kirche mit einer getäfelten flachen Holzdedfe verfehen, welche auf hölzernen Pfeilern
ruht. Altar, Kanzel und Tauftifch wirden von einem Königsberger Künftler im goti-
jierenden Gejchmad zu Anfang der fünfziger Jahre ausgeführt und der Altar mit
einem Schönen Iebensgrogen Gemälde des auferftandenen Heilands der Diüfjeldorfer
„Schule, jowie zwei betenden Engeln gejchmückt. Auerdem ift der Altar mit den Kleinen
Statuen der zwölf Apojtel nach Peter Filcher geziert.
An Kelchen ift hervorzuheben ein filb,, ganz vergoldeter aus dem XV. Ih.
nit bavodem Ornament und PButten, jowie ein filb., ganz vergoldeter aus dem Anfange
des XV. 3b. (1614) mit hübjchem Nenaiffanceornament.
Eine jilberne Weinfanne von Peter Schnürlein 1634 mit feinem Wappen.
Eine mejfingne Tauffchale mit St. Georg mit dem Drachen und Weinvanfen
darum in getriebener Arbeit und eingejtanzten Ornamenten aus dem XVII. I.
Eine jilberne Tauffchale mit dem Wappen der Eonftantia Charlotta Kupnerin
und dem jchön eingravierten Bilde von Ehrifti Taufe. XVII. oder Anfang XVII. Ih.
Nachrichten über ©.
N.PB.P.B. 0. VI (1848) 241 ff. 253 ff. — Wittich, Mie. im Landeshaufe zu Königsberg. —
Harnod), E. u. ©. 1890 45 f.
Eine gute Bleiftiftfkizze der noch vor dem Brande von Anderjon gezeichneten Kirche zu ©.
befindet jich in der A. P. Vaterländ. Mappe II 67.
Bon Seligenfeld etwas über 2 km im N. liegt das Gut Jernfalem, von den
Ddensrittern jo genannt. „Da die Drdensritter das heilige Grab wieder zu erobern
nicht im Stande waren, jo wollten fie ihr Gelübde wenigftens dem Wortlaut nach
erfüllen und hatten in der Nähe einiger Ordensschlöffer je eine Schanze, die Jerufalem
hieß. An einem bejtimmten Tage bejegten die Knechte den inneren Raum derjelben.
Die Wälle derfelben wurden von den Drdensrittern, welche die Gräben durchbrachen,
gejtiiemt, die nechte herausgejchlagen und Ierufalem war eingenommen.” Exfeutertes
Preußen 1721 (1724). Die Schanze liegt dicht am Bregel, ift annähernd Halbkveisförmig
und es befindet jich jegt darauf ein Feiner Friedhof für das daneben liegende Gut.
Auch bei Wolka, Kreis Naftenburg, lag ein Ierufalem. Bujad, S.d. U. P. 1885—86 121 f.
Ein Jerufalem lag gleichfalls bei Riefenburg, dem Dansfer gegenüber. Bieje. Eine
Schanze Ierufalem bei Moßyfen, Kreis Fischhaufen.
Steinbed, adl. Dorf, 12 km Lftl. D. ©. OD. von Königsberg, auf dem I.
Ufer des Pregels an einem Kleinen Bache gelegen, in einer an Steinen fehr veichen
Gegend. E3 zieht fich ein Gürtel evratifcher Blöde von hier aus über den Pregel
hinweg und auf dejjen anderem Ufer bis tief ins Samland hinein, über Pr. Yrnau,
wie über Lauth, Tropitten, Kleinheide ı. j. w. bis nach Cranz.
Steinbei. 127
Vorgefhichtlicde Altertiimer im Kipl. St.
Steinbedellen, 3km Litl. n. von St. Den dajelbjt liegenden „Schloßberg“
hat Giefe gezeichnet. Gieje, 3. U. P.
Gründung des Orts wie dev Pfarrfirche dajelbit find unbekannt. Im Jahre
1466 wird Steinbect (nebft Dttenhagen, Craufjen und Neuendorf) der Altftadt Königsberg
als Belohnung fir ihre Treue und Hülfeleiftung während des dreizcehnjährigen Bundes-
friegs verliehen. Won diefer Belchnung her dativt fich das Patronatsrecht, das der
Königsberger Magiftrat über die Sirche zu ©. ausübt. Sie gehörte zum Erzpriefter-
tum Creuzburg. Zu Anfang des XVI Ih. und noch in vorreformatorischer Zeit ift
diefe Kirche mit der zu Löwenhagen vereinigt gewejen. Seit 1568 ift ©. mit Neuen-
dorf vereint.
Die Pfarrkirche ift jest ganz einfach, ein Langhaus (von zwei Quadraten)
von 20,6 m 2. bei 10,3 m Br. im Lichten, dem ein Turm im WW. vorgelegt ijt. Im
Sahre 1818 hatte fie von dem bekannten Orkan jehr gelitten, ihre Feldfteinmanern
wurden deshalb ungefähr 60 em mit Ziegeln erhöht, das jteile Satteldach flacher
gelegt und der dich den Wind zertrümmerte hölzerne Oberbau des Turmes wurde
im Jahre 1822 neu majjiv Hergeftellt. Hölzerne im Stichhogen gewölbte Verjchalung
der Decke im Langhaufe. Der ehemalige Chor marfirt fich noch durch eine quer in
die Kirche gelegte Diele. Die Fenfter find modern. Die Eingangsthüren im ©. und
WB. find noch im Spigbogen gejchlojjen. Die innere W. Thür zeigt den Berfchluß
ducch einen jtarfen Balken.
Hinter dem Altar in der D. Wand auf der Brotfeite ein Saframentshäuschen
mit jchmiedeeifernem Bejchlage; auch auf der Kelchjeite eine Nifche.
Der Altar ımd die darüber befindliche Kanzel mit jehönem Barodornament
und hübjchen Engeln, aber jehlecht gejchnigten und gemalten Figuwen; Anfang des
XVII. 30.
Altarleuchter von Zinn mit dem Labarım.
Eine filb., vergoldete Batene mit Weihelrenz: Haec sint Christe tuis ita vasa
dieata epulis | Ut tibi dignum cor Hospitis ipse pares. Christ. Wilh. Qvandt past.
Steinbeee Anno 1693.
Eine jilberne, oben vergoldete Patene, hinten darauf: Elifabeth von Polenp,
aeb, Cyemin - Pieteich von Leskewang - Anna Qatharin. geb. Polenzin, mit
zwei Wappen.
Eine Weinkfanne mit achtzehn eingelegten Münzen (ehemaliger Humpen) vom
Dux Pruss. Alber. D. G. Mar. Bran. und vom Rex Po. MDL u. j. w. Auf dem
Rande unten: A. L. V. W. ud M.L V.K.
Eine jilberne ornamentierte Oblatendofe von 1670: A. R. K. V. H. und
Bock VCH;
2. vom Altar steht der alte granitne Taufjtein auf modernem Holz-
unterbau.
Drgel neu, von Terlegki aus Königsberg gebaut. ,
Beichtftuhl von 1818 mit einem jchönen Dlgemälde, den Sruzifixus
darjtellend.
Im Chor find auf beiden Seiten die erjten längswändigen Stuhlveihen
noch gotijch.
128 Steinbei.
Auf der Orgelempore r. bei dem Treppenaufgang hat man altes Holz ver-
wendet, welches eine Imitation des Tievenberger Malers trägt, Nelken in einem auf
Pilaftern stehenden Halbkreisbogen. In einem folchen Ornamente fteht in lateinischen
Majusfeln: BLASIE OLROCK. (f. Tierenberg).
Die große Glode: „Anno domini millesimo quingentesimo primo. O rex
glorie veni cum pace* mit gotifchen Minusfeln.
Auf der mittleren Glocde: O rex glorie veni cum pace. O sancte Johannes
ora pro nobis.
Auf der Kleinen Gloce oben: ad majorem Dei gloriam; unten: Me fundebat
Georgius Bernhardus Kinder Regio monti anno 1726.
Wittich, Mie. im Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod), E. u. ©. 1890. 46.
Nenendorf, adl. Vorwerk und Dorf, 6 km Lftl. füdsftl. von Königsberg,
am l. Ufer des Pregel in anmutiger Gegend.
Seine Pfarrfirche (Patronat: der Magistrat zu Königsberg) war zuerit Haupt-
firche, Steinbed die Tochterficche. Nach der Neformation 1525 wurde, weil die
Widdem baufällig war, Steinbek Hauptlicche. Die Kirche jtammt aus der D.3. Ihr
mit Schiefer gededter Turm, mit hübjcher Wetterfahne von 1819 und Knopf, ift jehr
jchlanf und hat auf feiner W. Seite einen Fries von zwei Stromjchichten, die drei Ziegel-
reihen einfajjen. Unter dem Turm ein jpihbogiger Durchgang von ©. nach N.
Langhaus mit jpißbogigen Fenitern. Chor rechtedig gejchloffen mit zwei Fenstern im
©., während an der N. Seite nur Nifchen find. Im Innern hatte das Langhaus
urjprünglich drei, der Chor zwei Ioche, die durch einen jpißbogigen ITriumphbogen
gejchieden werden. SJebt ijt die Dede von Holz im Stichbogen. Im Chor r. eine
£leine, jeher hohe rundbogig gejchloffene, nur 42 cm breite Nifche mit zwei Thürangeln
und einer Schliegframpe. Sie joll den Eingang zu einem unteriwdifchen Gange bilden,
der zu einem ehemaligen Klojter führte, als welches die dortige Waffermühle, ein
altes Gebäude, gilt. Neben diefer Mühle wurde beim Umrayolen des Gartens ein
alter Begräbnisplag gefunden. — Sakriftei im N. an das Chor angebaut mit zwei
Kreuzgewölben ohne Rippen.
Der Altar ift ganz von Holz mit Kanzel darüber. Seine Verzierung ift aus
gotifcher und Barodzeit zufammengefeßt. Gotifch ift der Chriftus über der Krönung
de3 Altares, cbenfjo Maria mit dem Kinde zwifchen je zwei gotifchen Fialen. Die
übrigen, jchlecht aus Holz gefchnisten, farbigen Figuren (Chriftus als Kind im Tempel
(eprend, Befchneidung, Taufe, Anbetung der Weifen u. j. w., Mofes und Johannes)
gehören der Barodzeit an. Über dem Altar fteht in einer Freisrunden blauen Holz-
jcheibe: Benvich Göbel Pogdt Ho 1634 mit feinem Wappen. (U. M. XIX, 1882 202),
vermutlich der Stifter des Altars.
Ein jilberner, ganz vergoldeter Kelch aus vorreformatorifcher Zeit mit Kleiner
Gupa, jchlanfem Schaft mit ovalem Knauf und jechsteiligem Fuß mit Sruzifir.
Über dem Knauf in gotifchen Minusteln: Ahefus; unter ihm: Maria mit einem
Schlupzeichen.
Eine filb., vergoldete Batene mit Weihekreuz.
Ein jilb., innen vergoldeter Kelch; unter dem Fuße: Georg Tekel 1685.
Eine filb., oben vergoldete Patene: Georg Tehel. V: Z- ND: Anno 1685.
Eine filb. runde Oblatendoje: SH 1714 N.
Steinbed. — Tentitten. 129
Eine filb,, oben und unten vergoldete Weinfkanne: George Pilmer Bürger-
meilter Az 1714. (©. Ditmer war Bürgermeifter der Altftadt Königsberg.)
Ein Altarfruzifir aus Holz; XVII. Ih.
wei zinnerne Altarleuchter: I. @. Glaubik 1819,
N. vom Triumphbogen fteht der alte granitne Taufjtein in Kelchform.
Taufjchale mit getriebenen Ornamenten; XVII. Ih.
Seidne gewirkte Taufdede mit Blumen.
Taufwajferfännchen aus Fayence mit filbernem Deckel: H. P.
Orgel mit Rococoornamenten. Schilder daran: G. B und GR An. 1755,
Beichtjtugl r. hinter dem Altare mit gotifcher Wimperge umd Mafwerk ver-
ziert; oben darauf jet Chriftus als Triumphator in bemalter Holzjchnigeret.
Sotijches Stuhlwerk im Langhaufe r. Das Geftühl im Chor ift nach der
Art des Tierenberger Malers mit zwei Pilaftern und einem Numdbogen mit jtarfen
Uuadern bemalt umd mit der Schablone ein Nenaiffance-Mufter in den Rundbogen
und das Viered darımter gemalt. Die gejamte Malerei ift jet weiß überftrichen,
nur eine Ihr im Chor [. hat fich erhalten.
Ein gutes Ölgemälde aus dem XVII. Sh. im Langhaus r.: Der Kruzifirug
mit beiden Marien und Johannes; Ießterer ficher ein Porträt, vielleicht des Malers.
Große Glode von 1501.
Wittich, Mic. im Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, C. 1. ©. 1890.
enfitten, vormals Enfitten, Pfarrhof und bäuerliches Dorf, 2 km Lftl, w.
von Filchhaufen.
Vorgejchichtfiche Altertümer im ehemaligen Kipl. T.
P. M. 8.137.
sm ©.W. 1 km von T. befand fich die 1422—24 vom Drdensmarjchall
Ludivig von Landfee geftiftete, jpäter zu einem Wallfahrtsorte erhobene St. Adalberts-
Kapelle, welche im Nov. 1669 an einem Sonntage während des Gottesdienftes ein-
ftürzte, Der Pfarrer Heine. VBajolt hatte die drohende Gefahr erkannt und die
Gemeinde ich gerettet. Won diefer Zeit an benugt die Gemeinde T. die Kicche in
Lochftedt. Die Fundamente diefer Kapelle wurden 1847 vom Bauinjpektor Becker
ausgegraben. Sie war 20,56 m L., 11,77 m br. Bon ihr liegen im PB. M. mehrere
birnftabähnliche Gurtjteine, Fragmente von Ziegeln, Biberjchwänze, quadrate Ziegel,
eine Ziegelplatte mit weißlicher Glafjur, desgl. mit jchiwarzer Glafur, desgl. mit gelber
Slafur u. j. w. Drei gemalte Glasftücde: auf zweien find Ylätter, auf dem dritten
der Teil eines roten Gewandes. Die Farbe ijt beiderfeitig aufgetragen. P. M. Imv.
©. u. Nr. 33, 12—16, 18—23, 26—27; 47, 1 (alte Nummern).
Eine Paufe von Berlers Aufnahme, jowie eine Tufchzeihnung von Fernik befindet fich im 8. K. 8,
Mappe XXI Vaterl. I 34 a, 35.
Der Altar, vom Hochm. Herzog Friedrich von Sachjen 1504 geftiftet, befindet
fich fchön wiederhergeftellt in der Marienburg.
N. PP. 3. V 1848 256-276. — Gieje, 3. UP MP. P. B. Bb. VI 1848 408 f.
423. — Bergau, Königsb. Hartungiche Zig. 1869. No. 221. Beil. 1.
9
130 Tenfitten.
Bon Stiftungen in die Kapelle ift eine eiferne Pfeilfpige zu nennen, die der
DO. Marfchall Erasmus vd. Neigenftein (1488—1499), nachdem er fie 14 Jahre im
Kopfe getragen, an filberner Kette und mit- filbernem Schild verjehen hierher jchenkte.
Seßt im BP. M.
P. M. 8. TI. 46. — U. B. Vaterl. Mappe II, 65. — Hennenberger, Erf. d. Pr. Lanödtt.
1595 19. — N. BP. P. B. Bd. VI 1848 403 j. — N. P. P. B. Bd. 9 1864 406 f.
Die Stelle der bei der Neformation 1523 zu einer St. Albrechtskirche
gemachten Kapelle wurde 1822 durch ein hölzernes Kreuz bezeichnet, das 1834
einem nach des reisbauinjpektors Puppel Zeichnung hergeftellten, 8,78 m h. eifernen
durchbrochenen Plab machte. Auf vier Granitjtufen erhebt es fich mit gotijchem
Mafwerk verziert. Die Infchrift befagt: Bilchoff St. Mdalbert Farb hier den
Maertyrertod 997 Tuer das Licht des Chriltenthums. Wielopolska 1831.
Nückeite: OGiekerey zu Königsberg in Pr. — Die gußeiferne Ranfe mit Wein-
und Eichenblättern ift 1836 vom Schlofjermeifter Bartlau zugefügt worden. Zu der
Aufrichtung des Kreuzes gab die Gräfin Wielopolsta, die fich als politifch Flüchtige
in Fijchhaufen aufhielt, zu der Nanke Graf zu Dohna-Wundladen die Mittel.
Im SIahre 1846 follte ein von Stier entworfener Simultanhallenbau mit
Apfide von Ziegeln ausgeführt werden, in welchem in der Apfis die Statue des
H. Adalbert ftehen jollte. Das Jahr 1848 hat vielleicht Schuld an feiner Nicht-
ausführung.
P. P. Bl. 1834 441—454. — P. P. Bl. 1837 385 f.
Von dem Kreuz aus, von welchem man eine jehöne Ausficht auf Meer und
Haff Hat, zieht fich mach DO. eine aufgefchüttete Hügelveihe, die fogenannte Gardine
(Gertin, Gertaun — Wehrzaun), von ungefähr 2 km 2. bei 9 m Br. nach dem Haff
hin. Sie ift ohne Graben angelegt und jegt mit alten Eichen, prächtigen Linden und
Unterholz bewachfen. Wahrjcheinlich wurde fie zwifchen 1242 und 1250 gejchüttet.
In der livländifchen Neimchronid ©. r. P. 1625 heikt e8:
Dä was ein vil grözer hagen
von den Samen vorgeslagen, 3970
der was gröz unde dicke:
dä enwären nicht kleine ricke,
dä wären boume sö gröz,
daz sit vil manchen verdröz.
Sie wären sö gevellet,
daz ez was gestellet,
sam ez were ein bolewerc.
Ez was ein ungevugez werc,
daz von den Samen was gemacht.
Vinster was ez sö die nacht 3980
und giene von des meres strant
wan in das vrische hab.
Bol. Hennenberger, Exrfl. d. Pr, Landtt. 413.
U. dv. Cohaufen, Alte Verfchanzungen, Burgen und Stadtbefeftigungen in Rheinland und
Preußen, in: Beitjcehr. f. Geichichte und Landeskunde 1866. 613 ff.
Aber vgl. au) EC. Bedhern, das propugnaculum ete. in ©. d. U. PB. 1887 19 Arm. 17,
der die Gardine fir eine Landwehr zwiichen Samland und Witland erffärt. Dies wird durd Panzers
Ausführungen in U. M 1889 259 ff. gegenjtandslos.
Tierenberg. 131
Tierenberg, adl. Gut und Kirchdorf, 15 km Lftl. n.n.ö. von Fifchhaufen.
Tyrberg XIV. Ih. Tyrenberg 1467.
Borgefhichtlihe Altertimer im Kipl. T.
Über eine bei T. 1707 gefundene griechiiche Münze j. die lefenswerte Difjertation
von Bayer, de nummo Rhodio in agro Sambiensi reperto, A. B. IT 266 ff. Norgau, 4 km
LS dT PM 8.57.58 Bei Mlein-Norgaun, 5 km Lftl. |. dv. T, liegt eine
Schanze. Gieje, 3.W 2. Auch) auf der Generaljtabsfarte angegeben. S. ». 4. BP.
1879/80 76. 80.
Die bifchöfliche Burg T. liegt 1 km d. vom Dorfe T. Wahrfcheinlich erhielt
fie ihren Namen von einem der beiden Ordensbeamten mit dem Namen Konrad
von Torberg, die fie zwifchen 1270 und 1274 (?) bauten. Sie wurde Sit eines
bedeutenden bifchöflichen Kammeramtes und bejtand noch 1507, wo aus der Kriegs-
Abb, 69. Grumdrik der Burg zu Tierenberg.
ordnmg des Hm. Friedrich von Sachjen zu entnehmen ift, dag T. im Kalle eines
Krieges nicht zu halten fei. Gegenwärtig umjchließt die Ningmauer den herrjchaftlichen
Garten. Wir geben die Abbildung mit der Legende des Lieutenants Giefe von den
Jahren 1826—28 Abb. 69. Legende: „B. Burg T. Nur noch Spuren von Mauern.
V. VBorburg. Mauer von Feldfteinen 34h. V“ Gleichjam Borburgen, umjchlojjen
von den Wällen w und w.” Die N. Linie hat Giefe nicht richtig gezeichnet. —
Zu Anfange des XVI. Jahrhunderts find die von Niederbach in T. anfällig. Das
Kammeramt ging hier bei ihnen lange Zeit hindurch vom Vater auf den Sohn über,
don Mülverftedt, W. P. P. B. VII 1855.
Die jeht ev. Pfarrfirhe liegt im Dorfe T,, 1 km w. von der Burg, auf einer
janften Anhöhe; fie ift königlichen Patronats. Ein Plebanus von T. fommt 1335 in
einer Urkunde vor. Die Kirche bildet den Übergang von der zweiten zur dritten Sllaffe
der Drdensticchen (©. 15), d. h. fie hat bei innen vortretenden Strebepfeilern auch
außen gleichzeitig vorgelegte Strebepfeiler. Sie war urfprünglich ein gefugter iegelbau,
der leider in den achtziger Jahren unferes Jahrhunderts gelb übertüncht ift.
9*
132 Tierenberg.
Die Kirche befteht aus quadratiichem Turm mit fpäter vorgelegten Strebepfeilern
an der W. Front und Langhaus ohne Chor. Der Turm ift mit einem Satteldache
gedeckt, welches nach D. und W. hin mit überedgeftellten Pfeilerchen gejchmüct ift.
Wie am Turm fich Blenden befinden, jo auch am Langhaufe, teils einfache, teils
gefuppelte, zwifchen den gleichzeitig ausgeführten äußeren Strebepfeilern. Dieje Blenden
waren einft mit gotifchem Mahwerk bemalt, rot auf weißem Untergrunde (vgl. die
Kirchen zu Arnau und Wargen). Yon einigen hat fich eine Zeichnung in der Filch-
haufener Kreisbauinpektion erhalten, die hier wiedergegeben wird. Abb. 70. Die
Malerei in den Blenden und eim darüber befindlicher gemalter Fries foll in den
jechsziger Jahren unfres Jahrhunderts noch zu jehen gewejen jein.
Das Inmere des Langhaufes enthält vier Joche von jchönem zwölfteiligen Stern-
gewölbe mit bienjtabförmigen Rippen, die auf tiefliegenden Konjolen aus Kalkitein
aufligen.
Der Altarjehrein ift fpätgotijch. Er enthält jegt als Mittelbild einen vom
Juftizrat Meier nach Carlo Dolce gemalten Chriftus, welcher die dahinter befindliche,
nicht jchöne, fpätgotijche gefchnigte Maria mit mehreren Engeln verdeckt. Die Flügel
Abb. 70, Bemalung der Blenden an der Rice zu Tierenberg.
enthalten in trefflicher Olmalerei die Gejchichte der Geburt Marik: Joachim
und Ana, Mariens Eltern, umarmen fich unter der goldenen Pforte; die Geburt
Mariens (die Hebeamme jchläft, wie auf dem Dürer’ichen Blatt im „Leben der Maria“
1511— 1515); Nicchgang Marik umd Vermählung Mavid. — Auf der Außenjeite
x. zeigen die Flügel den hH. ChHriftophorus, Andreas, Petrus und Urjula, [. den
bh. Hieronymus, Stephanus, eine Heilige mit Sreuz (Brigitta oder Helena?), einen
Heiligen mit Buch und auf dem Boden liegenden Schwert. — Über dem Altarjchrein
ift in der Mitte das Wappen des vorlegten fatholifchen Bijchofs von Samland, Günther
von Bünau (1505—1518), als des Stifters des Altarjchreines, angebracht. Über dem
Wappen fteht in Holz gefchnigt der h. Adalbert mit Buch und Lanze; neben ihm je
eine Heilige. Alle drei Figuren ftehen unter elegant gejchnigten fpätgotischen Baldachinen,
in blau, rot und gold bemalt, — Der Hintergrund der Flügel golden mit in den Sreide-
geumd gedricften Ornamenten. Die Gewänder dev Heiligen auferordentlich jchön mit
I hwarzen Umrifen auf Goldgrund. Der Altarjchrein ift in Niürnberg in den Jahren
1511— 1518 von einem direkten Schüler Albrecht Dürers gemalt, die Maria in Holz-
Icynigerei aber von einem untergeordneten Künftler Niürnbergs gejchnißt.
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Abb. 71. Bemalung der Ramelthür in der Kirche zu Tierenberg.
133
134 Tierenberg.
Über der j. Eingangsthür ftehen in einer runden Nifche noch andre Altarjchrein-
figuren, die in Holz gefchnißte, leider weil; getünchte Barbara mit dem QTurme und
Maria mit dem Chriftusfinde.
Auf dem Altare jteht ein hölzernev Kruzifirus aus dem Anf. des XVII. Ih.:
mM. Ioh. Engelbeecht Paltor. Sybill Göbelin Uxor 1706. — Im leßten Ioche
r. nach dem Altar zu hängt ein fpätgotifcher Kruzifirus mit den Evangeliften-
jymbolen.
Agende von 1598 mit fchönem Silberbejchlag, Engelköpfe u. f. w.: Barbara
Dlffenhanin Gebohrne DPietterin Anno 1694.
Ein großer filb. Kelch: „Omni per furtum Mense Februario ablata supellectile
S. aedis hie calix cum patella comparatus libera collatione Coetus Thierenberg Mense
Aprilis 1742. deo servante tutus erit.“
Die Kanzel, 1581 durch den Tijchler Melcher Breuer gefertigt, it die
Ihönfte in Samland. Sie ift fünffeitig gearbeitet und nebft dem Schalldedel
mit fein gejchnigten Triglyphen verjehen, zwijchen denen Engelsföpfe gemalt find.
Neiche nachgeahmte Intarfien und Blumentanfen in matten Farben. Oben an
der Nüchvand der Kanzel, unter dem jparfam, aber außerordentlich jchön in diskreten
Farben mit Blumenranfen und vechtedigem Geflecht bemalten Schalldedel jteht
in lateinischen Majusteln: Adrian von Miderbadh. Midjel Schomwaldt Pfarher.
Bartholomens Erkert. Bartholomeus Mühel. Berman Merten Eikerfftein.
Meldher Brever, Tilchler. 1581. Abb. 71. Arbeiten von demjelben Meifter
befinden fich in Schönwalde, Arnau, Fiichhaufen, Brandenburg u. j. w. ©. die Ein-
leitung ©. 16.
Der urfprüngliche Taufftein, felchförmig aus Granit gehauen, liegt jeßt j. der
Kirche auf dem fchönen Bergabhange des Friedhofes im Gebüfch verjtedt.
Drgel von Scherweit 1832.
Bom Geftühl it im Langhaus die dritte Stuhlreihe von D. rechts gotifch;
desgleichen auf der Empore L., gleich an der Treppe. — Am D. Ende [. eine Empore
in Barodformen von 1610. — Nechts Hinter dem Altar ein Gejtühl aus annähernd
gleicher Zeit. Nechts neben dem Altar ein mit gewundenen korinthiichen Säulen
geziertes Geftühl, welche auf jchön, nur etwas zu majfig geichnigten Konfolen ftehen.
Darauf mehrere Apojtel und Heilige.
An der Empore von 1610 find für die Zeit charakteriftiiche Blechitreifen aus
dem Empire aufgehängt, mit Sonne, Hippe, Fadeln, Pyramiden, welche den Tod
verjchiedener Leute melden; von 1807, 1809 und 1816.
Eine Glocde mit der Infchrift in lateinifchen Majusfeln: Ich Binnerik von
SER ük in dat Jar N 7CCCCC 7 und XXI Margaretha 7 nete 7 (die Glode ift
wahrjcheinlich von dem Gejchüßgieger Heinrich van Spichelt 1522 gegojjen).
Von den vier Grabfteinen vor dem Altar ift nur noch einer lesbar: Anno
1650 7 Bans Wokick Kryger vorm Sıhlos.
Nach mündlicher Mitteilung des Heren Pfarrers Kohrt find in den jeßt ge-
jchlojjenen Gewölben viele derer von Auer beerdigt.
Nachrichten über T,, Burg und Kirche,
Gebauer, Kunde des Samlandes 101. 113 f. — A. Hagen, Der Dom zu Königsberg I 153. —
Lo, KT. D. 584. — Harnod, E. u. ©. 1890 78 f.
Wargen. 135
& argen, Kirchdorf, 22 km Lftl. von Fijchhaufen.
Borgefchichtliche Altertiimer im Kipl. W.
Brasniden, 5 km Lt. n. PM. R.171. Greibau, 2 km Lftl. w. Irnen,
Arms und Fingerringe, Armbruftfibeln im Prov. M. Laferfeim, 4 km Lftl. w. PM. s.
1219. Mijchen, Groß-, 8 km Lftl. n.d. P. M. f. 1258.
Gejchichtliche Altertümer im Kipl. W.
Caporn, 9 km Lftl. j.f.w. von W., war zur Ordengzeit ein KNammeramt.
Das „Haus Conowedit” heist nach Meinung der Einen fo von Widitte, dem
Bache, der bei dem Dorf Widitten vorüberflicht. Nach der Anficht des Dr. Kolberg
it Ceranwe S.x.P. 1117. Toeppen, Rreuf. Hiftoriographie 78 im holländischen Text der
Hochmeifterchronit der verdorbene deutjche, Comowedit der preußijche Name für
Zimmerbude, Kpl. Medenau. Näheres hierüber in Zeitihr. j. d. Gejhh. und Altertums-
funde Ermlands VI 73. Danach wäre Zimmerbude die lübische Stadt von 1246. —
Auch gilt der „Schloßberg“, welcher w. von Margen (8 km Lftl. j. von Wargen)
liegt, Gieje, Z.U.P. für Conowedit. Diefer ift eine quadratifche Wallanlage von
ungefähr 90 Schritt Seite. Cornieten, 5 km Lftl. w. |. w. P. M. S. III 48.
Vierbrüderfänle, 7 km Lftl. j.j.w. von W. Seit M. Joh. Jacob Nohde aus
Königsberg im Exleuterten Preußen III 399 ff. 1724 feine Anfichten über die Vierbrüderfäule
niederlegte, ift manches Wort über diefen Fall gejchrieben worden, aber die Akten
darüber find noch nicht gejchloffen. Bald jollte die Säule vier Straßenräubern, bald
vier Brüdern, bald vier edlen Fürjten gejegt jein. Das Wahrjcheinlichite ift folgendes:
Die Kriegszüge gegen die heidnifchen Litauer, welche der D. DO. nach der Unterjochung
von Preußen unternahm und zu welchen die Bewohner des Drdenslandes ihre Mann-
Ihaften hergeben mußten, hatten jeit mehreren Jahren den Umwillen der Preußen
erregt. Ein neues Aufgebot, das 1295 befonders in Samland und Natangen erging,
jteigerte die Erbitterung auf das höchite, und man bejchloß, fich gewaltfam von dem
Boche der Zwingherrfchaft zu befreien. , Der Aufruhr brach aus, wurde jedoch bald
wieder unterdrückt. Während diefer Ereigniffe num zog ein tapferer Parteigänger,
Martin von Golin, der jchon viele Jahre lang dem Orden wichtige Dienfte geleiftet
hatte (Dusburg TIT cap. 151, 152, 193, 194 ed. Hartfnoch), mit feinen vier Waffengefährten
aus der unweit der nachmaligen VBierbrüderjäule gelegenen Burg Conowedit in den
Iudanischen Winkel, die N. W. Ede von Samland, weil feine Bewohner auch an der
Empörung Teil genommen hatten. Mit veicher Beute beladen fehrten fie heim, als
plöglich ein Haufe jener Sudauer ihnen nacheilte und fie mit Ausnahme ihres An-
führers erjchlug. Diejer richtete ihnen an der Stelle, wo fie erjchlagen waren, ein
Ichwarzes Sreuz auf, welches noch zur Zeit Herzog Albrecht3 gejtanden haben oll.
Neben diefem Kreuze joll dann der Landmeijter Meinhard von Querfurt ein einfaches
Denkmal errichtet Haben. Diejes Denkmal bejtand noch im vorigen Jahrhundert aus
einer einfachen Holzfäule, als deren Kapitel Speifen aufgejegt waren und von welcher
vier gebogene Arme ausgingen, auf deren jedem ein behelntes Menjchenhaupt gebildet
136 Wargen.
war. An der jet vorhandenen Säule, deren Kapitell aus vier behelmten Menjchenköpfen
aus Blech befteht, ift ein Dxdensfchild befejtigt, darüber fteht die Legende in Berfen:
Zwölfhunderffünfimdneungig — die Chronik nennt dies Jahr —
Zur Zeit als Proens-Meilter Meinhard von Burrfurf!) war,
Da ruhfen hier im Baine vier Waffenbrüder aus,
Don Sudawn fiegreich kehrend zurück nach bluufgem Sftvauf.
Da war der wark’re Dyvel, der rül®’ge Robenzell
Und Stobemehl und Röder, ein mufhiger Gefell,
Die Treue, die dem Prden fie hatten angelobt,
Mar Thon in Gaw'n voll Aufltand’s im Rampfe oft erprobt,
Sie fahen froh beim Mahle, nah’ Conovedits Schloß,
Da fürzfe aus dem Pichicht hervor der Feinde Troß.
Mit Scwerk und Spiek and Keule reiht nieder er die Pier;
— Und zum Gedenk der Todfen Meht diefe Säule hier.
Nachrichten über die Vierbriderjäule.
Huhn, de celebri statua quatuor fratrum (mit einer Abbildung der Säule) Regiom, 1717. —
Lilienthal, Erleutertes Preußen I 1724 54 f — Rhode, Erleutertes Preußen IIT 399 ff. —
Kowalemwsfi, Erleutertes Preußen V 1741 111 ff. — Bejter, Hit. Wbhandl, v. d. in d. Kapornjchen
Hehde befindl. Vier Briider-Säufe, Nebit einer Nachr. v. Schloffe Connowedit. 1784. mit einer Ab-
bildung der Vierbrüderjäule. Anficht der Vierbrüderj. gez. dv. George Beterken, gejt. vom Danziger
Kupferftecher S. Donnet. Anfang XVII. Sp.
Abb. 72. Penkmal zu Warglitten,
Warglitten, 3 km Lftl. j. w. 1258 Werchelendorf. Inmitten eines ein-
gefriedigten, mit Bujchwerk bewachjenen Plaes, zum adligen Gut gehörig, fteht ein
vom Grafen Heinrich von Lchndorf 1824 errichtetes Denkmal. Abb. 72, Auf
) M. von Querfurt war nicht „Ordeng-Meifter“, jondern nur Zandmeiiter.
Wargen. 137
der Urne fteht: „Requiescant in pace“ Auf den vier Seiten der Bafis: „Den
Urbewohnern dirfes Bains in fieffler Ehrfurcht einer ihrer Enkel 1824 I,
Warkre Samen, zdle Ritter,
Gleiche Adjfung wird euch Heut; —
Gewik, au) ihre bereuef bitfer
Bunmehr den Baf, der eh entzweit. —
Und Ber; an Ber im bellern Lande
Umfihlingen euch des Pater: Bande, —
Graf Heinrich von Lehndorf war es auch, der in dem Preiler Walde auf
dem fog. Schloßberge Holzinfchriften anfertigen fieß, von denen fich wenige noch
erhalten haben (Gajthaus in Preil im Garten), als „Berman von Baha“,
„Simon Parh“ u. f. w.
Seßt jteht bei Preil, weitl. vom See ein Stein mit queiferner Tafel: „S. M.
der DPeutfhe Kaifer Wilhelm mit feinem Sohne, dem Rronprigen R. u. RB.
und feinem Enkel, dem Prinzen Wilhelm KR, B. Tliegen hier zu Pferde und
geruhten einen Steigbügelteunk anzunehmen von Graf Beineih Lehndorf,
General ä la suite Sr. M. des Kailers und Königs. Pen 8, September 1879,“
Abb. 73. Grundeiß der Burg zu Wargen.
Wargen war fehon in heidnifcher Zeit ein verfehanzter Ort. Die Wälle und
Gräben kann man deutlich im Walde verfolgen, der jich zwifchen der Kunftjtraße
nach Preil und dem Wargener Kirchenteiche binzieht und der Schloßberg genannt wird.
Sieje, 3. UP. Auch ift m. von W, am Ende des Sliechenteichs im Walde von
Mednicden eine gut erhaltene Verfchanzung, welche Vic) gegen ©. kehrt. W. kommt
zum erjten Male 1281 urkundlich vor.
Das „Hans W,“ gehörte zu den untergeordneten DOrdensburgen und diente als
Amtshof einem niederen DO. Beamten zum Site. Im Jahre 1507 gehörte e8 zu den
Schlöffern, deren Bewahrung für den Fall eines Srieges mit Polen unnötig gehalten
wurde. Ihr Umfang jcheint indeffen doch ziemlich bedeutend gewefen zu jein. Wir
geben die Skizze nach Giefe Abb. 73. Die beiden Wälle an der zweiten Vorburg V’
find noch deutlich erhalten. Die Giefe'fchen Worte lauten: „B. Burg W. nichts
erhalten. Auf der Stätte fteht jet die Pfarrwohnung. V. Vorburg, wo noch das
Sundament m umd der Graben. Die Kirche ift jpäter in der Vorburg erbaut,
V’ zweite Vorburg nördlich mit zwei Wällen fir den augenbliclichen Bedarf.“
138 Wargen.
Die Burg wurde nach 1270 erbaut. Zu Anfange des KVI Ih. bejtand der
Wargijche Adel aus den Gejchlech-
tern Gaudeder, Meride, Trand-
wis, Eyjak, Wargelitten, Tauben-
heim, Zweiffel, Hirich, Eanit und
Nöpder.
Gebauer, Kunde des Samlandes
102. — W.v. Mitlverjtedt, Bafallen-
Negijter des Samlands vom %. 1436 in
N.B.B.B. 1855 VII 183—195.
Die Kirche it im XIV. I.
erbaut und 1841 gründlich wieder-
hergeitellt. Sie war urjprünglich
ein Ziegelrohbau, ift aber jett
leider gelb getüncht. Ein das
Dach des Langhaujes mit feinen
drei Gejchojfen nicht viel itber-
ragender Turm mit fupferner
Spiße; die untere Hälfte mit
Schiefer gededt; Knopf und
Wetterfahne von 1695. Nenov.
1818 mit einem Adler. Bis Ober-
fante nopf 32,17 m bh. Ein
an den Turm jich anfchliefendes
Langhaus (im Lichten 27,62 m
(.. 9,42 m br.) mit gleichzeitigen
Strebepfeilern und je einem fpiß-
bogigen Fenjter zwifchen je zwei
jpigbogigen Blenden; diefe Blen-
den Waren urjprünglich geweiht
und mit darauf gemaltem Maße
werf verziert. Diejes Mapwerk
jollte in den jechziger Sahren
unferes Jahrhunderts Wicderher-
geitellt werden, ijt aber leider
nicht ausgeführt. — An das Lang
haus jchliegt fich der Chor an,
im 2ichten 13 m [, 6,9 m br,
der aus dem halben Achte ge-
jchloffen it. Ebenfalls gleich-
zeitige Strebepfeiler. Ar dem
Chor it im ©. die Safrijtei
zwilchen drei Strebepfeilern ein-
gebaut. An derjelben Seite am
Langhaufe die jpäter angebaute VBorhalle Der Anbau im N. des Chores ijt erft
nach dem Einbauen der Emporen entitanden.
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Grundriß der Kiche zu Wargen.
74,
Abb,
Wargen. 139
sm Innern geht vom Langhaus aus eine VBadjteinfpindeltreppe in den Turm.
Das Langhaus beftcht aus vier hohen Jochen mit achtteiligen Sterngewölben, die mit
Ipätgotifchen Rippen auf fehr niedrig figenden Heinen Sandfteintonfolen aufjegen. Abb. 76.
Überall, wo die Rippen fich treffen, find treffliche, aus Holz gefehnigte runde Schluf-
fteine eingefügt. 66. 75. Das Wappen des D. D., der geflügelte Markuslöwe, eine
Abb. 75. Sclußlteine der Kirche zu Wargen,
Bärin mit ihren Jungen u. j. w. — Hinter einem fpibbogigen Ihmalen Triumphbogen
beginnt der Chor: zwei Joche, ein Hauptjoch und ein Nebenjoch, die in gleichen
SGewölben auf dreiviertelrumdftabförmigen Dienften mit Kapitel und Konfolen anjeten.
Dann folgt das Gewölbe über dem halben Achte. Der Chor hat noch reicher
geichnigte Schlußfteine. Abb. 75. Aus dem ‚Chor führt j. eine fpigbogige Thür mit
140 Wargen.
darüber gejpanntem Stichbogen in die Sakriftei, einem dreijochigen Kreuzgewölbe, deren
bienjtabförmige Rippen auf Konfölchen in der Mitte auffegen, mit je drei Blättern
(Hopfen und Epheu) als Schlußfteine. In der Sakristei in dem durchbrochenen Strebe-
pfeiler ein jchöner Vorhang aus verblichener Seidenwirkerei. Mittelmäfiger gotijcher
Beichlag an der Safrifteithir.
Altar. Die Menfa aus Ziegen. Der Altarauffag ift ein fehönes Werk von
1672, erneuert 1876. Im der Predella das Abendmahl; Olgemälde. Der Johannes
ijt ein Porträt des Pfr. Glambek + 1674.) Hauptbild in guter Olmalerei: der
Kruzifizus mit den zwei Schächern, Johannes und den drei Marien. Darliber die
Auferjtehung; darüber die Himmelfahrt, beides Olgemälde. Diefe drei Bilder find mit
Ichönen forinthifchen Säulen (die oberen gewunden) eingefaßt, mit den daneben jtehenden
in Holz mäßig gefehnigten Figuren der Liebe und Hoffnung und den vier Evangeliften.
Dazwijchen jchön gefehnigte Fruchtichnüre. Über dem Ganzen der triumphierende
Ehrijtus. Der Altaraufjah, polychrom bemalt, macht einen jchönen, würdigen Eindrud.
Die Altargeräte find neu.
Die jegige Kanzel ift jchon die dritte, 1668 erbaut, und fteht x. am Triumphbogen.
Von der erjten Kanzel ift ihr Träger der hd. Michael, eine der fehönften mittelalter-
Abb, 76, Rippenprofil der Kirche zu Wargen.
lichen Statuen im Samlande, Taf. 4. Die barode Kanzel hat die vier theatralifch
gehaltenen Evangeliften zwijchen mit Masten gefehmickten Eorinthifchen Säulen auf
hohen Pojtamenten. Kanzeltreppe mit jchönen Fruchtchnüren. Schalldecel mit dem
triumphierenden Chriftus; alles in Holz.
Vor der ©. Seite der Kirche liegt der alte granitne Taufftein in Kelchform;
die jilb. Taufmuschel von 1724.
Ein Kronleuchter von Mejjing mit nacdter Mannesgeftalt. Unten daran hängt
die Infchrift: Michel B. P. €. Beik HAımo 1661. Chriftof I. W. Berk Anno
1661. — Ein meifing. Kronleuchter im vierten Joch mit Doppeladler und zu beiden
Seiten eine Kleine Figur mit einem Speer; XVII Ih.
Gemälde: R. im vierten Joche des Langhaufes oben Pfr. Glambed + 1674.
sm Chor im erjten Joch r. oben Pfr. ©. E. Julius Ulmer, gem. von Em. Neide
1884. Pfr. Schepfe 7 1863. Im zweiten Joche r. Pfr. Carolos Nevbeccius
7 1690. Im erjten Zoche L. Pfr. Schwiederomwius F 1781. Im Schrägfeld des
') Seine Disputation „De babtismo* in Coel. Mislentae d. p. in repetitionem Corp. Pruten.
Regiomonti 1624/25.
Wargen. 141
Chores I. ein fchönes Ölgemälde von Joh. Huf mit der Gans; ihm Dr geunDer Martin
Luther mit dem Schwan; beide Bilder wiederhergejtellt 1876. — Im erjten Ioche
des Chores I. hängt eine Fahne aus Kupferblech in der Medenidjchen Empore mit
dem Olbildnis des Generalmajor und Obrifter Chrift. Albrecht v. Kanig + 1711,
mit vielen Wappen. Im erjten Joche des Chores L. ein Epitaph mit zwei Wappen,
darunter das v. Wallenrodtjche.
Unter dem Brasnider Chor ruht der la Bürgermeister" (Oberbürger-
meister) von Königsberg Neindod von Werner 7 1759, ein Vorfahre des Malers
Anton von Werner. Conrad, Geneal. und borenns Notizen iiber die oftpreuf. Familie
von Werner, Marienwerder 1889. — Vor dem W. Eingange ein Grabjtein des Albrecht
von Derfchau, XVII. Ih. — Vor dem ©. Eingange liegen die Grabfteine der Pfr.
Neubeccius F 1690 und Kunter F 1710.
Nachrichten über die Kirche in W.
Gebauer, Kımde de3 Samlands 114. — Lob, K.T.D 613. — Harnod, EC. u. ©. 1890
79 ff. — Eine jchlechte Gefamtanjicht von W. gez. von Naujchke, lith. von Jacobi. Berl, von
Voigt und Fernik, Künigsberg.
WB biffen alle Xefer diefes erften Beftes, uns
freundlüchlt anzugeben, was wir efwa in Samland über-
Vehen haben und was wir im weiten Beft als Barhtvag
bringen könnten.
Ad. Bortticher, Die Kunjtdenkimäler Oftpreußens. Tafel 1.
WETTERLLi
Pohethen Medenau Eilchhaufen
Lihtöruf von Alb, frifh, Berlin,
Ad. Boertticher, Die Kunftdenkmäler Oftpreußens.
Mederau
Beiligenmwalde
Tafel
ID
Ad. Vartticher, Die Kunjtvenimäler Oftpreugens. Tafel 5.
Metgethen, Kororo-Ofen
Lihtörud von Alb. Srifh, Berlin.
Ad,
VBortticher, Die Kunjttenkmäler Oftpreußens,
Wargen, St. MWidjael
Lichtörud von Alb, Frifh, Berlin,
Tafel 4.